Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich

Oktober 30, 2023 9 Minuten Lesezeit
Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich — von Newton zur Südsee-Blase | arvy für The Market NZZ

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Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich

Würdest du einem Arzt erlauben, dich zu operieren, wenn er nicht die notwendigen Hilfsmittel einsetzt? Nein. Warum würdest du es dann beim Investieren tun? Selbst Isaac Newton wurde Opfer seiner Emotionen — von der Tulpenmanie 1636 bis heute reimen sich die Spekulationsmuster. Unsere Original-Analyse für The Market by NZZ plus die ausführliche Investoren-Sicht zur historischen Anleger-Psychologie.

Von Thierry Borgeat · Mit Patrick Rissi, CFA und Florian Jauch, CFA · Erschienen in The Market by NZZ, Oktober 2023 · 9 Minuten Lesezeit

Ursprünglich erschienen in
The Market by NZZ — Oktober 2023
Lies die kompakte Original-Analyse direkt bei NZZ. Hier auf arvy.ch findest du die ausführliche Investoren-Sicht zu vier Jahrhunderten Spekulations-Pattern und der zeitlosen Behavioral-Finance-Mechanik dahinter.
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In 30 Sekunden — die Kernthese
  • Emotionen sind beim Investieren der grösste Feind — und das ist keine moderne Beobachtung. Vier Jahrhunderte dokumentierte Spekulationsblasen zeigen dasselbe Pattern: Greed → Hype → Bewertungs-Übertreibung → Crash → Verlust für die emotional getriebenen Anleger.
  • Selbst die grössten Genies sind nicht immun. Isaac Newton — vielleicht der grösste Wissenschaftler aller Zeiten — verlor sein Vermögen in der Südsee-Blase 1720, weil er seinen ersten disziplinierten Verkauf bereute und mit grossem Einsatz auf dem Höhepunkt wieder einstieg. Die Lehre: Intellekt schützt nicht vor Emotionen.
  • Geschichte wiederholt sich nicht — aber sie reimt sich. Tulpenmanie 1636, Südsee-Blase 1720, Eisenbahn-Mania 1840er, Roaring Twenties, Dot-Com 2000, Krypto 2017/2021, Meme-Stocks 2021. Die Oberfläche ändert sich, die psychologische Mechanik bleibt identisch.

Die Original-Analyse — der Anriss

Emotionen.

Sie sind ein wesentlicher Bestandteil nicht nur im Leben, sondern auch bei der Kapitalanlage. Wenn es darum geht, dein hart verdientes Einkommen zu investieren, sind Emotionen so etwas wie dein grösster Feind. Es gibt Daten, die bis zur ersten aufgezeichneten Spekulationsblase im Jahr 1636 — der Tulpenmanie — und der ersten Börsenblase überhaupt — der Südseeblase — im Jahr 1720 zurückreichen. In beiden Fällen lagen die Nerven blank.

Bei letzterer Blase wurde sogar eines der grössten Genies aller Zeiten, Isaac Newton, Opfer seiner eigenen Gefühle. Er verkaufte die Aktien der South Sea Company früh mit einem Gewinn, musste dann aber zusehen, wie der Kurs immer weiter stieg. Also stieg er nochmals mit einem grossen Einsatz ein — und verlor sein Vermögen.

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Chart 1: Isaac Newton und die Südsee-Aktienblase, Dezember 1718–1721

Isaac Newton Suedsee-Aktienblase Dezember 1718-1721

Quelle: NZZ The Market


01Die unbequeme Frage: warum sind selbst die intelligentesten Anleger emotional verletzlich?

Newton war nicht irgendein Anleger. Er war einer der grössten Wissenschaftler der Menschheitsgeschichte, der Erfinder der modernen Physik und der Direktor der Royal Mint — also ein Mann mit tiefem Verständnis von Mathematik, Wahrscheinlichkeit und Geld. Trotzdem verlor er sein Vermögen. Das ist die unbequeme Wahrheit, die in einer NZZ-Kolumne nur angedeutet werden kann: Intellekt und Investing-Disziplin sind unabhängige Variablen. Beides muss separat trainiert werden.

