Säule 3a für Ehepaare: Wie ihr eure Vorsorge gemeinsam optimiert


Als Ehepaar habt ihr in der Säule 3a einen doppelten Hebel — und eine doppelte Falle. Den Hebel: jeder Partner darf separat einzahlen, das macht CHF 14'516 pro Jahr (2026). Die Falle: alle eure Bezüge im selben Jahr werden zusammengezählt und gemeinsam progressiv besteuert. Wer das ignoriert, verschenkt schnell CHF 10'000-25'000 bei der Auszahlung. Wer plant, holt das Maximum heraus. Dieser Artikel zeigt euch Schritt für Schritt, wie ihr eure 3a als Paar koordiniert — von der Sparphase bis zum letzten Bezug, mit Rechenbeispielen für Doppelverdiener, Teilzeit-Paare und Selbständigen-Konstellationen.
Das Schweizer Steuersystem behandelt Ehepaare als eine wirtschaftliche Einheit. Das hat Konsequenzen in beide Richtungen: ihr profitiert vom Doppel-Abzug während der Einzahlungsphase — aber ihr leidet unter der Additionsregel bei der Auszahlung. Konkret:
| Phase | Single | Ehepaar (beide erwerbstätig) |
|---|---|---|
| Maximaleinzahlung 2026 | CHF 7'258 | CHF 14'516 |
| Steuerersparnis/Jahr (ca.) | CHF 1'500-2'500 | CHF 3'000-5'000 |
| Maximale Staffelungs-Jahre | 5 Jahre | 5 Jahre (synchron) bis 10 Jahre (versetzt) |
| Additionsregel bei Bezug | nur 3a + PK + Freizügigkeit (selber) | 3a + PK + Freizügigkeit BEIDER Partner |
Die Tabelle zeigt das Spannungsfeld: höheres Potenzial, aber auch höhere Komplexität. Ohne Planung verschenkt ihr beides. Mit Planung holt ihr das Doppelte heraus.
Der Kern-Insight: Während ein Single maximal 5 Bezugsjahre nutzen kann (Alter 60-65 mit 5 Konten), kann ein Ehepaar mit cleverer Koordination bis zu 10 verschiedene Steuerjahre nutzen — wenn beide Partner alternierend beziehen und insgesamt 10 Konten haben. Das senkt die Progression auf jedem Einzelbezug dramatisch.
Wer als Paar eine optimale 3a-Strategie aufbauen will, beginnt mit maximaler Einzahlung beider Partner. Beide Konten — separat, in beider Namen, mit den jeweiligen Sozialversicherungsnummern.
Bei einem typischen Schweizer Doppelverdiener-Paar mit gemeinsamem Bruttoeinkommen von CHF 200'000 ergibt das:
| Strategie | Einzahlung/Jahr | Steuerersparnis/Jahr (ZH) | Über 30 Jahre |
|---|---|---|---|
| Nur ein Partner zahlt ein | CHF 7'258 | ~CHF 2'000 | ~CHF 60'000 |
| Beide Partner zahlen ein | CHF 14'516 | ~CHF 4'000 | ~CHF 120'000 |
| Differenz | + CHF 7'258 | + CHF 2'000 | + CHF 60'000 |
Über 30 Jahre Sparphase summiert sich die zusätzliche Steuerersparnis auf rund CHF 60'000 — nur durch konsequente Doppel-Einzahlung. Dazu kommen die zusätzlichen Renditen auf das eingezahlte Kapital (bei 4% Rendite weitere CHF 250'000+ Vermögensaufbau).
Jeder Partner sollte seine eigenen 5 Konten haben. Nicht 5 gemeinsame Konten — das gibt es in der Säule 3a gar nicht. Die 3a ist immer individuell, an die jeweilige AHV-Nummer gebunden.
Damit habt ihr als Paar potenziell 10 separate 3a-Konten — 5 für Partner A, 5 für Partner B. Wenn ihr diese in der Auszahlungsphase optimal staffelt, könnt ihr theoretisch über 10 Steuerjahre verteilt beziehen.
