Geldgeschenke für Kinder: Was tun mit Patentantengeld, Geburtstagsgeld und Goldvreneli?


Patentantengeld zur Taufe, CHF-Noten zum Geburtstag, das Goldvreneli zum 18. Die ehrliche Schweizer Entscheidungshilfe, statt alles in der Schublade verschwinden zu lassen.
Geldgeschenke für Kinder in der Schweiz reichen typisch von CHF 20 (Geburtstag bei Verwandten) bis CHF 500 (Konfirmation/Firmung von Paten). Über 18 Jahre kumulieren sich CHF 1'200–2'500. Auf dem Sparbuch verlieren sie real Kaufkraft; in einem Aktien-Sparplan compounden sie zu CHF 2'400–5'000 zum 18. Geburtstag. Die Entscheidung, wohin das Geschenk wandert, ist mathematisch wichtiger als die Höhe des Geschenks selbst.
Geldgeschenke sind eine schweizerische Institution. Die Patin gibt zur Taufe CHF 200. Der Götti steckt CHF 100 zum 5. Geburtstag in eine Karte. Grosseltern erinnern sich verlässlich an jeden Geburtstag. Zur Konfirmation oder Firmung dann CHF 200–500 von Paten und engsten Verwandten. Und mit 18 — Tradition — ein Goldvreneli, sorgfältig im Couvert übergeben.
Was die meisten Schweizer Familien dann tun: das Couvert landet auf einem Bündel in der Schublade. Oder maximal: einmal pro Jahr werden die gesammelten Noten zur Kantonalbank getragen, auf ein "Sparbuch fürs Kind" eingezahlt — mit 0.05% Zins. Über 18 Jahre wandert das angesammelte Geld dort nominell ungeschmälert weiter. Real verliert es bei 1.5% Inflation jährlich rund 25% an Kaufkraft.
Es geht besser. Dieser Artikel zeigt, wie.
In der Schweiz gibt es fünf wiederkehrende Anlässe, an denen Kinder substanzielles Geld bekommen. Hier die typischen Bandbreiten — basierend auf Pro Familia-Surveys und unserer Beobachtung der durchschnittlichen Schweizer Familien-Praxis:
Das erste grosse Geldgeschenk. Patentanten und Paten geben zur Taufe oft CHF 200–500, Grosseltern CHF 100–300, andere Verwandte CHF 50–100. Bei einer durchschnittlichen Schweizer Taufe sammeln sich CHF 500–1'200 — das grösste Einzelgeschenk im Kinder-Leben. Genau dieses Geld hat 18 Jahre Compounding-Zeit, falls es richtig platziert wird.
Über die Kindheit summieren sich CHF 50–200 pro Geburtstag von Eltern, Grosseltern, Götti/Gotte, Tanten, Onkel. Über 14 Jahre kommt durchschnittlich CHF 700–2'800 zusammen. Die Beträge sind kleiner als Geburts- oder Konfirmationsgeschenke, aber die Häufigkeit macht's. Genau diese kleinen, wiederkehrenden Beträge sind ideal für Sparplan-Einzahlungen.
Mit etwa 15 Jahren in den meisten reformierten Gemeinden (Konfirmation) bzw. 14–17 bei katholischen Familien (Firmung). Paten geben zu diesem Anlass nochmals CHF 200–500, Grosseltern CHF 100–300, andere Verwandte CHF 50–100. Das Konfirmationsgeschenk wird oft als "letztes grosses Geschenk vor dem Erwachsensein" betrachtet und ist entsprechend grosszügig. Total: CHF 500–1'500.
Die Volljährigkeit ist der letzte Anlass für ein traditionelles Geschenk-Ritual. Eltern und Götti geben oft CHF 500–1'000, weitere Verwandte CHF 100–300, plus das traditionelle Goldvreneli. Das Geldgeschenk zum 18. ist oft der direkte Ausgangspunkt für eigenständiges Investieren — entweder das erste Aktien-Depot oder als Auto-/Reise-/Wohnungs-Beitrag.
Bei vielen Schweizer Familien werden Bildungs-Meilensteine ebenfalls mit Geldgeschenken markiert. Lehrabschluss, Matura, Bachelor-Abschluss — Paten und Grosseltern markieren diese Übergänge mit CHF 200–500. Anders als die früheren Anlässe entscheidet der junge Erwachsene jetzt selbst, was damit passiert. Genau hier zeigt sich, ob die finanzielle Sozialisierung der Familie funktioniert hat.
Über 18 Jahre sammeln sich in einer durchschnittlichen Schweizer Familie CHF 1'200 bis CHF 2'500 an Geldgeschenken. Das ist ein substanzieller Betrag — vergleichbar mit 6–12 Monaten CHF 200-Sparplan. Wenn dieses Geld optimal platziert wird, kann es den Endbetrag des regulären Sparplans um 20–40% steigern — ohne dass das Familien-Budget zusätzlich belastet wird.