Drei psychologische Mechanismen erklären, warum auch hochintelligente Anleger systematisch in emotionale Fallen tappen:

  1. FOMO (Fear of Missing Out) ist evolutionär verankert. Das Gehirn ist über Hunderttausende Jahre darauf optimiert, sozial relevante Informationen zu verarbeiten — wer in der Steinzeit nicht mitbekam, dass die Stammes-Mehrheit sich neu orientierte, war oft tot. Diese evolutionäre Verkabelung macht es psychologisch fast unmöglich, der Hype-Dynamik einer Spekulationsblase zu widerstehen, wenn alle anderen darin schwimmen. Newton sah, wie seine Freunde mit South-Sea-Aktien reich wurden — die FOMO-Dynamik überwältigte seine Disziplin.
  2. Reue über frühe Disziplin schmerzt mehr als Verlust durch Disziplinlosigkeit. Wer einen disziplinierten Gewinn realisiert hat und dann sieht, wie das Asset weiter steigt, erlebt einen psychologischen Schmerz («ich hätte mehr verdient»), der oft stärker ist als der mathematisch grössere Schmerz späterer Verluste. Das war Newtons spezifische Falle: er verkaufte rational früh, sah die Aktie weiter steigen, und kehrte emotional zum Hochpunkt zurück.
  3. Soziale Bestätigung in Boom-Phasen ist überwältigend. In Spekulations-Höhepunkten sind Skeptiker isoliert und werden als rückwärtsgewandt verspottet. Diese soziale Dynamik macht Disziplin psychologisch sehr teuer. Disziplinierte Anleger müssen lernen, soziale Isolation in Hype-Phasen als Preis ihrer Disziplin zu akzeptieren — und langfristig dafür belohnt zu werden.
Newton's Lehre — drei Jahrhunderte später noch aktuell

Newton soll später gesagt haben, er könne die Bewegungen der Himmelskörper berechnen, aber nicht den Wahnsinn der Menschen. Diese Aussage ist die kondensierte Investing-Weisheit der letzten 300 Jahre: die rationale Analyse von Geschäftsmodellen, Bewertungen und Renditen ist machbar — aber die Vorhersage menschlichen Verhaltens in Spekulations-Phasen ist es nicht. Disziplinierte Anleger akzeptieren beides: dass Bewertungs-Disziplin möglich ist, und dass kurzfristige Markt-Bewegungen oft jenseits jeder Rationalität verlaufen. Sie reagieren auf das Erste mit Selektions-Disziplin, auf das Zweite mit Geduld.


02Vier Jahrhunderte Spekulations-Pattern — die Mechanik bleibt

Die Geschichte der dokumentierten Spekulationsblasen zeigt eine erstaunlich konstante Pattern-Mechanik. Die Oberflächen-Themen variieren — Tulpen, Südsee-Handel, Eisenbahnen, Internet, Krypto — aber die psychologische Dynamik bleibt identisch:

1636
Tulpenmanie

Tulpenzwiebeln zu Hauspreisen

In Holland erreichten die Preise einzelner Tulpenzwiebeln Niveaus, die Häusern entsprachen. Die «Greed-Phase» brauchte Jahre. Der Crash kam in Wochen. Anleger, die spät einstiegen, verloren ihr gesamtes Vermögen. Erste dokumentierte Manifestation des Pattern.

Pattern: Greed → Hype → Crash
1720
Südsee-Blase

Englische Aktien-Mania mit Newton-Opfer

Die South Sea Company versprach exorbitante Gewinne aus Handelsmonopolen. Aktien-Kurse vervielfachten sich in Monaten, dann brach alles zusammen. Newton verlor sein Vermögen, weil er seinem Disziplin-Verkauf bereute und auf dem Höhepunkt wieder einstieg.

Pattern: identisch zu 1636
1840er
Eisenbahn-Mania

Britische Eisenbahn-Spekulation

Hunderte Eisenbahn-Gesellschaften wurden aufgrund der echten technologischen Revolution gegründet. Bewertungen erreichten extreme Niveaus, der Crash 1845-1850 vernichtete Vermögen. Das Muster: echte Technologie-Disruption + spekulative Übertreibung.

Pattern: identisch, mit Technologie-Wrapper
2000
Dot-Com

Internet-Bubble und ihre Lost Decade

Das Internet war eine echte revolutionäre Technologie. Doch die Bewertungen einzelner Unternehmen waren psychologisch getrieben, nicht fundamental gerechtfertigt. Crash 2000-2002, lange Recovery-Phase. Gleiches Pattern wie 1720, mit Microsoft statt South Sea Company.

