Investieren für Patenkinder: Der praktische Guide für Götti und Gotte

April 24, 2026 8 Minuten Lesezeit
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Investieren für Patenkinder: Der praktische Guide für Götti und Gotte

Wie macht man als Pate ein Geschenk, das in 18 Jahren noch da ist — und mehr wert ist als am ersten Tag? Drei Optionen, rechtliche Lage, Steuer und die ehrliche Math.

Von Thierry Borgeat · Geprüft von Patrick Rissi, CFA und Florian Jauch, CFA · Mai 2026 · 6 Minuten Lesezeit

Die Kurzfassung in drei Sätzen
  1. Ein Pate, der CHF 500 jährlich in einen Aktien-Sparplan für sein Patenkind einzahlt, schenkt mit dem 18. Geburtstag rund CHF 17'000 — bei nominal CHF 9'000 Einzahlung. Das ist ein Geschenk, das wirklich bleibt.
  2. Es gibt drei rechtlich saubere Wege für Pate-Investitionen: Einzahlung auf das bestehende Kinderkonto der Eltern, eigenes Konto im Namen der Eltern, oder ein Pate-eigenes Depot mit Übergabe später. Jede Variante hat eine eigene Pro/Contra-Logik.
  3. Ohne Einverständnis der Eltern kann kein Pate ein Konto auf den Namen des Kindes eröffnen — Patenten haben in der Schweiz keine gesetzliche Vertretungsbefugnis. Die Koordination mit den Eltern ist also nicht optional.
Featured Snippet — Die Antwort
CHF 100 jährlich = CHF 3'400 mit 18. CHF 500 jährlich = CHF 17'000.

Was schenkt man dem Patenkind? Ein Pate, der über 18 Jahre einen kleinen Jahresbetrag in einen Aktien-Sparplan einzahlt, schafft mit Compound-Effekt ein Geschenk, das ein Vielfaches der nominalen Einzahlung wert ist. CHF 100 jährlich bei 7% Rendite werden zu CHF 3'400, CHF 500 jährlich werden zu CHF 17'000 — substanziell genug, um Studium, Auto oder Vermögensstart zu finanzieren.

Patentanten und Paten — Götti und Gotte — stehen vor einer eigenartigen Geschenk-Frage. Sie sind nicht die Eltern. Sie wollen etwas Sinnvolles geben, etwas, das bleibt. Aber sie wollen auch nicht übergriffig sein, nicht in die Erziehungsentscheidungen der Eltern reinreden, nicht über das Familien-Budget hinweggehen. Was schenken?

Die spontane Antwort der meisten Patenten in der Schweiz: ein Couvert mit CHF 100–300 zu Taufe, Geburtstag, Konfirmation. Punktuell, persönlich, unaufdringlich. Aber auch schnell verbraucht, schnell vergessen — oder im Sparbüechli liegend.

Es geht besser. Dieser Artikel zeigt, wie ein Pate mit relativ moderaten Beträgen ein Geschenk schaffen kann, das beim Übergang ins Erwachsenenalter den Unterschied macht — ohne sich aufzudrängen, ohne Familie zu komplizieren.


Die drei Optionen für investierende Paten

Praktisch gibt es drei saubere Wege, wie ein Pate für sein Patenkind investieren kann. Jede hat eigene Vor- und Nachteile, die je nach Beziehung zur Familie und Pate-Präferenzen unterschiedlich gewichten.

1

Einzahlung auf das bestehende Kinderkonto der Eltern

Einfachste Lösung. Eltern haben bereits ein Konto, du überweist direkt darauf.

Die mit Abstand simpelste Variante. Die Eltern haben ein Kinderkonto oder einen Aktien-Sparplan auf den Namen ihres Kindes eingerichtet. Du fragst nach der IBAN, überweist deinen Geschenkbetrag direkt — und damit ist das Geld im richtigen Topf. Keine eigene Konto-Eröffnung nötig, keine Verwaltungsarbeit, keine steuerlichen Komplikationen für dich.

VorteileKeine Eröffnung, keine Verwaltung. Geld landet sofort im optimalen Konto. Steuer-/Verwaltungsaufwand bei Eltern, nicht beim Pate.
NachteileVerlust der eigenen «Pate-Signatur». Pate weiss nicht, wie das Geld angelegt ist. Bei Familien-Konflikten könnte Geld umgewidmet werden (selten, aber möglich).
2

Eigenes Konto, aber im Namen des Kindes (mit Eltern-Einverständnis)

Pate eröffnet ein Konto, das auf das Patenkind läuft — Pate verwaltet, Eltern müssen zustimmen.

