Core-Satellite-Strategie einfach erklärt


Die Idee stammt aus der institutionellen Vermögensverwaltung und ist inzwischen auch für Privatanleger praktikabel geworden: Ein Portfolio besteht aus einem breiten, kostengünstigen Kern und wenigen gezielten Ergänzungen. Klingt einfach — die interessanten Fragen liegen in der Gewichtung.
Der Core ist der Teil, der den Markt abbildet: breit gestreut, günstig, regelbasiert und ohne Meinung. Er beansprucht typischerweise den grösseren Anteil des Portfolios und wird nicht angerührt.
Die Satelliten sind bewusste Abweichungen vom Markt. Das kann ein konzentriertes Aktienportfolio sein, eine Regionen- oder Themengewichtung, oder eine Anlageklasse, die der Kern nicht abdeckt. Sie haben einen kleineren Anteil und einen klaren Zweck.
Die Bedingung, an der die meisten scheitern: Jeder Satellit muss einen Grund haben, der über «lief zuletzt gut» hinausgeht. Ohne diesen Grund ist es kein Satellit, sondern eine Ansammlung. Ein guter Test: Kannst du in einem Satz sagen, was diese Position leistet, das dein Kern nicht leistet?
Ein Weltindex wie der MSCI World enthält über 1'480 Unternehmen — das klingt nach maximaler Streuung. Weil er aber nach Marktkapitalisierung gewichtet ist, hängt sein Ergebnis überproportional von wenigen sehr grossen Unternehmen ab. Steigen diese, steigt der Index. Fallen sie, hilft die grosse Zahl der übrigen Positionen wenig. Konkret: Die zehn grössten Positionen eines MSCI-World-Produkts machen zusammen rund ein Viertel des Fondsvermögens aus — bei über 1'480 enthaltenen Unternehmen.
Dazu kommt ein Regionen- und Branchenklumpen: Der US-Anteil eines Industrieländerindex ist hoch, und ein erheblicher Teil davon konzentriert sich auf einen einzigen Sektor. Wer das als Risiko ansieht, hat zwei Möglichkeiten — es akzeptieren oder gezielt gegensteuern.
Die klassische Aufteilung. Ein breiter Weltindex bildet den Kern, konzentrierte oder spezialisierte Positionen kommen als Satelliten dazu.
Dafür spricht: Der Kern ist maximal günstig und maximal breit. Fehler in den Satelliten wirken sich begrenzt aus. Und die Aufteilung ist leicht erklärbar — was in schwierigen Marktphasen wichtiger ist, als es klingt.
Dagegen spricht: Der Kern trägt die Klumpenrisiken des Index unverändert mit. Wer sie reduzieren will, muss über die Satelliten viel Gewicht aufbauen — und dann ist die Bezeichnung «Satellit» nicht mehr zutreffend.
Die umgekehrte Aufteilung, die seltener diskutiert wird und trotzdem stimmig sein kann. Ein konzentriertes Portfolio ausgewählter Qualitätsunternehmen bildet den Kern; der Weltindex kommt als Verbreiterung darüber.
Dafür spricht: Ein aktiv zusammengestelltes Portfolio kann bewusst weniger abhängig von einzelnen sehr grossen Werten, von einer Region oder von einem Sektor sein als der Index. Wer den Index primär wegen dieser Konzentration kritisch sieht, adressiert das Problem im Kern statt am Rand.
Dagegen spricht: Konzentration bedeutet höhere Streuung der Ergebnisse und Abhängigkeit von der Qualität der Auswahl. Und sie kostet mehr als ein Indexprodukt.
Was in beiden Varianten gilt: Ein konzentriertes Portfolio gehört in ein Gesamtvermögen, nicht daneben. Als einzige Position ist es keine Strategie, sondern eine Wette. Und beide Varianten kombinieren letztlich dasselbe — Marktrendite und aktive Selektion. Sie unterscheiden sich nur in der Gewichtung.
