Das perfekte Unternehmen schüttet keine Dividende aus — die Mathematik der Reinvestition


Dividenden sind wichtig — aber es ist notwendig, das Konzept zu verstehen. Die Maximierung deiner Gewinne hängt nicht davon ab, dass du in Unternehmen mit hohen Dividenden investierst. Das perfekte Unternehmen zahlt nicht einmal eine Dividende. Warum? Aus einfachen mathematischen Gründen. Unsere Original-Analyse für The Market by NZZ plus die ausführliche Investoren-Sicht zur Reinvestitions-Asymmetrie und zur Dividendenertrags-Wachstums-Strategie.
Die Dividendensaison beginnt. Ich gestehe: Die Dividende war noch nie ein Merkmal eines Unternehmens, das mein Interesse geweckt hat. Doch nach mehr als einem Jahrzehnt in der Finanzbranche bin ich immer noch erstaunt, wie sehr Dividenden die Anlegergemeinschaft faszinieren. Dividendenerträge scheinen so verlockend zu sein, dass sie die Investoren oft dazu verleiten, den gesunden Menschenverstand zu vergessen — oder sich von der Investmentbranche dazu verführen zu lassen.
Dividenden oder Einkommensstrategien mit Aktien sind für mich nicht wichtig. Weshalb? Aus einfachen mathematischen Gründen.
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Chart 1: Der Zinseszinseffekt reinvestierter Dividenden

Quelle: FactSet, J.P. Morgan Asset Management, Daten per 31.12.2023
Wie oft hast du schon gehört, dass der grösste Teil der langfristigen Rendite aus Aktienanlagen durch die Reinvestition von Dividenden erzielt wird? Diese These wird in der Regel mit Grafiken illustriert, die den Unterschied zwischen Index mit ausgeschütteten und Index mit reinvestierten Dividenden zeigen. Letzterer liefert natürlich eine deutlich höhere Rendite. Dividenden sind wichtig — aber das Konzept dahinter ist entscheidend.
Eine Aussage, die Thierry sehr oft hört, ist emotional und problematisch: «Es ist kein Problem, wenn der Aktienkurs 30% fällt, ich bekomme ja immer noch meine 3% Dividende.» Die Dividende gibt ein Gefühl der Sicherheit — egal was passiert, die 3% kommen ja. Das ist psychologische Beruhigung, keine mathematische Analyse.
Aber warum wollen Anleger überhaupt ein regelmässiges Einkommen aus Dividenden? In der Rente braucht man Geld zur Deckung der Liquiditätsbedürfnisse — das ist klar. Aber warum muss es aus Dividenden stammen? Ist der richtige Ansatz nicht, so zu investieren, dass die Gesamtrendite maximiert wird? Schliesslich kannst du den Betrag, den du brauchst, auch durch Aktienverkäufe realisieren. Die Dividenden-Präferenz scheint eine psychologische Hürde zu sein: der Anleger will den Spatz in der Hand (Dividenden), denn er ist mehr wert als die Taube auf dem Dach (eine unbekannte Gesamtrendite).
Thierrys klare Position im Original: die ausschliessliche Konzentration auf hohe Dividendenrenditen (z.B. mehr als 3%) vermittelt ein falsches Sicherheitsgefühl. Drei strukturelle Probleme: (1) Viele High-Dividend-Aktien stammen aus wachstumsschwachen Sektoren mit strukturellen Herausforderungen — Banken, Versorger, Telecom, Energie, Automobilindustrie — die ihre überschüssigen Barmittel ausschütten, weil sie sie nicht profitabel reinvestieren können. (2) Die Ertragskraft reicht oft nicht, um das Ausschüttungsniveau langfristig hoch zu halten — hohe Verschuldung und spätere Dividendenkürzungen sind die häufige Folge. (3) Starke Konzentration auf einzelne Branchen und Länder führt zu potenziell gefährlichen Klumpenrisiken.
Zwei Schlussfolgerungen daraus:
Erstens: Dividenden- oder Einkommensstrategien sind eher Marketinggeschichten als effiziente und letztlich gute Anlagemöglichkeiten. Die Investmentbranche vermarktet sie stark — sie klingen sicher, sie fühlen sich konkret an. Aber mathematisch sind sie meist suboptimal.
