Gewinner bleiben Gewinner — die Persistenz erstklassiger Geschäftsmodelle


Die Philosophie ist einfach: Gewinner besitzen eine bemerkenswerte Fähigkeit, ihre Erfolgsserie aufrechtzuerhalten und oft die optimistischsten Erwartungen zu übertreffen. Der Grund? Die Rentabilität ist beständig. Eine Vertiefung von «Good Story & Good Chart» mit Halbjahres-Beobachtungen aus dem Markt-Innenleben. Unsere Original-Analyse für The Market by NZZ plus die ausführliche Investoren-Sicht.
Ich habe vor einem Monat an dieser Stelle meinen ersten Artikel für The Market über unsere Anlagephilosophie geschrieben: «Good Story & Good Chart».
Jetzt ist die Saison der Halbjahreszahlen vorbei, und der beste Ökonom, den ich kenne — nämlich das Innere des Aktienmarktes — gibt mir einige Hinweise.
Welche sind das?
Die Bewertungsbaisse ist vorbei, und Qualitätsaktien beginnen sich seit dem Sommer von den Indizes abzukoppeln. Ich bin nun auf der Suche nach erstklassigen Geschäftsmodellen, den «Good Stories», die Anzeichen von Stärke zeigen.
Aber was ist die Voraussetzung dafür, oder anders ausgedrückt: Was gehört zum Fundament einer «Good Story»?
Zur Erinnerung: Eine «Good Story» hat bereits gewonnen.
Wie Albert Einstein es ausdrückte: «In der Theorie sind Theorie und Praxis ein und dasselbe. In der Praxis sind sie es nicht». Aus diesem Grund möchte ich im Folgenden Beispiele von Unternehmen aufführen, in die wir gerne investieren.
→ Den vollständigen Artikel mit konkreten Geschäfts-Beispielen auf The Market by NZZ lesen
Chart 1: Fortune 100 — die besten Unternehmen als Arbeitgeber

Quelle: NZZ The Market
Die Anleger-Kultur ist überproportional auf Entdeckung gerichtet — den nächsten Tesla, das nächste Amazon, das nächste Nvidia. Aber strukturell sind die meisten gewinnbringenden Anlage-Entscheidungen anders gelagert: bei Geschäften, die bereits gewonnen haben und weiterhin gewinnen. Diese unbequeme Frage findet in einer NZZ-Kolumne keinen Platz für die nötige Tiefe — aber sie ist Schlüssel zum Verständnis: Die statistische Wahrscheinlichkeit, einen «zukünftigen Gewinner» zu identifizieren, ist deutlich niedriger als die Wahrscheinlichkeit, einen «bestehenden Gewinner» korrekt einzuschätzen.
Drei strukturelle Mechanismen erklären das Anleger-Bias zur Entdeckung statt zur Bestätigung:
Akademische Studien (Fama-French, AQR Quality Factor Research) bestätigen empirisch: Geschäfte mit historisch hohen Kapitalrenditen behalten diese Eigenschaft strukturell stabiler als statistische Mean Reversion erwarten lassen würde. Mit anderen Worten: Quality bleibt Quality, oft über 10-20 Jahre. Dieser «Quality-Persistenz-Faktor» ist eine der robustesten dokumentierten Marktanomalien — und genau die operative Basis der «Gewinner bleiben Gewinner»-These.
Warum bleiben Gewinner eigentlich Gewinner? Drei strukturelle Mechanismen erklären die Persistenz:
Wettbewerbsvorteile (Skala, Netzwerk, Wechselkosten, Marke) verfallen typisch über 10-30 Jahre — sehr selten kollabieren sie schlagartig. Diese strukturelle Trägheit verlängert die Gewinner-Position.
Hohe Profitabilität liefert Cash für Reinvestition in den Wettbewerbsvorteil — was den Burggraben verstärkt und die Profitabilität erhält. Selbstverstärkender Kreislauf, der die Persistenz mathematisch dominant macht.
