Basketbälle unter Wasser: 6 Aktien für die Kaufliste


Wenn die Märkte sinken, sollte man darauf achten, was sich halten kann. Drei defensive und drei Basketbälle mit höherem Beta — bereit, nach oben zu schiessen, wenn der Druck nachlässt. Unsere Original-Analyse für The Market by NZZ — plus die ausführliche Investoren-Sicht zur Kapitulations-Mechanik und Defensive-vs-Beta-Auswahl.
Vor einem Monat habe ich über das Konzept der Basketbälle unter Wasser geschrieben.
Da die Märkte in jüngster Zeit wichtige Unterstützungszonen getestet haben und Anzeichen für eine Kapitulation zeigen — dazu zählen zum Beispiel ein erhöhtes ETF-Volumen, ein Anstieg des Volatilitätsindex VIX, steigende Put/Call-Ratios und 91%-ige Down-Volume-Days — könnte der Höhepunkt des Drucks, der auf einigen dieser Basketbälle lastet, nun hinter uns liegen.
Zur Erinnerung: Der Begriff Basketbälle bezieht sich auf Aktien, die vorübergehend durch die allgemeinen Marktbedingungen gedrückt werden, die aber ein starkes Erholungspotenzial haben, sobald der Verkaufsdruck nachlässt. In einem solchen Umfeld wird die relative Stärke zum Markenzeichen einer qualitativ hochwertigen Aktie: Das sind die Aktien, die man als Investor besitzen will.
Wir schauen uns nachfolgend drei defensive und drei Basketbälle mit höherem Beta an, die derzeit unter Wasser gedrückt werden.
→ Den vollständigen Artikel mit den sechs konkreten Aktienpicks auf The Market by NZZ lesen
Chart 1: Volumen des $SPY S&P 500 ETF; hohes Volumen bei Tiefstständen ist ein Zeichen für Kapitulation

Quelle: NZZ The Market
«Kapitulation» ist ein Wort, das Marktkommentatoren häufig verwenden, ohne es präzise zu definieren. In einer NZZ-Kolumne werden die vier Kapitulations-Signale (ETF-Volumen, VIX, Put/Call-Ratio, 91%-Down-Volume-Days) erwähnt — aber die mechanische Bedeutung jedes einzelnen verdient Tiefe, die im NZZ-Format keinen Platz hat. Kapitulation ist nicht ein Gefühl, sondern ein messbares technisches Phänomen — und exakt das macht sie als Wendepunkt-Indikator wertvoll.
Was die vier Kapitulations-Signale strukturell bedeuten:
Jedes einzelne der vier Signale kann irreführend sein — VIX-Spikes ohne Volumen-Bestätigung sind oft Eintagsfliegen. 91%-Down-Volume-Days ohne Sentiment-Extreme sind oft Trendfortsetzung statt Wendepunkt. Erst die Kombination mehrerer Signale gleichzeitig schafft einen robusten Wendepunkt-Hinweis. Disziplinierte Anleger warten nicht auf die Zeitungs-Diagnose «Kapitulation», sondern beobachten die Signal-Kombination unabhängig — und reagieren mit ihren vorbereiteten Einkaufslisten.
Die NZZ-Kolumne unterscheidet bewusst zwischen drei defensiven und drei höher-beta Basketbällen. Diese Unterscheidung ist nicht zufällig — sie reflektiert zwei strukturell verschiedene Erholungsmuster und passt zu zwei verschiedenen Anleger-Profilen:
Etablierte Quality-Geschäfte mit stabilen Cashflows, oft Konsumgüter, Healthcare oder Versorger. In Korrekturen fallen sie deutlich weniger als der Markt. In der Erholung steigen sie zwar nicht so explosiv wie höher-beta Geschäfte — aber dafür mit deutlich geringerem Drawdown-Risiko falls die Erholung nochmals ins Stocken kommt. Geeignet für Anleger mit Fokus auf Risikoreduktion.
