AI wie in AI-rlines? Warum die Hyperscaler verlieren — und du gewinnst

Juli 27, 2026 13 Minuten Lesezeit
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AI wie in AI-rlines? Warum die Hyperscaler verlieren — und du gewinnst

Chinesische KI verkauft Intelligenz fast gratis, und der Markt fragt sich, ob sich Amerikas 700-Milliarden-Wette je auszahlen wird. Die Angst ist berechtigt — aber sie ist bearish für die falschen Unternehmen und bullish für fast alle anderen. Es ist keine Geschichte über das Ende der KI. Es ist eine Geschichte darüber, wer sie bezahlt und wer verdient. Unsere Analyse für The Market by NZZ, plus die ausführliche Investoren-Sicht für arvy-Leser.

Von Thierry Borgeat · Mit Patrick Rissi, CFA und Florian Jauch, CFA · Erschienen in The Market by NZZ, Juli 2026 · 12 Minuten Lesezeit

Ursprünglich erschienen in
The Market by NZZ — Juli 2026
Lies die kompakte Original-Analyse direkt bei NZZ. Hier auf arvy.ch findest du die ausführliche Investoren-Sicht.
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In 30 Sekunden — die Kernthese
  • Die KI-Revolution ist echt — die Frage ist, wer verdient. Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta investieren 2026 zusammen rund 700 Mrd. $ — zwei Drittel des Schweizer BIP, in einem Jahr. Chinesische Modelle wie DeepSeek liefern «good enough»-Leistung zu 1% des Preises. Wenn Intelligenz zur Commodity wird, wandert der Gewinn vom Produzenten zum Anwender.
  • Free Cash Flow ist die Mutter aller roten Flaggen. Bank of America erwartet, dass der aggregierte FCF der Hyperscaler von 191 Mrd. $ (2025) auf 19 Mrd. $ (2026) einbricht — und 2027 negativ wird. Einige der profitabelsten Geschäftsmodelle der Geschichte beginnen, Geld zu verbrennen.
  • Die Airline-Lektion: die perfekte Nachfrage-Story, die ihre Aktionäre ruinierte. Der Luftfahrtmarkt verdoppelt sich fast auf 1,2 Bio. $ bis 2033 — und verdiente kumuliert praktisch nichts für seine Eigentümer. Geld verdiente der Passagier und der Triebwerkhersteller. Wir besitzen Safran und GE Aerospace, keine Airline.

Die Original-Analyse — der Anriss

«Ein dauerhafter Wettbewerbsvorteil hat sich seit den Tagen der Gebrüder Wright als unerreichbar erwiesen.» — Warren Buffett, Aktionärsbrief von Berkshire Hathaway (2007)

Wir schreiben das Jahr 2007. Warren Buffett setzt sich an seinen jährlichen Aktionärsbrief und nimmt sich seinen liebsten Prügelknaben vor: die Luftfahrtindustrie. Ein weitsichtiger Kapitalist in Kitty Hawk, spottet er, hätte den Investoren einen nachhaltigen Gefallen getan, wenn er Orville Wright abgeschossen hätte. Nicht weil die Flugzeuge nicht flogen. Sondern weil die Aktionäre nie abhoben.

Spulen wir vor in die vergangene Woche. «Mr. Market» hat schlechte Laune. Der Nasdaq korrigiert scharf, die Momentum-Lieblinge werden geprügelt, und die Schlagzeilen finden rasch ihren Schuldigen: China. Genauer: chinesische KI-Modelle, die beinahe dieselbe Leistung erbringen wie ihre amerikanischen Rivalen — für einen Bruchteil des Preises.

Die Angst ist real. Und meine Einschätzung mag dich überraschen: Die Angst ist berechtigt. Aber sie ist bearish für die falschen Unternehmen — und bullish für fast alle anderen. Willkommen in der Welt der AI-rlines.

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01Das grösste Wettrüsten der Wirtschaftsgeschichte

Um zu verstehen, warum die Angst berechtigt ist, folge dem Geld. Allen 700 Milliarden Dollar davon. Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta stellen allein für 2026 kombinierte Kapitalinvestitionen von rund 700 Mrd. $ in Aussicht. Zur Einordnung: Das entspricht etwa zwei Dritteln des jährlichen Bruttoinlandprodukts der Schweiz — ausgegeben in einem einzigen Jahr, überwiegend für Chips, Rechenzentren und Strom.