Beste Talente arbeiten für beste Geschäfte. Bessere Talente verstärken den Wettbewerbsvorteil weiter, was wieder bessere Talente anzieht. Die Fortune-100-Best-Employers-Liste ist nicht zufällig hoch korreliert mit langfristiger Aktien-Performance.
Diese drei Treiber wirken simultan und multiplikativ. Ein Geschäft, das alle drei Kriterien strukturell erfüllt, hat eine wesentlich höhere Wahrscheinlichkeit, in 10 Jahren noch ein Gewinner zu sein, als ein Discovery-Kandidat ohne diese demonstrierten Vorteile. Diese Wahrscheinlichkeits-Differenz ist die statistische Basis disziplinierter Quality-Selektion.
Die Persistenz ist nicht ewig. Drei Trigger beenden typisch die Gewinner-Position: (1) Disruptions-Schock — eine technologische oder regulatorische Veränderung macht das Geschäftsmodell obsolet (vgl. Kodak-Companion). (2) Management-Versagen — Skin-in-the-Game schwindet, Kapital-Allokation wird sub-optimal, RoIC fällt. (3) Bewertungs-Schock — extreme Bewertungs-Übertreibung führt zu Multi-Year-Bewertungs-Kompression auch bei intaktem Geschäft. Disziplinierte Anleger überwachen alle drei Trigger und kombinieren die Persistenz-These mit aktiver Sell-Disziplin (vgl. 12-Verkaufsregeln-Companion).
Was zum Fundament einer «Good Story» gehört, ist die operative Antwort auf die Persistenz-Frage. Vier konkrete Bausteine:
Mindestens 5-10 Jahre kontinuierlich überdurchschnittliche Kapitalrenditen (RoIC, ROE, ROA über Sektor-Durchschnitt). Konsistenz wichtiger als ein einzelnes Spitzen-Jahr. Zeigt strukturelle Quality, nicht zyklischen Glücksfall.
Über 5+ Jahre Marktanteils-Trend nach oben oder mindestens stabil — bei wachsendem Gesamt-Markt. Marktanteils-Verlust ist oft das erste Warnsignal eines erodierenden Burggrabens (vgl. Tennisbälle-Companion).
Management mit Skin in the Game, das Kapital intern (R&D, Capex), extern (M&A) oder via Ausschüttung (Dividende, Buyback) basierend auf RoIC-Optimierung allokiert — nicht auf Wachstums-Hype. Sichtbar über mehrere Kapital-Allokations-Zyklen.
Sichtbar in Fortune-Best-Employers-Listen, geringer Mitarbeiter-Fluktuation, hohem Glassdoor-Rating. Operative Indikator für die «weichen» Quality-Dimensionen, die langfristig den Wettbewerbsvorteil tragen.
Geschäfte, die alle vier Kriterien erfüllen, sind die «Good Stories», nach denen disziplinierte Anleger suchen. Sie sind nicht spektakulär in der medialen Berichterstattung. Sie sind aber strukturell deutlich wahrscheinlicher, in 10-20 Jahren noch Gewinner zu sein.
