Säule 3a für Selbständige: Der grosse 3a-Abzug bis CHF 36’288


Als Selbständige(r) ohne Pensionskasse hast du in der Schweiz das mit Abstand grösste Steueroptimierungs-Potenzial in der Vorsorge. Während Angestellte mit PK auf CHF 7'258 pro Jahr beschränkt sind, kannst du bis zu CHF 36'288 (2026) in deine Säule 3a einzahlen — das sind 5× mehr. Bei einem Grenzsteuersatz von 35% sparst du dabei jährlich über CHF 12'000 Steuern. Über 35 Jahre summiert sich das auf rund CHF 420'000 Steuerersparnis. Dieser Artikel zeigt dir, wer wirklich qualifiziert, wie der grosse 3a-Abzug funktioniert, und wie du als Selbständige(r) eine optimale Mehrkonten-Strategie aufbaust — inklusive Bezugsplanung mit aufgeschobener Pensionierung.
Der grosse 3a-Abzug steht ausschliesslich Selbständigen ohne Pensionskasse offen. Was sich einfach anhört, ist in der Praxis oft missverstanden. Die wichtigsten Konstellationen:
| Erwerbsform | Pensionskasse? | Welcher 3a-Abzug? |
|---|---|---|
| Einzelunternehmer / Freelancer | Keine PK | Grosser Abzug (max. CHF 36'288) |
| Personengesellschaft (KlG, KmG) | Keine PK | Grosser Abzug (max. CHF 36'288) |
| Selbständig + freiwillige PK | Ja, freiwillig | Kleiner Abzug (max. CHF 7'258) |
| AG/GmbH-Inhaber als Angestellte | Ja, eigene PK | Kleiner Abzug (max. CHF 7'258) |
| Gemischt: Angestellt + Selbständig | Ja, beim Arbeitgeber | Kleiner Abzug (max. CHF 7'258) |
| Reine Hausfrau/Hausmann | Keine PK, kein Erwerb | Kein 3a-Abzug möglich |
Der häufigste Irrtum: Wer nebenbei freischaffend ist und nebenher angestellt mit PK, kann NICHT den grossen Abzug nutzen. Sobald eine Pensionskasse existiert — egal in welcher Höhe — gilt nur der kleine Abzug von CHF 7'258. Selbst wer 80% Einkommen aus Freelance und 20% aus einer Mini-Anstellung mit PK erzielt, ist auf den kleinen Abzug beschränkt.
Wichtige Differenzierung: Inhaber von AG oder GmbH gelten nicht als Selbständige im Sinne der Säule 3a. Du bist Angestellte(r) deiner eigenen Gesellschaft und unterliegst (bei genügend Lohn) der BVG-Pflicht. Damit gilt für dich der kleine 3a-Abzug. Wer als Einzelunternehmer im Handelsregister eingetragen ist, hingegen, ist echte(r) Selbständige(r) — und qualifiziert für den grossen Abzug.
Massgebend ist das in der Steuerveranlagung deklarierte Netto-Erwerbseinkommen aus selbständiger Tätigkeit. Nicht der Umsatz, sondern Umsatz minus Geschäftskosten minus AHV/IV/EO-Beiträge. Wer im Steuerjahr CHF 150'000 Umsatz hatte, aber CHF 50'000 Geschäftskosten und CHF 15'000 Sozialversicherungs-Beiträge, hat ein massgebendes Netto-Erwerbseinkommen von CHF 85'000 — und kann maximal 20% davon = CHF 17'000 in die 3a einzahlen.
Die Regel ist mathematisch einfach: 20% deines Netto-Erwerbseinkommens, maximal CHF 36'288 pro Jahr (2026). Was bei welchem Einkommen herauskommt:
| Netto-Erwerbseinkommen | 20%-Limite | Max. 3a-Beitrag 2026 |
|---|---|---|
| CHF 50'000 | CHF 10'000 | CHF 10'000 |
| CHF 80'000 | CHF 16'000 | CHF 16'000 |
| CHF 120'000 | CHF 24'000 | CHF 24'000 |
| CHF 180'000 | CHF 36'000 | CHF 36'000 |
| CHF 200'000 | CHF 40'000 | CHF 36'288 (Plafond) |
| CHF 500'000 | CHF 100'000 | CHF 36'288 (Plafond) |
Der Plafond von CHF 36'288 (2026) wird ab einem Netto-Erwerbseinkommen von rund CHF 181'500 erreicht. Wer mehr verdient, kann nicht über den Plafond hinaus einzahlen. Wer weniger verdient, ist auf 20% beschränkt — aber das sind immer noch deutlich mehr als die CHF 7'258 für Angestellte.
Selbständige haben oft starke Einkommens-Schwankungen — gute Jahre mit CHF 200'000, magere mit CHF 60'000. Die Regel: der Maximalbetrag wird für jedes Jahr separat berechnet, basierend auf dem Netto-Einkommen jenes Jahres. Du kannst nicht «über die Jahre» mitteln.
