Geld auf dem Sparkonto & die 4%-Regel in der Schweiz

Februar 16, 2026 6 Minuten Lesezeit
Geld auf dem Sparkonto & die 4%-Regel: Was Schweizer wissen müssen | arvy

Lernen / Vorsorge

CHF 500'000 auf dem Sparkonto fühlen sich sicher an. In Wahrheit verlierst du damit jedes Jahr tausende Franken — nicht weil die Zahl kleiner wird, sondern weil das Geld weniger wert wird.

Gleichzeitig wissen die wenigsten Schweizer, wie viel sie jährlich aus ihrem Portfolio entnehmen können, ohne dass das Geld ausgeht. Die 4%-Regel gibt eine Antwort — muss aber für die Schweiz angepasst werden.

Dieser Guide kombiniert beides: die harten Zahlen zur Sparkonto-Illusion und einen konkreten, angstfreien Plan, wie du dein Vermögen investierst und im Ruhestand davon lebst.

Die Illusion der Sicherheit

Wenn du auf dein Sparkonto schaust und CHF 500'000 siehst, fühlst du dich sicher. Die Zahl bleibt gleich — vielleicht kommt ein bisschen Zins dazu. Aber diese Sicherheit ist eine Illusion, denn die Kaufkraft deines Geldes sinkt jeden Tag.

Die durchschnittliche Inflation in der Schweiz der letzten 30 Jahre lag bei etwa 1.0–1.5%. In den letzten Jahren deutlich höher (2.8% in 2022, 2.1% in 2023). Gleichzeitig liegt der Sparkonto-Zins bei 0.5–1.0% (2026). Nach Abzug der Inflation: dein Sparkonto ist ein Verlustgeschäft.

Die meisten verstehen das rational. Aber die emotionale Anziehungskraft einer «sicheren» Zahl auf dem Bildschirm ist ausserordentlich stark. Es braucht eine bewusste, zahlenbasierte Entscheidung, um sich davon zu lösen. Genau dafür ist dieser Artikel geschrieben.


Die Rechnung: CHF 500'000 über 20 Jahre

Szenario A: Sparkonto (0.75% Zins, 1.5% Inflation)

Nach 10 Jahren: CHF 538'700 nominal — aber nur CHF 460'000 Kaufkraft
Nach 20 Jahren: CHF 580'700 nominal — aber nur CHF 424'000 Kaufkraft
Nach 30 Jahren: CHF 625'900 nominal — aber nur CHF 391'000 Kaufkraft

Du hast «mehr» Geld — aber kannst dir damit 22% weniger kaufen als heute.

Szenario B: Investiert (7% Rendite, diversifiziert)

Nach 10 Jahren: CHF 983'600 — Kaufkraft CHF 840'000
Nach 20 Jahren: CHF 1'934'800 — Kaufkraft CHF 1'414'000
Nach 30 Jahren: CHF 3'806'100 — Kaufkraft CHF 2'380'000

Rechne es selbst nach · Inflationsrechner

Der Unterschied nach 20 Jahren: CHF 990'000 mehr Kaufkraft. Das ist fast eine Million Franken, die du auf dem Sparkonto verlierst — nicht weil du etwas Falsches machst, sondern weil du nichts machst.


«Aber was wenn der Markt crasht?»

Die häufigste Angst. Schauen wir uns die Fakten an:

In den letzten 50 Jahren hat der globale Aktienmarkt überlebt: Ölkrise 1973, Black Monday 1987, Dotcom-Crash 2000, Finanzkrise 2008, Corona-Crash 2020, Ukraine/Inflation 2022. In jedem einzelnen Fall hat sich der Markt erholt — und neue Höchststände erreicht. → Die komplette historische Analyse

Der MSCI World hat über jeden beliebigen 15-Jahres-Zeitraum in der Geschichte positiv abgeschlossen — selbst wenn du am absoluten Höchststand vor einem Crash eingestiegen wärst.

