Biotech ist der grösste KI-Gewinner —Moderna hat es gerade bewiesen


«Das Spannendste am Code des Lebens ist, dass es sich tatsächlich um einen Code handelt – und Code lässt sich bearbeiten.»
– Walter Isaacson, The Code Breaker (2021)
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mRNA.
Oder Messenger-Ribonukleinsäure.
«Halt, stopp!, Thierry, lass mich zuerst meinen Freitagmorgen-Kaffee holen.» Klar, leg los!
Und jetzt: «Let’s fetz». Vier Buchstaben, die bis 2020 fast niemand ausserhalb eines Labors je laut ausgesprochen hatte.
Du hast das Wort seither wahrscheinlich hundertmal gehört. Die Chancen stehen gut, dass dir nie jemand gesagt hat, was es eigentlich bedeutet.
Ändern wir das.
Fang mit dem an, was dein Körper ohnehin tut, jede Sekunde, ungefragt. Tief in jeder deiner Zellen sitzt die DNA — der Bauplan, im Tresor verschlossen, wird nie herausgegeben. Wenn eine Zelle etwas bauen muss, schickt sie nicht den Bauplan in die Werkstatt. Sie schickt die Kopie einer einzigen Seite. Diese einseitige Fotokopie ist die mRNA: eine kurze, vergängliche Anweisung, die sagt «bau genau dieses eine Protein, hier, jetzt» — und sich danach auflöst (Chart 1).
Das ist der ganze Trick.
mRNA ist kein Medikament im alten Sinn. Sie ist eine Nachricht. Und die verblüffende Idee — über Jahrzehnte gereift — war: Wenn der Körper seine eigenen Nachrichten liest, um Proteine zu bauen — was, wenn wir die Nachricht selbst schreiben?
Gib einer Zelle eine synthetische Anweisung, und sie wird zur Fabrik. Sag ihr, sie soll den Spike eines Virus bauen, und dein Immunsystem trifft den Feind und lernt sein Gesicht — ohne dem Virus je zu begegnen. Das ist ein Impfstoff. Sag ihr, sie soll einen Marker bauen, der auf einem Tumor sitzt, und du kannst dem Körper beibringen, Krebs zu jagen. Dieselbe Plattform. Andere Nachricht.
Fast die ganze Pharmageschichte lang bedeutete ein neues Medikament ein neues Molekül — Jahre an Chemie, ein Ziel, ein Versuch. mRNA bricht dieses Modell. Die Herstellung ändert sich von einem Produkt zum nächsten kaum; was sich ändert, ist die Vier-Buchstaben-Sequenz, die du eintippst. Tausch den Text, behalt die Maschine.
Deshalb war Covid der Zufall, der die Zündschnur entzündete. Als die Pandemie zuschlug, wurde der genetische Code des Virus online veröffentlicht. Wochen später — nicht Jahre — existierte eine Impfstoff-Sequenz. Die Technologie hatte ein Jahrzehnt in den Kulissen gewartet; sie brauchte nur eine Bühne.
Aber jetzt kommt der Teil, der für die nächsten zehn Jahre zählt. Wenn ein Medikament im Kern eine Abfolge von Buchstaben ist, dann ist es nicht mehr nur ein Chemie-Problem, eines zu entwerfen.
Es wird zu einem Daten-Problem.
Welche Sequenz faltet sich richtig? Welche bemerkt das Immunsystem tatsächlich? Welche von einer Milliarde möglicher Änderungen ist die, die funktioniert? Das sind Muster-Fragen über Ozeanen biologischer Daten — und Muster in Ozeanen von Daten zu finden, ist genau das, wofür dieses Jahrzehnt eine neue Art von Maschine gebaut hat.
Und deshalb ist Biotech einer der grössten Profiteure von Künstlicher Intelligenz (KI).
Und ein Unternehmen darin hat mRNA als Kürzel und im Namen.
Moderna.
Chart 1: mRNA die Technologie vs. MRNA das Unternehmen — dieselben vier Buchstaben, das eine ist
ein Molekül, das andere ein Nasdaq-Kürzel

Aber Moderna ist nur die laute Hälfte der Geschichte. Die leise Hälfte ist das, was gerade mit der gesamten Biologie passiert ist — und warum eine Maschine, die du bereits von deinem Handy kennst, jetzt darauf gerichtet ist.
Die längste Zeit war Biologie read-only — nur lesbar.
Wir konnten eine Zelle beobachten, sie anstupsen, zusehen, was passiert, und raten.
Medikamentenentwicklung glich eher dem Schürfen als dem Ingenieurwesen: zehntausend Verbindungen probieren, hoffen, dass eine hält, und ein Jahrzehnt warten, um es herauszufinden. Noch immer scheitern zwischen 90% und 95% der Medikamente, die in klinische Studien am Menschen gehen.
Die ganze Branche ist auf dieser brutalen Arithmetik gebaut.
Zwei Dinge veränderten das Spiel gleichzeitig.
Erstens wurde Biologie beschreibbar.