Mehr zur 5-Konten-Strategie in der Sparphase: 5-Konten-Strategie Säule 3a.
Die Säule 3a steht nur Personen mit AHV-pflichtigem Erwerbseinkommen offen. Wer keinen Lohn bezieht — etwa als reine Hausfrau, Hausmann, oder bei langfristiger Erwerbslosigkeit — kann nicht in die 3a einzahlen.
Das ist eine politische Schwäche des Schweizer Systems und einer der grössten Gründe für die Vorsorgelücke bei Frauen. Wer 10 Jahre nicht erwerbstätig ist (z.B. wegen Kinderbetreuung), verpasst CHF 72'580 mögliche Einzahlungen plus den Zinseszins darauf. Das sind über die Lebenszeit schnell mehrere CHF 100'000 weniger Vermögen bei Pensionierung.
Tipp für Teilzeit-Paare: Wenn ein Partner nur teilweise erwerbstätig ist, lohnt sich trotzdem die maximale 3a-Einzahlung — solange die Einkünfte CHF 7'258 übersteigen. Auch bei einem Einkommen von CHF 30'000 ist die Steuerersparnis (~CHF 800-1'200/Jahr) sinnvoll. Bei sehr tiefem Einkommen unter CHF 15'000 prüft im Einzelfall.
Hier liegt der grösste Hebel der Ehepaar-Optimierung — und gleichzeitig der teuerste Fehler. Alle Vorsorgegeld-Bezüge beider Partner im selben Steuerjahr werden addiert. Wer das ignoriert, zahlt schnell CHF 10'000 zu viel Steuern.
Das Prinzip ist einfach: in jedem Steuerjahr bezieht nur ein Partner Vorsorgegeld. So bleibt jeder Bezug für sich selbst in der niedrigsten Progressionsstufe.
In diesem Plan bezieht Partner A in geraden Altersjahren (60, 62, 64, 65), Partner B in ungeraden (61, 63, 65). Beide finalisieren ihren Bezug im Pensionierungsjahr 65 — aber wenn beide gleichaltrig sind, kollidieren sie dort wieder.
Wenn beide Partner gleichaltrig sind und beide ihre Pensionskasse als Kapital beziehen wollen, gibt es zwei Wege:
Auch bei nur einem Jahr Unterschied wird die Additionsregel umgangen — die Steuerersparnis kann CHF 10'000-30'000 betragen, je nach Bezugshöhe.
Eure Koordination geht über die 3a hinaus. Die gleiche Additionsregel gilt für die Pensionskasse: PK-Kapital + 3a + Freizügigkeit beider Partner im selben Jahr = ein einziger steuerpflichtiger Topf.
Ein typisches Schweizer Doppelverdiener-Paar mit Kapitalbezug der PK hat bei Pensionierung:
Wenn beide alles im selben Jahr beziehen: CHF 1'600'000 als ein Bezug — Steuer in Zürich ca. CHF 175'000. Bei optimaler Staffelung über 10 Steuerjahre: ca. CHF 95'000. Ersparnis: CHF 80'000.
Mehr zur Optimierung des PK-Bezugs: Kapitalbezug Pensionskasse: Steueroptimierung.
Andreas und Sabine Meier sind beide 60, wohnen in der Stadt Zürich. Andreas hat 4 separate 3a-Konten mit insgesamt CHF 320'000, Sabine hat 3 Konten mit insgesamt CHF 240'000. Beide haben PK-Kapital geplant: Andreas CHF 450'000, Sabine CHF 320'000.
Andreas und Sabine kündigen sämtliche 3a-Konten und beziehen beide PK-Kapitalien im selben Jahr.
