Compounder der Meere: Das Oligopol der Lachsaktien


“Eine ruhige See hat noch keinen erfahrenen Seemann hervorgebracht.”
– Franklin D. Roosevelt
arvy's Teaser: In den kalten Gewässern des Nordens hat sich ein stilles Oligopol formiert — Meister der Proteinproduktion, die Jahr für Jahr still und effizient wachsen. Doch selbst diese Compounder der Meere haben jetzt mit Gegenwind zu kämpfen.
Fisch.
Oder aquatische Lebensmittel, auch bekannt als Blue Food.
Ein zentraler Proteinlieferant für über 3 Milliarden Menschen weltweit – und für viele fixer Bestandteil im wöchentlichen Speiseplan. In Zahlen: Aquatische Produkte liefern 17 % des globalen tierischen Proteins und rund 7 % des gesamten Proteinkonsums.
Und in den Industrieländern?
Dort verändern sich die Ernährungsgewohnheiten. Immer mehr Konsumenten greifen zu gesünderen Proteinquellen. Man denke nur an den Erfolg von kaisin. (mitgegründet von unserem Advisor Noah), Tiny Fish, ONA POKÉ und anderen Konzepten in Zürich – getragen von einem gesundheitsbewussten urbanen Lebensstil, steigender Kaufkraft und dem Wunsch nach sauberer, transparenter Ernährung.
Vor diesem Hintergrund hat sich Aquakultur – also die kontrollierte Aufzucht von Fischen und Meeresfrüchten – ganz still und leise zum am schnellsten wachsenden Sektor der weltweiten Lebensmittelproduktion entwickelt.
Zwar gibt es die Branche schon seit Jahrzehnten. Aber erst in jüngerer Zeit ist sie auch für Investoren richtig interessant geworden. Und bei arvy? Wir glauben, dass der spannendste Teil des Markts in einer ganz bestimmten Nische liegt. Wir nennen sie die Compounder der Meere: Lachsproduzenten.
Doch bevor wir uns in die Tiefe begeben – und erklären, was sie so attraktiv macht – bleiben wir ehrlich.
Das hier ist kein klares, ruhiges Gewässer.
Es gibt auch eine dunkle Seite.
Tauchen wir ein.
Chart 1: Die Nachfrage steigt - weltweiter Fischverbrauch seit 1950

Source: FAO, The state of world fisheries and aquaculture 2018
Aquakultur & der Lachsboom
Zeit, etwas näher heranzuzoomen. Auf die Aquakultur im Allgemeinen – und auf den Lachsmarkt im Speziellen.
Was auf den ersten Blick wie ein Nischensegment wirkt, ist in Wahrheit eine der dynamischsten Wachstumszonen im globalen Ernährungssystem. Die Nachfrage nach Fisch und Meeresfrüchten steigt seit Jahrzehnten – und zwar deutlich schneller als die Weltbevölkerung. Während diese jährlich um rund 1,6 % wächst, liegt das Wachstum bei Fischkonsum bei 3,2 %.
Warum das wichtig ist?
Weil die klassische Fischerei an ihre Grenzen stösst. Fangquoten, Lizenzauflagen und der Rückgang natürlicher Bestände setzen der Wildfischerei enge Grenzen.
Aquakultur dagegen? Sie skaliert.
In den 1990ern war sie gerade einmal ein Drittel so gross wie die traditionelle Fischerei. Heute hat sie sie überholt (Chart 1).
Und was uns bei arvy besonders gefällt, ist, dass dieser Markt von langfristig denkenden Familienunternehmen geprägt ist. Betreiber, die nicht nur auf kurzfristige Margen oder Quartalsergebnisse schielen, sondern ihr Kapital selbst im Spiel haben – Skin in the Game.
Wir nennen sie die Compounder der Meere:
Erkennst du einen Trend?
Die kalten, klaren Gewässer rund um Norwegen, Island und die Färöer-Inseln sind Heimat der führenden Lachsproduzenten weltweit. Norwegen allein exportiert über 50 % des globalen Angebots. Zählt man Chile dazu, kommen diese Regionen auf etwa 70–75 % der weltweiten Lachsproduktion.
Was wir sehen: Ein Oligopol erfahrener, fokussierter Player mit langem Atem. Solide Wachstumsraten, hohe Eintrittsbarrieren (es gibt schlicht nicht mehr viel „nutzbare Küste“) und rationaler Wettbewerb – all das macht die Branche attraktiv für langfristige Investoren.
Doch so verlockend das klingt - auch hier ist nicht alles friedlich und klar.
Denn wie gesagt – das ist kein völlig ungetrübtes Gewässer.
Es gibt Risiken.
Chart 2: Die vollständig integrierte Wertschöpfungskette von Mowi

Source: Mowi, Investor Presentation 2024
Die dunkle Seite des Lachsrausches
So verlockend das Wachstum. So überzeugend das Narrativ.
Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten. Und beim Thema Lachs? Da liegt einiges unter der Oberfläche.
Denn auch wenn Aquakultur Milliarden an Proteinen liefert — sie ist alles andere als makellos.
Wir nennen es die dunkle Seite des Lachsrausches.
Ein erster Blick genügt:
Ich empfehle die Doku ausdrücklich – nicht, weil sie perfekt ist, sondern weil sie die richtigen Fragen stellt.
Für Konsumenten. Für Betreiber. Für Investoren.
Und ja - ich bin hier hart. Aber um ein Fazit zu ziehen: Die “Good Story“ des Lachssektors ist kein Schurke per se. Letztendlich ist es immer noch das effizienteste tierische Protein in Bezug auf seine Produktion. Aber ein Märchen ist sie auch nicht.
Sie ist komplex, ambivalent – und genau deshalb interessant.
Zeit für den ”Good Chart.”
Chart 3: Dokumentarfilm „Seaspiracy“ auf Netflix

Source: Netflix
Lange Zeit waren Norwegens Lachsproduzenten zuverlässige Compounder – mit jährlichen Renditen von über 20 % über mehr als ein Jahrzehnt.
Dann kam ein harter Einschnitt.
Am 28. September 2022 kündigte die norwegische Mitte-Links-Regierung eine neue Steuer an. Eine 40%ige Ressourcensteuer auf Unternehmen, die öffentliche Gewässer für Aquakultur nutzen – zusätzlich zur regulären Körperschaftssteuer von 22 %.
Insgesamt ergibt dies eine Gesamtsteuerbelastung von 62 %.
Die Reaktion?
Heftig.
Die Aktienkurse aller grossen Produzenten brachen ein (Chart 4). Die Branche nannte es schnell nur noch: „Die Lachssteuer“.
Der Widerstand liess nicht lange auf sich warten. Norwegens Fischdynastien, lokale Gemeinden und die gesamte Seafood-Industrie protestierten lautstark. Nach monatelangen Diskussionen wurde die Steuer schliesslich im Mai 2023 beschlossen – allerdings reduziert auf 25 %.
Die finale Belastung liegt damit bei 47 % – immer noch deutlich höher als zuvor.
Für die Produzenten bedeutete dies geringere Gewinne, schrumpfende Margen und deutlich niedrigere Bewertungen. Keiner der grossen Namen hat seitdem seine alten Höchststände wieder erreicht.
Aber wer weiss? Vielleicht bringt die raue See mehr erfahrene Betreiber hervor.
Und ihre Zeit zum Glänzen wird wieder kommen.
Die Zeit wird es zeigen.
Chart 4: Mowi, SalMar, Bakkafrost, Austevoll, Grieg & Lerøy über die letzten zehn Jahre, in $

Source: TradingView