Dollar-Cost-Averaging (Sparplan) einfach erklärt | arvy


Wer sich zum ersten Mal mit Sparplänen beschäftigt, stösst früher oder später auf den Begriff Dollar-Cost-Averaging — im Deutschen meist Durchschnittskosteneffekt oder Cost-Average-Effekt genannt. Meistens wird er als Vorteil verkauft, ohne dass jemand erklärt, wann genau er wirkt und wann nicht. Dieser Artikel holt das nach.
Du investierst regelmässig denselben Betrag — nicht dieselbe Anzahl Anteile. Das klingt nach einem Detail, ist aber der ganze Mechanismus. Weil der Betrag konstant bleibt und der Kurs sich bewegt, kaufst du bei tiefen Kursen mehr Anteile und bei hohen weniger. Über die Zeit liegt dein durchschnittlicher Einstandspreis dadurch unter dem Durchschnitt der Kurse, an denen du gekauft hast.
Der Grund dafür ist mathematisch: Ein konstanter Betrag geteilt durch einen schwankenden Kurs ergibt ein harmonisches Mittel, und das harmonische Mittel liegt immer unter oder gleich dem arithmetischen. Man muss diese Begriffe nicht kennen — aber es hilft zu wissen, dass hier kein Marketingversprechen wirkt, sondern eine Rechenregel.
Nehmen wir vier Monate und je CHF 400. Der Kurs startet bei 100, fällt auf 80, dann auf 50 und erholt sich auf 80.
| Monat | Kurs | Investiert | Gekaufte Anteile |
|---|---|---|---|
| 1 | 100.00 | CHF 400 | 4.00 |
| 2 | 80.00 | CHF 400 | 5.00 |
| 3 | 50.00 | CHF 400 | 8.00 |
| 4 | 80.00 | CHF 400 | 5.00 |
| Total | Ø 77.50 | CHF 1'600 | 22.00 |
Du hast CHF 1'600 investiert und 22 Anteile erhalten. Dein durchschnittlicher Einstandspreis liegt bei CHF 72.73. Der Durchschnitt der vier Kurse beträgt CHF 77.50. Die Differenz von rund 6% hast du nicht durch Timing verdient, sondern dadurch, dass du im schwächsten Monat automatisch am meisten gekauft hast.
Der entscheidende Punkt: Im dritten Monat, als der Kurs halbiert war, hätten die meisten Menschen nicht gekauft. Sie hätten abgewartet. Der Sparplan hat es trotzdem getan — und genau dieser eine Kauf trägt den grössten Teil des Vorteils.
Hier wird es ehrlich. Der Durchschnittskosteneffekt braucht Schwankung. Steigt ein Markt einfach nur kontinuierlich, kaufst du jeden Monat teurer als im Monat davor — und wärst mit einer sofortigen Investition des Gesamtbetrags besser gefahren.
Das ist kein Randfall. Aktienmärkte steigen über lange Zeiträume häufiger, als sie fallen. Deshalb zeigen Untersuchungen regelmässig, dass eine sofortige Einmalanlage das gestaffelte Investieren in ungefähr zwei von drei Fällen schlägt, wenn das Geld bereits vorhanden ist.
Wer also CHF 60'000 auf dem Konto hat und überlegt, ob er sie über zwölf Monate verteilen soll: Statistisch ist Sofort-Investieren die bessere Wahl. Emotional ist es die schwerere. Beide Aspekte zählen — die Abwägung im Detail steht in Einmalanlage oder Sparplan.
Die Statistik zur Einmalanlage beantwortet eine Frage, die sich die wenigsten stellen. Sie setzt voraus, dass ein grösserer Betrag bereits verfügbar ist. Für die meisten Menschen trifft das nicht zu. Sie haben ein Einkommen, aus dem jeden Monat ein Teil übrig bleibt — und für dieses Geld gibt es zum regelmässigen Investieren keine Alternative.
Dazu kommt der Teil, der sich schlecht in einer Tabelle abbilden lässt: Ein Sparplan verhindert Fehler. Er investiert im März 2020 und im Oktober 2022, ohne zu fragen, wie sich die Lage anfühlt. Über Jahrzehnte ist dieser Verzicht auf Meinung mehr wert als jeder Timing-Vorteil. Studien von Vanguard, Morningstar und Dalbar beziffern den Renditeunterschied zwischen diszipliniertem und emotionalem Anlegen auf rund 1% bis 1.5% pro Jahr.
Wie viel das ausmacht, zeigt eine simple Rechnung: Bei CHF 500 monatlich über 30 Jahre stehen 7% Rendite (rund CHF 610'000) gegenüber 5.5% (rund CHF 457'000). Über CHF 150'000 Unterschied — allein durch Verhalten. Mehr dazu in Time in the Market schlägt Market Timing.
Je kürzer das Intervall, desto stärker die Glättung — aber der Zusatznutzen nimmt schnell ab. Der Sprung von quartalsweise auf monatlich bringt spürbar mehr als der Sprung von monatlich auf wöchentlich.
