Automatisch investieren in der Schweiz


Die meisten Menschen scheitern beim Vermögensaufbau nicht an der Produktwahl, sondern an der Wiederholung. Der erste Monat funktioniert immer. Der siebte, in dem die Zahnarztrechnung kommt und das Auto in den Service muss, ist der eigentliche Test — und den besteht man nicht mit Vorsätzen, sondern mit Struktur.
Das Prinzip ist alt und unverändert wirksam: Investiere zuerst, gib danach aus — nicht umgekehrt. Wer am Monatsende anlegt, was übrig geblieben ist, legt in der Praxis wenig an, weil Ausgaben sich zuverlässig ausdehnen, bis sie das verfügbare Einkommen ausfüllen.
Dreht man die Reihenfolge um, passiert etwas Unauffälliges, aber Entscheidendes: Der Betrag ist weg, bevor er als verfügbar wahrgenommen wird. Die Ausgaben passen sich dem verbleibenden Rest an. Man verzichtet nicht bewusst — man merkt es kaum.
Praktisch heisst das: Dauerauftrag auf den Tag nach dem Lohneingang. Nicht auf den 25., nicht auf den Monatsletzten. Was zuerst abfliesst, wird nicht ausgegeben — und ein Sparplan, der vom Restguthaben abhängt, überlebt den ersten teuren Monat nicht.
Ein automatischer Sparplan investiert im März 2020 und im Oktober 2022, ohne zu fragen, wie sich die Lage anfühlt. Diese Gleichgültigkeit ist kein Mangel, sondern der ganze Punkt.
Der Wert dieser Gleichgültigkeit ist messbar. Vanguard beziffert den Ertrag disziplinierten Verhaltens auf rund 1.5% pro Jahr, Morningstar auf 1.59%, Dalbar auf 1.5% bis 3%. Alle drei messen dasselbe: die Lücke zwischen dem, was ein Investment liefert, und dem, was seine Besitzer davon behalten. In unseren eigenen Rechnungen setzen wir bewusst den unteren Rand an, rund 1% bis 1.5% — eine konservative Schätzung ist hier mehr wert als eine grosse Zahl.
Keine Anbieterwahl und keine Fondsselektion bewegt Zahlen dieser Grössenordnung. Die grösste erreichbare Verbesserung liegt fast immer darin, nichts zu tun — zuverlässig und über Jahrzehnte.
Über den Betrag lässt sich mehr steuern als über die Rendite. Ein Beispiel bei CHF 6'000 Nettoeinkommen und 25 Jahren Laufzeit, gerechnet mit 7%:
Eine Sparquote von 15% statt 10% entspricht hier rund CHF 243'000. Zum Vergleich: Der Unterschied zwischen einem Anbieter mit 0.45% und einem mit 0.90% All-in-Kosten liegt über einen vergleichbaren Zeitraum in der Grössenordnung eines Bruchteils davon. Wo dein Spielraum tatsächlich liegt, zeigt der Sparquoten-Rechner.
Der wirksamste Trick ist nicht die Anfangsrate, sondern ihre Entwicklung. Wer bei jeder Lohnerhöhung die Hälfte automatisch in den Sparplan leitet, hebt die Sparquote über die Jahre erheblich an, ohne je den gewohnten Lebensstandard zu senken. Der Zuwachs, den man nie auf dem Konto gesehen hat, fehlt auch nicht.
Dasselbe gilt für einmalige Zuflüsse: Bonus, 13. Monatslohn, Steuerrückerstattung. Eine feste Regel — etwa die Hälfte davon investieren — funktioniert besser als eine Einzelfallentscheidung, weil sie im Voraus getroffen wird.
Ein Dauerauftrag kann jederzeit gestoppt werden — und genau das passiert in Krisen. Der Mechanismus schützt vor Trägheit, nicht vor Panik. Deshalb gehört zur Automatisierung eine zweite Ebene: eine im Voraus festgelegte Regel für den Fall, dass die Kurse deutlich fallen. Was in diesem Moment sinnvoll ist, steht in Markt fällt 20%: was jetzt zu tun ist.
Und Automatisierung ersetzt keinen Notgroschen. Ohne Liquiditätspuffer wird der Sparplan im Ernstfall zur Notreserve — und muss ausgerechnet dann aufgelöst werden, wenn die Kurse tief stehen.
Möglichst kurz nach dem Lohneingang. Wer erst am Monatsende investiert, investiert das, was übrig geblieben ist — und das ist erfahrungsgemäss deutlich weniger als geplant.
Als Orientierung gelten 10 bis 20% des Nettoeinkommens, sobald Notgroschen und teure Schulden erledigt sind. Wichtiger als die Zahl ist, dass sie über Jahre durchhaltbar bleibt.
Das ist einer der wirksamsten Hebel überhaupt. Wer einen festen Anteil jeder Lohnerhöhung in den Sparplan lenkt, steigert die Sparquote spürbar, ohne den Lebensstandard zu verändern.
Eine feste Regel im Voraus festlegen — etwa die Hälfte investieren — funktioniert besser als jedes Mal neu zu entscheiden. Einmalige Zuflüsse werden am besten sofort investiert, statt auf einen günstigeren Zeitpunkt zu warten.
Die Ausführung wird in der Regel ausgelassen und beim nächsten Termin fortgesetzt. Damit das nicht regelmässig passiert, sollte der Betrag so gewählt sein, dass er auch in einem teuren Monat trägt.
Der Effekt auf die Rendite ist minimal. Sinnvoll ist eine Aufteilung höchstens dann, wenn dein Einkommen in mehreren Tranchen eingeht und du den Abfluss daran koppeln willst.
Der Notgroschen kommt zuerst und bleibt vollständig liquid. Erst danach beginnt der Sparplan. Ohne diesen Puffer wird der Sparplan im Ernstfall zur Notreserve — und muss ausgerechnet dann aufgelöst werden, wenn die Kurse tief stehen.
Alles zum automatisierten, regelmässigen Investieren.
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Zum ETF Sparplan →Dieser Beitrag wurde von Thierry Borgeat, Mitgründer von arvy, verfasst und von Patrick Rissi, CFA, und Florian Jauch, CFA, geprüft.
Disclaimer: arvy AG ist ein von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA bewilligter Verwalter von Kollektivvermögen nach Art. 24 des Kollektivanlagengesetzes (KAG). Dieser Beitrag dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Steuer- oder Rechtsberatung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Die dargestellten Berechnungen sind Modellrechnungen auf Basis der genannten Annahmen und keine Prognose; sie unterstellen eine konstante Rendite und eine monatliche Verzinsung zum nominellen Jahreszins. Die historische Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Anlagen in Aktien unterliegen Kursschwankungen; Verluste bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals sind möglich. Steuerliche Auswirkungen sind kantonal und individuell unterschiedlich — kläre deine Situation mit einer Fachperson ab.