Die Kostenblöcke sind gewaltig: Zehntausende Nvidia-GPUs der neuesten Generation, einzelne Cluster für Milliardenbeträge. KI-Forscher mit Salären, die andernorts ganze Entwicklungsabteilungen finanzieren würden. Und Energie — vor allem Energie.

Dimension des WettrüstensGrössenordnung
Hyperscaler-Capex 2026 (MSFT, GOOGL, AMZN, META)~700 Mrd. $
Zum Vergleich: jährliches BIP der Schweiz~1'050 Mrd. $ (≈ zwei Drittel davon)
Stromverbrauchs-Wachstum Rechenzentren bis 2030 (US + China)~80% des globalen Wachstums
In Richtung~1'000 Terawattstunden ≈ Japans gesamter Jahresverbrauch

Quellen: BCA Research, Bloomberg Finance L.P. (Capex); Nature (Energie). Beide zitiert in der NZZ-Kolumne.

Hohe Fixkosten verlangen hohe Preise. Wer Hunderte von Milliarden ausgibt, muss pro Token entsprechend verrechnen, um je eine anständige Rendite zu erzielen. Genau hier beginnt das Problem.


02Cents on the Dollar. Wörtlich.

Auf der anderen Seite des Pazifiks tobt ein Preiskrieg. Baidu, Alibaba, Tencent, Moonshot, ByteDance und DeepSeek unterbieten sich gnadenlos — solide Modelle werden teils gratis abgegeben, um Marktanteile zu gewinnen. Dazu kommen Open-Source-Modelle als Baukasten, subventionierte Energie, günstigere Ingenieure und ein rasch reifendes heimisches Chip-Ökosystem rund um Huawei. Das Resultat ist eine radikal andere Kostenbasis.

Wie radikal? Ein anderes Geschäftsmodell

Die leistungsfähigsten amerikanischen Frontier-Modelle verlangen 25 bis 50 $ pro Million Output-Tokens. DeepSeeks V4 Flash verlangt 28 Cent. Das ist kein Rabatt. Das ist ein Preisunterschied von rund 90 bis 180 Mal — fast zwei Grössenordnungen.

Hier kommt die «Good Enough»-Schwelle ins Spiel. Liefert ein Modell 90% der Leistung für 1% des Preises, wählt der rational handelnde Finanzchef für Kundendienst, Standard-Code und Routineanalysen die günstige Variante. Intelligenz wird zur Commodity — wie Strom, wie Bandbreite, wie ein Sitzplatz in einem Flug von Zürich nach London.

Und wenn das Fundament zur Commodity wird, wandert der Wettbewerbsvorteil vom Bauen des Modells zum Anwenden des Modells. In der Anwendung — Produkte, Workflows, Ökosysteme — war Amerika schon immer am stärksten. Darum bekam die Welt Amazon, das iPhone und Microsoft Office. Aber beachte genau: Diese Stärke gehört den Nutzern der Intelligenz. Nicht zwingend ihren Produzenten.


03Free Cash Flow: die Mutter aller roten Flaggen

Bei arvy stehen zwei Kennzahlen über allem: Free Cash Flow und Return on Invested Capital (ROIC). Beide erzählen bei den Hyperscalern derzeit dieselbe unbequeme Geschichte. Die Cash-Konversion sinkt, während die Kapitalbasis explodiert. Selbst bei wachsenden Umsätzen ist der ROIC fast arithmetisch dazu verurteilt, zu fallen, bevor er je wieder steigen kann.

Aggregierter Free Cash Flow der HyperscalerPrognose (BofA)
2025191 Mrd. $
202619 Mrd. $ (−90%)
2027negativ

Quelle: BofA Global Investment Strategy, Bloomberg. Einige der profitabelsten Geschäftsmodelle, die je erdacht wurden, beginnen ab 2027 kollektiv, Geld zu verbrennen.

