ETF Sparplan Steuern Schweiz: der Guide

August 12, 2026 5 Minuten Lesezeit
  • Kapitalgewinne sind für Privatanleger in der Schweiz steuerfrei. Wertsteigerungen deines Depots werden nicht als Einkommen besteuert.
  • Steuerbar sind zwei Dinge: der Depotwert per Jahresende über die Vermögenssteuer und die Erträge des Fonds über die Einkommenssteuer — auch bei thesaurierenden Fonds.
  • Die massgeblichen Werte pro Fonds publiziert die Eidgenössische Steuerverwaltung im System ICTax. Du musst nichts aus Fondsberichten heraussuchen.
Die Schweiz besteuert Vermögen und Erträge, aber nicht den Wertzuwachs. Diese eine Regel macht langfristiges Aktiensparen hier attraktiver als in fast jedem Nachbarland.

Wer einen ETF-Sparplan startet, stösst früher oder später auf die Frage, was davon in der Steuererklärung landet. Die Antwort ist übersichtlicher, als viele befürchten — aber sie enthält einen Punkt, der regelmässig übersehen wird.

01Der grosse Vorteil: keine Kapitalgewinnsteuer

Für natürliche Personen im Privatvermögen sind Kapitalgewinne aus beweglichem Vermögen in der Schweiz steuerfrei. Steigt dein Depot über zwanzig Jahre von CHF 100'000 auf CHF 400'000, zahlst du auf diese CHF 300'000 keine Einkommenssteuer — weder laufend noch beim Verkauf.

Das ist ein struktureller Vorteil. In vielen Nachbarländern greift beim Verkauf eine Abgeltungs- oder Kapitalertragssteuer, die einen erheblichen Teil des Zuwachses abschöpft. In der Schweiz bleibt dieser Teil vollständig bei dir.

Die Grenze heisst «gewerbsmässiger Wertschriftenhandel». Wer sehr häufig handelt, kurze Haltedauern hat, mit Fremdkapital arbeitet oder systematisch derivative Instrumente einsetzt, kann als gewerbsmässig eingestuft werden — dann sind Gewinne steuerbar. Ein langfristiger Sparplan mit Buy-and-Hold ist von dieser Diskussion praktisch nicht betroffen.

02Vermögenssteuer: der Depotwert per Stichtag

Der Wert deines Depots am 31. Dezember zählt zu deinem steuerbaren Vermögen. Die Vermögenssteuer ist eine kantonale und kommunale Steuer, die Sätze unterscheiden sich entsprechend deutlich. In der Praxis bewegt sie sich meist im Promillebereich des Vermögens, und die meisten Kantone kennen Freibeträge.

Praktisch bedeutet das: Du trägst den Stichtagswert ins Wertschriftenverzeichnis ein. Den Wert liefert dir der Steuerauszug deiner Depotstelle.

03Einkommenssteuer: der Punkt, der übersehen wird

Die Erträge, die ein Fonds vereinnahmt — im Wesentlichen Dividenden und Zinsen — gelten bei dir als steuerbares Einkommen. Das gilt auch dann, wenn du sie nie ausbezahlt bekommst.

Genau hier liegt das häufigste Missverständnis. Bei einem thesaurierenden Fonds werden die Erträge automatisch wieder angelegt. Es fliesst kein Geld auf dein Konto — steuerbar sind sie trotzdem. Der Fiskus unterscheidet nicht danach, ob ein Ertrag ausbezahlt oder reinvestiert wurde, sondern danach, ob er angefallen ist.

Was das praktisch heisst: Bei einem thesaurierenden ETF versteuerst du Einkommen, das du nicht in bar erhalten hast. Bei einem breiten Weltindex mit einer Dividendenrendite um zwei Prozent ist der Betrag überschaubar, aber er existiert — und er wächst mit dem Depot.

Für die Wahl zwischen thesaurierend und ausschüttend ändert das in der Schweiz wenig: Steuerlich werden beide gleich behandelt. Der Unterschied liegt in der Bequemlichkeit der Wiederanlage, nicht in der Steuerlast.

04ICTax: woher die Zahlen kommen

Die Eidgenössische Steuerverwaltung führt mit ICTax eine Kursliste, in der für jeden erfassten Fonds der Steuerwert per Stichtag und der steuerbare Ertrag pro Anteil publiziert sind. Das ist die massgebliche Quelle für die Deklaration.

Du musst dort in der Regel nicht selbst suchen. Ein ordentlicher Steuerauszug weist Depotwert und steuerbare Erträge bereits in der Form aus, die in die Steuererklärung gehört. Für arvy Kundinnen und Kunden ist dieser Auszug Teil des Jahresabschlusses.

05Ausländische Quellensteuer — zwei verschiedene Ebenen

Hier lohnt es sich, zwei Dinge auseinanderzuhalten.