Gesamtbezug Jahr 65: CHF 1'330'000 (320 + 240 + 450 + 320)
Steuer in Zürich (Ehepaar, gemeinsam): ca. CHF 142'000 (effektiv 10.7%)
Andreas zieht in den geraden Altersjahren: 3a-Konto 1 (Alter 60) CHF 80k, 3a 2 (62) CHF 80k, 3a 3 (64) CHF 80k. Sabine in den ungeraden: 3a 1 (61) CHF 80k, 3a 2 (63) CHF 80k. Andreas bezieht im Jahr 65 PK CHF 450k + letzte 3a CHF 80k. Sabine bezieht im Folgejahr 66 PK CHF 320k + letzte 3a CHF 80k (sie geht ein Jahr aufgeschoben in Pension).
Steuer (Summe der 7 Bezüge): ca. CHF 88'000
Differenz: CHF 142'000 − CHF 88'000 = CHF 54'000. Das Ehepaar Meier zahlt mit koordiniertem Bezug 38% weniger Steuern auf das gleiche Vorsorgevermögen. Auf CHF 1'330'000 entspricht das einer zusätzlichen Rendite von 4% — einmalig, ohne Risiko, nur durch zeitliche Verteilung.
Die Schlüsselfaktoren: 5-Konten-Strategie bei beiden Partnern, ein Jahr Pensionierungs-Versetzung, und keine Doppelbezüge in einem Jahr. Das ist die Kombination aus Sparphasen-Struktur und Bezugsphasen-Choreografie.
Im 3a-Auszahlungssteuer-Rechner könnt ihr für jeden Partner separat die Staffelung simulieren — und sehen, wie viel ihr gemeinsam spart.
Zum Rechner →Bei einer Scheidung werden die während der Ehe angesparten 3a-Gelder beider Partner in der Regel hälftig geteilt — analog zur Pensionskasse. Voraussetzung: keine andere Regelung im Ehevertrag (z.B. Gütertrennung).
Die Berechnung erfolgt vom Ehedatum bis zum Datum der Scheidungseinleitung. Vor der Ehe angespartes 3a-Vermögen bleibt jeweiligem Partner. Die Aufteilung erfolgt nicht durch Kapitalauszahlung, sondern durch Transfer auf die jeweiligen Konten — kein Steuerereignis.
Der überlebende Ehepartner (oder eingetragene Partner) ist primär begünstigt. Das gesamte 3a-Guthaben des verstorbenen Partners geht automatisch an den hinterbliebenen Partner — unabhängig vom Testament. Diese Bezug ist eine Kapitalauszahlung und wird zum progressiven Tarif besteuert.
Wichtige Steueroptimierung: den geerbten 3a-Bezug NICHT im selben Jahr wie eigene 3a- oder PK-Bezüge realisieren. Auch hier gilt die Additionsregel.
Ist ein Partner selbstständig ohne Pensionskasse, kann er den «grossen 3a-Abzug» nutzen: bis zu 20% des Erwerbseinkommens, maximal CHF 36'288 pro Jahr (2026). Der andere Partner mit PK bleibt beim normalen Maximum von CHF 7'258.
Konsequenz: asymmetrische Spar-Strategie. Der Selbständige baut über die 3a viel grösseres Vermögen auf — bei jährlicher Maximaleinzahlung CHF 36'288 über 35 Jahre sind das CHF 1.3M Endvermögen (4% Rendite) statt CHF 540k beim Angestellten. Bei der Auszahlung muss der Selbständige seine Bezüge entsprechend feiner staffeln — idealerweise 8-10 separate Konten.
Mehr dazu im Companion-Artikel zur 3a für Selbständige (in Kürze auf arvy.ch).
Die Faustregel für Ehepaare: Beide zahlen das Maximum ein, jeder hat eigene 5 Konten, im Bezug strikt alternierende Jahre, PK-Auszahlung der Partner mindestens 1 Jahr versetzt — und ihr habt das Maximum aus eurer gemeinsamen Vorsorge geholt. Setup-Aufwand: ein langer Abend. Ersparnis über das Leben: typisch CHF 80'000-150'000 für ein Doppelverdiener-Paar.
Säule 3a für beide Partner, transparent, von CFA-Charterholders verwaltet. Startet eure gemeinsame 3a-Strategie mit arvy.
Mehr zur arvy 3a