Zweitens — und das ist wichtig: die einzige Möglichkeit, sich sinnvoll auf Dividendenstrategien zu konzentrieren, ist die sogenannte Dividendenertrags-Wachstums-Strategie. Sie konzentriert sich auf Unternehmen mit hoher Qualität und soliden Bilanzen, die ihre Dividenden jährlich erhöhen — nach 25 Jahren werden sie zu Dividendenaristokraten, nach 50 Jahren sogar zu Dividendenkönigen. Der Fokus liegt nicht auf der Höhe der Dividendenrendite, sondern auf der Wachstumsrate.
Ein solides, aber nicht offensichtliches Beispiel für die Dividendenertrags-Wachstums-Strategie ist Visa, eine Portfolio-Position von arvy (zum Zeitpunkt des Original-Artikels). Das Unternehmen begann unmittelbar nach seinem IPO 2008 mit einer bescheidenen Dividende. Im Lauf der Jahre betrug die jährliche Wachstumsrate dieser Dividende 26% — und die Dividende wurde 15 Jahre in Folge erhöht. Anleger, die Aktien kauften, als Visa seine erste Dividende zahlte, würden heute eine Rendite von rund 14% auf ihre ursprüngliche Investition erzielen. 15 Jahre klingt lang — aber arvy investiert langfristig. Wenn dir dieser Zeithorizont zu lang erscheint, sind Aktien vielleicht ohnehin nicht die richtige Wahl.
Die Kernfrage: was soll das Management mit dem erwirtschafteten freien Cashflow machen? Es hat fünf Optionen:
Um das Kapital der Aktionäre zu steigern, ist es am effizientesten, wenn das Management die Wege 1 und 2 geht — also in das eigene Geschäft investiert oder vorzugsweise kleinere Übernahmen tätigt. Wichtig ist, dass die Rendite auf dem investierten Kapital (ROIC) höher ist als die gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten (WACC). Nur dann entsteht Aktionärswert.
Wenn das Unternehmen eine Dividende ausschüttet, verfügt es nicht mehr über dieses Kapital für die Wege 1 oder 2. Das ist eine weniger effiziente Art, das Aktionärskapital zu vermehren. Warum? Rechnen wir nach.
Heute hat das durchschnittliche Unternehmen im S&P 500 eine Ausschüttungsquote von 40%. Ein typisches Unternehmen erwirtschaftet einen Gewinn von 100 $ und schüttet 40 $ als Dividende aus. Die 60 $ bleiben im Unternehmen. Das aktuelle Kurs-Buchwert-Verhältnis des S&P 500 liegt bei 4. Für Schweizer Privatanleger: Dividenden unterliegen der Einkommenssteuer — gehen wir von 30% aus.
Das öffnet die Augen, nicht wahr? Die Mathematik ist nicht subjektiv — sie ist universal. 60 Fr. einbehalten und intern reinvestiert erzeugen 240 Fr. Aktionärswert. 40 Fr. als Dividende ausgeschüttet ergeben nach Steuern 28 Fr., die du zu einem viel höheren Preis (4x Buchwert) reinvestieren musst, mit Transaktionskosten und Opportunitätskosten. Die Asymmetrie ist strukturell, nicht zufällig.
In der Schweiz unterliegen Dividenden der Einkommenssteuer (Kursgewinne dagegen sind für Privatanleger typischerweise steuerfrei). Diese steuerliche Asymmetrie verstärkt die mathematische Überlegenheit einbehaltener Gewinne für Schweizer Anleger zusätzlich. Wer hier primär auf Dividenden-Strategien setzt, arbeitet gleich gegen zwei Hebel: die Reinvestitions-Asymmetrie und das Schweizer Steuerregime. Die meisten Finanzberater erwähnen diesen Punkt nicht — er widerspricht dem Dividenden-Produktverkauf.
Dieser Effekt lässt sich erheblich verstärken, wenn man sich auf die wichtigste Aufgabe eines CEO konzentriert, wie Warren Buffett in seinem Jahresbrief 1979 klar gemacht hat: die effiziente Kapitalallokation.