Blicken wir kurz zurück in das Jahr 2022. Meta pumpt Milliarden ins Metaverse. Der Free Cash Flow kollabiert — und die Aktie verliert vom Höchst- zum Tiefststand rund drei Viertel ihres Werts. Das Geschäft ist intakt. Die Nutzer sind noch da. Aber «Mr. Market» glaubt nicht mehr daran, dass die Ausgaben je eine Rendite abwerfen werden. Erst als Meta-CEO Mark Zuckerberg das «Year of Efficiency» ausruft und die Kapitaldisziplin zurückkehrt, gelingt der Aktie eines der grossen Comebacks der Börsengeschichte.

Die Lektion und das Gefangenendilemma

Der Markt bestraft Capex ohne sichtbare Rendite brutal — und belohnt Disziplin praktisch über Nacht. «Dann sollen sie eben weniger ausgeben», magst du einwenden. Aber wer zuerst auf die Bremse tritt, riskiert den Anschluss an die Frontier — und bekäme den Stempel «Verlierer des Jahrhundert-Wettrüstens» samt Bewertungsabschlag. Wer weiter ausgibt, verliert Marge. Ein Gefangenendilemma, ausgetragen mit den grössten Bilanzen der Welt.

Das ist der Teil, der mich nachts wachhält. Nicht wegen der Wirtschaft. Wegen der Bewertungen.


04Monopol-Erosion: alle jagen denselben Dollar

Es gibt eine zweite, unterschätzte Dimension. Jahrzehntelang waren die Tech-Giganten De-facto-Monopolisten — aber jeder in seinem eigenen Revier.

UnternehmenFrüher: eigenes MonopolHeute: dasselbe Produkt
GoogleSucheAlle bauen «Intelligenz», verkaufen sie demselben Kunden, monetarisieren über Werbung + Abos
MetaSocial Media
MicrosoftUnternehmenssoftware
AmazonE-Commerce

Vier Quasi-Monopole. Vier getrennte Jagdgründe. Vier wunderschöne, breite Burggräben. Und heute? Vier Monopole verschmelzen zu einem Oligopol im Preiskrieg. Wer die Hyperscaler kauft, besitzt nicht mehr vier unabhängige Gelddruckmaschinen. Er wettet viermal auf denselben KI- und Werbedollar.

Monopol-Erosion nenne ich das. Kombiniert man sie mit Rekord-Capex und chinesischem Preisdruck, ergibt das einen anspruchsvollen Cocktail für Aktien, die zu Premium-Bewertungen gehandelt werden. Die Geschichte kennt diese Konstellation bereits. Sie hatte sogar Flügel.


05AI-rlines: die grösste Wachstumsstory, an der niemand verdiente

Die kommerzielle Luftfahrt war einer der grossen Wachstumsmärkte des 20. Jahrhunderts — und sie wächst bis heute. Branchenumsätze von rund 650 Mrd. $ dürften sich bis 2033 auf 1,2 Bio. $ nahezu verdoppeln. Die Passagierzahlen vervielfachten sich über Jahrzehnte, die Welt rückte zusammen, Tourismus und Handel explodierten. Die Nachfrage-Story war und ist nahezu perfekt.

Und doch hat die Branche über ihre gesamte Geschichte kumuliert praktisch nichts für ihre Eigentümer verdient. Womit wir wieder bei Buffett und Kitty Hawk wären. Die Luftfahrt ist kein Ausreisser.

Wie Edward Chancellor — der Historiker, der Spekulationsmanien erforscht hat wie kein Zweiter — kürzlich in einem bemerkenswerten Interview mit The Market darlegte, waren die grossen Spekulationsblasen — von den Eisenbahnen des 19. Jahrhunderts über den Automobil- und Elektrifizierungsboom der 1920er bis zur Technologieblase der späten 1990er — allesamt Investitionsbooms, auf die ein Einbruch folgte. Sein Urteil über das Produkt selbst: Grosse Sprachmodelle entwickeln sich zunehmend zur Massenware — und Commodity-Preise orientieren sich an den Grenzkosten, die keine angemessene Rendite auf das investierte Kapital enthalten.

Schumpeter stellte es vor einem Jahrhundert fest: In einem hochkompetitiven Umfeld drückt der Wettbewerb die Gewinne gegen null. Die Eisenbahnen transportierten die Fracht. Die Glasfasern transportierten das Internet. Die Nutzer trugen die Gewinne, die Aktionäre trugen die Verluste.

