Einmalanlage oder Sparplan? Die Antwort


«Soll ich alles auf einmal investieren oder lieber über zwölf Monate verteilen?» Diese Frage taucht auf, sobald ein grösserer Betrag verfügbar wird: eine Erbschaft, ein Bonus, der Verkauf einer Wohnung, eine Auszahlung aus der Vorsorge. Und sie wird meistens mit einem Bauchgefühl beantwortet statt mit Zahlen. Schauen wir uns beides an.
Die Untersuchungen zu dieser Frage kommen seit Jahrzehnten zum gleichen Ergebnis. Wird ein vorhandener Betrag sofort investiert, führt das über verschiedene Märkte und Zeiträume hinweg in ungefähr zwei von drei Fällen zu einem besseren Endergebnis als eine gestaffelte Investition über sechs oder zwölf Monate.
Die Erklärung ist unspektakulär. Wer staffelt, hält im Durchschnitt einen Teil seines Geldes länger in bar. Bargeld verdient weniger als der Aktienmarkt. Über die Mehrheit aller Zeiträume kostet dieses Warten mehr, als die geglätteten Einstiegskurse einbringen.
Ein Beispiel: CHF 60'000, angelegt über 20 Jahre bei 7% jährlicher Rendite. Sofort investiert ergeben sich rund CHF 232'000. Verteilt auf zwölf Monatstranchen zu je CHF 5'000 und danach 19 Jahre laufen gelassen: rund CHF 224'000. Die Differenz beträgt etwa CHF 8'000, also gut drei Prozent — bei einem durchschnittlichen Verlauf.
Wichtig an dieser Rechnung: Sie zeigt den Erwartungswert, nicht dein persönliches Ergebnis. Im schlechtesten Drittel der Fälle — nämlich dann, wenn der Markt direkt nach deiner Einmalanlage einbricht — ist Staffeln deutlich angenehmer. Der Durchschnitt tröstet niemanden, der drei Wochen nach dem Kauf 25% im Minus steht.
Die gesamte Debatte setzt voraus, dass ein grösserer Betrag bereitliegt. Das ist bei den wenigsten der Fall. Die meisten Menschen haben kein Vermögen, das investiert werden will, sondern ein Einkommen, aus dem monatlich etwas übrig bleibt.
Für dieses Geld existiert die Alternative gar nicht. Du kannst CHF 500 im Monat nicht «auf einmal» investieren — sie entstehen ja erst. Ein Sparplan ist in dieser Situation nicht die zweitbeste Wahl, sondern die einzige sinnvolle Form, laufendes Einkommen an den Markt zu bringen.
Die ehrliche Formulierung der Frage lautet deshalb nicht «entweder oder», sondern: Was mache ich mit meinem monatlichen Überschuss — und was mache ich zusätzlich mit Beträgen, die ausserhalb dieses Rhythmus anfallen?
Nehmen wir an, du investierst CHF 200'000 auf einen Schlag, und drei Monate später beginnt eine Korrektur von 30%. Auf dem Papier hast du CHF 60'000 verloren. Statistisch war deine Entscheidung trotzdem richtig. Emotional wirst du das anders sehen — und die entscheidende Frage ist nicht, wer recht hat, sondern was du in diesem Moment tust.
Wer daraufhin verkauft, verwandelt einen vorübergehenden Buchverlust in einen dauerhaften. Damit ist die statistisch überlegene Strategie in der Praxis die schlechtere geworden — nicht wegen der Mathematik, sondern wegen ihrer Durchhaltbarkeit.
Die brauchbare Faustregel: Wähle die Variante, die du auch dann durchhältst, wenn sie kurzfristig falsch aussieht. Eine Strategie, die du im Stress abbrichst, hat keinen Erwartungswert — sie hat nur ein Abbruchdatum.
Es gibt Situationen, in denen das gestaffelte Investieren nicht nur psychologisch, sondern sachlich vertretbar ist.
Wenn der Betrag im Verhältnis zu deinem Gesamtvermögen sehr gross ist. Wer bisher CHF 20'000 angelegt hatte und plötzlich CHF 400'000 erbt, verändert sein Risikoprofil über Nacht. Hier ist ein Übergang von einigen Monaten weniger eine Renditefrage als eine Gewöhnungsfrage.
Wenn dein Anlagehorizont kurz ist. Bei fünf Jahren bis zur geplanten Verwendung hat der Markt weniger Zeit, einen ungünstigen Einstieg auszugleichen. Dann geht es ohnehin weniger um die Einstiegsmethode als um die Aktienquote.