Pattern: identisch, mit Internet-Wrapper
2017
2021
Krypto + Memes

Modernste Manifestationen

Krypto-Hype 2017 und 2021, Meme-Stocks (GameStop, AMC) 2021 — alle zeigen das Newton-Pattern in moderner Form. FOMO, soziale Bestätigung in Online-Communities, Reue-Schmerz bei Disziplin, spekulative Übertreibung. Vier Jahrhunderte später, identische Psychologie.

Pattern: identisch, mit Reddit-Wrapper

Was diese Übersicht zeigt: die Mechanik ist nicht zeitabhängig. Disziplinierte Anleger lernen daraus, dass Behavior-Finance kein modernes Konzept ist, sondern eine zeitlose menschliche Konstante. Wer seine Anlage-Disziplin auf «aber heutige Zeit ist anders»-Argumente baut, ignoriert vier Jahrhunderte konsistente Beweise.

Die heutige Pattern-Manifestation

Aktuelle Mega-Cap-Konzentration (vgl. «Was mich nachts wach hält»-Companion), KI-Hype-Bewertungen einzelner Aktien, periodische Krypto-Wellen — alle zeigen die strukturellen Pattern-Elemente: revolutionäre echte Technologie + Bewertungs-Übertreibung + soziale Konsensus + FOMO-Dynamik. Wo dieses Pattern endet ist nicht prognostizierbar — wann es endet ebenfalls nicht. Aber das Pattern selbst ist erkennbar, dokumentiert und wiederholbar. Disziplinierte Anleger akzeptieren die Erkennbarkeit und reagieren mit struktureller Diversifikation und Bewertungs-Disziplin — nicht mit Ignoranz.


03Was das für ein Quality-Portfolio bedeutet

Die historische Pattern-Erkennung ist die Grundlage disziplinierter Anlage. Drei strategische Implikationen:

ImplikationWas zu tun wäre
1. Geschriebene Investment-These als Anti-Emotions-WerkzeugVor jedem Kauf: schriftliche Investment-These mit konkreten fundamentalen Annahmen, Bewertungs-Logik und Sell-Triggern. Diese geschriebene Disziplin hilft in emotionalen Hype-Momenten objektiv zu bleiben — sie ist das «notwendige Hilfsmittel», ohne das man nicht investieren sollte (Anriss: «würdest du einem Arzt ohne Hilfsmittel erlauben zu operieren?»).
2. Bewertungs-Disziplin gegen Hype-ÜbertreibungenAuch in echten Wachstums-Bereichen (heute: KI, Cloud, Biotech) müssen Bewertungs-Limits eingehalten werden. Ein revolutionäres Geschäft bei extremer Bewertung ist immer noch Spekulation — die Newton-Falle. Disziplinierte Anleger kombinieren Quality-Erkennung mit Bewertungs-Disziplin, beides simultan.
3. Strukturelle Diversifikation gegen single-Pattern-ExpositionWer 100% seines Vermögens in einer einzigen Hype-Pattern-Story konzentriert (auch wenn die Story echt ist), spielt gegen die historischen Pattern. Strukturelle Diversifikation über Sektoren, Geographien, Geschäftsmodell-Typen reduziert die Pattern-Verletzlichkeit erheblich.
Anleger-VerhaltenPattern-Verletzlichkeits-StatusWas zu prüfen wäre
"Diesmal ist es anders, KI ändert alles"Klassisches Newton-Reue-Pattern aktivierbarSchriftliche Bewertungs-Limits einhalten, FOMO-Reflex bewusst überschreiben
"Ich bin diszipliniert weil ich smart bin"Newton-Falle: Intellekt schützt nicht vor EmotionenDisziplin als separates Skill verstehen, geschriebene Regeln
"Ich warte auf den Crash, dann kaufe ich"Andere Falle — Markt-Timing scheitert statistisch fast immerQuality-Selektion und Halten, statt Timing-Spekulation
"Ich habe geschriebene Investment-These und Bewertungs-Limits"Strukturell Pattern-resistent positioniertDisziplin halten, periodisch verfeinern

