Dein Pensionskassenausweis erklärt

April 14, 2025 7 Minuten Lesezeit

arvy's Teaser: Jedes Jahr flattert er ins Haus: der Pensionskassenausweis. Die meisten legen ihn ungelesen in die Schublade. Dabei ist er wahrscheinlich das wichtigste Finanzdokument, das du besitzt – denn dein PK-Guthaben ist für viele der grösste Vermögenswert überhaupt. Hier erfährst du Zeile für Zeile, was auf deinem PK-Ausweis steht, was die Zahlen wirklich bedeuten und vor allem: was du aktiv tun kannst, um deine Vorsorge zu verbessern. Keine Fachsprache, keine Bankberater-Floskeln. Klartext.

Bevor du loslegst

Hol deinen aktuellen Pensionskassenausweis hervor (meist zugestellt im Januar–März). Falls du keinen findest: Frag bei der Personalabteilung deines Arbeitgebers oder logge dich ins Portal deiner PK ein. Dieser Artikel macht am meisten Sinn, wenn du deinen eigenen Ausweis danebenliegend hast.

Was der PK-Ausweis eigentlich ist

Dein Pensionskassenausweis (auch «Vorsorgeausweis» genannt) ist der jährliche Kontoauszug deiner 2. Säule – der beruflichen Vorsorge. Er zeigt dir, wie viel Alterskapital du bereits angespart hast, was du bei Pensionierung, Tod oder Invalidität erhältst und wie viel du freiwillig nachzahlen könntest.

Für die meisten Angestellten in der Schweiz ist das PK-Guthaben der grösste einzelne Vermögenswert – oft mehr als das Sparkonto, die Säule 3a und die Aktien zusammen. Und trotzdem wissen die wenigsten, was die Zahlen darauf bedeuten.

«Dein PK-Ausweis ist kein langweiliges Formular. Er ist der Finanzplan für dein halbes Leben.»


Zeile für Zeile: Dein PK-Ausweis erklärt

Jeder Ausweis sieht etwas anders aus, aber die Struktur ist überall ähnlich. Wir gehen die wichtigsten Felder durch:

Feld 1

Gemeldeter Jahreslohn (AHV-Lohn)

Dein Bruttolohn, wie ihn dein Arbeitgeber der Pensionskasse gemeldet hat. Sollte mit dem Betrag auf deinem Lohnausweis übereinstimmen.

👉 Check: Stimmt die Zahl? Falls du eine Lohnerhöhung hattest, sollte sie hier abgebildet sein. Abweichungen melden.

Feld 2

Koordinationsabzug & versicherter Lohn

Vom Jahreslohn wird der Koordinationsabzug abgezogen (2026: CHF 26'460). Warum? Weil dieser Teil deines Lohns bereits über die AHV (1. Säule) abgesichert ist. Was übrig bleibt, ist dein versicherter Lohn – die Basis für alle PK-Berechnungen.

👉 Beispiel: Jahreslohn CHF 85'000 − Koordinationsabzug CHF 26'460 = versicherter Lohn CHF 58'540.

Gut zu wissen

Viele Pensionskassen gehen über das gesetzliche Minimum hinaus und versichern einen höheren Lohn als vorgeschrieben. Das ist ein Zeichen für einen guten Arbeitgeber bzw. eine gute PK-Lösung. Schau genau hin: Ist nur das Obligatorium abgedeckt oder mehr?

Feld 3

Sparbeiträge (deine + Arbeitgeber)

Jeden Monat fliesst ein Prozentsatz deines versicherten Lohns in die PK – aufgeteilt zwischen dir und deinem Arbeitgeber. Der Arbeitgeber muss mindestens 50% übernehmen, viele zahlen mehr (z.B. 60/40-Split).

Die Beiträge steigen mit dem Alter:

Alter BVG-Minimum Typisch gute PK
25–34 7% 12–15%
35–44 10% 15–18%
45–54 15% 18–22%
55–65 18% 20–25%

👉 Check: Wie viel zahlt dein Arbeitgeber? Und wie verhält sich der Gesamtbeitrag im Vergleich zum BVG-Minimum? Je höher, desto besser für dich.