Drei strategische Implikationen der Gewinner-Persistenz-These:
| Implikation | Was zu tun wäre |
|---|---|
| 1. Selektion auf «bestehende Gewinner» statt «zukünftige» | Konzentriere die Selektions-Energie auf Geschäfte mit demonstrierter Quality-Track-Record. Die Discovery-Energie auf 5-10% des Portfolios begrenzen. Diese Asymmetrie folgt der statistischen Realität — bestehende Gewinner haben höhere Wahrscheinlichkeit, weiterhin zu gewinnen. |
| 2. Halbjahres-Berichte als Persistenz-Bestätigung lesen | Nach jeder Berichts-Saison: prüfe für jede Position, ob die operative Quality-Kennzahlen weiter intakt sind. Dieses systematische Lesen des «Markt-Innenlebens» ist die operative Übersetzung der Persistenz-These in Portfolio-Praxis. |
| 3. Gewinner halten, statt zu früh verkaufen | Die häufigste Anleger-Falle: Gewinner zu früh verkaufen «weil sie genug gestiegen sind». Wenn die Quality-Fundamentals intakt sind und die Bewertung im vernünftigen Bereich, sollten Gewinner gehalten werden — die Persistenz-Mathematik arbeitet weiter zugunsten des Anlegers (vgl. Paradoxon-Companion: hoch kaufen, höher verkaufen). |
Über 20-30 Jahre liefert die Konzentration auf 25-35 Quality-Gewinner mit allen vier Fundament-Kriterien strukturell überlegene Renditen — typisch 1-3 Prozentpunkte jährlich vs. breitem Index. Über 30 Jahre summiert sich das zu signifikanten absoluten Renditedifferenzen. Statistisch der wahrscheinlichste Pfad bei disziplinierter Umsetzung.
15-20% der ursprünglichen Gewinner verlieren über 10-15 Jahre durch Disruption oder Management-Versagen ihre Position. Die übrigen 80-85% liefern weiterhin starke Persistenz. Anleger müssen die Disruptions-Verlierer rechtzeitig verkaufen (Sell-Disziplin) und die Persistenz-Gewinner halten. Realistisches Basisszenario.
KI, regulatorische Eingriffe, geopolitische Verschiebungen brechen die Persistenz vieler historischer Gewinner schneller als historisch typisch. Dann ist die Persistenz-Strategie weniger zuverlässig — Anleger müssen aggressiver auf Disruptions-Trigger reagieren. Möglich, aber statistisch der weniger wahrscheinliche Pfad.
Eine Gewinner-Persistenz-Inventur deines Portfolios dauert 60-90 Minuten bei 25-30 Positionen. Vier konkrete Prüfungen:
1. Quality-Fundament-Klassifikation für jede Position. Erfüllt jede Position alle vier Fundament-Kriterien (Profitabilitäts-Konsistenz, Marktanteils-Trend, Kapital-Allokation, Talent-Magnetismus)? Positionen mit <3 erfüllten Kriterien sind keine «Good Stories» im strukturellen Sinn.
2. Discovery-vs-Bestätigung-Verhältnis prüfen. Welcher Anteil deines Portfolios ist in «zukünftigen Gewinnern» (spekulative Discovery), welcher in «bestehenden Gewinnern» (demonstrierte Quality)? Ein gesundes Verhältnis ist 85-95% bestehende, 5-15% Discovery.
3. Halbjahres-Bericht-Routine etablieren. Nach jeder Berichts-Saison (Q2 und Q4): systematische Persistenz-Prüfung jeder Position. Operative Kennzahlen weiter intakt? Marktanteile weiter stabil/wachsend? Diese Disziplin ist die praktische Übersetzung der Persistenz-These.
4. Gewinner-Verkaufs-Diagnose. Hast du in den letzten 24 Monaten Quality-Gewinner verkauft, weil sie «genug gestiegen» waren? Diese Verkäufe haben statistisch unterdurchschnittliche Resultate. Ehrliche Selbst-Diagnose ist der Ausgangspunkt für bessere Halten-Disziplin.
Sie konzentrieren ihre Selektions-Energie auf die Bestätigung bestehender Quality-Gewinner, statt auf die Entdeckung hypothetischer zukünftiger. Sie lesen jede Halbjahres-Berichts-Saison als Persistenz-Test ihrer Positionen. Sie halten Quality-Gewinner langfristig, statt sie aus Reflex zu verkaufen wenn sie «genug gestiegen» sind. Sie reagieren disziplin-konsequent auf Disruptions-Trigger, wenn die Persistenz strukturell gefährdet ist. Diese Disziplin ist nicht spektakulär — sie ist methodische Bestätigungs-Arbeit. Über 30 Jahre baut sie aber strukturell überlegene Compound-Renditen auf, weil die Persistenz-Mathematik systematisch zugunsten der disziplinierten Quality-Halter arbeitet.
