Der Markt auf Allzeithoch – investieren oder warten?

Dezember 16, 2025 8 Minuten Lesezeit
Der Markt steht auf Allzeithoch — investieren oder warten? | arvy

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Der Markt steht auf Allzeithoch — investieren oder warten?

Allzeithochs fühlen sich gefährlich an. Die Daten sagen etwas anderes. Der S&P 500 stand an über 1'250 Handelstagen auf einem Allzeithoch — das sind 8% aller Handelstage seit 1950. Wer jedes Mal gewartet hat, hat jedes Mal Rendite verschenkt.

Von Thierry Borgeat · Überprüft von Patrick Rissi, CFA und Florian Jauch, CFA · Zuletzt aktualisiert April 2026 · 12 Minuten Lesezeit

«Der beste Zeitpunkt zu investieren war vor 20 Jahren. Der zweitbeste ist heute.» — Chinesisches Sprichwort, von Warren Buffett populär gemacht

Du hast Geld auf dem Sparkonto. Du weisst, du solltest investieren. Und dann siehst du die Schlagzeile: "Neues Allzeithoch am S&P 500." Und du denkst: Jetzt einsteigen? Das kann doch nur fallen. Also wartest du. Einen Monat. Drei Monate. Ein Jahr. Und der Markt steigt weiter — weil Allzeithochs nicht das Ende sind, sondern der Normalzustand eines wachsenden Marktes.

Dieser Artikel räumt mit dem grössten Investitions-Mythos auf: dass man bei einem Allzeithoch nicht einsteigen sollte. Mit Daten. Mit Schweizer Zahlen. Und mit der Struktur, die das Problem nicht durch Mut löst, sondern durch Automation.

1'250+
Tage am Allzeithoch — S&P 500 seit 1950 (8% aller Handelstage)
CHF 281'000
Kosten von 5 Jahren Warten — bei CHF 500/Monat und 6% Rendite
14.4%
Durchschn. 1-Jahres-Rendite nach einem Allzeithoch (S&P 500 seit 1950)

01Allzeithochs sind der Normalzustand — nicht die Ausnahme

Hier ist die Zahl, die die meisten überrascht: Der S&P 500 hat seit 1950 über 1'250 Mal ein neues Allzeithoch markiert. Das sind rund 8% aller Handelstage. In einem durchschnittlichen Jahrzehnt gibt es über 150 neue Allzeithochs. Im Jahrzehnt 2010–2020 waren es über 200.

Das bedeutet: Wenn du sagst "Ich warte, bis der Markt nicht mehr auf einem Allzeithoch steht", wartest du durchschnittlich auf einen Tag, an dem der Markt gefallen ist — und dieser Tag fühlt sich dann noch beängstigender an als das Allzeithoch. Es gibt keinen Zeitpunkt, der sich "richtig" anfühlt. Deshalb funktioniert Timing nicht.

Warum Allzeithochs natürlich sind

Ein Aktienmarkt bildet den Wert der Wirtschaft ab. Solange Unternehmen Umsätze steigern, Gewinne reinvestieren und Innovationen liefern, steigt der Markt langfristig. Neue Allzeithochs sind keine Anomalie — sie sind die logische Konsequenz von wirtschaftlichem Wachstum. Ein Markt, der nie ein neues Allzeithoch erreicht, wäre ein Markt ohne Wachstum. Genau den willst du nicht.


02Die Daten: Was nach Allzeithochs tatsächlich passiert

Die Angst sagt: "Nach einem Allzeithoch kommt ein Crash." Die Daten sagen etwas anderes.

J.P. Morgan hat den S&P 500 seit 1988 analysiert und die Renditen nach Allzeithochs mit Renditen nach zufälligen Tagen verglichen:

Zeitraum nach InvestmentRendite nach AllzeithochRendite nach zufälligem Tag
1 Jahr+14.4%+11.7%
3 Jahre (annualisiert)+10.3%+9.6%
5 Jahre (annualisiert)+9.6%+9.0%

Quelle: J.P. Morgan Asset Management, Guide to the Markets. S&P 500, 1988–2024.