Dieser Weg geht in der Praxis fast nur, wenn die Eltern aktiv kooperieren und beim Konto-Antrag mitunterzeichnen. Hintergrund: in der Schweiz haben Patenten keine gesetzliche Vertretungsbefugnis für ihre Patenkinder. Ein Konto auf den Namen eines Minderjährigen kann nur mit Einverständnis und Mitwirkung der Eltern (oder gesetzlichen Vertreter) eröffnet werden. Sobald das aber gegeben ist, kann der Pate die Verwaltung übernehmen, eigene Investitionsentscheidungen treffen und die Eltern entlasten.

VorteilePate hat volle Kontrolle über die Investitionsstrategie. Das Geschenk hat eine klare Pate-Identität. Eltern entlastet von zusätzlicher Verwaltung.
NachteileSetzt enge Familien-Koordination voraus. Mehraufwand für Pate (Depot-Verwaltung). Vermögen zählt steuerlich beim Kind/Eltern, nicht beim Pate.
3

Pate-eigenes Depot, Übergabe mit 18 oder später

Pate hält das Geld auf eigenem Namen, schenkt es als Lump-Sum bei Volljährigkeit oder einem späteren Lebensabschnitt.

Die «Pate-Signatur»-Variante: Du eröffnest auf deinem eigenen Namen ein zweites Depot oder Sparplan-Konto, das du gedanklich für dein Patenkind führst. Du investierst dort jährlich oder anlassbezogen. Am Stichtag — Volljährigkeit, Studienbeginn, Hochzeit, Erstwohnungseinrichtung — übergibst du den vollen Betrag. Rechtlich gehört das Geld bis zur Übergabe dir, was steuerliche und kontrollmässige Konsequenzen hat: du zahlst Vermögens- und Einkommenssteuer auf die Erträge, du kannst aber auch jederzeit entscheiden, falls sich die Lebensumstände ändern (Beziehungs-Krise mit Familie, eigene finanzielle Notlage).

VorteileVolle Pate-Kontrolle. Übergabe-Moment hat hohen symbolischen Wert. Pate kann flexibel reagieren bei Lebensumstands-Änderungen.
NachteilePate trägt die Steuer (Vermögens-/Einkommenssteuer auf Erträge). Risiko bei eigener Insolvenz/Erbschaft (Geld zählt zum eigenen Vermögen). Mehr Verwaltungsaufwand.
Unsere pragmatische Empfehlung

Für die meisten Schweizer Paten ist Option 1 (Einzahlung auf bestehendes Kinderkonto der Eltern) die richtige Wahl: minimaler Aufwand, maximaler finanzieller Impact, keine Familien-Komplikationen. Option 2 lohnt sich, wenn man als Pate eine eigene Investitionsphilosophie umsetzen möchte. Option 3 ist sinnvoll für grössere Beträge (CHF 10'000+) und wenn der Pate ein klares «Übergabe-Ritual» plant, das über reine Geld-Überweisung hinausgeht.


Die rechtliche Lage — was Paten in der Schweiz dürfen und nicht dürfen

Die Pate-Rolle ist in der Schweiz eine rein soziale und religiöse Tradition, keine rechtliche Stellung. Patenten haben keinerlei gesetzliche Vertretungsbefugnis für ihre Patenkinder. Sie können kein Konto eröffnen, keine Verträge im Namen des Kindes abschliessen, keine Steuererklärungen einreichen. All das obliegt ausschliesslich den Eltern (oder bei deren Wegfall: dem gerichtlich bestimmten Vormund).

Für investierende Paten bedeutet das konkret:

  • Pate kann nicht selbständig ein Konto auf den Namen des Kindes eröffnen. Banken werden Eltern-Einverständnis verlangen.
  • Pate kann jederzeit ein eigenes Konto auf seinen eigenen Namen eröffnen und dort für das Patenkind sparen. Übergabe später als Schenkung.
  • Direkte Einzahlung auf ein bestehendes Kinder-Konto braucht nur die IBAN — keine zusätzliche Berechtigung.
  • Im Todesfall der Eltern wird der Pate nicht automatisch Vormund. Das muss zu Lebzeiten ausdrücklich testamentarisch festgelegt werden, und auch dann entscheidet letztlich die KESB.

Steuern — wer zahlt was?