Strukturell solide Geschäfte, aber mit höherer Sensitivität zum Konjunkturzyklus oder zu Sektor-Trends. In Korrekturen fallen sie stärker als defensive Werte — aber wenn sie relative Stärke zeigen, ist das ein besonders starkes Quality-Signal. In der Erholung steigen sie typisch deutlich überproportional. Geeignet für Anleger mit höherer Risikotoleranz und längerem Anlagehorizont.
Die meisten privaten Anleger wählen intuitiv ausschliesslich defensive Werte in Korrekturen — das fühlt sich sicherer an. Strukturell ist die Mischung beider Kategorien aber typisch überlegen: defensive Anker stabilisieren das Portfolio, höher-beta Positionen liefern die überdurchschnittlichen Erholungs-Renditen. Das richtige Mischungsverhältnis hängt von der individuellen Risikotoleranz und dem Anlagehorizont ab.
Die spezifischen Aktienpicks aus der NZZ-Kolumne sind illustrative Beispiele für die Anwendung der Basketbälle-Logik im Frühjahr 2025. arvy investiert seit Jahren in Quality-Geschäfte, oft mit Überschneidungen zu solchen NZZ-Picks — aber wir publizieren keine Einzeltitel-Empfehlungen für andere Anleger. Die konkrete arvy-Allokation ist im Quartalsbericht Q1 2026 transparent dokumentiert. Was dauerhaft übertragbar ist, ist das Identifikations-Framework — die Defensive-vs-Beta-Logik kannst du auf jede zukünftige Korrektur anwenden, unabhängig vom spezifischen Marktumfeld 2025.
Die Basketbälle-Logik wird in deinem Anlegerleben mehrfach hochrelevant — bei jeder Korrektur. Die Frage ist nicht, ob du sie anwenden wirst, sondern wie systematisch. Vier konkrete Selektions-Schritte, die das Framework operationalisieren:
| Schritt | Was zu tun wäre |
|---|---|
| 1. Drawdown-Vergleich | Berechne für jeden Watchlist-Kandidaten den Drawdown vom letzten Hoch versus den Index-Drawdown (S&P 500 oder MSCI World). Echte Basketbälle haben <50% des Index-Drawdowns über 4-8 Wochen. |
| 2. Fundamentale Validierung | Prüfe die letzten Quartalszahlen — Top-Line stabil oder wachsend? Margen stabil oder verbessert? Cash-Generierung intakt? Wenn ja, ist die Aktien-Schwäche reines Sentiment, nicht Substanz. |
| 3. Defensive-vs-Beta-Klassifikation | Beta gegenüber dem Marktindex prüfen. <0.7 = defensiv, 0.7-1.2 = neutral, >1.2 = höher-beta. Das hilft, die Erwartungen für die Erholungsphase zu kalibrieren. |
| 4. Position-Sizing | Defensive Basketbälle 4-7% pro Position, höher-beta 2-4% pro Position — wegen der höheren Volatilität. Über 6-10 Positionen die Auswahl streuen. |
| Anleger-Profil | Empfohlene Basketbälle-Mischung | Was zu prüfen wäre |
|---|---|---|
| Konservativ, niedrige Risikotoleranz | 80% defensiv, 20% höher-beta | Langfristige Wertsteigerung mit Schutz vor weiteren Drawdowns |
| Ausgeglichen, mittlere Risikotoleranz | 60% defensiv, 40% höher-beta | Klassische Balance — Stabilität plus Erholungs-Hebel |
| Wachstumsorientiert, höhere Risikotoleranz | 40% defensiv, 60% höher-beta | Maximierung der Erholungs-Renditen, akzeptiert höhere Volatilität |
| Reine Index-Anleger | Eigentlich nicht anwendbar | Disziplin halten, normalen Sparplan weiterführen |
Kapitulations-Signale sind probabilistisch Wendepunkt-Marker, aber keine Garantien. Die drei plausiblen Pfade:
Die Kombination aller vier Signale (ETF-Volumen, VIX, Put/Call-Ratio, 91%-Down-Volume-Days) markiert den tatsächlichen Tiefpunkt. In den folgenden 4-12 Wochen erholt sich der breite Markt um 15-25%, die identifizierten Basketbälle (besonders die höher-beta Werte) liefern überproportionale Renditen — typisch 30-50% in dieser Phase. Statistisch das häufigste Pattern nach echter mehrfach-bestätigter Kapitulation.