Lies das nochmal: Investments an Allzeithochs performen im Durchschnitt besser als Investments an zufälligen Tagen. Nicht schlechter. Besser. Über 1 Jahr, 3 Jahre und 5 Jahre.

Der Grund ist logisch: Ein Allzeithoch signalisiert Momentum. Unternehmen liefern Gewinne, die Wirtschaft wächst, Investoren sind zuversichtlich. Diese Faktoren verschwinden nicht am nächsten Tag. Sie treiben den Markt typischerweise weiter — bis irgendwann eine Korrektur kommt, die den langfristigen Aufwärtstrend kurz unterbricht, bevor er weitergeht.

Die JP Morgan "Best Days"-Statistik

Wer zwischen 2004 und 2023 die 10 besten Börsentage des S&P 500 verpasst hat, hat seine Gesamtrendite halbiert. 6 dieser 10 Tage lagen innerhalb von 2 Wochen nach den 10 schlechtesten Tagen. Wer verkauft, weil "der Markt zu hoch ist", verpasst mit hoher Wahrscheinlichkeit die Erholungstage, die die gesamte Langfrist-Rendite liefern.


03Was du verlierst, wenn du wartest

Die Kosten des Wartens sind nicht linear — sie sind exponentiell. Der Zinseszins wirkt in beide Richtungen: Er belohnt frühes Investieren, und er bestraft spätes. Und er bestraft unverhältnismässig.

SzenarioEingezahltEndkapital mit 65Differenz
Start mit 25, CHF 500/Monat, 6%CHF 240'000CHF 995'000
Start mit 30 (5 Jahre gewartet)CHF 210'000CHF 714'000−CHF 281'000
Start mit 35 (10 Jahre gewartet)CHF 180'000CHF 502'000−CHF 493'000

Berechnung: FV = PMT × [((1+r)^n − 1)/r], monatliche Compoundierung, 6% p.a. Illustration.

Fünf Jahre Wartezeit kosten CHF 281'000 — bei einer zusätzlichen Einzahlung von nur CHF 30'000. Zehn Jahre: fast eine halbe Million. Nicht weil der Markt zwischendurch gecrasht ist. Sondern weil der Zinseszins auf den fehlenden frühen Jahren nie stattgefunden hat.

Das ist der wahre Preis des "Ich warte auf einen besseren Einstiegszeitpunkt". Er steht auf keiner Rechnung. Er kommt nie als Benachrichtigung. Und er ist unwiederbringlich.


04"Aber der Markt ist zu teuer" — Bewertung vs. Preis

Hier kommt die Nuance, die in den meisten "Investiere jetzt!"-Artikeln fehlt. Ein Allzeithoch im Preis bedeutet nicht automatisch ein Allzeithoch in der Bewertung. Bewertung = Preis im Verhältnis zu Gewinnen (KGV, CAPE). Preis allein sagt nichts.

Beispiel: Der S&P 500 stand im Januar 2024 bei rund 4'800 Punkten — einem neuen Allzeithoch. Aber das Forward-KGV lag bei ~19.5x. Im Jahr 2000 (Dotcom-Blase) lag es bei 27x. Im Jahr 2021 bei 23x. Ein Allzeithoch im Preis bei einem durchschnittlichen KGV ist fundamental etwas anderes als ein Allzeithoch bei einer aufgeblähten Bewertung.

Die entscheidende Unterscheidung

Preis-Allzeithoch + steigende Gewinne = gesund. Die Gewinne wachsen mit, der Markt ist nicht überteuert. → Investieren ist sinnvoll.

Preis-Allzeithoch + stagnierende Gewinne + hohe Bewertung = Vorsicht geboten. Der Preis ist den Gewinnen davongelaufen. → Sparplan-Modus: investiere weiter monatlich, aber reduziere keine Raten.