Hast du dich jemals gefragt, warum die erfolgreichsten Unternehmen wie Alphabet, ASML, Berkshire Hathaway, Hermès, Microsoft und Visa keine Dividenden zahlen oder nur einen geringen Betrag? Weil sie ihren Cashflow zu hohen Renditen ins eigene Geschäft reinvestieren können. Sie nutzen strukturelle Wachstumsmärkte und Marktführerschaft, um einbehaltenes Kapital effizient und gewinnbringend zu investieren. Wenn es uns als Anleger gelingt, solche Unternehmen zu finden, dürfen sie keine Dividende zahlen. Die Dividende würde die Magie des Zinseszinses beeinträchtigen.
Zur Illustration Thierrys Drei-Unternehmen-Simulation über 20 Jahre, Startwert 100 Fr.:
Die Simulation zeigt dramatisch den Unterschied. Unternehmen A — hoher ROIC, 100% Reinvestition — maximiert den Zinseszinseffekt. Unternehmen B — gleicher ROIC aber 40% Dividende-Ausschüttung (nicht reinvestiert) — liefert deutlich weniger Endwert, obwohl die operative Qualität identisch ist. Unternehmen C zeigt die Kehrseite: auch 100% Reinvestition hilft nicht, wenn der ROIC zu niedrig ist (unter WACC). Die Kapitalallokations-Logik ist nur wertvoll, wenn der ROIC über den Kapitalkosten bleibt.
Charlie Munger — dessen 6%-vs-18%-ROIC-Zahlen Thierry in der Simulation direkt verwendet hat — formulierte die Kern-These ebenfalls: über lange Zeiträume kann eine Aktie kaum eine bessere Rendite erzielen als das zugrunde liegende Geschäft selbst. 6% ROIC über 40 Jahre → etwa 6% Aktien-Rendite. 18% ROIC über 20-30 Jahre → selbst bei teurem Einstieg hervorragendes Resultat. Das ist die Arithmetik des Zinseszinses — und eine Eigenschaft von Aktien, die keine andere Anlageklasse bietet. Anleihen und Immobilien liefern Zinsen oder Mieten — aber nicht automatische Reinvestition zu hohen Renditen.
Diese Mathematik funktioniert nur mit zwei Bedingungen: (1) Das Management muss einen guten Leistungsausweis in der Reinvestition der Gewinne haben. Nicht jeder CEO beherrscht Kapitalallokation — manche zerstören Wert durch schlechte M&A, übermässige Expansion oder Prestige-Projekte. (2) Die Kapitalrendite muss konsistent über den Kapitalkosten bleiben (ROIC > WACC). Wenn beide Bedingungen erfüllt sind, arbeitet die Zinseszins-Mathematik unbarmherzig zugunsten des Anlegers. Wenn nicht, wird sie zur Falle — wie bei Unternehmen C. Deshalb ist die Selektion so entscheidend.
Die operative Übersetzung der Mathematik in Portfolio-Praxis. Vier konkrete Schritte:
| Implikation | Was zu tun wäre |
|---|---|
| 1. Fokus verschieben — von Dividendenrendite zu Reinvestitions-Qualität | Die relevante Frage ist nicht «Wie hoch ist die Dividende?», sondern «Wie gut kann das Management das einbehaltene Kapital reinvestieren?». Das bedeutet: ROIC-Analyse vor Dividendenrendite-Analyse. ROIC über 15% mit konsistenter Historie ist ein starkes Signal — Dividendenrendite über 5% ist oft ein Warnsignal für mangelnde Reinvestitions-Möglichkeiten. |
| 2. High-Dividend-ETFs kritisch prüfen | Prüfe in jedem High-Dividend-ETF die Sektor-Verteilung. Wenn Banken, Versorger, Telecom, Energie und Automotive dominieren, ist das strukturell ein wachstumsschwaches Portfolio. Klumpenrisiken in einzelnen Sektoren und Ländern prüfen. Oft ist ein breit diversifizierter Total-Return-Ansatz besser als eine Dividenden-Strategie. |
| 3. Wenn Dividenden, dann Wachstums-fokussiert | Nicht Dividendenhöhe, sondern Dividendenwachstum. Dividendenaristokraten (25+ Jahre) und -könige (50+ Jahre) sind die relevanten Kategorien. Visa als arvy-Beispiel: kleine Dividende, aber 26% jährliches Wachstum über 15 Jahre — das liefert heute 14% yield auf ursprüngliche Investition. Das ist die Logik, die funktioniert. |
| 4. Schweizer Steuer-Hebel berücksichtigen | Für Schweizer Privatanleger: Kursgewinne sind typischerweise steuerfrei, Dividenden unterliegen der Einkommenssteuer. Diese Asymmetrie macht kapitalwachstums-fokussierte Strategien steuerlich noch attraktiver als internationale Vergleiche nahelegen. Bei Unsicherheit: Steuerberater konsultieren. |
Die Magie des Zinseszinses funktioniert nur, wenn du in Unternehmen investierst, die ihre Cashflows mit hohen Renditen reinvestieren können. Du musst also Gewinner finden, die Gewinner bleiben, und sie lange genug halten — Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, um in den vollen Genuss des Zinseszinseffekts zu kommen. Leichter gesagt als getan. Und es gibt kein perfektes Unternehmen.