Die wahre Frage ist nicht «kann ich einen Crash ertragen?» — sondern «kann ich 30 Jahre Inflation ertragen?» Auf dem Sparkonto ist der Verlust garantiert. Am Markt ist er temporär.

Ein konkretes Beispiel macht das greifbar: Wer im Oktober 2007 — dem absoluten Höchststand vor der Finanzkrise — CHF 100'000 in den MSCI World investiert hat, sass Anfang 2009 auf nur noch CHF 52'000. Schmerzhaft. Aber wer durchgehalten hat, hatte Ende 2013 wieder sein Geld zurück und Ende 2024 über CHF 350'000. Wer dagegen CHF 100'000 auf dem Sparkonto liess, hatte 2024 nominell vielleicht CHF 112'000 — aber mit einer Kaufkraft von nur noch CHF 85'000.


Wie viel gehört aufs Sparkonto — und wie viel nicht

Ein Sparkonto ist nicht nutzlos — es hat eine klare Funktion:

  • Notgroschen: 3–6 Monatsausgaben (Ledige) bzw. 6–12 Monatsausgaben (Familien/Pensionierte). Für unerwartete Reparaturen, Jobverlust, Krankheit.
  • Geplante Ausgaben: Geld das du innerhalb der nächsten 1–3 Jahre brauchst (Autoersatz, Umzug, Hochzeit) gehört nicht an die Börse.
  • Steuern: In der Schweiz musst du Steuern selbst auf die Seite legen — ein separates Steuerkonto ist sinnvoll.

Alles darüber hinaus — besonders Geld das du 5+ Jahre nicht brauchst — verliert auf dem Sparkonto an Wert. Jeden Tag. → Sparquoten-Rechner

Wie viel brauchst du als Notgroschen? Der Budget-Rechner berechnet deine monatlichen Ausgaben — multipliziere sie mit 6 (ledig) oder 12 (Familie) für deinen Notgroschen.


Die 4%-Regel: Wie lange reicht dein Vermögen?

Die 4%-Regel stammt aus der «Trinity Study» (1998) und besagt: Wenn du jährlich 4% deines Portfolios entnimmst (inflationsbereinigt), reicht dein Geld mit über 95% Wahrscheinlichkeit mindestens 30 Jahre.

Umgekehrt: Jährliche Ausgaben × 25 = benötigtes Portfolio. Brauchst du CHF 60'000/Jahr? Dann brauchst du CHF 1'500'000.

Die 4%-Regel in der Schweiz: Was ist anders?

Vorteil — AHV als Basis: Du musst nicht alles aus dem Portfolio entnehmen — nur die Lücke nach AHV + Pensionskasse. Beispiel: CHF 7'000/Monat Kosten, CHF 5'500 durch AHV+PK gedeckt. Nur CHF 18'000/Jahr aus dem Portfolio nötig. Bei 4%: nur CHF 450'000 statt CHF 2'100'000.

Vorteil — Keine Kapitalgewinnsteuer: In den USA zahlen Rentner Steuern auf Entnahmen. In der Schweiz: null. Die 4%-Regel ist hier sogar konservativer als in den USA.

Nachteil — Stärkerer Franken: Ein globales Portfolio enthält USD/EUR. Franken-Aufwertung schmälert die CHF-Rendite um 0.5–1%/Jahr über die lange Frist.

Nachteil — Vermögenssteuer: Je nach Kanton 0.1–0.3%/Jahr auf dein Portfolio.

3.5% statt 4%: Die Schweizer Anpassung

Konservative Empfehlung für die Schweiz: 3.5% Entnahmerate (Faktor 28.6 statt 25). Aber dank AHV+PK musst du nur die Lücke finanzieren.