Wenn du dich sonst gar nicht traust. Ein gestaffelter Einstieg, der stattfindet, schlägt eine Einmalanlage, die aus Angst nie passiert. Das ist kein eleganter Grund, aber ein realer.
Was in keinem dieser Fälle sinnvoll ist: eine Staffelung über mehrere Jahre. Wer CHF 100'000 über fünf Jahre verteilt, betreibt kein Risikomanagement mehr, sondern hält schlicht dauerhaft zu viel Bargeld. Sechs bis zwölf Monate sind die übliche Spanne.
In der Praxis müssen sich die beiden Ansätze nicht ausschliessen. Sinnvoll ist ein Aufbau in drei Ebenen.
Die dritte Ebene ist der eigentliche Unterschied zwischen einem Dauerauftrag und einer Anlagestrategie. Sie verlangt weder eine Prognose noch ein Markttiming im engeren Sinn. Sie verlangt nur die Bereitschaft, bei minus 20% mehr zu kaufen statt weniger — und dafür idealerweise etwas Liquidität bereitzuhalten, die genau dafür vorgesehen ist.
Wie ein solcher Moment praktisch aussieht und was dabei schiefgehen kann, steht in Markt fällt 20%: was jetzt zu tun ist.
Kurzfristig ja, langfristig kaum. Eine Einmalanlage ist von Anfang an vollständig dem Markt ausgesetzt, ein Sparplan baut die Position erst auf. Nach einigen Jahren ist dieser Unterschied verschwunden — dann haben beide dasselbe Risiko, weil beide vollständig investiert sind.
Wenn überhaupt, dann über sechs bis zwölf Monate. Längere Zeiträume kosten mehr Rendite, als sie an Sicherheit bringen, weil das Geld währenddessen unverzinst bleibt.
Nein. Niemand weiss, ob und wann er kommt und ob er von einem tieferen oder höheren Niveau ausgeht. Wer wartet, verpasst statistisch mehr Aufwärtsbewegung, als er an Rückgang einspart.
Genau das ist die empfohlene Variante. Der Sparplan investiert dein laufendes Einkommen, Einmalanlagen kommen bei ausserordentlichen Zuflüssen dazu, und in Korrekturphasen wird zusätzlich aufgestockt.
Grundsätzlich gilt dieselbe Logik: sofort investieren schlägt staffeln in etwa zwei von drei Fällen. Ist der Betrag im Verhältnis zum bisherigen Vermögen sehr gross, ist ein Übergang über sechs bis zwölf Monate vertretbar — weniger aus Renditegründen als zur Gewöhnung an das neue Risiko.
Ja. Alles, was ausserhalb des monatlichen Rhythmus anfällt, gehört in diese Kategorie: Bonus, 13. Monatslohn, Steuerrückerstattung, Verkaufserlös. Eine feste Regel im Voraus — etwa die Hälfte investieren — funktioniert besser als jedes Mal neu zu entscheiden.
Allzeithochs sind statistisch kein schlechter Einstiegszeitpunkt, weil steigende Märkte laufend neue Höchststände produzieren. Wer trotzdem staffelt, tut das aus psychologischen Gründen — das ist legitim, sollte aber sechs bis zwölf Monate nicht überschreiten.
Bei weniger als fünf Jahren ist nicht die Einstiegsmethode die entscheidende Frage, sondern die Aktienquote. Ein kurzer Horizont verträgt schlicht weniger Schwankung, unabhängig davon, ob das Geld auf einmal oder gestaffelt investiert wird.
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Zum ETF Sparplan →Dieser Beitrag wurde von Thierry Borgeat, Mitgründer von arvy, verfasst und von Patrick Rissi, CFA, und Florian Jauch, CFA, geprüft.
Disclaimer: arvy AG ist ein von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA bewilligter Verwalter von Kollektivvermögen nach Art. 24 des Kollektivanlagengesetzes (KAG). Dieser Beitrag dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Steuer- oder Rechtsberatung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Die dargestellten Berechnungen sind Modellrechnungen auf Basis der genannten Annahmen und keine Prognose; sie unterstellen eine konstante Rendite und eine monatliche Verzinsung zum nominellen Jahreszins. Die historische Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Anlagen in Aktien unterliegen Kursschwankungen; Verluste bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals sind möglich. Steuerliche Auswirkungen sind kantonal und individuell unterschiedlich — kläre deine Situation mit einer Fachperson ab.