Investieren für Anfänger in der Schweiz: Der ehrliche Startguide

September 8, 2025 6 Minuten Lesezeit

arvy's Teaser: Du weisst, dass du investieren solltest. Alle sagen es – deine Eltern, das Internet, dein Bauchgefühl beim Blick aufs Sparkonto. Aber du hast nie angefangen, weil: «Ich kenne mich nicht aus.» «Ich habe nicht genug Geld.» «Ich warte auf den richtigen Zeitpunkt.» Dieser Guide räumt mit allen drei Ausreden auf. Kein Finanzjargon, keine Produktwerbung, keine 50-Seiten-Theorie. Nur die Wahrheit über Geldanlage in der Schweiz – und eine klare Anleitung, wie du heute noch startest.


Warum investieren? Die Rechnung, die alles verändert

Stell dir vor, du legst jeden Monat CHF 500 auf dein Sparkonto. Zinssatz: 0.75% (typisch für Schweizer Sparkonten 2026). Nach 30 Jahren hast du CHF 192'000 eingezahlt und ca. CHF 214'000 auf dem Konto. Klingt okay?

Jetzt stell dir vor, du investierst dieselben CHF 500/Monat in ein breit gestreutes Aktienportfolio. Historische Durchschnittsrendite globaler Aktien: ca. 7% pro Jahr (vor Inflation). Nach 30 Jahren hast du immer noch CHF 192'000 eingezahlt – aber dein Portfolio ist ca. CHF 610'000 wert.

Sparkonto (0.75%)
CHF 214k
Investiert (7%)
CHF 610k
Differenz: CHF 396'000 — nur durch Investieren statt Sparen. Gleicher Betrag, gleiche Disziplin.

Der Unterschied heisst Zinseszinseffekt: Deine Rendite erwirtschaftet selbst wieder Rendite. Im ersten Jahr verdienst du wenig. Nach 10 Jahren merkst du es. Nach 20 Jahren explodiert es. Je früher du anfängst, desto mächtiger wird der Effekt.

Was passiert, wenn du NICHT investierst?

Inflation. Bei 1.5% pro Jahr verliert dein Sparkonto in 30 Jahren rund 36% seiner Kaufkraft. Deine CHF 214'000 auf dem Sparkonto kaufen dann nur noch so viel wie heute CHF 137'000. Nicht investieren ist keine sichere Option – es ist die garantierte Option, real Geld zu verlieren.


Bevor du investierst: Die 3 Voraussetzungen

1. Schulden tilgen (ausser Hypothek)

Konsumkredit mit 7% Zins? Kreditkartenschulden? Zuerst tilgen. Kein Investment schlägt garantiert 7%. Die Hypothek ist eine andere Geschichte – die Zinsen sind tief und steuerlich absetzbar.

2. Notgroschen aufbauen

6 Monatsausgaben auf dem Sparkonto. Das sind typischerweise CHF 15'000–25'000. Dieses Geld wird NICHT investiert. Es ist deine Versicherung gegen Jobverlust, Autoreparatur oder Zahnarztrechnung. (→ CHF 50k Guide)

3. Nur Geld investieren, das du 5+ Jahre nicht brauchst

Investiertes Geld kann kurzfristig 20–40% an Wert verlieren. Das ist normal und kein Problem – solange du nicht genau dann verkaufen musst. Deshalb: Investiere nur Geld, das du frühestens in 5 Jahren brauchst. Besser: 10+ Jahre.


Was es gibt: Anlageformen in 60 Sekunden

Anlageform Rendite Risiko Für wen?
Sparkonto 0.5–1% ~Null Notgroschen
Obligationen / Anleihen 1–3% Tief Kurzer Horizont
Aktien (breit gestreut) 5–8% Mittel–Hoch Langfristig (10+ J.)
Immobilien 3–5% Mittel Viel Kapital nötig
Kryptowährungen ??? Sehr hoch Spekulativ
Gold 1–3% real Mittel Absicherung

Für die meisten Anfänger ist die Antwort klar: Breit gestreute Aktien, langfristig gehalten. Das klingt riskant, ist aber bei einem Horizont von 10+ Jahren historisch die sicherste Art, Vermögen aufzubauen.


Was ist ein ETF? (Wirklich einfach erklärt)

Stell dir vor, du willst 1'000 Unternehmen weltweit kaufen: Apple, Nestlé, Samsung, LVMH und 996 weitere. Das wäre extrem teuer und aufwändig. Ein ETF (Exchange Traded Fund) macht genau das für dich – in einem einzigen Produkt.