04Drei Szenarien — wie die aktuelle Pattern-Manifestation enden könnte

Wenn die aktuelle Mega-Cap- und KI-Hype-Konzentration eine Pattern-Manifestation ist, dann gibt es drei plausible Auflösungs-Pfade:

Bull Case

«Diesmal ist es wirklich anders» — sanfte Bewertungs-Normalisierung

KI und globale Plattformen liefern echte transformative Wertschöpfung. Bewertungen normalisieren sich graduell durch operatives Wachstum statt durch Crash. Anleger mit Bewertungs-Disziplin verpassen einige Performance der letzten Phase, vermeiden aber kein katastrophales Crash-Szenario. Möglicher Pfad, aber statistisch der seltener historisch belegte.

Base Case

Sektor-Rotation und gemischte Bewertungs-Kompression

Einzelne Mega-Caps erleben signifikante Bewertungs-Kompression (-30% bis -50%) während andere weiter performen. Die Markt-Konzentration löst sich graduell auf, ohne klassisches Crash-Pattern. Anleger mit Diversifikations-Disziplin profitieren von Sektor-Rotation. Unser Basisszenario.

Bear Case

Klassisches Newton-Pattern wiederholt sich

Aktuelle Hype-Manifestation kollabiert in Crash-ähnlichem Pattern wie 1720, 2000, 2008. Hochbewertete Mega-Caps verlieren 50-70%, breiter Markt 30-50%. Lange Recovery-Phase. Anleger ohne Diversifikations-Disziplin oder Bewertungs-Limit erleben Newton-ähnliche Verluste. Statistisch wahrscheinlicher als das «diesmal ist alles anders»-Szenario.


05Was du jetzt prüfen solltest

Eine Pattern-Verletzlichkeits-Inventur deines Portfolios und deiner Anlage-Disziplin dauert 60 Minuten. Vier konkrete Prüfungen:

1. Hype-Konzentrations-Inventur. Welcher Anteil deines Portfolios ist in aktuellen Hype-Themen konzentriert (KI-Mega-Caps, Krypto, spezifische thematische ETFs)? Über 30% in einem einzigen Hype-Thema ist strukturell Pattern-verletzlich.

2. Geschriebene Investment-These pro Position. Hast du für jede Position schriftliche fundamentale Annahmen, Bewertungs-Logik, Sell-Trigger? Falls nein — heute definieren. Vor der nächsten Hype- oder Crash-Phase.

3. Bewertungs-Limit-Selbstdiagnose. Welche deiner Positionen sind aktuell bei extremen historischen Bewertungs-Niveaus (KGV im Top-10%-Bereich des Sektors)? Diese sind Pattern-konsistent verletzlich, auch wenn die Geschäfts-Story echt ist.

4. FOMO-Reflex-Selbstdiagnose. Hast du in den letzten 24 Monaten Käufe primär aus FOMO getätigt (weil andere Anleger gewinnen, weil der Hype gross ist)? Diese Käufe sind statistisch unterdurchschnittlich. Ehrliche Selbst-Diagnose ist der Ausgangspunkt für Disziplin-Verbesserung.

Was disziplinierte Anleger tun

Sie nehmen die Geschichte ernst, nicht als Argument für Permanente-Crash-Erwartung, sondern als Beleg für die Beständigkeit des Patterns. Sie schreiben Investment-Thesen vor jedem Kauf. Sie setzen Bewertungs-Limits, die auch in Hype-Phasen eingehalten werden. Sie diversifizieren strukturell gegen Single-Pattern-Exposition. Sie akzeptieren in Hype-Phasen soziale Isolation und sub-optimale Performance gegenüber Hype-Verfolgern als Preis ihrer Disziplin. Über Jahrzehnte werden sie für diese Disziplin systematisch belohnt — nicht weil sie smart sind (Newton war auch smart), sondern weil sie ein separates Disziplin-Skill kultiviert haben. Diese Erkenntnis — dass Disziplin und Intellekt unabhängige Variablen sind — ist die wichtigste Erkenntnis aus 400 Jahren Anleger-Geschichte.


06Häufig gestellte Fragen

Warum kommen Spekulationsblasen immer wieder, obwohl sie historisch dokumentiert sind?

