Aktives vs. Passives Investieren: Fakten, Mythen und die Wahrheit


“Alles, was wir hören, ist eine Meinung, kein Fakt. Alles, was wir sehen, ist eine Perspektive, nicht die Wahrheit.”
Marcus Aurelius, Meditations
arvy's Teaser: Die oft zitierte Aussage, dass „90 % der aktiven Manager underperformen“, erzählt nur die halbe Geschichte. Passives Investieren bietet kosteneffizientes und transparentes Marktexposure – doch echter Mehrwert entsteht an anderer Stelle: durch qualitätsorientiertes, überzeugungsbasiertes aktives Management, insbesondere in Korrektur- und Seitwärtsmärkten.
Dieser Beitrag zeigt, warum aktive und passive Strategien gemeinsam am besten funktionieren, wie Du echte aktive Kompetenz erkennst und weshalb Qualität, Momentum und hoher Active Share heute wichtiger sind denn je.
Kaum eine Aussage wird in der Investmentwelt so häufig und selbstbewusst wiederholt wie diese:
„90 % der aktiven Manager schlagen ihren Benchmark nicht.“
Für viele Investoren reicht dieser Satz aus, um passives Investieren als einzig sinnvolle Lösung zu betrachten. Tiefe Kosten, einfache Umsetzung und hohe Transparenz sprechen auf den ersten Blick klar dafür.
Doch wie bei vielen griffigen Schlagzeilen verbirgt diese Statistik mehr, als sie erklärt. Sie vermischt sehr unterschiedliche Manager, Strategien, Marktphasen und Anreizsysteme zu einer einzigen Zahl. Sie ignoriert, warum Underperformance entsteht, wo sie auftritt und wann sie besonders wahrscheinlich ist.
Vor allem aber lenkt sie von der entscheidenden Frage ab:
Wann schafft aktives Management einen Mehrwert – und wie kannst Du diesen erkennen?
Isoliert betrachtet ist die Aussage, dass rund 90 % der aktiven Aktienmanager ihren Index über zehn Jahre nicht schlagen, korrekt. Zahlreiche Studien bestätigen dies. Doch ohne Kontext führt sie zu falschen Schlussfolgerungen.
Ein Jahrzehnt geprägt von Konzentration und billigem Geld
Die letzten 10 bis 15 Jahre – insbesondere im US-Aktienmarkt – waren alles andere als normal. Die Performance wurde massgeblich getrieben durch:
In diesem Umfeld bedeutete ein Indexinvestment – insbesondere im S&P 500 – faktisch eine hochkonzentrierte Wette auf wenige Titel. Viele aktive Manager blieben zurück, nicht weil ihnen Kompetenz fehlte, sondern weil sie nicht bereit waren, diese Titel zu jedem Preis zu kaufen.
Das ist kein Argument gegen passives Investieren.
Es ist ein Argument dagegen, davon auszugehen, dass dieses Marktregime dauerhaft anhält.
Chart 1: Mit der gestiegenen Marktkonzentration kauft man sich a) keine Diversifikation aber b) signifikantes, einseitiges Risiko (Tech, KI, hohe Bewertungen)

Ein häufig übersehener Aspekt aktiven Managements ist der Zeitpunkt, wann Alpha entsteht.
Entgegen der weit verbreiteten Annahme outperformen hochwertige aktive Manager nicht zwingend in starken Bullenmärkten. In solchen Phasen dominiert Beta, die Marktstreuung ist gering und passive Strategien funktionieren naturgemäss sehr gut.
Warum qualitätsorientierte aktive Manager entscheidend sind
Aktive Manager mit Qualitätsfokus entfalten ihren Mehrwert typischerweise in anderen Marktphasen:
Hier wird nicht entscheidend, wer am meisten gewinnt, sondern wer am wenigsten verliert.
Begriffe wie Downside Capture und Kapitalerhalt rücken in den Vordergrund. Qualitätsorientierte aktive Manager:
Empirische Studien zeigen konsistent, dass Portfolios, die passives Beta mit selektivem, hochwertigem aktivem Management kombinieren, folgende Eigenschaften aufweisen:
Kurz gesagt: Aktives Management stabilisiert das Portfolio, während passives Investieren effizientes Marktexposure liefert. Genau diese komplementäre Wirkung macht einen ausgewogenen Ansatz besonders für langfristige Investoren sinnvoll.
Um zu verstehen, weshalb so viele aktive Fonds enttäuschen, musst Du zwischen echtem aktivem Management und seiner häufigsten Nachahmung unterscheiden: Closet Indexing.
Was ist Closet Indexing?
Closet Indexer sind Fonds, die:
Solche Produkte finden sich besonders häufig bei:
Der Anreiz ist klar: Mit dem Index zu verlieren ist karrieretechnisch sicherer als gegen den Index. Das Resultat sind benchmarknahe Portfolios ohne klare Überzeugung – und damit strukturelle Mittelmässigkeit.
Nicht aktives Management scheitert – sondern Management, das nicht wirklich aktiv ist. Wenn Du aktive Gebühren bezahlst, solltest Du auch aktive Entscheidungen erwarten.
Zwei Kennzahlen sind entscheidend, um echtes aktives Management zu identifizieren:
Chart 2: Active Share und Haltedauer machen den Unterschied

