Wie man mit dem Investieren in der Schweiz beginnt: Der Handlungsplan


arvy's Teaser: Drei Fragen halten die meisten Menschen vom Investieren ab: Wie viel? Wann? Und wie? Die Antworten sind einfacher als du denkst — wenn du aufhörst, sie zu verkomplizieren. Dieser Artikel gibt dir einen konkreten Schweizer Aktionsplan: mit CHF-Zahlen, Faustregeln die funktionieren und einer klaren Reihenfolge. Kein Fachjargon. Keine Theorie. Nur: Was du morgen früh tun kannst.
Die bekannteste Budgetregel der Welt, angepasst an Schweizer Verhältnisse:
20% vom Nettoeinkommen investieren. Das ist die Faustregel. Beim Schweizer Medianlohn (netto ~CHF 5'300) sind das rund CHF 1'000–1'100/Monat. Wenn du mehr schaffst: umso besser. Wenn du weniger schaffst: auch CHF 100 oder 300 pro Monat sind ein Anfang. Der schlimmste Betrag ist: CHF 0.
Überweise den Sparbetrag am 1. des Monats, nicht am Ende. Wenn du zuerst lebst und dann sparst, was übrig bleibt, bleibt nichts übrig. Wenn du zuerst sparst, passt sich dein Lebensstil automatisch an. Das ist keine Theorie — das ist Verhaltenspsychologie.
Die kurze Antwort: Jetzt.
Die lange Antwort: Es gibt genau eine Voraussetzung, bevor du investierst — und danach gibt es keinen Grund mehr zu warten.
Bevor du einen Franken investierst, brauchst du einen Notgroschen: 3–6 Monate deiner Fixkosten auf einem Sparkonto. Das sind typischerweise CHF 10'000–20'000. Dieser Betrag stellt sicher, dass du bei einem Jobverlust, einer Krankheit oder einer unerwarteten Rechnung nicht deine Investments verkaufen musst.
Hast du den Notgroschen? Dann gibt es keinen besseren Zeitpunkt als heute.
Wer mit 25 anfängt, CHF 500/Monat zu investieren, hat mit 65: CHF 1'000'000.
Wer mit 35 anfängt: CHF 500'000.
Wer mit 45 anfängt: CHF 232'000.
Gleicher Betrag. Gleiche Rendite. Einziger Unterschied: 10 bzw. 20 Jahre. Jedes Jahr Warten kostet dich Zehntausende.
Das ist fast immer der Fall. Der Markt verbringt mehr Zeit auf Allzeithochs als auf jedem anderen Niveau — weil Wirtschaft und Gewinne langfristig wachsen. JP Morgan hat gezeigt: Selbst wer jedes Jahr am schlechtesten Tag investiert hat, erzielte 9.1% p.a. Wer aus Angst in Cash blieb: 2.3%. (→ Investieren trotz Crash-Angst)
Schritt 1: Konsumschulden tilgen. Kreditkarten (12–15% Zinsen) und Leasing schlagen jede Anlagerendite. Erst weg damit.
Schritt 2: Notgroschen aufbauen. 3–6 Monate Fixkosten auf dem Sparkonto. Nicht investiert — sofort verfügbar.
Schritt 3: Säule 3a maximieren. CHF 7'258/Jahr (= CHF 605/Monat). Steuerabzug ~CHF 2'500. Investiert anlegen, nicht auf dem 3a-Sparkonto lassen.
Schritt 4: PK-Einkauf prüfen. Hast du Lücken in der Pensionskasse? Freiwillige Einkäufe sind steuerabzugsfähig.
Schritt 5: Sparplan einrichten. Alles was nach Schritt 1–4 übrig bleibt. Automatisch, am 1. des Monats, in einen diversifizierten Fonds.
Schritt 6: Nichts mehr tun. Quartalsweise prüfen. In Krisen nicht verkaufen. Sparplan laufen lassen. Fertig.
Du hast CHF 30'000, 50'000 oder 100'000 auf dem Konto und fragst dich: Alles auf einmal oder aufteilen?
Das ist das Minimum für ernsthaften Vermögensaufbau. 15% ist akzeptabel, 25% ist ambitioniert, 30%+ ist der Turbo. Die Zahl muss zu deinem Leben passen — aber sie muss existieren.
Nimm deine jährlichen Ausgaben und multipliziere sie mit 25. Das ist dein «FI-Number» — der Betrag, ab dem du von deinem Vermögen leben könntest (4%-Entnahmeregel). Bei CHF 60'000/Jahr Ausgaben: CHF 1'500'000. Bei CHF 80'000: CHF 2'000'000.
Das klingt viel. Aber mit CHF 1'500/Monat bei 6% erreichst du CHF 1.5 Mio. in ~32 Jahren. Mit einem Schweizer Medianlohn. Steuerfrei.
Klassische Faustregel: 120 minus dein Alter = Aktienquote. Mit 30: 90% Aktien. Mit 50: 70%. Mit 60: 60%. Je länger dein Zeithorizont, desto mehr Schwankung kannst du aushalten — weil du mehr Zeit für die Erholung hast.
Für die meisten Anleger unter 50 mit 10+ Jahren Zeithorizont empfehlen wir 80–100% Aktien. Obligationen lohnen sich in der Schweiz aktuell kaum.
Du bekommst CHF 300 mehr im Monat? Nicht den Lebensstil anpassen — den Sparplan um CHF 300 erhöhen. Dein aktueller Lebensstil macht dich offensichtlich glücklich (sonst hättest du ihn geändert). Die Erhöhung gehört deinem zukünftigen Ich.
«Nicht wie viel du verdienst bestimmt deinen Wohlstand — sondern wie viel du behältst.»
Diese Reihenfolge ist nicht unsere Meinung — sie ist die mathematisch und steuerlich optimale Reihenfolge für jeden Schweizer Investor. Schulden kosten mehr als Investments bringen. 3a spart Steuern. Der Rest ist Zinseszins.
3a eröffnen. Sparplan einrichten. 30 Qualitätsunternehmen. Ab CHF 1. Der Zinseszins macht den Rest.
Dieser Artikel wurde geschrieben von Thierry Borgeat, Co-Founder von arvy, und geprüft von Patrick Rissi, CFA, und Florian Jauch, CFA.
Disclaimer: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine persönliche Anlageberatung dar. Historische Renditen sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. arvy ist ein von der FINMA beaufsichtigter Vermögensverwalter.