Vince Lombardi — NFL-Trainerlegende, die 1967 mit den Green Bay Packers den ersten Super Bowl gewann und deren Namen die Super-Bowl-Trophäe seither trägt — hat das Prinzip klar formuliert: Perfektion ist nicht erreichbar, aber Exzellenz schon. Für den Anleger bedeutet das: wir werden nie ein perfektes Unternehmen finden, aber wir werden ein exzellentes finden können. Das reicht, um aus dem achten Weltwunder Kapital zu schlagen.
Die operative Disziplin, die sich daraus ergibt: Quality-Selektion rigoros betreiben (fünf Kriterien einer Good Story), ROIC über WACC als harten Filter halten, Management-Leistungsausweis bei Kapitalallokation prüfen, langfristig halten, Dividenden-Illusion nicht erliegen. Das ist nicht spektakulär. Es ist methodisch. Aber über 20-30 Jahre Compound-Wirkung ist es strukturell entscheidend — genau wie der Visa-Case zeigt.
Sie priorisieren ROIC-Qualität vor Dividendenhöhe. Sie verstehen dass die 60/240-Mathematik strukturell ist, nicht zufällig. Sie akzeptieren dass «Spatz in der Hand»-Dividenden oft eine emotionale Beruhigung sind, die mathematisch teuer ist. Sie suchen Unternehmen, die ihr Kapital mit ROIC > WACC reinvestieren können — Alphabet-, ASML-, Berkshire-, Hermès-, Microsoft-, Visa-Typen. Sie halten langfristig, damit der Zinseszins-Effekt arbeitet. Sie lassen sich von der Investmentbranche keine High-Dividend-Marketinggeschichten verkaufen. Wenn sie Dividenden-Strategien nutzen, dann Wachstums-fokussiert. Diese Disziplin liefert über Jahrzehnte strukturell überlegene Resultate — weil die Zinseszins-Mathematik unbarmherzig zugunsten derjenigen arbeitet, die sie verstehen. Wie Einstein es formulierte: das achte Weltwunder arbeitet für die einen, und die anderen bezahlen es.
Nein — Thierrys Position ist nuanciert. Dividenden sind dann sinnvoll, wenn das Unternehmen keine Reinvestitions-Möglichkeiten mit ROIC über WACC hat. Dann ist die Dividende besser als unrentable Reinvestition. Das Problem entsteht, wenn Dividenden als primäres Anlage-Kriterium verwendet werden — dann selektiert man oft auf wachstumsschwache Sektoren. Das perfekte Unternehmen ist eines, das alle Gewinne intern mit hohem ROIC reinvestieren kann. Davon gibt es wenige — aber sie existieren.
Aktienrückkäufe sind steuerlich effizienter als Dividenden (keine unmittelbare Einkommenssteuer), aber sie haben ähnliche strukturelle Probleme wie Dividenden — das Kapital verlässt das operative Geschäft. Sie machen Sinn, wenn die Aktie unter dem intrinsischen Wert gehandelt wird. Sie sind problematisch, wenn Management sie als Ersatz für organisches Wachstum einsetzt. Thierrys Präferenz bleibt klar: interne Reinvestition mit ROIC > WACC ist die erste Wahl. Rückkäufe sind Option 4 von 5 — unterhalb interner Investition und Akquisitionen.