Ein ETF ist ein Korb voller Aktien (oder Obligationen), den du an der Börse kaufen kannst wie eine einzelne Aktie. Du zahlst einmal und besitzt automatisch winzige Anteile an Hunderten oder Tausenden von Unternehmen.

Warum ETFs für Anfänger ideal sind

🟢 Diversifikation sofort: Ein globaler ETF enthält 1'500+ Unternehmen. Geht ein Unternehmen pleite, merkst du es kaum.

🟢 Günstig: Kosten (TER) oft unter 0.3% pro Jahr. Aktiv verwaltete Fonds kosten 1–2%.

🟢 Einfach: Kein Stock-Picking, kein Timing. Du kaufst «den Markt».

🟢 Transparent: Du siehst jederzeit, was drin ist und was es kostet.


Aktiv, passiv oder Qualität? Die drei Wege

Passives Investieren (ETFs auf Indizes)

Du kaufst «den ganzen Markt» – z.B. alle 500 grössten US-Unternehmen (S&P 500) oder 1'500 Unternehmen weltweit (MSCI World). Kein Manager entscheidet, was rein- oder rauskommt – der Index bestimmt. Günstig, breit, einfach.

Nachteil: Du kaufst alles – die guten und die schlechten Unternehmen. Der Index ist nach Marktkapitalisierung gewichtet, also kaufst du mehr von den grössten (und oft schon teuersten) Firmen.

Aktives Investieren (Fondsmanager)

Ein Manager wählt aus, welche Aktien er für gut hält. Ziel: den Markt schlagen. Kosten: 1–2% pro Jahr.

Nachteil: Über 90% der aktiven Fonds schaffen es langfristig nicht, ihren Vergleichsindex zu schlagen. Die Kosten fressen die Performance.

Quality Investing (Qualitätsunternehmen)

Ein konzentrierteres Portfolio aus sorgfältig ausgewählten Qualitätsunternehmen – Firmen mit starken Marken, hohen Margen, wenig Schulden und stabilen Cashflows. Nicht der ganze Markt, sondern die besten 30–50 Unternehmen.

Nachteil: Weniger breit gestreut als ein Welt-ETF. Erfordert Überzeugung und Geduld.

Ehrliche Einordnung

Für absolute Anfänger ist ein breit gestreuter ETF (z.B. MSCI World oder FTSE All-World) der einfachste und solideste Einstieg. Wer einen Schritt weiter gehen will, kann einen Teil in Qualitätsunternehmen investieren – das ist der arvy-Ansatz. Beides ist besser als nicht investieren.


Der Schweizer Vorteil: Warum Investieren hier besonders lohnt

Kapitalgewinne = steuerfrei

In der Schweiz sind private Kapitalgewinne steuerfrei. Du kaufst eine Aktie für CHF 100, verkaufst sie für CHF 200 → CHF 100 Gewinn, null Steuern. In Deutschland, den USA oder Grossbritannien würdest du 25–40% Steuern auf den Gewinn zahlen. Das ist ein enormer Vorteil – nutze ihn. (→ Steuer-Guide)

Was trotzdem besteuert wird: Dividenden (als Einkommen) und dein Gesamtvermögen (Vermögenssteuer). Deshalb können thesaurierende (wiederanlegende) Fonds steuerlich günstiger sein als ausschüttende. Und: Die Verrechnungssteuer von 35% auf Schweizer Dividenden wird bei korrekter Deklaration in der Steuererklärung zurückerstattet.


Die Reihenfolge: Was kommt zuerst?

1
Schulden tilgen (ausser Hypothek)
2
Notgroschen: 6 Monatsausgaben aufs Sparkonto
3
Säule 3a: Maximum einzahlen (CHF 7'258/Jahr) – in eine Investitions-App, nicht aufs Sparkonto (→ 3a-Guide)
4
PK-Einkauf prüfen: Falls Lücke vorhanden und Konditionen stimmen (→ PK-Guide)
5
Frei investieren: Alles darüber hinaus – langfristig, in Qualität

«Schritt 3 ist der wichtigste. Die 3a-Einzahlung spart dir sofort Steuern UND baut Vermögen auf. Das ist das einzige Investment, das dir vom Staat mitfinanziert wird.»


Was du erwarten solltest (und was nicht)

Ja, dein Portfolio wird manchmal rot sein

In jedem Jahrzehnt gibt es mindestens einen grösseren Einbruch: 2000 (Dotcom: –45%), 2008 (Finanzkrise: –55%), 2020 (Covid: –34%), 2022 (Inflation/Zinsanstieg: –20%). Jedes Mal hat sich der Markt erholt – und neue Höchststände erreicht.