Der Original-Artikel nennt konkrete Geschäfte, die zum Zeitpunkt des Schreibens (Sept 2023) die Persistenz-Kriterien erfüllten. Wir publizieren die spezifischen Namen hier nicht, weil unser Fokus auf der übertragbaren Selektions-Methodik liegt. Die genannten Geschäfte zum damaligen Zeitpunkt sind heute möglicherweise andere — die Methodik bleibt aber gültig.
Nein — das ist eine wichtige Unterscheidung. Survivorship-Bias entsteht, wenn man nur die historischen Gewinner betrachtet und die Verlierer ignoriert. Die Quality-Persistenz-These dagegen ist empirisch belegt durch akademische Studien, die alle Aktien einer Periode betrachten und feststellen: hohe-RoIC-Geschäfte zeigen statistisch persistente RoIC-Performance. Das ist statistisch dokumentiert, nicht selektiv beobachtet.
Sie ergänzen sich. «Gewinner bleiben Gewinner» fokussiert auf operative Quality-Persistenz (fundamental). «Hoch kaufen, höher verkaufen» (vgl. Paradoxon-Companion) fokussiert auf Markt-Bewertungs-Dynamik (Momentum). Quality-Persistenz + Bewertungs-Momentum ist die strukturell stärkste kombinierte Selektion.
arvy holds das Quality-Fundament als zentrales Selektions-Kriterium. Aktuelle Position-Verteilung und Persistenz-Beobachtungen findest du transparent dokumentiert im arvy Quartalsbericht Q1 2026.
Weiterlesen — die thematischen Anker dieser Analyse
Die Anleger-Kultur belohnt Discovery-Geschichten — den nächsten Tesla zu finden, das nächste Nvidia. Die statistische Realität ist anders: bestehende Gewinner mit allen vier Fundament-Kriterien (Profitabilitäts-Konsistenz, Marktanteils-Stabilität, Kapital-Allokations-Disziplin, Talent-Magnetismus) sind die wahrscheinlicheren zukünftigen Gewinner. Diese Erkenntnis ist intellektuell trivial und operativ transformativ.
Was disziplinierte Anleger vom durchschnittlichen unterscheidet, ist nicht die Fähigkeit, zukünftige Stars zu entdecken. Es ist die methodische Disziplin, bestehende Gewinner systematisch zu bestätigen — Halbjahres-Bericht für Halbjahres-Bericht — und sie über Jahrzehnte zu halten, statt sie aus Reflex zu verkaufen wenn sie «genug gestiegen» sind. Diese Disziplin ist nicht spektakulär. Sie ist methodische Bestätigungs-Arbeit. Sie liefert über 30 Jahre Compound-Wirkung strukturell überlegene Renditen — nicht weil sie spektakulär ist, sondern weil die Persistenz-Mathematik unbarmherzig zugunsten der disziplinierten Halter arbeitet. Wer das versteht und konsequent umsetzt, baut Vermögen über Generationen auf. Wer es ignoriert und Discovery-Hype jagt, verliert systematisch gegen die Persistenz-Statistik. Die Wahl ist persönlich. Die Mathematik ist universal.
Original verfasst von Thierry Borgeat, Co-Founder von arvy, für The Market by NZZ. Die ausführliche arvy-Erweiterung wurde überprüft von Patrick Rissi, CFA und Florian Jauch, CFA. Akademische Referenzen: Fama-French Quality Factor Research, AQR Quality Persistence Studies. Letztes Update: April 2026.
Disclaimer: Dieser Artikel dient allgemeinen Bildungszwecken und stellt keine persönliche Anlageberatung dar. arvy ist ein von der FINMA beaufsichtigter Vermögensverwalter mit KAG-Lizenz (Art. 24). Impressum & Rechtliche Hinweise.