Wenn der Pate auf seinem eigenen Namen Geld für das Patenkind anlegt (Option 3), trägt er die volle Steuerpflicht: Vermögenssteuer auf das angesparte Kapital, Einkommenssteuer auf Dividenden und Zinserträge. Das kann je nach Vermögensgrösse und Wohnkanton CHF 50–500 pro Jahr ausmachen — kein Showstopper, aber sollte mitbedacht werden.

Bei Übergabe an das Patenkind handelt es sich um eine Schenkung. In den meisten Schweizer Kantonen sind Schenkungen an nicht-verwandte Personen schenkungssteuerpflichtig — die Sätze und Freibeträge variieren stark nach Kanton. Vor grösseren Übergaben (CHF 10'000+) unbedingt mit Steuerberater oder kantonalem Steueramt klären. Drei Kantone (Schwyz, Luzern und Obwalden) erheben keine Schenkungssteuer; andere haben Freibeträge zwischen CHF 2'000 und CHF 50'000.

Bei Einzahlung auf das Konto der Eltern (Option 1) oder auf ein Konto im Namen des Kindes (Option 2): das Geld zählt steuerlich beim Kind und damit (während Minderjährigkeit) bei den Eltern. Der Pate hat keinerlei Steuerfolgen.


Die Math — was ein Pate in 18 Jahren erreichen kann

Zur Konkretisierung: hier die durchgerechneten Endwerte für verschiedene Pate-Strategien über 18 Jahre, bei verschiedenen Renditen:

Pate-StrategieNominal eingezahltWert mit 18 (7% Rendite)
CHF 50 jährlich (z.B. Geburtstag)CHF 900CHF 1'700
CHF 100 jährlichCHF 1'800CHF 3'400
CHF 200 jährlichCHF 3'600CHF 6'800
CHF 500 jährlichCHF 9'000CHF 17'000
CHF 1'000 jährlich (substanzielle Pate-Position)CHF 18'000CHF 34'000

Berechnung: Future Value einer jährlichen Annuität über 18 Jahre bei 7% nominaler Rendite (Aktien-Sparplan). Endjährliche Einzahlung. Renditen vor Inflation, vor Steuern, vor Gebühren.

Die Tabelle zeigt eine wichtige Beobachtung: CHF 200 jährlich — das ist etwa der Betrag, den ein aktiver Pate über Geburtstag, Konfirmation und andere Anlässe ohnehin gibt — werden zu rund CHF 6'800. Das ist ein finanziell substanzielles Geschenk: genug, um zwei Semester Studium oder einen Drittel des ersten Autos zu bezahlen.

Wer als Pate mehr beitragen will und kann (etwa kinderloses Paar mit hohem Einkommen, oder Götti mit besonders engem Verhältnis zum Patenkind), schafft mit CHF 500–1'000 jährlich ein Geschenk in einer Grössenordnung, die das Leben des jungen Erwachsenen materiell verändert: CHF 17'000–34'000 sind eine Studienfinanzierung, eine Anzahlung an die erste Eigentumswohnung oder ein Startkapital für eine Selbständigkeit.


Wann übergeben? Drei sinnvolle Stichtage

Wenn der Pate sein Patenkind-Vermögen auf eigenem Namen geführt hat (Option 3), stellt sich die Frage des Übergabe-Zeitpunkts. Drei Stichtage haben sich in der Praxis bewährt:

18. Geburtstag — Volljährigkeit. Der klassische Übergabe-Moment. Symbolisch stark, rechtlich klar. Das Risiko: ein 18-Jähriger ist noch nicht zwingend reif für CHF 10'000–30'000 Verantwortung. Ein Auto kann schnell gekauft sein, das Geschenk schnell verbraucht.

25. Geburtstag oder Studienabschluss. Späterer, reiferer Zeitpunkt. Pate behält Kontrolle 7 Jahre länger, das Geld compoundet weiter (aus CHF 17'000 mit 18 werden CHF 27'000 mit 25 bei 7%). Das Risiko: der 25-Jährige hat das Geschenk schon emotional verbucht und ist enttäuscht, wenn es bei 18 nicht kommt.

Spezifischer Lebens-Anlass. Hochzeit, erste Eigentumswohnung, Studienbeginn, Gründung. Hier ist die Übergabe an einen konkreten Zweck geknüpft — das macht das Geschenk meaningful im wirtschaftlichen Moment, wo es wirklich gebraucht wird. Der Pate entscheidet flexibel.