Nicht jedes Geldgeschenk gehört in den gleichen Topf. Die richtige Antwort hängt vom Betrag, vom Alter des Kindes und vom Anlass ab. Hier die pragmatische Schweizer Entscheidungs-Matrix:
Die Versuchung — und der häufigste Fehler — ist, alles auf das Sparbuch zu legen "weil das sicher ist". Über 1–3 Jahre stimmt das. Über 18 Jahre ist das Sparbuch der mit Abstand riskanteste Ort wegen Inflations-Verlust. Wer ein Geldgeschenk für 18 Jahre wegsperrt, sollte 18-Jahres-Math anwenden, nicht 1-Jahres-Math.
Das Goldvreneli ist ein Schweizer Identitätsstück. Goldenes Vreneli mit Edelweiss-Krone, geprägt zwischen 1897 und 1949. Es als Geschenk zu erhalten — und zu geben — ist ein kultureller Akt, der weit über Finanzen hinausgeht.
Trotzdem lohnt sich der ehrliche Math-Check. Wir haben die Zahlen für dich gerechnet:
| Szenario (CHF 100 in 1995 angelegt) | Wert 2025 | Annualisierte Rendite |
|---|---|---|
| Goldvreneli gekauft und gehalten | CHF 354 | ~4.3% p.a. |
| MSCI World CHF (mit reinvestierten Dividenden) | CHF 750 | ~6.9% p.a. |
| Differenz zu Gunsten Aktien | CHF 396 | +2.1x |
Goldvreneli-Berechnung basiert auf historischen Goldpreisen plus numismatischem Aufschlag. MSCI World CHF Total Return 1995–2025 inkl. Dividenden-Reinvestierung. Realer Markt-Vergleich ohne Berücksichtigung steuerlicher Aspekte.
Goldvreneli verkaufen oder behalten? Das ist keine reine Finanz-Entscheidung. Wer sein Goldvreneli aus sentimentalen Gründen behält, opfert über 30 Jahre rund CHF 400 Opportunitätskosten pro CHF 100 ursprünglichem Wert. Das ist substanziell — aber wenn das Goldvreneli von der verstorbenen Grossmutter stammt, ist diese Frage nicht die richtige. Trennen: was bekommt das Kind als Erinnerung, was bekommt es als Vermögen.
Unsere Empfehlung: ein Goldvreneli als Erinnerung behalten — das ist Schweizer Familientradition wert. Aber wenn das Kind mehrere Goldvrenelis oder substanzielle Gold-Geschenke bekommen hat, die nicht mit einer persönlichen Geschichte verbunden sind, dann ist der Verkauf bei volljährigem Alter (mit Einverständnis des Kindes) und die Reinvestition in einen Aktien-Sparplan finanziell die klar bessere Wahl. Erinnerung und Vermögen sind zwei verschiedene Töpfe.
Damit das Konzept konkret wird, hier ein durchgerechnetes Beispiel. Annahme: ein Schweizer Kind erhält über 18 Jahre folgende Geldgeschenke — keine Mondzahlen, sondern realistische Mittelwerte:
| Anlass | Jahr | Betrag | Wert mit 18 bei 7% Rendite |
|---|---|---|---|
| Geburt | 0 | CHF 200 | CHF 676 |
| Taufe | 0 | CHF 150 | CHF 507 |
| 1. Geburtstag | 1 | CHF 100 | CHF 316 |
| Konfirmation/Firmung | 15 | CHF 300 | CHF 368 |
| 18. Geburtstag | 18 | CHF 500 | CHF 500 |
| Nominal eingezahlt | — | CHF 1'250 | CHF 2'366 |
Aus CHF 1'250 Geldgeschenken werden CHF 2'366 — eine fast vollständige Verdoppelung allein durch Compound-Effekt über die verschiedenen Investitionshorizonte. Die zwei Geschenke ganz am Anfang (Geburt und Taufe, total CHF 350) machen 50% des Endbetrags aus, obwohl sie nur 28% der nominalen Einzahlungen waren. Das ist der Compound-Effekt in Reinkultur: frühes Geld arbeitet exponentiell härter als spätes Geld.
Die Konsequenz für deine Patentanten- und Grosseltern-Geschenk-Strategie: bitte den Götti nicht um Goldvreneli, sondern um eine direkte Einzahlung in den Sparplan des Kindes — wenn er das möchte. Das ist nicht entscheidend dafür, wie das Kind das Geschenk wahrnimmt, aber finanziell substanziell.
Wenn du heute Eltern bist und Geldgeschenke smart kanalisieren willst, hier die pragmatischen Schritte:
1. Eröffne ein Kinder-Konto oder einen Aktien-Sparplan auf den Namen des Kindes. Bei arvy startet das ab CHF 1/Monat ohne Mindestlaufzeit. Die meisten Kantonalbanken bieten ebenfalls Kinder-Konten an, allerdings ohne Aktien-Komponente.