Zwei Dinge sprechen trotzdem für kürzere Intervalle. Erstens liegt dein Geld weniger lange unverzinst auf dem Konto. Zweitens erwischst du in turbulenten Phasen mehr unterschiedliche Kursniveaus. Über 30 Jahre und CHF 500 monatlich liegt der reine Rechenvorteil wöchentlicher gegenüber monatlicher Ausführung allerdings nur bei etwa einem halben Prozent des Endvermögens — schön, aber kein Argument, das eine Anbieterwahl entscheiden sollte.
Viel wichtiger als das Intervall ist das Datum. Lege die Ausführung auf die Tage direkt nach dem Lohneingang. Was zuerst abfliesst, wird nicht ausgegeben — und ein Sparplan, der am Monatsende vom Restguthaben abhängt, überlebt den ersten teuren Monat nicht.
«DCA schützt vor Verlusten.» Nein. Fällt der Markt dauerhaft, verlierst du mit einem Sparplan ebenfalls Geld — nur langsamer und mit tieferem Einstandspreis. Schutz vor Verlust bietet nur ein Anlagehorizont, der lang genug ist, um Erholungen abzuwarten.
«DCA schlägt den Markt.» Nein. Du bekommst die Marktrendite, abzüglich Kosten. Der Effekt verbessert deinen Einstiegspreis, nicht die Rendite des Investments selbst.
«Beim Sparplan muss ich nichts mehr entscheiden.» Fast. Eine Entscheidung bleibt: durchzuhalten. Und sie wird ausgerechnet dann fällig, wenn es am unangenehmsten ist.
Durchschnittskosteneffekt oder Cost-Average-Effekt. Gemeint ist immer dasselbe: das regelmässige Investieren eines konstanten Betrags, unabhängig vom aktuellen Kurs.
Mechanisch ja, praktisch ist er dort riskanter. Bei einem breiten Index kaufst du in Schwächephasen den gesamten Markt günstiger ein. Bei einer Einzelaktie kaufst du möglicherweise ein Unternehmen nach, dessen Kurs aus gutem Grund fällt.
Ja — weil niemand weiss, ob die Kurse hoch sind. Ein Markt auf Allzeithoch war historisch fast immer der Vorläufer weiterer Allzeithochs. Wer auf einen günstigeren Einstieg wartet, wartet im Durchschnitt zu lange.
Aus Anlagesicht ist das der schlechteste Moment. Genau dann kauft der Sparplan am meisten Anteile pro Franken. Wer pausieren muss, weil das Budget es verlangt, tut das ohne schlechtes Gewissen — wer aus Angst pausiert, verzichtet auf den wertvollsten Teil des Mechanismus.
Fast. Der Sparplan ist das Werkzeug, der Durchschnittskosteneffekt ist die Folge daraus. Jeder Sparplan mit konstantem Betrag erzeugt den Effekt automatisch — umgekehrt kann man ihn auch manuell erzeugen, hält es in der Praxis aber selten durch.
Ja, in umgekehrter Richtung. Wer sein Vermögen in gleichen Beträgen entnimmt, verkauft bei hohen Kursen weniger Anteile und bei tiefen mehr — was ungünstig ist. Bei der Entnahme ist deshalb eine gestaffelte Strategie nach Bedarf sinnvoller als ein fixer Frankenbetrag.
Er wirkt ab dem zweiten Kauf, wird aber erst über mehrere Marktzyklen sichtbar. In einem ruhigen Jahr ohne grössere Ausschläge ist der Unterschied zum Einmalkauf minimal. Seinen Wert entfaltet er in Phasen mit starken Schwankungen.
Nein. Sparpläne sind gerade für den Aufbau aus dem laufenden Einkommen gedacht. Entscheidend ist nur, dass keine fixen Gebühren pro Ausführung anfallen, die kleine Beträge prozentual stark belasten.
Kosten, Steuern, Fondsdomizil und alles, was zum regelmässigen Investieren gehört.
Was die Daten sagen — und warum die Kombination beider Ansätze am stärksten ist.
Der arvy ETF Sparplan investiert wöchentlich in einen breiten Weltindex — 0.39% Verwaltung plus 0.06% TER, zusammen 0.45% all-in.
Dieser Beitrag wurde von Thierry Borgeat, Mitgründer von arvy, verfasst und von Patrick Rissi, CFA, und Florian Jauch, CFA, geprüft.
Disclaimer: arvy AG ist ein von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA bewilligter Verwalter von Kollektivvermögen nach Art. 24 des Kollektivanlagengesetzes (KAG). Dieser Beitrag dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Steuer- oder Rechtsberatung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Die dargestellten Berechnungen sind Modellrechnungen auf Basis der genannten Annahmen und keine Prognose; sie unterstellen eine konstante Rendite und eine monatliche Verzinsung zum nominellen Jahreszins. Die historische Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Anlagen in Aktien unterliegen Kursschwankungen; Verluste bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals sind möglich. Steuerliche Auswirkungen sind kantonal und individuell unterschiedlich — kläre deine Situation mit einer Fachperson ab.