Die Forschung von Martijn Cremers und Ankur Pareek zeigt klar:
Manager mit hohem Active Share und langer Haltedauer outperformen signifikant.
Die erfolgreichste Gruppe ist nicht einfach „aktiv“, sondern zeichnet sich aus durch:
Diese Manager führen konzentrierte Portfolios, akzeptieren temporäre Underperformance und geben ihren Investmentthesen Zeit, sich zu entfalten.
Manager mit niedrigem Active Share und kurzer Haltedauer hingegen schneiden häufig schlechter ab als passive Alternativen – insbesondere nach Kosten.
Ein weiterer Treiber enttäuschender aktiver Renditen ist der Boom von Themenfonds.
Typische Merkmale:
Das Problem ist selten das Thema selbst, sondern die Bewertung beim Einstieg. Oft sind die Erwartungen bereits vollständig eingepreist.
Empirisch zeigt sich:
Solche Produkte sind primär für den Vertrieb konzipiert – nicht für nachhaltige Kapitalbildung.
Während Aktien die Debatte um aktive versus passive Anlageformen dominieren, ist das aktive Management gerade bei festverzinslichen Anlagen besonders sinnvoll – und dort kommt die Philosophie „Good Story & Good Chart“ besonders gut zum Tragen, wie Sie gleich erfahren werden, wenn wir Ihnen unseren Partner für festverzinsliche Anlagen, Flossbach von Storch (FvS), vorstellen, den wir für die Allokation in festverzinsliche Anlagen nutzen.
Anleiheindizes weisen inhärente Probleme auf:
Im Fixed Income ist Qualität nicht verhandelbar. Die Vermeidung permanenter Kapitalverluste ist wichtiger als marginales Upside-Potenzial.
Gleichzeitig spielt Momentum eine zentrale Rolle: Spreads, Zinskurven und Marktpositionierungen verlaufen häufig in persistenten Trends, getrieben von Liquidität und geldpolitischen Erwartungen.
Chart 3: Underperformance-Statistiken im Fixed Income und Aktienbereich

Auch hier zeigen Durchschnittswerte Underperformance. Doch erneut liegt das Problem weniger im aktiven Ansatz als in dessen Umsetzung.
Hier siehst du die Performance von Arvy's Fixed Income Braket in den letzten zehn Jahren im Vergleich zu dem, was du mit passiven Anlagen erzielst.
Chart 4: Aktives Fixed Income in der Praxis – FvS vs. Bloomberg Global Aggregate CHF

Der Vergleich zeigt, was möglich ist, wenn:
konsequent kombiniert werden.
Das Ergebnis sind besserer Kapitalschutz, adaptive Risikosteuerung und überlegene risikoadjustierte Renditen.
Im Fixed Income ist Nichtstun ebenfalls eine Entscheidung – und oft eine kostspielige.
Unabhängig vom Marktregime zeigen Forschung und Praxis immer wieder:
Langfristig funktionieren vor allem zwei Faktoren – Qualität und Momentum.
Bei arvy.ch bilden sie den Kern der Investmentphilosophie:
Good Story & Good Chart
Indizes können diese Faktoren nicht aktiv umsetzen. Sie sind rückwärtsgewandt, mechanisch und blind gegenüber Qualität oder Trendbrüchen. Genau hier entsteht der Raum für überzeugtes aktives Management.
Chart 5: Qualität und Momentum outperformen alle Faktoren

Aktives Investieren soll passives nicht ersetzen – und umgekehrt.
Passives Investieren eignet sich für:
Aktives Management macht Sinn, wenn:
In der Praxis bedeutet das häufig:
Diese Prinzipien setzen wir auch im Aktienbereich um. Statt hunderte Titel zu halten, um einem Index zu ähneln, fokussieren wir uns auf:
Konzentration ist kein Risiko, wenn sie das Ergebnis fundierter Überzeugung und disziplinierter Risikosteuerung ist. Häufig ist sie sogar Voraussetzung, um nach Kosten echten Mehrwert zu erzielen.
Die eigentliche Frage lautet nicht aktiv oder passiv, sondern echtes aktives Management oder verkleidetes Passivmanagement.
Passives Investieren bleibt ein wertvolles Instrument. In Kombination mit ausgewählten, qualitativ hochwertigen aktiven Managern entfaltet es jedoch seine volle Stärke.
Skepsis ist angebracht bei:
Offenheit lohnt sich für:
Erfolgreiches Investieren bedeutet nicht, alles zu besitzen – sondern das Richtige, zur richtigen Zeit, aus den richtigen Gründen.