Die Pension Gap: Warum Frauen in der Schweiz CHF 100’000 weniger Rente haben — und was du jetzt tun kannst


arvy's Teaser: Frauen in der Schweiz erhalten im Schnitt 37% weniger Rente als Männer. Das sind nicht CHF 200 weniger pro Monat — das sind über CHF 100'000 weniger über den gesamten Ruhestand. Die Gründe sind strukturell: Teilzeit, Koordinationsabzug, Karrierepausen für Kinder, tiefere Löhne. Das System benachteiligt dich nicht absichtlich — aber es ist auf 100%-Erwerbsbiografien ausgelegt, die viele Frauen nicht haben. Die gute Nachricht: Es gibt 3 konkrete Hebel, die du heute in die Hand nehmen kannst. Hier ist die ehrliche Rechnung.
Das Bundesamt für Statistik (BFS) und Swiss Life veröffentlichen regelmässig Daten zur Rentenlücke zwischen Frauen und Männern. Die Zahlen sind eindeutig:
Was das in CHF bedeutet: CHF 1'700 weniger pro Monat × 12 Monate × 20 Jahre Ruhestand = CHF 408'000 weniger über den Ruhestand. Selbst bei konservativerer Rechnung (kürzere Dauer, tiefere Lücke) reden wir über CHF 100'000–200'000. Das ist kein Rundungsfehler. Das ist eine Eigentumswohnung.
59% der erwerbstätigen Frauen in der Schweiz arbeiten Teilzeit. Das wirkt sich doppelt auf die Pensionskasse aus: weniger Lohn = weniger Beiträge. Und: der Koordinationsabzug (aktuell CHF 25'725) wird vom Gesamtlohn abgezogen, nicht proportional zum Pensum.
Du arbeitest 60% bei einem Bruttolohn von CHF 54'000. Der Koordinationsabzug beträgt CHF 25'725. Dein versicherter Lohn in der PK: CHF 28'275.
Dein Kollege arbeitet 100% und verdient CHF 90'000. Sein versicherter Lohn: CHF 64'275.
Du sparst pro Jahr ~CHF 4'200 in der PK. Er spart ~CHF 9'600. In 30 Jahren Berufsleben: du CHF 126'000, er CHF 288'000 — nur an Beiträgen, ohne Zinsen. Die Lücke ist systematisch.
Die BVG-Reform 2024 senkt den Koordinationsabzug schrittweise, was die Situation für Teilzeitarbeitende verbessert — aber den Rückstand von Jahrzehnten nicht aufholt.
Wer 3–5 Jahre ganz aussetzt oder von 100% auf 40% reduziert, verliert nicht nur Einkommen — sondern PK-Beiträge, 3a-Beitragsjahre und Zinseszins auf dem entgangenen Kapital. Eine 3-jährige Pause kostet langfristig CHF 60'000–90'000 an Pensionskassenvermögen. (→ Teilzeit, Kinder, Karrierepause: Was 5 Jahre ohne Pensionskasse kosten)
Frauen verdienen in der Schweiz im Median rund 18% weniger als Männer (BFS). Ein Teil ist durch Branchenwahl, Pensum und Position erklärbar. Ein Teil nicht. Weniger Lohn = weniger PK-Beiträge = weniger Rente. Der Effekt kumuliert über 30–40 Berufsjahre.
Nur 42% der Frauen haben ein 3a-Konto (vs. 60% der Männer). Der Grund ist oft nicht fehlendes Wissen, sondern fehlendes Einkommen nach Fixkosten — oder die Annahme, dass «der Partner das regelt». Beides sind Risiken: Einkommen kann steigen, Beziehungen können sich ändern.
CHF 7'258 pro Jahr in eine investierte 3a. Steuerersparnis: CHF 2'000–2'500/Jahr. Über 25 Jahre investiert bei 6%: ~CHF 440'000.
Das allein schliesst einen grossen Teil der Pension Gap. Und die Steuerersparnis fliesst zurück — die kannst du zusätzlich investieren. Selbst wenn dein Budget knapp ist: CHF 605/Monat ist die 3a-Maximierung. Starte dort. (→ 3a-Guide)
Nach einer Teilzeit-Phase oder Karrierepause hast du fast immer eine Einkaufslücke in der Pensionskasse. Diese Lücke steht auf deinem PK-Ausweis. Du kannst sie mit freiwilligen Einkäufen schliessen — und jeden einbezahlten Franken vollständig vom steuerbaren Einkommen abziehen.