Warum also ruinierte die perfekte Wachstumsstory ihre Investoren? Die Zutatenliste liest sich verdächtig vertraut:

ZutatAirlines damalsHyperscaler heute
Gewaltiger CapexFlugzeugflottenGPUs & Rechenzentren
Commodity-ProduktEin Sitz ist ein SitzEin Token ist ein Token
Gnadenloser PreiskampfLow-Cost-CarrierChinesische Labs & Open Source
Ständige Co-PilotenRegulierung & GeopolitikRegulierung & Geopolitik

Wer profitierte? Alle anderen. Die Passagiere, deren reale Ticketpreise kollabierten. Die Wirtschaft, die auf globale Lieferketten bauen konnte. Und, oft vergessen, die Zulieferer: Triebwerkhersteller verdienen an jeder Flugstunde, egal welche Airline floriert und welche nicht.

Warum wir Triebwerkhersteller besitzen, keine Airline

Es ist kein Zufall, dass wir bei arvy lieber GE Aerospace und Safran besitzen als irgendeine Fluggesellschaft. Safran ist darauf angewiesen, dass Flugzeuge fliegen — eine niedrige Hürde. Eine Airline ist darauf angewiesen, dass Treibstoffpreise, Gewerkschaften, Wetter, Regulatoren und Konkurrenten gleichzeitig mitspielen — eine sehr hohe Hürde. GE Aerospace und Safran sind das, was wir «Heavy Assets, Low Obsolescence» nennen. HALO, wie treue Leser wissen.

Übertragen wir die Analogie: Die KI-Modellanbieter werden zu Airlines. Sie fliegen Intelligenz statt Passagiere, liefern spektakuläres Umsatzwachstum — und kämpfen einen strukturellen Kampf um ihre Margen. Verschwinden werden sie nicht, so wie auch die Airlines nie verschwanden. Aber zwischen «unverzichtbar für die Wirtschaft» und «attraktiv für die Aktionäre» liegt, wie immer, ein Ozean. Am besten überquert man ihn in 11'000 Metern Höhe.


06Der S&P 500: ein AI-Index im Tarnanzug

Warum geht dich das alles an, selbst wenn du keinen einzigen Hyperscaler direkt besitzt? Weil der Index längst keiner mehr ist. Halbleiter allein machen rund 20% des S&P 500 aus. Zählt man die rund fünfzig weiteren Titel mit direktem KI-Bezug dazu — Hyperscaler, Software, Energie- und Infrastrukturwerte —, hängt weit über die Hälfte der Marktkapitalisierung des Index an einer einzigen These.

Der S&P 500 ist zu einem AI-Index im Tarnanzug geworden. Das ist keine Kritik am passiven Investieren — ETF bleiben ein grossartiges Instrument. Aber du solltest wissen, was du besitzt: Wer heute «den Markt» kauft, kauft eine konzentrierte Wette auf die Verzinsung des KI-Capex. Mit einer absehbaren Nebenwirkung: Die Volatilität des Index wird strukturell steigen. Jede Zuckung in der KI-Story — ein Preisschock aus China, eine enttäuschende Capex-Guidance — schlägt direkt auf das Gesamtbarometer durch.

Der Vorgeschmack

Die jüngste Momentum-Bereinigung war ein Vorgeschmack. Der High-Beta-Momentum-Korb von Goldman Sachs büsste in weniger als einem Monat einen Drittel seines Werts ein. Momentum ist, wie immer, ein zweischneidiges Schwert: Was um 1000% steigen kann, kann auch um 50% fallen.

Und doch geschieht unter der Oberfläche etwas Bemerkenswertes.


07Die Marktbreite erwacht — und das ist die gute Nachricht

Hier kommt die gute Nachricht — und sie ist deutlich gewichtiger als die schlechte. Wenn Intelligenz billig und allgegenwärtig wird, gewinnt fast jedes andere Unternehmen. Der Versicherer, der seine Schadenabwicklung automatisieren kann. Der Industriekonzern, der seine Wartung prädiktiv machen kann. Das Gesundheitsunternehmen, das seine Entwicklung beschleunigt. Sie alle kaufen Intelligenz ein, ohne den Capex zu tragen — wie Geschäftsreisende, die vom Preiskampf der Airlines profitierten, ohne je selbst ein Flugzeug zu besitzen.