Feld 4

Altersguthaben (das ist dein Geld)

Die wichtigste Zahl auf dem ganzen Ausweis: dein aktuelles PK-Guthaben. Es setzt sich zusammen aus allen bisherigen Sparbeiträgen (deine + Arbeitgeber), den Zinsen darauf und allfälligen Einkäufen oder Übertragungen.

👉 Check: Vergleiche mit dem Vorjahr. Dein Guthaben sollte mindestens um die Sparbeiträge plus Zinsgutschrift gewachsen sein. Falls nicht, frag nach.

Obligatorisch vs. Überobligatorisch

Dein Guthaben besteht oft aus zwei Teilen: dem obligatorischen (gesetzliches Minimum nach BVG) und dem überobligatorischen (alles darüber). Das ist wichtig, weil der Mindestzinssatz (2025: 1.25%) und der Umwandlungssatz (6.8%) nur für den obligatorischen Teil gelten. Auf dem Überobligatorium kann die PK tiefere Sätze anwenden.

Feld 5

Voraussichtliche Altersleistungen

Hier steht, was du bei ordentlicher Pensionierung (65) voraussichtlich erhältst – als Altersrente pro Jahr und/oder als Kapitalauszahlung. Die Projektion basiert auf dem aktuellen Lohn, dem aktuellen Zinssatz und dem geltenden Umwandlungssatz.

👉 Achtung: Diese Zahlen sind Schätzungen. Je jünger du bist, desto unsicherer sind sie. Zinssätze und Umwandlungssätze können sich ändern – und sie werden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nach unten anpassen.

Schlüsselzahl

Umwandlungssatz

Der Umwandlungssatz bestimmt, wie viel Rente du pro Jahr aus deinem Guthaben erhältst. Gesetzliches Minimum für das BVG-Obligatorium: 6.8%. Das heisst: Aus CHF 100'000 Guthaben werden CHF 6'800 Rente pro Jahr.

Für das Überobligatorium setzen viele PK aber deutlich tiefere Sätze an – oft zwischen 4.5% und 5.5%. Manche PK wenden einen «umhüllenden» Satz auf das gesamte Guthaben an, der dann unter 6.8% liegt.

👉 Warum das wichtig ist: Ein Unterschied von 1% im Umwandlungssatz bei CHF 500'000 Guthaben = CHF 5'000 weniger Rente pro Jahr. Lebenslang. Das summiert sich über 20+ Jahre Ruhestand auf über CHF 100'000.

Aktion möglich

Einkaufspotenzial (maximaler freiwilliger Einkauf)

Dieser Betrag zeigt dir, wie viel du freiwillig zusätzlich in deine PK einzahlen könntest. Die Lücke entsteht, wenn du nicht immer den maximalen Beitrag eingezahlt hast – z.B. wegen späterem Berufseinstieg, Auslandaufenthalt, Teilzeit, Stellenwechsel oder Lohnerhöhung.

👉 Merke dir diese Zahl. Sie ist die Grundlage für eine der wichtigsten Entscheidungen: Soll ich freiwillig einkaufen? (Dazu gleich mehr.)

Feld 8

Risikoleistungen: Invalidität & Tod

Hier steht, was du oder deine Angehörigen im Worst Case erhalten: eine jährliche Invalidenrente (typisch: 40–70% des versicherten Lohns) und ein Todesfallkapital oder eine Hinterlassenenrente.

👉 Warum das relevant ist: Wenn du über einen freiwilligen PK-Einkauf nachdenkst, prüfe, was im Todesfall mit deinem eingekauften Geld passiert. Nicht jede PK bietet eine Rückgewähr. Ohne Rückgewähr kann dein freiwillig eingezahltes Geld bei frühem Tod verloren gehen.