Beispiel: CHF 30'000 Einkaufslücke bei Grenzsteuersatz 33% = CHF 10'000 Steuerersparnis. Das Geld wächst in der PK weiter. Am effektivsten: gestaffelt über mehrere Jahre einkaufen (jedes Jahr maximale Steuerersparnis). (→ PK-Ausweis lesen und verstehen)
Die 3a hat eine Obergrenze. Die PK-Einkäufe sind irgendwann ausgeschöpft. Aber dein eigener Sparplan hat kein Limit.
CHF 300/Monat investiert über 20 Jahre bei 6%: ~CHF 139'000. Das ist dein drittes Standbein — frei verfügbar, nicht an Alter gebunden, nicht an einen Partner gebunden. In der Schweiz sind Kapitalgewinne steuerfrei. Ein eigenes Depot ist der flexibelste Baustein für deine finanzielle Unabhängigkeit. (→ Sparplan-Guide)
CHF 519'000 in 20 Jahren. Plus Steuerersparnis von ~CHF 80'000–100'000 über die Laufzeit. Das schliesst die Pension Gap nicht vollständig — aber es verwandelt eine bedrohliche Lücke in eine kontrollierbare Situation. Und: der grösste Teil davon (3a + Sparplan) ist dein Geld, auf deinen Namen, unter deiner Kontrolle.
Das ist kein Urteil, sondern Mathematik.
In der Schweiz wird fast jede zweite Ehe geschieden. Bei einer Scheidung wird das während der Ehe angesparte PK-Guthaben aufgeteilt — aber nicht die 3a, nicht das freie Vermögen (ausser bei Gütertrennung), und nicht die verpassten Beitragsjahre. Wer während der Ehe nicht selbst vorgesorgt hat, steht danach oft schlechter da — trotz Splitting.
Und auch in glücklichen Partnerschaften gilt: Finanzielle Autonomie ist kein Misstrauensvotum. Es ist Selbstfürsorge. Dein eigenes 3a-Konto (das ist ohnehin individuell), dein eigener Sparplan, dein eigenes Verständnis davon, was auf dem PK-Ausweis steht. Das stärkt die Partnerschaft, weil es Abhängigkeit reduziert. (→ Dein Geld, deine Entscheidung)
☐ PK-Ausweis lesen — voraussichtliche Rente, Einkaufslücke, Umwandlungssatz prüfen
☐ 3a eröffnen und maximieren — investiert, nicht auf dem Sparkonto (→ 3a-Vergleich)
☐ Einkaufslücke in der PK berechnen — Arbeitgeber oder PK-Verwaltung fragen
☐ PK-Einkäufe planen — gestaffelt über mehrere Jahre, maximale Steuerersparnis
☐ Eigenen Sparplan starten — CHF 200–500/Monat, automatisiert, auf deinen Namen
☐ Steuerersparnis reinvestieren — 3a-Abzug + PK-Einkauf → Ersparnis in den Sparplan
☐ Arbeitgeber fragen — Gibt es die Option, den Koordinationsabzug ans Pensum anzupassen?
☐ Mit dem Partner sprechen — Finanzen offen besprechen. Wer spart was, wohin?
Das Schweizer Vorsorgesystem ist auf durchgehende Vollzeitkarrieren ausgelegt. Das entspricht nicht der Lebensrealität der meisten Frauen — und vieler Männer. Der Koordinationsabzug benachteiligt Teilzeitarbeitende. Karrierepausen kosten Zinseszins. Und tiefere Löhne multiplizieren sich über Jahrzehnte.
Das zu wissen ist der erste Schritt. Der zweite ist, die Hebel zu nutzen, die du hast: 3a, PK-Einkäufe, eigener Sparplan. Nicht irgendwann. Jetzt.
«Der grösste finanzielle Fehler ist nicht, zu wenig zu verdienen. Es ist, zu spät anzufangen, das Geld für sich arbeiten zu lassen. Die Pension Gap entsteht nicht an einem Tag — sie entsteht, weil über Jahre nichts passiert. Das Gegenteil ist auch wahr: Jeder Monat, in dem du investierst, schliesst sie ein Stück weiter.»
3a investieren, Sparplan starten, Zinseszins nutzen. Mit arvy investierst du in die 30 besten Unternehmen der Welt — ab CHF 1, ohne Mindestlaufzeit, mit echten Menschen, die deine Fragen beantworten.
Disclaimer: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine persönliche Finanz-, Steuer- oder Vorsorgeberatung dar. Die genannten Zahlen sind Richtwerte und können je nach Kanton, PK-Reglement und persönlicher Situation abweichen. arvy ist ein von der FINMA beaufsichtigter Vermögensverwalter.