Wie wir es selbst halten: Der arvy ETF Sparplan bildet den Weltindex ab und liefert die Marktrendite. Der arvy Fonds ist ein konzentriertes Portfolio ausgewählter Qualitätsunternehmen mit bewusst anderer Zusammensetzung als der Index. Beide Reihenfolgen sind vertretbar — Index als Kern mit dem Fonds als Ergänzung, oder umgekehrt. Was wir nicht empfehlen, ist der Fonds als einzige Position.
Es gibt keine allgemeingültige Aufteilung, aber drei brauchbare Leitfragen.
Wie viel Abweichung hältst du aus? Ein konzentriertes Portfolio wird phasenweise deutlich schlechter laufen als der Index. Diese Phasen können Jahre dauern. Die Frage ist nicht, ob du sie erwartest, sondern ob du sie durchhältst.
Wie viel Aufwand willst du? Je mehr Bausteine, desto mehr Überwachung, Rebalancing und Steuerdeklaration. Für viele ist ein einzelner Kern ohne Satelliten die ehrlichste Antwort.
Was ist der Zweck jeder Position? Wenn du ihn nicht in einem Satz formulieren kannst, gehört sie nicht ins Portfolio. Mehr dazu in Die 7 häufigsten Sparplan-Fehler.
Ein Portfolioaufbau mit einem breiten, günstigen Kern, der die Marktrendite liefert, und kleineren gezielten Ergänzungen, die bewusst vom Markt abweichen. Der Kern bleibt unangetastet, die Satelliten haben einen definierten Zweck.
Das hängt von Risikotoleranz und Anlagehorizont ab. Entscheidend ist, dass eine schwache Phase der Satelliten das Gesamtergebnis nicht so stark belastet, dass die Strategie abgebrochen wird.
Nach Anzahl der Unternehmen ja. Weil er nach Marktkapitalisierung gewichtet ist, hängt sein Ergebnis aber überproportional von wenigen sehr grossen Werten und von einzelnen Regionen und Sektoren ab.
Ja, wenn er breit genug ist und du die Abweichung vom Index bewusst willst. Wichtig ist die Gesamtsicht: Ein konzentriertes Portfolio sollte nicht die einzige Position eines Vermögens sein.
Einmal jährlich genügt meistens, oder wenn die Zielgewichtung deutlich überschritten wird. Häufigeres Umschichten verursacht Transaktionskosten und führt dazu, dass man gute Entwicklungen systematisch zu früh abschneidet.
Aus Sicht des Gesamtvermögens ja. Wer 3a, Pensionskasse und freies Depot getrennt betrachtet, übersieht leicht Klumpen — etwa einen bereits hohen Schweiz-Anteil aus der Vorsorge, der eine zusätzliche Heimatquote im Depot überflüssig macht.
Sie werden häufig so eingesetzt. Beide erzeugen jedoch keine laufenden Erträge, ihre Erwartung beruht ausschliesslich auf dem Preis. Wer sie beimischt, sollte den Zweck benennen können und die Position klein genug halten, um sie durchzuhalten.
Wie der Kern eines Portfolios praktisch aufgebaut wird.
ETF Sparplan für die Marktrendite, arvy Fonds für konzentrierte Qualität.
0.39% Verwaltung plus 0.06% TER im Weltaktienportfolio, breiter Weltindex, wöchentlich investiert.
Zum ETF Sparplan →Dieser Beitrag wurde von Thierry Borgeat, Mitgründer von arvy, verfasst und von Patrick Rissi, CFA, und Florian Jauch, CFA, geprüft.
Disclaimer: arvy AG ist ein von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA bewilligter Verwalter von Kollektivvermögen nach Art. 24 des Kollektivanlagengesetzes (KAG). Dieser Beitrag dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Steuer- oder Rechtsberatung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Die dargestellten Berechnungen sind Modellrechnungen auf Basis der genannten Annahmen und keine Prognose; sie unterstellen eine konstante Rendite und eine monatliche Verzinsung zum nominellen Jahreszins. Die historische Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Anlagen in Aktien unterliegen Kursschwankungen; Verluste bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals sind möglich. Steuerliche Auswirkungen sind kantonal und individuell unterschiedlich — kläre deine Situation mit einer Fachperson ab.