Der Markt beginnt, genau das zu spielen:

Signal der MarktbreiteWas es zeigt
Advance-Decline-Linie (NYSE)Neues Allzeithoch — mehr Aktien steigen, während die alten Zugpferde konsolidieren
Russell 2000 vs. Magnificent 7Bricht den mehrjährigen Abwärtstrend — Regimewechsel bahnt sich an
A/D-Trend seit 2023Intakter Aufwärtstrend, beschleunigt sich

Quellen: TrendLabs, StockCharts.com (A/D-Linie); Adaptiv Investment Management System (Russell 2000). Die Advance-Decline-Linie ist der «Blutdruckmesser» der Marktbreite.

Für aktive Investoren ist das die eigentliche Pointe. Wenn mehr als die Hälfte des Index an einer einzigen These hängt, ist Active Share kein Modewort mehr, sondern ein Werkzeug. Ein Stock-Picker-Markt beginnt — einer, der Unternehmen bevorzugt, die billige Intelligenz konsumieren, statt teure Intelligenz produzieren zu müssen.

Wir bevorzugen Unternehmen, bei denen die Hürde niedrig ist: Qualität mit echtem Free Cash Flow, hohem ROIC und Burggräben, die sich mit keinem API-Schlüssel replizieren lassen. Geografie, Regulierung, Physik. Good Story, Good Chart — du kennst das Rezept.


08Der Passagier gewinnt

Geben wir den Bullen ihr stärkstes Argument, denn es ist ein gutes — und ein Beitrag, der es ignoriert, ist Propaganda, keine Analyse. An der Frontier — wissenschaftliche Forschung, komplexe Agenten, strategische Planung — wird weiterhin eine Prämie bezahlt, und dort führt Amerika. Wechselkosten und Datensouveränität sind reale Barrieren; kritische westliche Infrastruktur wird kaum je auf chinesischen Modellen laufen. Der Markt bleibt zweigeteilt, und die Hyperscaler besitzen Ökosysteme, deren Aufbau Jahrzehnte gedauert hat.

Alles wahr. Und ich stimme dem meisten zu. Aber beachte, was dieses Argument verteidigt: die Unternehmen, nicht die Ökonomie. Auch die Airlines hatten Loyalitätsprogramme, Hub-Monopole und bilaterale Streckenabkommen. Das schützte die Unternehmen. Es schützte nie die Renditen.

Das grosse Bild scheint mir klar. Billige, allgegenwärtige Intelligenz ist eine der bullishsten Entwicklungen für die Weltwirtschaft seit dem Internet selbst — nur nicht zwingend für jene, die sie mit Rekord-Capex produzieren. Die Luftfahrt hat die Welt verändert und ihre Aktionäre arm gemacht. Auch die KI wird die Welt verändern. Wer dabei reich wird, entscheidet sich nicht im Rechenzentrum, sondern in der Anwendung.

«Your margin is my opportunity», sagte Jeff Bezos einst. Der Satz, mit dem Amazon ganze Branchen aufmischte, richtet sich nun gegen die Hyperscaler selbst. Diesmal ist es China, das das Sagen hat. Und du, verehrter Passagier, applaudierst.

Buffett wünschte sich, jemand hätte die Gebrüder Wright abgeschossen. Niemand wird die KI abschiessen — und niemand sollte es. Die Flugzeuge werden fliegen. Die Tokens werden fliessen. Die Wirtschaft wird abheben. Denk beim Einsteigen nur daran, wer in diesem Geschäft historisch Geld verdient hat. Es war nie die Airline. Es war der Passagier. Und der Triebwerkhersteller.


09Häufig gestellte Fragen

Heisst das, ich soll jetzt Nvidia, Microsoft und die anderen Hyperscaler verkaufen?