Nein. Die Logik gilt für jedes Quality-Geschäft mit strukturellem Wachstum und hohem ROIC. Hermès zum Beispiel ist kein Tech-Unternehmen, zahlt eine geringe Dividende, reinvestiert aber extrem diszipliniert in Produktions-Kapazität und Marken-Kapital. Berkshire Hathaway zahlt überhaupt keine Dividende — Buffett reinvestiert alles. Das Muster ist branchen-übergreifend, solange ROIC > WACC strukturell gehalten wird.
arvy folgt dem Quality-Focus mit ROIC->-WACC-Disziplin als zentralem Selektions-Kriterium. Visa war zum Zeitpunkt des Original-Artikels (Februar 2024) eine Portfolio-Position. Die aktuelle Position-Verteilung, Sektor-Allokation und transparent dokumentierte Verkäufe findest du im arvy Quartalsbericht Q1 2026.
Nein. Das Original schliesst mit der Anerkennung: «Es gibt kein perfektes Unternehmen». Viele exzellente Geschäfte zahlen moderate Dividenden und reinvestieren einen Grossteil der Gewinne intern. Die Kritik zielt auf die ausschliessliche Fokussierung auf Dividenden-Höhe als Anlage-Kriterium — besonders bei High-Dividend-ETFs. Die Dividendenertrags-Wachstums-Strategie bleibt eine sinnvolle Nische, wenn Wachstumsrate statt Rendite-Höhe im Fokus steht.
Weiterlesen — die thematischen Anker dieser Analyse
Einstein soll gesagt haben, der Zinseszinseffekt sei das achte Weltwunder — wer ihn verstehe, verdiene daran, alle anderen bezahlten ihn. Die Mathematik ist brutal klar: 40 Fr. als Dividende ausgeschüttet werden nach Schweizer Steuern zu 28 Fr., reinvestiert zu einem Marktpreis, der das Vierfache des Buchwerts ist. 60 Fr. einbehaltener Gewinn dagegen entstehen 240 Fr. Aktionärswert. Bei 100% Reinvestition sogar 400 Fr. Diese Asymmetrie ist strukturell, nicht zufällig — sie ist die Arithmetik des achten Weltwunders, angewandt auf Aktien.
Was disziplinierte Anleger vom durchschnittlichen unterscheidet, ist nicht überlegene Marktprognose oder höherer IQ. Es ist die Bereitschaft, die emotionale Anziehungskraft von «3% Dividende-Sicherheit» zu durchschauen und die mathematische Realität zu akzeptieren. Unternehmen wie Alphabet, ASML, Berkshire Hathaway, Hermès, Microsoft und Visa zahlen wenig oder keine Dividenden — weil sie ihre Gewinne mit ROIC über WACC reinvestieren können. Das ist kein Zufall, das ist die Zinseszins-Mathematik in Aktion. Anleger, die das verstehen und konsequent umsetzen, bauen über Jahrzehnte Vermögen auf, das durch kein Dividenden-ETF erreichbar ist. Anleger, die sich in High-Dividend-Marketinggeschichten verlieren, bezahlen das achte Weltwunder — statt an ihm zu verdienen. Ein perfektes Unternehmen gibt es nicht. Aber exzellente existieren. Und exzellent reicht, um aus dem achten Weltwunder Kapital zu schlagen. Die Wahl ist persönlich. Die Mathematik ist universal.
Original verfasst von Thierry Borgeat, Co-Founder von arvy, für The Market by NZZ. Die ausführliche arvy-Erweiterung wurde überprüft von Patrick Rissi, CFA und Florian Jauch, CFA. Alle Reinvestitions-Berechnungen folgen der Original-Methodik (S&P 500 Ausschüttungsquote 40%, Kurs-Buchwert 4x, Schweizer Einkommenssteuer 30%). Visa wird als arvy-Portfolioposition zum Zeitpunkt des Originals (Februar 2024) zitiert; aktuelle Positionen im Quartalsbericht. Letztes Update: April 2026.
Disclaimer: Dieser Artikel dient allgemeinen Bildungszwecken und stellt keine persönliche Anlageberatung dar. Die Schweizer Steuer-Annahmen sind illustrativ — individuelle Situationen variieren, bei Unklarheit Steuerberater konsultieren. arvy ist ein von der FINMA beaufsichtigter Vermögensverwalter mit KAG-Lizenz (Art. 24). Impressum & Rechtliche Hinweise.