Aber: seit 2025 sind 3a-Nachzahlungen möglich. Wer in einem guten Jahr nur teilweise einzahlt, kann das in einem späteren Jahr nachholen — bis zu 10 Jahre rückwirkend. Die Nachzahlung erfolgt jeweils auf den damaligen Maximalbetrag, nicht den aktuellen. Mehr dazu in unserem Artikel: Säule 3a Nachzahlung 2026.
Die Steuerersparnis entspricht deinem persönlichen Grenzsteuersatz × eingezahltem Betrag. Für Selbständige mit höherem Einkommen ist beides typischerweise hoch:
| Wohnort | Netto-Einkommen | Max. 3a-Einzahlung | Steuerersparnis/Jahr |
|---|---|---|---|
| Schwyz | CHF 120'000 | CHF 24'000 | ~CHF 5'500 |
| Zürich | CHF 120'000 | CHF 24'000 | ~CHF 7'200 |
| Neuenburg | CHF 120'000 | CHF 24'000 | ~CHF 9'000 |
| Schwyz | CHF 200'000 | CHF 36'288 | ~CHF 10'500 |
| Zürich | CHF 200'000 | CHF 36'288 | ~CHF 13'500 |
| Neuenburg | CHF 200'000 | CHF 36'288 | ~CHF 16'500 |
Beachte das Paradox: In Hochsteuer-Kantonen ist die Steuerersparnis grösser, weil der Grenzsteuersatz höher ist. Bei der Auszahlung passiert das Gegenteil — Hochsteuer-Kantone besteuern die Kapitalauszahlung stärker. Deshalb ist die Wohnort-Planung für Selbständige doppelt wichtig: günstig einzahlen, günstig beziehen.
Der Rendite-Effekt: Die Steuerersparnis ist effektiv eine sofortige, risikolose Rendite. Wer CHF 30'000 einzahlt und CHF 10'000 Steuern spart, hat eine sofortige Rendite von 33% auf das eingezahlte Kapital. Plus alle künftigen Renditen auf das 3a-Vermögen. Plus die spätere niedrigere Auszahlungssteuer (vs. ordentliche Einkommensteuer auf das gleiche Geld). Für hochverdienende Selbständige ist die 3a die steuerlich beste Investitionsmöglichkeit in der Schweiz.
Sarah ist 30, freischaffende Designerin in Zürich, ohne Pensionskasse. Ihr Netto-Erwerbseinkommen variiert: 4 Jahre bei CHF 70'000, danach steigend auf CHF 150'000 mit 50. Sie nutzt konsequent den grossen 3a-Abzug — jährlich 20% ihres Einkommens, maximal aber den Plafond.
Durchschnittliche Einzahlung: ca. CHF 22'000/Jahr über 35 Jahre (gewichtet nach Einkommens-Entwicklung). Bei 4% Rendite auf eine Wertschriften-3a:
Endvermögen mit 65: ca. CHF 1'620'000
Total Einzahlungen: ca. CHF 770'000
Renditebeitrag: ca. CHF 850'000 (Zinseszins)
Steuerersparnis über die Karriere: ca. CHF 240'000 (Durchschnittlicher Grenzsteuersatz 30%)
Ein Angestellter mit PK und gleichem Bruttoeinkommen über 35 Jahre kann nur CHF 7'258 pro Jahr einzahlen. Endvermögen 3a: CHF 540'000. Sarah hat damit CHF 1.08M mehr 3a-Vermögen. Ihre Steuerersparnis ist zudem ca. CHF 175'000 höher.
Trade-off: Sarah hat keine Pensionskasse — also keine 2. Säule. Sie muss ihre Altersvorsorge ALLEIN aufbauen. Der grosse 3a-Abzug kompensiert das.
Bei einem 3a-Vermögen von CHF 1.62M und nur 5 Konten würde Sarah pro Bezug rund CHF 325'000 herausziehen — ein deutlich höherer Betrag als bei einem Angestellten. Die Progression wäre erheblich. Lösung: 8 statt 5 Konten (auch wenn die maximale Staffelungsdauer immer noch 5 Jahre bleibt) und aufgeschobene Pensionierung bis 70.
Mit 8 Konten und aufgeschobener Pensionierung (Bezug 60-65 plus 65-70 weil sie weiterarbeitet) verteilt Sarah ihre 1.62M auf 10 verschiedene Steuerjahre. Jeder Bezug = ca. CHF 162'000. Steuer pro Bezug (ZH): ca. CHF 8'500. Total: ca. CHF 85'000. Bei einem Einzelbezug von CHF 1.62M hätte sie ca. CHF 220'000 gezahlt. Ersparnis: CHF 135'000.
Im 3a-Auszahlungssteuer-Rechner kannst du auch grössere Bezugsbeträge simulieren — und sehen, wie viel die feinere Staffelung bei höherem Vermögen bringt.