Nein — das ist keine Verkaufsempfehlung und keine Prognose. Die Kernaussage ist differenzierter: Die Geschäftsmodelle der Hyperscaler sind hervorragend, aber bei Rekord-Capex, kollabierendem Free Cash Flow und Premium-Bewertungen ist das Risiko-Ertrags-Verhältnis anspruchsvoll. Es geht nicht darum, ob die KI echt ist (sie ist es), sondern darum, wer die Rendite auf das investierte Kapital einfährt. Historisch war das selten der kapitalintensive Produzent.

Warum ist billige chinesische KI bullish und nicht bearish?

Weil der Nutzen dorthin wandert, wo die Intelligenz angewendet wird — nicht dorthin, wo sie produziert wird. Wenn ein Versicherer, ein Industriekonzern oder ein Gesundheitsunternehmen Intelligenz zu 1% des früheren Preises einkaufen kann, ohne den Capex zu tragen, steigt seine Produktivität und Marge. Das ist bullish für die breite Wirtschaft und für die Anwender — und bearish nur für die kapitalintensiven Produzenten, die im Preiskrieg gefangen sind.

Was ist die AI-rlines-Analogie in einem Satz?

Die kommerzielle Luftfahrt war eine perfekte Nachfrage-Story (Markt fast verdoppelt auf 1,2 Bio. $ bis 2033), verdiente aber kumuliert praktisch nichts für ihre Aktionäre — weil Commodity-Produkt, gewaltiger Capex und Preiskrieg die Renditen gegen null drückten. Die KI-Modellanbieter drohen, dieselbe Rolle zu spielen: unverzichtbar für die Wirtschaft, aber strukturell schwierig für die Aktionäre. Geld verdiente der Passagier und der Triebwerkhersteller.

Ich investiere passiv in einen S&P-500-ETF. Betrifft mich das?

Ja. Halbleiter allein machen rund 20% des S&P 500 aus; zusammen mit den KI-nahen Titeln hängt weit über die Hälfte des Index an einer einzigen These. Das ist keine Kritik am passiven Investieren — ETF bleiben ein grossartiges Instrument. Aber du solltest wissen, dass «den Markt kaufen» heute eine konzentrierte Wette auf die Verzinsung des KI-Capex ist, mit strukturell höherer Volatilität. Eine mögliche Antwort ist ergänzende Diversifikation über Unternehmen, die von billiger Intelligenz profitieren, statt sie teuer zu produzieren.

Wie investiert arvy konkret in diesem Umfeld?

Wir bevorzugen «HALO»-Unternehmen — Heavy Assets, Low Obsolescence — mit echtem Free Cash Flow, hohem ROIC und Burggräben, die kein API-Schlüssel repliziert: Geografie, Regulierung, Physik. Konkret besitzen wir Triebwerkhersteller wie Safran und GE Aerospace statt Airlines, und wir bevorzugen Unternehmen, die billige Intelligenz konsumieren, statt teure zu produzieren. Die vollständige Positionierung findest du im Quartalsbericht Q1 2026.



Wer beim KI-Boom wirklich verdient

Die KI-Revolution ist echt — so echt wie das Internet, so echt wie die Luftfahrt. Und genau darum ist die entscheidende Frage nicht «ob», sondern «wer». Wer trägt den Rekord-Capex, und wer kassiert die Produktivitätsdividende? Die Geschichte gibt eine unbequeme, aber klare Antwort: Es war nie die Airline. Es war der Passagier. Und der Triebwerkhersteller.

Bei arvy heisst das konkret: Wir besitzen die «Heavy Assets, Low Obsolescence»-Unternehmen mit echtem Free Cash Flow und Burggräben aus Geografie, Regulierung und Physik — und wir bevorzugen Unternehmen, die billige Intelligenz konsumieren, statt teure zu produzieren. Es ist die Art zu investieren, die wir uns immer selbst gewünscht haben. Und jetzt teilen wir sie mit dir.

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Disclaimer: Dieser Artikel dient allgemeinen Bildungszwecken und stellt keine persönliche Anlageberatung dar. Die genannten Wertpapier-Bezeichnungen sind illustrativ und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Vergangene Performance ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. arvy ist ein von der FINMA beaufsichtigter Vermögensverwalter mit KAG-Lizenz (Art. 24). Impressum & Rechtliche Hinweise.