Rechenbeispiel

Kosten: CHF 7'000/Mt. · AHV: CHF 3'675 · PK: CHF 2'000 · Lücke: CHF 1'325/Mt. = CHF 15'900/J.
Bei 3.5%: CHF 15'900 ÷ 0.035 = CHF 454'000 Portfolio nötig. Weniger als viele denken — weil AHV und PK die Basiskosten abdecken.
FIRE-Rechner: Berechne deine Zahl


Die flexible Entnahmestrategie: Besser als eine fixe Regel

Guardrails-Methode

Setze eine obere und untere Grenze:

  • Normalfall: Entnimm 3.5% des aktuellen Portfolio-Wertes
  • Gute Jahre (Portfolio +15% oder mehr): Erhöhe auf 4.5% — gönn dir etwas
  • Schlechte Jahre (Portfolio -15% oder mehr): Reduziere auf 2.5% — ziehe den Gürtel enger

Diese Flexibilität erhöht die Überlebenswahrscheinlichkeit deines Portfolios über 30+ Jahre drastisch.

Kombiniert mit der Bucket-Strategie

  • Eimer 1: 2–3 Jahre Ausgaben in Cash. Wird nicht angetastet ausser im Notfall.
  • Eimer 2: 5–7 Jahre in konservativeren Anlagen. Füllt Eimer 1 regelmässig auf.
  • Eimer 3: Rest langfristig investiert. Wächst 15–25 Jahre.

So musst du in Crash-Jahren nicht aus Eimer 3 entnehmen — der psychologische Vorteil ist enorm. → Warum Geduld sich in Krisen auszahlt


So holst du dein Geld vom Sparkonto — ohne Angst

Der 12-Monats-Einstieg

Teile den zu investierenden Betrag in 12 gleiche Teile. Investiere jeden Monat einen Teil. Beispiel: CHF 300'000 auf dem Sparkonto, davon CHF 60'000 als Notgroschen behalten. Die restlichen CHF 240'000 über 12 Monate: CHF 20'000/Monat.

Ist das statistisch optimal? Nein — alles sofort zu investieren schlägt den gestaffelten Einstieg in rund zwei Dritteln der Fälle. Aber der psychologische Vorteil ist enorm: Wenn der Markt im dritten Monat 20% einbricht, hast du noch neun Monate an Käufen zu tieferen Preisen vor dir. Du schläfst besser. Und wer besser schläft, bleibt beim Plan.

Automatisieren

Richte einen automatischen Sparplan ein — oder kaufe den arvy Aktienfonds (Valor 130614478) direkt über dein bestehendes Bankdepot. Jeden Monat wird investiert — egal was die Börse macht. Kein Nachdenken, kein Zögern, kein Timing. Das ist statistisch eine der besten Strategien überhaupt. → Warum der Dauerauftrag dein mächtigster Verbündeter ist

Nach 12 Monaten bist du voll investiert. Dein Notgroschen liegt sicher. Dein Vermögen arbeitet für dich. Und du fragst dich, warum du so lange gewartet hast.

FIRE: Finanzielle Freiheit vor 65

Die 4%-Regel ist der Kern der FIRE-Bewegung (Financial Independence, Retire Early). In der Schweiz dank AHV realistischer als anderswo:

  • Jährliche Ausgaben: CHF 84'000 (CHF 7'000/Monat)
  • FIRE-Vermögen (vor 65): CHF 84'000 × 25 = CHF 2'100'000
  • Ab 65 (nur die Lücke nach AHV+PK): CHF 12'000 × 25 = CHF 300'000

FIRE-Rechner: Berechne deine persönliche Zahl


Zwei Wege zu arvy — wähle deinen

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Dieser Artikel wurde von Team arvy verfasst. Zuletzt aktualisiert März 2026.

Disclaimer: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine persönliche Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Für individuelle Fragen wende dich an eine qualifizierte Fachperson. arvy ist ein von der FINMA beaufsichtigter Vermögensverwalter mit KAG-Lizenz. Impressum & Rechtliche Hinweise