Und selbst im zweiten Fall — "vorsichtiges" Szenario — zeigt die Forschung: wer trotzdem per Sparplan investiert, ist nach 10+ Jahren fast immer besser dran als wer wartet. Weil du den Tiefpunkt nicht triffst. Weil du die Erholung verpasst. Weil du dein Geld auf dem Sparkonto parken lässt, wo die Inflation es langsam auffrisst.


05Der Sparplan als strukturelle Antwort auf die Allzeithoch-Angst

Hier ist die Lösung, die kein Timing erfordert, keine Prognosen braucht und kein Bauchgefühl konsultiert: der automatische Sparplan (Dollar Cost Averaging).

Du investierst jeden Monat den gleichen Betrag — CHF 100, CHF 500, CHF 1'500, was auch immer zu dir passt. Automatisch, per Dauerauftrag, ohne Entscheidung. Was passiert?

Bei hohen Kursen: Du kaufst weniger Anteile für denselben Betrag. Der Durchschnittspreis steigt leicht.

Bei tiefen Kursen: Du kaufst mehr Anteile für denselben Betrag. Der Durchschnittspreis fällt. Du profitierst sogar von Rückschlägen, weil du "günstiger nachkaufst" — automatisch, ohne emotionale Entscheidung.

Über die Zeit: Dein Durchschnittspreis pendelt sich auf einen vernünftigen Mittelwert ein. Und dein Portfolio wächst — unabhängig davon, ob du am Allzeithoch, am Tiefpunkt oder irgendwo dazwischen angefangen hast.

Warum Sparpläne psychologisch überlegen sind

Das Problem ist nicht, dass Anleger die Mathematik nicht verstehen. Das Problem ist, dass sie in dem Moment, in dem der Markt auf einem Allzeithoch steht, Angst spüren — und Angst schlägt Logik. Der Sparplan umgeht die Angst, weil er keine Entscheidung erfordert. Er läuft. Jeden Monat. Egal was die Schlagzeilen sagen. Kein Bauchgefühl, kein "perfekter Moment", kein Zögern. Automation schlägt Disziplin.


06Wie arvy damit umgeht: Quality Compounders in jedem Regime

Bei arvy haben wir eine klare Haltung zu Allzeithochs: Wir investieren durch sie hindurch. Nicht weil wir den Markt ignorieren — sondern weil unsere Anlagestrategie nicht auf Timing gebaut ist, sondern auf Qualität.

Der arvy Equity Fund hält rund 30 weltweite Qualitätsunternehmen — Firmen mit starken Bilanzen, wachsenden Cashflows, hoher Kapitalrendite und disziplinierter Kapitalallokation. Diese Firmen performen in jedem Marktregime: sie wachsen bei Allzeithochs weiter, und sie erholen sich nach Korrekturen schneller als der Durchschnitt, weil ihr Geschäftsmodell solide ist.

Und wir setzen strukturell auf das, was dieser ganze Artikel empfiehlt: automatische Sparpläne ab CHF 1/Monat, thesaurierende Anteilsklassen (Dividenden werden automatisch reinvestiert), und kein aktives Timing. Thierry, Patrick und Florian (alle CFA Charterholders) investieren jeweils über CHF 100'000 im selben Portfolio. Wenn der Markt auf einem Allzeithoch steht, investieren wir unser eigenes Geld genauso weiter wie deines.


07Häufig gestellte Fragen

Soll ich bei einem Allzeithoch investieren?

Ja — die Daten zeigen, dass Investments an Allzeithochs historisch bessere Renditen erzielen als an zufälligen Tagen. Seit 1988 betrug die 1-Jahres-Rendite nach einem Allzeithoch im Durchschnitt 14.4%, an zufälligen Tagen 11.7%. Ein Sparplan eliminiert das Timing-Problem komplett.

Wie oft steht der S&P 500 auf einem Allzeithoch?