Was CHF 10'000 investiert 2005 heute wert wären

MSCI World (global): ca. CHF 38'000 (inkl. Finanzkrise, Covid, Ukraine-Krieg)
Sparkonto (1% Zins): ca. CHF 12'200
Unter dem Kopfkissen: CHF 10'000 nominal, ca. CHF 7'500 Kaufkraft

Nein, du wirst nicht über Nacht reich

Investieren ist kein Weg zum schnellen Geld. Es ist ein langsamer, stetiger Prozess. Die ersten Jahre fühlen sich mühsam an. Der Zinseszinseffekt braucht 10–15 Jahre, bis er richtig spürbar wird. Geduld ist die wichtigste Eigenschaft eines Investors.

Nein, du musst den Markt nicht «timen»

«Soll ich jetzt einsteigen oder warten, bis es crasht?» – Die ehrliche Antwort: Niemand weiss, wann der nächste Crash kommt. Studien zeigen, dass regelmässiges Investieren (jeden Monat derselbe Betrag, egal was der Markt macht) in den meisten Fällen besser abschneidet als der Versuch, den «perfekten Moment» zu finden.


Die 7 grössten Anfängerfehler

1. Gar nicht erst anfangen. Der teuerste Fehler. Jedes Jahr, das du wartest, kostet dich Tausende an entgangener Rendite.

2. Alles auf ein Pferd setzen. «Mein Kollege hat mir diesen einen Aktientipp gegeben…» – Einzelaktien sind für Anfänger gefährlich. Breit streuen.

3. Zu hohe Gebühren zahlen. 1.5% Gebühren klingt nach wenig. Über 30 Jahre kosten sie dich aber ~30% deines Endvermögens. Achte auf Gesamtkosten unter 0.5%.

4. Bei Kurseinbrüchen panisch verkaufen. Das ist der grösste Vermögensvernichter. Wer im März 2020 panisch verkauft hat, hat den schnellsten Aufschwung der Geschichte verpasst.

5. «Investieren» mit Krypto oder Meme-Stocks starten. Das ist kein Investieren – das ist Spekulation. Kann man machen, aber nicht mit Geld, das man braucht.

6. Die 3a vergessen. Wer investiert, ohne zuerst die 3a auszuschöpfen, verschenkt jedes Jahr CHF 1'500–4'000 an Steuerersparnis. (→ Steuer-Guide)

7. Zu viel lesen, zu wenig tun. Der beste Zeitpunkt zu investieren war vor 10 Jahren. Der zweitbeste ist heute.


Dein Startplan: In 4 Wochen vom Sparkonto zum Investor

Woche 1: Budget checken

Wie viel kannst du monatlich investieren? (→ Budget-Guide) Notgroschen vorhanden? Schulden getilgt? Wenn ja: weiter zu Woche 2.

Woche 2: 3a eröffnen und Dauerauftrag einrichten

Investitions-App für 3a wählen (nicht Sparkonto!). Strategie: Hoher Aktienanteil (80–100%), wenn du 10+ Jahre Zeit hast. Dauerauftrag: CHF 605/Monat (= CHF 7'258/Jahr).

Woche 3: Freies Investieren starten

Investitions-App oder Broker wählen. Dauerauftrag einrichten: Den Betrag, der nach 3a, Notgroschen und Ausgaben übrig bleibt. Auch CHF 100/Monat ist ein perfekter Start.

Woche 4: Vergessen und leben

Im Ernst. Die Daueraufträge laufen. Schau nicht jeden Tag ins Portfolio. Einmal pro Quartal reicht. Dein Job ist jetzt: Geduld haben.


Deine Anfänger-Checkliste

☐ Schulden getilgt (ausser Hypothek)?
☐ Notgroschen: 6 Monatsausgaben auf dem Sparkonto?
☐ Monatliches Investitionsbudget festgelegt?
☐ Säule 3a eröffnet (Investitions-App, nicht Sparkonto)?
☐ 3a-Dauerauftrag eingerichtet (CHF 605/Monat)?
☐ Freie Investition gestartet (auch wenn nur CHF 100/Monat)?
☐ Strategie gewählt (breit gestreut, langfristig)?
☐ Verstanden: Kursrückgänge sind normal, nicht verkaufen?
☐ Portfolio-Check nicht öfter als 1x pro Quartal?


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Disclaimer: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine persönliche Anlageberatung dar. Historische Renditen sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. Investitionen in Wertpapiere bergen Risiken, einschliesslich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals. arvy ist ein von der FINMA beaufsichtigter Vermögensverwalter. Stand: Februar 2026.