Zwischen mRNA — Anweisungen schreiben, die die Zelle lesen wird — und CRISPR, dem Gen-EditingWerkzeug, das Forschern erlaubt, den Bauplan selbst zu verändern, hörte der Code des Lebens auf, etwas zu sein, das wir nur lesen. Er wurde zu etwas, das wir bearbeiten können.
Das ist die Geschichte, die Walter Isaacson in The Code Breaker erzählt (Chart 2), unserer neuesten Book-Club-Ausgabe — derselbe Autor, der die massgeblichen Biografien von Steve Jobs und Leonardo da Vinci schrieb und hier denselben Blick auf Jennifer Doudna und die Gen-Editing-Revolution richtet. Wenn du mit einem Buch, das sich wirklich wie ein Thriller liest, dich verlieren willst, fang dort an.
Und falls du Lust hast: Auch sein übriges Werk sei wärmstens empfohlen.
Zweitens wurde Biologie zur Datenwissenschaft.
Sobald ein Medikament eine Sequenz ist und das Verhalten einer Zelle ein Datensatz, verschiebt sich der Engpass. Es geht nicht mehr um «können wir den Code lesen», sondern um «können wir ihn schnell genug durchsuchen». Und unvorstellbar grosse Räume nach dem einen Muster zu durchsuchen, das funktioniert, ist genau das, womit moderne KI ihr Geld verdient.
Beispiel?
Denk daran, was ein einzelnes KI-Modell von Google mit der Proteinfaltung machte (dem Rätsel, wie sich ein Protein in seine 3D-Form windet) — ein Problem, an dem sich die Biologie fünfzig Jahre die Zähne ausbiss (50 (!) Jahre), weitgehend gelöst von einer Maschine, die die Muster gelernt hatte. Richte nun dieselbe Fähigkeit darauf, welche mRNA-Sequenz zu bauen ist, welcher Tumor-Marker anzuvisieren ist, welcher Patient ansprechen wird. Der alte Trichter — zehntausend Vermutungen, ein Gewinner, ein Jahrzehnt Warten — wird bei jedem Schritt kürzer, günstiger und klüger.
Einfach gesagt: Statt zehntausend Chemikalien zu mischen und zu beten, tippst du vier Buchstaben ein und lässt dir von der Maschine sagen, welche du ausprobieren sollst. Das ist eine völlig andere Art von Arbeit.
Ist das nicht absolut verrückt?
Das ist die stille Revolution. Kein Roboter-Arzt. Eine Design-Maschine. Biologie ist zum ersten Mal etwas geworden, das man berechnen kann — und die Firmen, die auf den meisten biologischen Daten sitzen, mit den Werkzeugen, sie zu lesen, halten den Rohstoff des nächsten Jahrzehnts in den Händen.
Womit die Theorie mit voller Wucht in die reale Welt kracht.
An einem einzigen Tag in diesem August.
Chart 2: The Code Breaker — Walter Isaacson über Jennifer Doudna, Gen-Editing und die Zukunft der Menschheit

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Join 12k+ readers →Jahrelang war Moderna «die Covid-Firma».
Ein geniales Produkt, ein Berg an Cash und eine bohrende Frage: War die mRNA-Plattform ein echter Motor — oder ein One-Hit-Wonder, das auf einer Pandemie ritt?
Wie sich herausstellte, war Moderna nicht Carly Rae Jepsen mit ihrem Song „Call Me Maybe“.
Denn am 19. August erhielt der Markt seine Antwort.
Moderna und sein Partner Merck meldeten, dass intismeran — eine individualisierte Krebstherapie — in einer Phase-3-Studie bei Hochrisiko-Melanom (einer ernsten Form von Hautkrebs) erfolgreich war. In Kombination mit Mercks Keytruda verbesserte es die Chancen der Patienten, nach der Operation krebsfrei zu bleiben, deutlich — gegenüber Keytruda allein. Frühere Fünf-Jahres-Daten hatten bereits eine Reduktion des Rückfall- oder Sterberisikos um 49% gezeigt.
Das war die Bestätigung.
Und jetzt, warum es individualisiert ist — und warum genau das der springende Punkt ist. Die Therapie wird für einen einzelnen Patienten gebaut. Ärzte sequenzieren den spezifischen Tumor dieser Person, identifizieren die für ihn einzigartigen Mutationen und schreiben dann — mithilfe der mRNA-Plattform — eine massgeschneiderte Anweisung, die dem Immunsystem genau dieses Patienten sagt, was es jagen soll.
Ein Krebsimpfstoff, pro Person massgedruckt.
Das ist keine Chemie-Pipeline. Das ist Software, ausgeführt auf Biologie.
Und die Aktie? Bei solch grossen Neuigkeiten?
Durch die Decke!
Moderna schloss an diesem Tag 177% höher (Chart 3).
Fun Fact: Das war der grösste Ein-Tages-Gewinn eines Unternehmens im S&P 500 in diesem Jahrhundert (ja, in diesem Jahrhundert).
Der Grund für diese heftige Bewegung ist nicht die Melanom-Nische selbst, die relativ klein ist. Es ist, was das Melanom beweist: dass die Plattform über Impfstoffe hinaus funktioniert. Wenn mRNA dem Immunsystem beibringen kann, einen Krebs zu bekämpfen, zeigt dieselbe Maschine auf Lungenkrebs (eine weit grössere Indikation, bereits in drei Phase-3-Studien), dann Niere, dann Blase.