Die Signale markieren einen wichtigen Tiefpunkt, aber der Markt testet das Niveau nochmals in den folgenden 2-4 Monaten. Schrittweise Käufe in den Test-Phasen liefern bessere Durchschnittspreise. Defensive Basketbälle führen die graduelle Erholung an, höher-beta Werte folgen mit Verzögerung. Über 12 Monate liefern beide Kategorien überdurchschnittliche Renditen versus breiten Markt. Unser Basisszenario.
Trotz der Signal-Konvergenz war es kein echter Wendepunkt. Eine kurze Erholung wird gefolgt von einer weiteren Abwärtsphase mit zusätzlichen 15-25% Verlust. Defensive Basketbälle halten relativ stabil, höher-beta Werte fallen erneut, oft sogar stärker als beim ersten Drawdown. In diesem Szenario sind frühe Käufer psychologisch herausgefordert — aber wenn die Selektion strukturell Quality war, kommen die Renditen, nur mit längerem Anlagehorizont.
Auch wenn du diese Analyse Jahre nach 2025 liest — die Basketbälle-Mechanik wird in jeder zukünftigen Korrektur wieder aktivierbar sein. Vier konkrete Prüfungen, die zeitlos gelten:
1. Kapitulations-Signal-Tracker einrichten. Beobachte die vier Signale (ETF-Volumen, VIX, Put/Call-Ratio, 91%-Down-Volume-Days) systematisch in jeder Korrektur. Ein einfaches Spreadsheet oder Trading-View-Watchlist genügt. Ohne Tracking reagierst du nur auf Schlagzeilen — mit Tracking siehst du die Signal-Konvergenz vor den meisten anderen Anlegern.
2. Defensive-vs-Beta-Klassifikation deiner Watchlist. Klassifiziere jede deiner 20-30 Quality-Champions als defensiv oder höher-beta. In der nächsten Korrektur weisst du dann sofort, welche Position welcher Strategie folgt. Diese Vorbereitung dauert eine Stunde — und spart in der Korrektur Tage von Stress-Recherche.
3. Position-Sizing-Regeln vorab definieren. Definiere jetzt, in ruhiger Marktphase, wie viel du in einer typischen Korrektur in defensive vs. höher-beta Basketbälle investieren würdest. Schriftlich dokumentiert. Diese Vorab-Disziplin schützt dich davor, in der Korrektur zu konzentriert oder zu diffus zu kaufen.
4. Erholungs-Erwartungen kalibrieren. Akzeptiere statistisch, dass nicht jede Korrektur in V-Erholung mündet. Wer ausschliesslich auf Bull-Case-Szenarien setzt, ist im U-Erholungs-Pattern enttäuscht und im Bear-Case-Pattern panisch. Realistische Szenario-Diversifikation ist die beste psychologische Vorbereitung.
Sie reagieren nicht hektisch auf jeden Signal-Spike. Sie warten auf Signal-Konvergenz — mehrere Indikatoren gleichzeitig im Extrem. Dann aktivieren sie ihre vorbereitete Watchlist, prüfen die Defensive-vs-Beta-Klassifikation, und kaufen schrittweise in 3-5 Tranchen über 4-8 Wochen. Sie prüfen alle 2 Wochen, ob die fundamentale These (Top-Line stabil, Margen intakt) noch gilt. Sie verkaufen nicht bei der ersten Erholung, sondern halten die Quality-Geschäfte langfristig. Diese Disziplin liefert in den 4-6 grossen Korrekturen eines Anlegerlebens systematisch überdurchschnittliche Renditen.