Zum Rechner →Während Angestellte mit 5 Konten gut bedient sind, brauchen Selbständige mit hohem 3a-Vermögen 6-10 separate Konten. Der Grund: bei einem Vermögen von CHF 1M+ wird jeder einzelne Bezug (im 5-Jahres-Fenster) so gross, dass die Progression wieder zuschlägt — selbst bei optimaler Staffelung.
| Erwartetes 3a-Endvermögen | Empfohlene Konten-Anzahl | Bezug pro Konto (ohne Aufschub) |
|---|---|---|
| CHF 500'000 | 5 Konten | CHF 100'000 |
| CHF 800'000 | 6 Konten | CHF 133'000 |
| CHF 1'200'000 | 7-8 Konten | CHF 150-170'000 |
| CHF 1'800'000 | 9-10 Konten | CHF 180-200'000 |
| CHF 2'500'000+ | 10+ Konten + Aufschub bis 70 | CHF 250'000+ |
Wichtig: mehr als 10 Konten lohnen sich operativ nicht — der administrative Aufwand übersteigt die marginale Steuerersparnis. Wer auf CHF 2.5M+ herauskommt, sollte stattdessen die aufgeschobene Pensionierung nutzen, um über 10 Steuerjahre statt 5 zu beziehen.
Bei 8-10 Konten lohnt sich besonders eine Mischung von Anbietern:
Für die Strategie-Wahl pro Konto: 5-Konten-Strategie Säule 3a.
Hier wird es für Selbständige besonders attraktiv: du musst nicht mit 65 in Pension gehen. Wenn du selbständig erwerbstätig bleibst, kannst du die 3a-Auszahlung bis Alter 70 aufschieben. Das schafft 10 statt 5 Bezugsjahre (60-70 statt 60-65).
Für Selbständige ist das oft natürlich — viele arbeiten ohnehin freiwillig länger, weil sie ihre Selbständigkeit als Berufung sehen, weil sie ihr Unternehmen langsam an Nachfolger übergeben, oder weil sie Teilzeit weitermachen. Die 3a passt sich diesem Lebensentwurf perfekt an.
Voraussetzung: Du musst über das ordentliche AHV-Alter hinaus AHV-pflichtig erwerbstätig sein. Auch Teilzeit-Selbständigkeit reicht. Wichtig: in jedem Jahr eine Erwerbsbescheinigung für die 3a-Stiftung. Wer mit 67 plötzlich aufhört, muss innerhalb angemessener Frist die noch nicht bezogenen 3a-Konten auszahlen lassen.
Sarah hat mit 60 ein 3a-Vermögen von CHF 1.62M auf 10 Konten. Sie plant, bis 70 Teilzeit weiterzuarbeiten. Ihr Bezugsplan:
Total: 10 Bezüge in 10 verschiedenen Steuerjahren. Steuer pro Bezug (ZH, ledig): ca. CHF 8'500. Total Steuer: ca. CHF 85'000. Bei naivem Einzelbezug von CHF 1.62M: ca. CHF 220'000. Ersparnis: CHF 135'000 (62% weniger).
Selbständige können sich freiwillig einer Verbandseinrichtung oder der Auffangeinrichtung BVG anschliessen. Das ist eine bewusste Entscheidung mit Trade-offs:
| Konstellation | PK-Anschluss? |
|---|---|
| Stabiles hohes Einkommen (CHF 200'000+), Familie | Eher ja — wegen Risikoabsicherung |
| Variables Einkommen, Single ohne Familie | Eher nein — grosser 3a-Abzug überlegen |
| Kurzfristige Selbständigkeit (Übergang) | Nein — bestehende PK behalten / wieder anschliessen |
| Hoher Bedarf an Tod/Invaliditäts-Schutz | Ja — alternativ private 3b-Versicherung |
| Bereits PK-Vermögen aus früheren Anstellungen | Eher ja — Konsolidierung sinnvoll |
Faustregel: Wer keine Familie hat und gute eigene Risikoabsicherung über private Versicherungen organisiert, fährt mit der reinen 3a-Lösung (grosser Abzug) typischerweise finanziell besser. Wer Familie und hohes Einkommen hat, sollte den PK-Anschluss prüfen — die Risikoabsicherung allein kann den Verlust des grossen Abzugs kompensieren.
Die Faustregel für Selbständige: Maximalbeitrag jedes Jahr (auch in schlechten Jahren das Mögliche), 6-10 separate Konten ab CHF 1M Vermögen, Wertschriften-Strategie über die ganze Sparphase, aufgeschobene Pensionierung bis 70 als Option offenhalten, und PK-Anschluss nur nach echter Risiko-Rechnung. Über 35 Jahre Selbständigen-Karriere holst du damit typischerweise CHF 200'000-400'000 mehr aus der Vorsorge als ein durchschnittlicher Angestellter mit identischem Einkommen.
Der 3a-Auszahlungssteuer-Rechner simuliert auch grössere Bezugsbeträge und Mehrkonten-Strategien — perfekt für Selbständige mit hohem 3a-Vermögen.
Zum Rechner →Säule 3a für Selbständige mit grossem Abzug, transparenten Gebühren und Wertschriften-Strategie. Verwaltet von CFA-Charterholders bei arvy.
Mehr zur arvy 3a