Weil das Pattern in der menschlichen Psychologie verankert ist, nicht in den jeweiligen Geschäfts-Modellen. Die Mechanismen (FOMO, soziale Bestätigung, Reue-Schmerz, Loss Aversion) sind evolutionär verkabelt und ändern sich nicht durch Bildung über die Geschichte. Disziplinierte Anleger akzeptieren das und arbeiten mit Werkzeugen (geschriebene Regeln, Bewertungs-Limits, Diversifikation) statt nur mit Intellekt.

Sind nicht echte technologische Revolutionen anders als reine Spekulationen?

Die zugrunde liegende Technologie kann echt sein — die Eisenbahn war echt, das Internet war echt, KI ist echt. Das ändert nichts an der Bewertungs-Pattern-Mechanik. Echte Technologie + spekulative Übertreibung produziert dasselbe Crash-Pattern wie reine Spekulation. Die Lehre: echte Technologie nicht ignorieren, aber Bewertungs-Disziplin trotzdem anwenden.

Wie unterscheide ich «Quality-Wachstum bei vernünftiger Bewertung» von «Hype-Übertreibung»?

Drei Filter helfen: (1) Bewertung relativ zur historischen Bandbreite — Top-10%-Niveau ist Warnsignal, (2) Markt-Konsens-Stärke — wenn fast alle Anleger dasselbe glauben, ist Vorsicht geboten, (3) zugrunde liegende fundamentale Daten — operative Performance muss die Bewertung mathematisch rechtfertigen, nicht nur narrativ. Quality-Wachstum bei vernünftiger Bewertung erfüllt alle drei. Hype-Übertreibung erfüllt typisch nur (3) teilweise.

Wie geht arvy mit historischen Pattern-Risiken um?

arvy hält disziplinierte Bewertungs-Limits und strukturelle Diversifikation als Schutz gegen Single-Pattern-Exposition. Konkrete Diversifikations-Logik und aktuelle Sektor-Verteilung findest du transparent dokumentiert im arvy Quartalsbericht Q1 2026.



Vier Jahrhunderte Beweise — und doch ändert sich die menschliche Natur nicht

Newton kalkulierte die Bewegungen der Himmelskörper mit präziser Mathematik — und verlor sein Vermögen, weil er den «Wahnsinn der Menschen» nicht ebenso berechnen konnte. Diese Aussage ist die kondensierte Investing-Weisheit der letzten 400 Jahre. Sie sagt nicht, dass disziplinierte Anlage unmöglich ist. Sie sagt, dass Disziplin ein separates Skill ist — eines, das auch grösste Intellekte nicht automatisch beherrschen. Diese Erkenntnis ist intellektuell trivial und psychologisch transformativ.

Was disziplinierte Anleger vom durchschnittlichen unterscheidet, ist nicht überlegene Markt-Prognose oder höherer IQ. Es ist die ehrliche Anerkennung, dass die historischen Pattern sich nicht wiederholen, sondern reimen — und dass die persönliche Verletzlichkeit gegenüber diesen Pattern systematisch trainiert werden muss. Geschriebene Investment-Thesen vor jedem Kauf. Bewertungs-Limits, die auch in Hype-Phasen eingehalten werden. Strukturelle Diversifikation gegen Single-Pattern-Exposition. Akzeptanz sozialer Isolation in Hype-Phasen als Preis langfristiger Disziplin. Diese Werkzeuge sind die «notwendigen Hilfsmittel», ohne die man nicht investieren sollte. Wer sie systematisch nutzt, baut über Jahrzehnte Vermögen auf, das die Newton-Pattern-Verletzlichkeit überwindet. Wer sie ignoriert, wiederholt die teuersten Fehler von 400 Jahren Anleger-Geschichte. Die Wahl ist persönlich — die Konsequenzen sind mathematisch.

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Original verfasst von Thierry Borgeat, Co-Founder von arvy, für The Market by NZZ. Die ausführliche arvy-Erweiterung wurde überprüft von Patrick Rissi, CFA und Florian Jauch, CFA. Letztes Update: April 2026.

Disclaimer: Dieser Artikel dient allgemeinen Bildungszwecken und stellt keine persönliche Anlageberatung dar. arvy ist ein von der FINMA beaufsichtigter Vermögensverwalter mit KAG-Lizenz (Art. 24). Impressum & Rechtliche Hinweise.