Finanzen nach dem Tod des Partners in der Schweiz


Wenn ein Partner stirbt, stehen Hinterbliebene oft vor einem finanziellen Chaos. Konten werden gesperrt, das Depot ist unzugänglich, Rechnungen laufen weiter — und niemand erklärt, was jetzt zu tun ist.
Gleichzeitig haben die wenigsten Schweizer ihre Erbfolge wirklich geregelt: kein Testament, keine Vollmachten, keine Dokumentation. Die Folge: Monate an Bürokratie, unnötige Kosten und ein überlebender Partner, der nicht weiss, wohin mit dem Vermögen.
Dieser Guide kombiniert alles, was du wissen musst — von den ersten Stunden nach dem Tod über Erbrecht und Steuern bis zur konkreten Vorbereitung, die du heute noch treffen kannst. Für Ehepaare, Konkubinatspaare und Familien in der Schweiz.
In der Schweiz werden beim Tod einer Person sämtliche Bankkonten und Depots vorübergehend gesperrt. Die Bank muss sicherstellen, dass die Erben korrekt identifiziert werden, bevor sie Zugang gewährt. In der Praxis bedeutet das:
Die Sperrung dauert in der Regel 4–8 Wochen, kann aber bei komplizierteren Erbverhältnissen — mehrere Erben, angefochtenes Testament, ausländische Vermögenswerte — deutlich länger dauern. Verzögerungen von bis zu 6 Monaten sind keine Seltenheit.
Miete, Krankenkassenprämien und laufende Rechnungen müssen auch während der Sperrung bezahlt werden. Stelle sicher, dass dein Partner Zugang zu einem eigenen Konto mit genügend Liquidität hat — mindestens 3–6 Monatsausgaben.
Frauen erhalten eine Witwenrente, wenn sie beim Tod des Ehemannes mindestens ein Kind haben oder über 45 Jahre alt sind und mindestens 5 Jahre verheiratet waren. Die Witwenrente beträgt 80% der Altersrente des Verstorbenen — maximal CHF 1'960/Monat (2026). Männer erhalten eine Witwerrente nur solange sie minderjährige Kinder haben.
Bei Konkubinatspaaren besteht kein Anspruch auf Hinterlassenenleistungen der AHV. Das ist einer der gewichtigsten finanziellen Nachteile gegenüber verheirateten Paaren — und wird bei der Familienplanung oft übersehen.
Die meisten Pensionskassen zahlen dem überlebenden Ehepartner eine Ehegattenrente von 60% der versicherten Altersrente — lebenslänglich. Zusätzlich gibt es häufig ein einmaliges Todesfallkapital. Die genauen Leistungen variieren stark je nach Pensionskasse und Reglement. Prüfe den PK-Ausweis beider Partner — und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt.
Guthaben in der Säule 3a gehen an den überlebenden Ehepartner (oder eingetragenen Partner). Bei Konkubinatspaaren muss der Partner in der Begünstigungsordnung explizit genannt sein — sonst geht das Geld an die Eltern oder Geschwister. Die Auszahlung wird als Kapitalleistung besteuert (separat, zu einem reduzierten Satz).
Fordere noch heute den PK-Ausweis beider Partner an und prüfe die Hinterlassenenleistungen. Viele sind überrascht, wie tief (oder hoch) diese tatsächlich ausfallen.
Wie viel bleibt netto übrig? Der arvy Budget-Rechner berechnet Sozialabgaben, Steuern und dein freies Budget — auch für Ehepaare mit Partner-Einkommen.
Wenn der verstorbene Partner ein Depot mit Aktien, ETFs oder Fonds bei einer Bank oder einem Broker (z.B. Swissquote, PostFinance, IBKR) hatte, geschieht Folgendes:
Das Depot wird gesperrt, bis die Erbfolge geklärt ist. Die Wertschriften bleiben bestehen — sie werden nicht automatisch verkauft. Der Wert schwankt natürlich weiter mit dem Markt. Sobald der Erbschein vorliegt, können die Wertschriften auf ein Depot der Erben übertragen oder verkauft werden.
In den meisten Schweizer Kantonen sind Erbschaften zwischen Ehepartnern steuerfrei. Auch Kinder zahlen in vielen Kantonen keine oder sehr tiefe Erbschaftssteuern. Entscheidend: In der Schweiz gibt es keine Kapitalgewinnsteuer auf privaten Wertschriften. Aktien mit hohen unrealisierten Gewinnen können steuerfrei verkauft werden — ein enormer Vorteil des Schweizer Steuersystems.
| Erbe | Die meisten Kantone | Ausnahmen |
|---|---|---|
| Ehepartner | Steuerfrei | Steuerfrei in allen 26 Kantonen |
| Kinder | Steuerfrei oder sehr tief | VD, NE, LU: bis 3.5% |
| Geschwister | 5–15% | Variiert stark nach Kanton |
| Nicht-Verwandte | 15–40% | SZ, OW: keine Erbschaftssteuer |
Nur ein Partner kennt die Zugangsdaten zum Depot, weiss welche Aktien warum gekauft wurden und hat eine Strategie. Der andere Partner steht nach dem Tod vor einem Bildschirm voller Ticker-Symbole und weiss nicht, was tun. Dieses Szenario betrifft tausende Schweizer Haushalte — und es ist vermeidbar.