Die sechs konkreten Picks (drei defensive + drei höher-beta) findest du in der Original-NZZ-Kolumne — sie ist verlinkt oben. Wir publizieren die spezifischen Namen hier nicht, weil unser Fokus auf der übertragbaren Mechanik liegt. Aktien, die im Frühjahr 2025 Basketbälle waren, sind heute möglicherweise keine mehr — die Methode bleibt aber zeitlos gültig.
Du kannst diese Frage durch Marktverlauf-Vergleich selbst beantworten. Die kapitulations-typischen Signale, die im April 2025 dokumentiert wurden, entsprachen historischen Wendepunkt-Mustern. Was unabhängig vom Einzelfall gültig bleibt: die Konvergenz der vier Signale ist statistisch ein robuster Wendepunkt-Hinweis. Das gilt für jede zukünftige Korrektur genauso wie für April 2025.
Strukturell ja — die Mischung ist typisch überlegen, weil defensive Werte das Portfolio stabilisieren und höher-beta Werte die überdurchschnittlichen Erholungs-Renditen liefern. Das richtige Verhältnis hängt von deiner persönlichen Risikotoleranz und deinem Anlagehorizont ab. Konservative Anleger 80/20 defensiv/beta, ausgeglichene 60/40, wachstumsorientierte 40/60.
arvy hält strategisch eine Cash-Reserve, die in Korrektur-Phasen schrittweise in identifizierte Quality-Champions mit relativer Stärke umgeschichtet wird. Die genaue Mechanik und konkrete Positionen findest du transparent dokumentiert im arvy Quartalsbericht Q1 2026.
Weiterlesen — die thematischen Anker dieser Analyse
Die sechs Aktien, die im April 2025 Basketbälle waren, werden in fünf oder zehn Jahren wahrscheinlich keine Basketbälle mehr sein — sie werden entweder zu Vollendungen geworden oder durch andere Quality-Geschäfte abgelöst sein. Was bleibt, ist das Identifikations-Framework: die vier Kapitulations-Signale, die Defensive-vs-Beta-Klassifikation, die Position-Sizing-Regeln, die Geduld der schrittweisen Käufe. Wer dieses Framework einmal verinnerlicht hat, hat eine zeitlose Strategie für jede zukünftige Marktturbulenz.
Die meisten privaten Anleger werden die nächsten Korrekturen erleben wie alle vorherigen — mit Panik-Verkäufen am Tiefpunkt und FOMO-Käufen am neuen Hoch. Die wenigen disziplinierten Anleger werden die gleichen Korrekturen erleben wie disziplinierte Sammler: als seltene Gelegenheiten, Quality-Geschäfte zu vernünftigen Preisen aufzubauen. Über 30 Jahre Anlegerleben erlebst du 4-6 grosse Korrekturen. Wer in jeder einzelnen die Basketbälle-Disziplin nutzt, baut einen mathematisch garantierten Vorsprung auf — Quality plus Disziplin schlägt Mehrheits-Verhalten zuverlässig über lange Zeiträume.
Original verfasst von Thierry Borgeat, Co-Founder von arvy, für The Market by NZZ. Die ausführliche arvy-Erweiterung wurde überprüft von Patrick Rissi, CFA und Florian Jauch, CFA. Datenquellen: NZZ The Market, eigene Analysen, AAII Investor Sentiment Survey (öffentlich), CBOE VIX Daten, NYSE Volumen-Statistiken. Letztes Update: April 2026.
Disclaimer: Dieser Artikel dient allgemeinen Bildungszwecken und stellt keine persönliche Anlageberatung dar. Die referenzierten NZZ-Aktienpicks sind illustrative Beispiele und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Vergangene Performance ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. Szenarien sind Einschätzungen, keine Prognosen. arvy ist ein von der FINMA beaufsichtigter Vermögensverwalter mit KAG-Lizenz (Art. 24). Impressum & Rechtliche Hinweise.