Feld 9

Freizügigkeitsleistung (Austrittsleistung)

Der Betrag, der dir zusteht, wenn du den Job wechselst. Bei einem Stellenwechsel wird dieses Geld an die neue PK überwiesen. Bei einem Unterbruch (Sabbatical, Ausland) geht es auf ein Freizügigkeitskonto.

👉 Tipp: Wähle bei einem Freizügigkeitskonto eine Anlagelösung statt ein Zinskonto. Das Geld kann dort Jahre liegen – bei einem Zinskonto verliert es real an Wert.


Ist deine Pensionskasse gut? Der Quick-Check

Nicht jede PK ist gleich. Manche sind grosszügig, manche leisten nur das Minimum. Hier sind die vier Kennzahlen, die du prüfen solltest:

PK-Qualitätscheck

DeckungsgradGut: >110% | OK: 100–110% | ⚠️ <100%
VerzinsungGut: >2% | OK: 1.25% (Minimum) | ⚠️ <1%
Umwandlungssatz (gesamt)Gut: >5.5% | OK: 5.0% | ⚠️ <4.5%
Arbeitgeber-SplitGut: 60/40+ | OK: 50/50 | ⚠️ Minimum

Der Deckungsgrad steht nicht im PK-Ausweis, aber im Jahresbericht deiner PK oder auf deren Website. Er zeigt, ob die Kasse genug Mittel hat, um alle Verpflichtungen zu decken.

Was tun bei schlechter PK?

Du kannst deine PK nicht selbst wechseln – sie ist an deinen Arbeitgeber gebunden. Aber du kannst das Thema ansprechen, z.B. bei der nächsten Lohnverhandlung. Eine gute PK-Lösung ist ein relevanter Teil deiner Gesamtentschädigung. Und du kannst durch gezielte Investitionen in Säule 3a und freies Vermögen kompensieren, was deine PK nicht liefert.


Freiwilliger PK-Einkauf: Wann lohnt er sich?

Der freiwillige Einkauf in die Pensionskasse ist einer der stärksten Steuerhebel in der Schweiz. Aber er ist nicht immer die beste Wahl. Hier ist die Entscheidungshilfe:

Wie es funktioniert

Du überweist einen Betrag an deine PK (bis zum maximalen Einkaufspotenzial auf deinem Ausweis). Dieser Betrag ist vollständig vom steuerbaren Einkommen abziehbar – ohne Obergrenze wie bei der 3a. Bei einem Einkauf von CHF 30'000 und einem Grenzsteuersatz von 35% sparst du auf einen Schlag über CHF 10'000 an Steuern.

Wann es sich lohnt

🟢 Du hast die Säule 3a bereits ausgeschöpft (immer zuerst die 3a füllen!)
🟢 Du hast ein hohes steuerbares Einkommen (je höher der Grenzsteuersatz, desto grösser der Hebel)
🟢 Du planst keinen Kapitalbezug innerhalb der nächsten 3 Jahre (Sperrfrist!)
🟢 Deine PK hat einen guten Deckungsgrad (>105%) und faire Konditionen
🟢 Deine PK bietet eine Rückgewähr im Todesfall (sonst geht das Geld möglicherweise verloren)

Wann es sich nicht lohnt

🔴 Du planst in den nächsten 3 Jahren einen Hauskauf mit PK-Vorbezug
🔴 Deine PK ist in Unterdeckung (<100%) – dein Geld wird zur Sanierung verwendet
🔴 Du hast die 3a noch nicht voll ausgeschöpft (dort hast du mehr Kontrolle)
🔴 Die PK bietet keine Rückgewähr und du hast Familie
🔴 Du möchtest bei Pensionierung das Kapital beziehen – prüfe, ob die PK das überhaupt erlaubt

3-Jahres-Sperrfrist

Wenn du innerhalb von 3 Jahren nach einem Einkauf Kapital aus der PK beziehst (z.B. für Wohneigentum), musst du die gesparten Steuern zurückzahlen. Plane also voraus. Einkauf und Kapitalbezug müssen zeitlich koordiniert werden.