Auf Fondsebene fällt Quellensteuer an, bevor Dividenden überhaupt im Fonds ankommen. Diese kannst du nicht zurückfordern. Beeinflussbar ist sie nur über das Fondsdomizil — irische Fonds zahlen auf US-Dividenden 15% statt 30%. Die Details stehen in Irische ETF: 15% statt 30% Quellensteuer.

Auf Anlegerebene geht es um Erträge, die dir direkt zufliessen. Bei Schweizer Dividenden wird die Verrechnungssteuer erhoben, die du über die korrekte Deklaration vollständig zurückerhältst. Genau dafür existiert das Wertschriftenverzeichnis.

06Die Deklaration in vier Schritten

Schritt 1
Steuerauszug
Jahresauszug der Depotstelle abwarten. Er enthält Stichtagswert und Erträge.
Schritt 2
Wertschriften
Position ins Wertschriftenverzeichnis übertragen, mit Valor oder ISIN.
Schritt 3
Erträge
Steuerbare Erträge eintragen — auch bei thesaurierenden Fonds.
Schritt 4
Rückforderung
Verrechnungssteuer auf Schweizer Erträgen zurückfordern.

07Häufige Fragen

Muss ich Kursgewinne aus meinem ETF-Sparplan versteuern?

Nein. Kapitalgewinne aus dem Privatvermögen sind in der Schweiz steuerfrei — unabhängig davon, ob du verkaufst oder die Position hältst. Ausnahmen gelten nur bei Einstufung als gewerbsmässiger Wertschriftenhändler.

Sind thesaurierende ETFs steuerlich günstiger?

Nein. Die im Fonds vereinnahmten Erträge sind auch bei Thesaurierung steuerbares Einkommen. Der Unterschied zu ausschüttenden Fonds liegt in der Handhabung der Wiederanlage, nicht in der Steuerlast.

Was ist ICTax?

Die Kursliste der Eidgenössischen Steuerverwaltung. Sie publiziert für erfasste Wertschriften den Steuerwert per Stichtag und den steuerbaren Ertrag pro Anteil — die massgeblichen Werte für die Steuererklärung.

Wie hoch ist die Vermögenssteuer auf ein Wertschriftendepot?

Sie ist kantonal und kommunal geregelt und bewegt sich in der Praxis meist im Promillebereich des steuerbaren Vermögens. Die meisten Kantone kennen Freibeträge, unterhalb derer keine Vermögenssteuer anfällt.

Ab wann gilt man als gewerbsmässiger Wertschriftenhändler?

Massgeblich sind unter anderem Haltedauer, Transaktionsvolumen, Fremdfinanzierung und der Einsatz von Derivaten. Ein langfristig ausgerichteter Sparplan ohne Fremdkapital fällt praktisch nie darunter. Bei Unsicherheit lohnt sich eine Fachperson.

Wie hoch ist die Stempelabgabe beim Kauf eines ETF?

Die eidgenössische Umsatzabgabe fällt beim Handel über einen Schweizer Effektenhändler an und ist bei ausländischen Titeln höher als bei inländischen. Sie ist gesetzlich vorgegeben, bei allen Anbietern gleich und wird pro Transaktion erhoben.

Muss ich einen irischen ETF im Ausland deklarieren?

Nein. Als in der Schweiz steuerpflichtige Person deklarierst du dein weltweites Vermögen und Einkommen ausschliesslich in deiner Schweizer Steuererklärung. Das Fondsdomizil begründet keine zusätzliche Steuerpflicht im Ausland.

Wie werden Depots von Kindern besteuert?

Vermögen und Erträge minderjähriger Kinder werden in der Regel den Eltern zugerechnet und in deren Steuererklärung deklariert. Mit der Volljährigkeit wechselt das. Die kantonalen Regelungen unterscheiden sich, insbesondere bei Schenkungen.

Was passiert steuerlich, wenn ich ins Ausland ziehe?

Mit dem Wegzug endet die unbeschränkte Steuerpflicht in der Schweiz, und es gilt das Steuerrecht des neuen Wohnsitzstaats — das Kapitalgewinne oft anders behandelt. Wer einen Wegzug plant, sollte die Folgen vorher klären.

08Weiterlesen

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Dieser Beitrag wurde von Thierry Borgeat, Mitgründer von arvy, verfasst und von Patrick Rissi, CFA, und Florian Jauch, CFA, geprüft.

Disclaimer: arvy AG ist ein von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA bewilligter Verwalter von Kollektivvermögen nach Art. 24 des Kollektivanlagengesetzes (KAG). Dieser Beitrag dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Steuer- oder Rechtsberatung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Die dargestellten Berechnungen sind Modellrechnungen auf Basis der genannten Annahmen und keine Prognose; sie unterstellen eine konstante Rendite und eine monatliche Verzinsung zum nominellen Jahreszins. Die historische Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Anlagen in Aktien unterliegen Kursschwankungen; Verluste bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals sind möglich. Steuerliche Auswirkungen sind kantonal und individuell unterschiedlich — kläre deine Situation mit einer Fachperson ab.

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