Pragmatische Empfehlung: Mit dem Patenkind und den Eltern bei 15–16 Jahren offen sprechen, wie und wann die Übergabe stattfinden soll. Das verhindert falsche Erwartungen und macht den Übergabe-Moment zu einem geplanten Familien-Akt, nicht zu einer Überraschung.


Häufige Fragen

Was schenkt man dem Patenkind in der Schweiz?

Klassisch: CHF 100–500 zur Taufe, CHF 50–200 zu Geburtstagen, CHF 200–500 zur Konfirmation/Firmung, CHF 200–1'000 zum 18. Geburtstag plus Goldvreneli. Moderner und finanziell substanzieller: jährliche Einzahlung in einen Aktien-Sparplan im Namen des Kindes. CHF 200 jährlich werden zu CHF 6'800 mit 18 (7% Rendite).

Kann ich als Pate ein Sparkonto für mein Patenkind eröffnen?

Nicht auf den Namen des Kindes — dafür brauchst du Eltern-Einverständnis und gemeinsame Konto-Eröffnung. Aber du kannst jederzeit ein Konto auf deinen eigenen Namen eröffnen und dort gedanklich für das Patenkind sparen, mit späterer Übergabe als Schenkung.

Wie viel sollte ich als Pate für mein Patenkind sparen?

Hängt vom eigenen Budget und Verhältnis zum Patenkind ab. CHF 100–200 jährlich sind realistisch für aktive Paten — ergibt CHF 3'400–6'800 mit 18. Wer mehr beitragen kann: CHF 500–1'000 jährlich ergeben CHF 17'000–34'000, was wirklich Lebensentscheidungen finanzieren kann.

Muss ich Schenkungssteuer zahlen, wenn ich das Geld übergebe?

Hängt vom Kanton ab. Drei Kantone (Schwyz, Luzern, Obwalden) erheben keine Schenkungssteuer. Andere haben Freibeträge zwischen CHF 2'000 und CHF 50'000 für nicht-verwandte Schenker. Bei Beträgen über CHF 10'000 unbedingt vorher mit Steuerberater oder kantonalem Steueramt klären.

Kann der Götti direkt aufs Sparplan-Konto der Eltern einzahlen?

Ja. Sobald die Eltern ein Sparplan-Konto eröffnet haben und du die IBAN hast, kannst du jederzeit überweisen. Bei arvy wird die Einzahlung automatisch im nächsten Monatsbeitrag investiert. Das ist die mit Abstand simpelste Variante.

Was passiert, wenn ich vor der Übergabe sterbe?

Wenn das Geld auf deinem Namen geführt wird (Option 3), zählt es zu deinem Nachlass und wird nach deinem Testament oder gesetzlichem Erbrecht verteilt. Wenn du sicherstellen willst, dass dein Patenkind den Betrag erhält, musst du das im Testament regeln — oder rechtzeitig auf das Konto im Namen des Kindes übertragen.


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Die nächsten Schritte für deine Pate-Strategie

→ Der komplette Kinderkonto-Guide für die Schweiz

Vergleich der Kinderkonto-Optionen, steuerliche Behandlung, ab welchem Alter was Sinn macht.

→ Geldgeschenke für Kinder — der Eltern-Guide

Wie Eltern Geldgeschenke optimal verwalten. Sinnvoll, wenn du als Pate die Eltern in Strategie einbinden willst.

→ Compound-Rechner für deine Pate-Strategie

Rechne dein Szenario durch — jährlicher Beitrag, Laufzeit, Rendite.

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Wenn die Eltern bei arvy einen Kinder-Sparplan eingerichtet haben, kannst du als Götti jederzeit direkt einzahlen. Beträge ab CHF 1 — flexibel, schweizerisch reguliert.

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Verfasst von Thierry Borgeat, Mitgründer von arvy. Geprüft von Patrick Rissi, CFA und Florian Jauch, CFA. Rechtliche Angaben beziehen sich auf das Schweizer ZGB und kantonales Steuerrecht (Stand 2026). Für individuelle steuerliche Beratung wende dich an einen qualifizierten Steuerberater oder das kantonale Steueramt.

Disclaimer: Dieser Artikel dient allgemeinen Bildungszwecken und stellt keine persönliche Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Renditen sind nicht garantiert; historische Performance ist kein Indikator für zukünftige Ergebnisse. arvy AG ist von der FINMA als Verwalterin von Kollektivvermögen nach KAG Art. 24 zugelassen. Impressum & Rechtliche Hinweise.