2. Kommuniziere mit den Paten und Grosseltern. "Wir haben ein Konto eingerichtet, wo Geldgeschenke fürs Kind landen können. Wenn ihr direkt überweisen möchtet — hier die Kontonummer. Wenn ihr persönlich CHF in der Karte schicken wollt, freut sich das Kind auch darüber." Das ist nicht aufdringlich, sondern ermöglicht Wahl.
3. Trenne Sentimentalwert und Vermögenswert. Das Goldvreneli von der Grossmutter — Erinnerung. Die CHF-Note vom Götti — Vermögensaufbau. Beides ist legitim, aber unterschiedlich behandeln.
4. Bewahre etwas Verfügbares beim Kind. Nicht alles wegsperren — sonst verliert das Kind den Bezug zu Geld. Ab Schulalter sollte das Kind eine Schublade mit eigenem Geld haben, von dem es selbst entscheidet. Das ist finanzielle Sozialisierung, nicht Geld-Vergeudung.
5. Investiere automatisiert. Geld auf einem Konto, das nicht in Wertpapiere wandert, arbeitet nicht. Richte einen Auto-Invest ein — alle CHF 500 aufs Konto = automatische Investition in den Sparplan. So vermeidest du Entscheidungs-Müdigkeit.
Patentanten und Paten geben zur Taufe typisch CHF 200–500, zur Konfirmation/Firmung nochmals CHF 200–500. Über die Kindheit kommen meist kleinere Geburtstagsbeiträge dazu (CHF 50–100 pro Jahr). Total über 18 Jahre: CHF 500–1'500 von einem aktiven Götti oder einer aktiven Gotte.
Hängt von der Anzahl und vom Sentimentalwert ab. Ein Goldvreneli mit persönlicher Geschichte (von Grosseltern, Erinnerung an verstorbene Verwandte) gehört in die Erinnerungskiste — behalten. Mehrere Goldvrenelis ohne persönliche Bindung sind finanziell unterlegen gegenüber Aktien-Investitionen. Bei volljährigem Kind und mit Einverständnis: verkaufen und reinvestieren ist die bessere Wahl.
In der Schweiz wird Vermögen eines minderjährigen Kindes im Einkommen und Vermögen der Eltern besteuert (zusammen mit elterlicher Steuererklärung). Erst ab Volljährigkeit übernimmt das Kind die eigene Steuerpflicht. Erträge unter CHF 100 sind in den meisten Kantonen ohnehin nicht relevant.
Pragmatisch: alles in den gleichen Topf. Geld ist fungibel — ob es vom Götti oder von Mama kommt, macht für den Compound-Effekt keinen Unterschied. Wichtig ist nur, dass geschenktes Geld dem Kind klar als sein Eigentum kommuniziert wird (auch wenn die Eltern es verwalten), nicht als Familien-Vermögen.
Schweizer Pädagogen empfehlen: kleine Beträge ab Schulalter (CHF 10–20/Monat Sackgeld plus Geburtstagsgeld zur freien Verfügung), substanzielle Beträge ab Teenager-Alter. Mit 12–14 kann das Kind verstehen, was Aktien sind und wie ein Sparplan funktioniert. Mit 18 sollte es eigenständige Bank- und Investment-Entscheidungen treffen können.
Das Vermögen geht an das Kind über. Es ist rechtlich ab dem 18. Geburtstag voll geschäftsfähig und kann frei verfügen. Die Eltern verlieren das Zugriffsrecht, ausser das Kind übernimmt nicht selbst und delegiert weiter. Mehr Details in unserem Cluster-Artikel Übergang mit 18.
Ja. Sobald die Eltern ein Konto auf den Namen des Kindes eröffnet haben, kann jeder mit der Kontonummer (IBAN) Einzahlungen tätigen. Bei arvy funktioniert das genauso: Götti überweist auf das Sparplan-Konto des Patenkinds, die Einzahlung wird automatisch im nächsten Monatsbeitrag investiert.
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Ab CHF 1 pro Monat. Götti, Grosseltern und Paten können direkt einzahlen. Schweizer Quality-Aktien, FINMA-reguliert.
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Verfasst von Thierry Borgeat, Mitgründer von arvy. Geprüft von Patrick Rissi, CFA und Florian Jauch, CFA. Datenquellen: Pro Familia Schweiz (Geldgeschenk-Surveys), historische Goldpreis-Daten, MSCI World CHF Total Return Series 1995–2025, eigene Berechnungen mit Standard-Future-Value-Formel.
Disclaimer: Dieser Artikel dient allgemeinen Bildungszwecken und stellt keine persönliche Anlage- oder Vorsorgeberatung dar. Historische Renditen sind kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Ergebnisse. arvy AG ist von der FINMA als Verwalterin von Kollektivvermögen nach KAG Art. 24 zugelassen. Impressum & Rechtliche Hinweise.