Also ja — wenn du denkst, das sind grosse Neuigkeiten, dann sind es wirklich grosse Neuigkeiten.
Ein bestätigter Proof-of-Concept, und plötzlich preist sich die ganze Pipeline neu — weil jedes künftige Programm dieselbe Plattform teilt. Das ist der Unterschied zwischen dem Besitz eines Produkts und dem Besitz einer Fabrik, die Produkte drucken kann.
Was als Nächstes kommt: eine Zulassungseinreichung, ein Zulassungsvorstoss wohl bis 2027 und Readouts über die grösseren Krebsarten. Nichts davon ist garantiert — die Biologie demütigt alle, und die genannte Ausfallrate ist nicht abgeschafft. Aber die Frage, die drei Jahre über Moderna hing — Motor oder One-Hit-Wonder — wurde soeben in eine Richtung beantwortet.
Aber Moderna ist nur ein einzelnes Kürzel in einer weit grösseren Geschichte — Biotech. Und ein wunderbare News ist nicht automatisch ein wunderbarer Chart.
Also: Was sagt Mr. Market zu Biotech im Allgemeinen?
Sehen wir etwas vom KI-Profiteur-Argument?
Zeit für den «Good Chart».
Chart 3: Moderna (Wochen-Chart) — der +177%-Ein-Tages-Sprung auf das Phase-3-Readout von intismeran

Zoom von der einen Aktie hinaus auf die ganze Nachbarschaft.
Biotech hatte seinen eigenen Covid-Boom — einen Rausch 2020–21, als jeder Impfstoff und jede Pipeline einen Pandemie-Aufschlag bekam. Dann kam der Bust. Zu viel Zukunft, zu schnell eingepreist, und der Sektor verbrachte rund sechs Jahre damit, nirgendwohin zu gehen: eine lange, zermürbende Seitwärts-Konsolidierung, während der Rest des Marktes lief.
Sechs Jahre sind eine lange Zeit, um vergessen zu werden. In Marktbegriffen sind sie auch eine lange Zeit, um eine Basis (EN: Base -> Konsolidierung) zu bauen.
Im Juni machten wir genau diesen Investment-Case — dass Healthcare zurückschlägt und seine aggressivste Ecke kurz davor steht, zu zünden, getragen vom Rückenwind der KI-in-der-Biologie. Wir legten den ganzen Raum dar, und wie man ihn spielt, in The Biotech Breakout, veröffentlicht am 25. Juni — genau auf dem Multi-Year-Breakout. Wir haben die Bewegung auf dem Tape gesehen, mit Hilfe des ETF-Screeners, den wir für dich gebaut haben.
Der Index hat seither seine Decke durchbrochen, die sechs Jahre gehalten hatte (Chart 4).
Und das ist das Muster, das man verinnerlichen sollte. Ein Ausbruch auf ein Allzeithoch, nach Jahren der Frustration, ist nicht der Moment, Höhenangst zu bekommen — meist ist es das Gegenteil. Je länger und enger die Konsolidierung, desto kraftvoller fällt tendenziell aus, was folgt. Solche langen Basen lösen sich selten in einem einzigen schnellen Ausschlag und einem Verpuffen auf.
Probabilistisch markieren sie den Beginn eines neuen Trends in eine neue Sphäre — nicht das Ende des alten. Daher kommt auch die Börsenredewendung: «The Longer The Base – The Higher the Space».
Wie spielt man also einen ganzen Raum statt eines einzelnen Lottoscheins?
Auf zwei Arten.
Der «Heuhaufen»-Ansatz: statt die eine Nadel zu picken, das ganze Feld über einen breiten BiotechETF besitzen und den ganzen Ausbruch dich tragen lassen. Genau das legten wir im Breakout-Stück dar.
Und der «True Leaders»-Ansatz: die qualitativ hochwertigsten Unternehmen im Raum besitzen. Wie du weisst, halten wir Medpace — den Picks-and-Shovels-Play, der die klinischen Studien durchführt, von denen die ganze Branche abhängt, und bezahlt wird, ob ein einzelnes Medikament gewinnt oder verliert — und Eli Lilly, den Compounding-Giganten am Sweet Spot des ganzen Gesundheits-Booms. Leaders und Heuhaufen, Seite an Seite.
Denn hier fügen sich die drei Fäden zusammen. mRNA machte aus Medizin eine Nachricht. KI machte aus dieser Nachricht etwas, das man im grossen Massstab entwerfen kann. Und eine Sechs-JahresBasis brach genau in dem Moment auf neue Hochs aus, als beides ankam.
Das Molekül ist real. Die Maschine, es zu entwerfen, ist gerade aufgetaucht.
Und wir stehen noch immer erst ganz am Anfang.
Das Zeitalter von Biotech hat begonnen.
Dann beginnt es also.
Chart 4: iShares Biotechnology ETF (IBB) wöchentlich — eine sechsjährige Konsolidierung, dann der Ausbruch auf neue Hochs