Seit 1950 über 1'250 Mal — das sind rund 8% aller Handelstage. In einem typischen Jahrzehnt gibt es 150+ neue Allzeithochs. Sie sind der Normalzustand eines wachsenden Marktes, nicht die Ausnahme.

Was ist besser: alles auf einmal investieren oder per Sparplan?

Statistisch gewinnt die Einmaleinlage in rund zwei Dritteln der Fälle. Aber: die psychologische Realität ist wichtiger als die Statistik. Wer CHF 50'000 auf einmal investiert und am nächsten Tag 10% Verlust sieht, verkauft oft panisch. Ein Sparplan glättet die Einstiegspreise und eliminiert die Angst. Für die meisten Anleger ist der Sparplan die bessere Wahl — nicht mathematisch, aber menschlich.

Wie viel kostet mich ein Jahr Warten?

Bei CHF 500/Monat und 6% Rendite: Ein Jahr Wartezeit kostet über die verbleibende Laufzeit rund CHF 40'000–60'000 an Endkapital. Fünf Jahre: CHF 281'000. Der Zinseszins-Effekt bestraft Warten exponentiell.

Was passiert, wenn ich bei einem Allzeithoch einsteige und der Markt sofort crasht?

Das kommt vor — aber es ist seltener als gedacht. Und selbst wenn: wer investiert bleibt, hat historisch nach 3–5 Jahren den Verlust wieder aufgeholt und danach profitiert. Wer verkauft, zementiert den Verlust. Der Sparplan mildert das Risiko zusätzlich, weil du nach dem Crash automatisch günstiger nachkaufst.

Ist "Time in the Market" wirklich besser als "Timing the Market"?

Ja. Die J.P. Morgan "Best Days"-Statistik zeigt: wer die 10 besten Tage eines Jahrzehnts verpasst, halbiert seine Rendite. Diese besten Tage liegen fast immer direkt nach den schlechtesten — wenn Timing-Anleger bereits verkauft haben und an der Seitenlinie stehen.

Was macht arvy anders als andere bei Allzeithochs?

Wir investieren durch Allzeithochs hindurch — mit automatischen Sparplänen und einer Quality-Strategie (rund 30 Unternehmen mit starken Bilanzen). Kein Timing, keine Prognosen. Die Gründer investieren ihr eigenes Geld im selben Portfolio — auch bei Allzeithochs.



Der beste Zeitpunkt war gestern. Der zweitbeste ist heute.

Das Allzeithoch, das dich heute nervös macht, wird in 10 Jahren eine Fussnote sein — ein Punkt auf einem Chart, der inzwischen weit darüber liegt. Die Frage ist nicht "Ist der Markt zu hoch?", sondern "Bin ich investiert, wenn er in 10 Jahren noch höher steht?" Ein Sparplan beantwortet diese Frage mit Ja — jeden Monat, automatisch, ohne dass du darüber nachdenken musst.

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Geschrieben von Thierry Borgeat, Co-Founder von arvy, und überprüft von Patrick Rissi, CFA und Florian Jauch, CFA. Die S&P-500-Allzeithoch-Statistiken basieren auf J.P. Morgan Guide to the Markets (2024) und S&P Dow Jones Indices Historical Data. Die "Best Days"-Statistik stammt aus JP Morgan Asset Management, 2004–2023. Wartezeit-Berechnungen: FV = PMT × [((1+r)^n − 1)/r], 6% p.a., monatliche Compoundierung. Zuletzt aktualisiert April 2026.

Disclaimer: Dieser Artikel dient allgemeinen Bildungszwecken und stellt keine persönliche Anlageberatung dar. Historische Renditen sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. Aktienmärkte können kurzfristig fallen. Die Erwähnung des S&P 500 dient der Illustration. arvy ist ein von der FINMA beaufsichtigter Vermögensverwalter mit KAG-Lizenz (Art. 24). Impressum & Rechtliche Hinweise.