PK-Einkauf oder Säule 3a? Die Priorität

Beide bieten den gleichen Steuerabzug. Aber es gibt wichtige Unterschiede:

  Säule 3a PK-Einkauf
Max. Betrag/Jahr CHF 7'258 Unbegrenzt (bis Einkaufspotenzial)
Anlageentscheid Du wählst selbst PK entscheidet
Begünstigte im Todesfall Auszahlung an Begünstigte Abhängig von PK-Reglement
Kapitalbezug Immer als Kapital Rente und/oder Kapital (je nach PK)
Sperrfrist Keine 3 Jahre vor Kapitalbezug

Die Faustregel: Zuerst immer die Säule 3a ausschöpfen – du hast dort die volle Kontrolle über Anlage und Begünstigte. Dann erst in die PK einkaufen, wenn die Konditionen stimmen. Am besten: beides, wenn finanziell möglich.


Die 5 häufigsten PK-Fehler

1. Den Ausweis nie lesen

Klingt banal, aber die Mehrheit der Schweizer Angestellten hat ihren PK-Ausweis noch nie bewusst studiert. Dein PK-Guthaben ist oft sechsstellig – du würdest bei einem Bankkonto mit CHF 200'000 auch nicht den Kontoauszug ignorieren.

2. Einkaufspotenzial ignorieren

Viele haben fünfstellige Einkaufslücken und wissen es nicht. Jedes Jahr, in dem du den Einkauf nicht prüfst, verpasst du potenziell tausende Franken an Steuerersparnissen – besonders in Hocheinkommensjahren (Bonus, Erbschaft, Aktienverkauf).

3. PK-Einkauf vor der 3a

Die Säule 3a bietet dir mehr Kontrolle, mehr Flexibilität und im Todesfall eine klare Auszahlung an deine Begünstigten. Wer das Einkaufspotenzial in der PK nutzt, bevor die 3a voll ist, verschenkt Flexibilität.

4. Einkauf kurz vor dem Hauskauf

Die 3-Jahres-Sperrfrist wird oft übersehen. Wer einkauft und dann innerhalb von 3 Jahren PK-Kapital für Wohneigentum vorbezieht, muss die Steuerersparnis zurückzahlen. Plane beides koordiniert.

5. Freizügigkeitsgelder vergessen

Nach einem Jobwechsel landen PK-Gelder auf einem Freizügigkeitskonto. Viele vergessen diese Konten oder lassen das Geld zu Minizinsen verstauben. Prüfe, ob du Freizügigkeitsgelder hast (Zentralstelle 2. Säule), und investiere sie in Wertschriften.


Deine PK-Checkliste

☐ Aktuellen PK-Ausweis zur Hand nehmen und die Zahlen mit dem Vorjahr vergleichen
☐ Versicherter Lohn prüfen – stimmt er mit deinem aktuellen Lohn überein?
☐ Arbeitgeber-Anteil checken: zahlt er mehr als das Minimum (50/50)?
☐ Einkaufspotenzial notieren – wie gross ist deine Lücke?
☐ Umwandlungssatz (gesamt, nicht nur obligatorisch) nachschauen
☐ Deckungsgrad der PK prüfen (Website oder Jahresbericht)
☐ Rückgewähr im Todesfall: bietet deine PK das?
☐ Freizügigkeitskonten: hast du vergessene Guthaben? (zentralstelle.ch prüfen)
☐ Entscheidung: 3a zuerst voll? Dann PK-Einkauf sinnvoll?


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Disclaimer: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine persönliche Finanzberatung dar. Die Angaben zu BVG-Mindestzinssatz, Koordinationsabzug und Umwandlungssatz entsprechen dem Stand 2025/2026 und können sich ändern. Für eine individuelle Vorsorgeberatung wende dich an eine unabhängige Fachperson. arvy ist ein von der FINMA beaufsichtigter Vermögensverwalter.

BVG-Mindestzinssatz 2025: 1.25%. Koordinationsabzug 2026: CHF 26'460. BVG-Umwandlungssatz (obligatorisch): 6.8%. Stand: Februar 2026.