Ein Ehemann hält 15 Einzelaktien bei Swissquote. Er stirbt. Die Frau hat nie investiert. Ein Bankberater empfiehlt, alles zu verkaufen und in hauseigene Fonds umzuschichten — mit 1.5% Jahresgebühren. Auf CHF 500'000 sind das CHF 7'500/Jahr. Über 20 Jahre: CHF 150'000 an Gebühren. Das ist kein Rat — das ist ein Geschäftsmodell. → Was Investieren wirklich kostet
Das Schweizer Erbrecht wurde per 1. Januar 2023 grundlegend revidiert. Die wichtigsten Änderungen im Überblick:
Die freie Quote — der Teil, den du frei verteilen kannst — ist seit 2023 deutlich grösser geworden. Bei einem Ehepaar mit Kindern beträgt sie jetzt die Hälfte des Nachlasses (vorher nur ein Viertel). Das gibt dir wesentlich mehr Möglichkeiten, deinen Partner maximal zu begünstigen.
Wichtig für Konkubinatspaare: Ohne Testament erbt der unverheiratete Partner gar nichts. Null. Die gesetzliche Erbfolge berücksichtigt nur Blutsverwandte und Ehepartner. Wer mit seinem Partner zusammenlebt, ohne verheiratet zu sein, braucht zwingend ein Testament — und muss wissen, dass je nach Kanton hohe Erbschaftssteuern anfallen (15–40% für Nicht-Verwandte).
Ein Testament ist nicht nur für Millionäre. Auch bei bescheidenem Vermögen regelt es entscheidende Fragen: Meistbegünstigung des Ehepartners (über die gesetzliche Hälfte hinaus), Nutzniessung (Partner darf Vermögen nutzen, Substanz geht später an Kinder), Teilungsvorschriften (wer bekommt das Haus, die Aktien, das Sparkonto?) und Vermächtnisse an Personen ausserhalb der Erblinie.
Ein handschriftliches Testament ist gültig, wenn es vollständig von Hand geschrieben, datiert und unterschrieben ist. Ein getipptes oder am Computer verfasstes Testament ist nur mit notarieller Beurkundung gültig. Kosten beim Notar: CHF 500–2'000 je nach Komplexität.
Hinterlege dein Testament bei der Wohnsitzgemeinde oder beim Bezirksgericht. So geht es nicht verloren und wird im Todesfall automatisch eröffnet.
Was passiert, wenn du nicht stirbst, sondern durch Unfall, Schlaganfall oder Demenz urteilsunfähig wirst? Ohne Vorsorgeauftrag entscheidet die KESB (Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde) — ein behördliches Verfahren, das Monate dauern und tausende Franken kosten kann.
Mit einem Vorsorgeauftrag bestimmst du selbst, wer deine finanziellen und persönlichen Angelegenheiten regelt. Er muss handschriftlich oder notariell beurkundet sein und wird erst bei tatsächlicher Urteilsunfähigkeit wirksam.
Eine Bankvollmacht ermöglicht dem Partner, auch nach dem Tod auf Konten zuzugreifen, ohne auf den Erbschein warten zu müssen. Wichtig: «Über den Tod hinaus» muss explizit vermerkt sein. Kläre das direkt mit deiner Bank — viele Standardvollmachten erlöschen automatisch mit dem Tod des Kontoinhabers.
Erstelle einen Ordner (physisch oder digital, mit Backup), der folgende Informationen enthält:
Dein Partner muss wissen, wo dieser Ordner liegt. Kein Ordner nützt etwas, wenn niemand davon weiss.
Schreibe ein Dokument mit dem Titel: «Was du tun sollst, wenn ich nicht mehr da bin.» Darin sollte stehen:
Es klingt morbide. Aber es ist einer der grössten Liebesbeweise, die du deinem Partner geben kannst. Und es dauert nur einen Nachmittag.
Für die Situation vieler Schweizer Ehepaare — ein erfahrener Investor mit einer unerfahrenen Partnerin (oder umgekehrt) — ist die eleganteste Lösung ein Portfolio, das einfach genug ist für beide:
Die konkreten Schritte: Bestehende Einzelaktien sukzessive verkaufen (nicht alles auf einmal — Timing-Risiko verteilen), die Mittel zu arvy transferieren und einen Sparplan einrichten. Der Partner erhält Zugang zur App und kann jederzeit sehen, wie das Vermögen investiert ist. In der Schweiz ist das dank fehlender Kapitalgewinnsteuer steuerfrei möglich.
Die beste Investmentstrategie ist eine, die beide Partner verstehen — und die auf Autopilot läuft.
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Dieser Artikel wurde von Team arvy verfasst. Zuletzt aktualisiert März 2026.
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