Investieren für Paare & ab 50: Der Schweizer Leitfaden


In vielen Schweizer Haushalten kümmert sich ein Partner um die Finanzen — und der andere weiss kaum, was auf dem Konto liegt. Gleichzeitig glauben viele über 50, es sei «zu spät» zum Investieren.
Beides ist gefährlich. Dieser Guide zeigt, wie Paare ihre Finanzen gemeinsam organisieren — auch wenn einer keine Ahnung hat — und warum mit 50+ noch Jahrzehnte Anlagehorizont vor dir liegen.
In der Schweiz spricht man nicht über Geld. Schon gar nicht mit dem Partner. Laut einer Studie der Hochschule Luzern kennen über 40% der Schweizer Paare das genaue Einkommen des Partners nicht. Bei Vermögen und Schulden ist die Dunkelziffer noch höher.
In einer Kultur, die Diskretion als Tugend betrachtet, wird finanzielle Transparenz oft mit Kontrolle verwechselt. Dabei geht es nicht um Kontrolle — es geht um Sicherheit. Wer die Finanzen kennt, kann im Ernstfall handeln. Wer sie nicht kennt, ist auf Bankberater angewiesen, die möglicherweise andere Interessen haben.
Das Problem: Wenn ein Partner alle Finanzentscheidungen trifft und plötzlich ausfällt — durch Unfall, Krankheit oder Tod — steht der andere vor dem Nichts. Nicht finanziell (das Geld ist ja da), sondern praktisch: Welche Konten gibt es? Wo ist das Depot? Was sind die Zugangsdaten? Was soll ich mit diesen Aktien machen?
Dieses Muster betrifft nicht einen einzelnen Haushalt. Es betrifft eine ganze Generation von Schweizer Paaren, bei denen ein Partner — oft der Mann — die Investitionen verwaltete, während der andere sich zurückhielt. Wenn etwas passiert, hat der überlebende Partner weder Erfahrung noch vertrauenswürdige Berater. Und die Finanzindustrie steht bereit — mit teuren Lösungen, die den Interessen des Beraters mehr dienen als denen des Kunden.
Die beste Investmentstrategie nützt nichts, wenn dein Partner nach deinem Tod nicht weiss, wo das Geld ist — oder was er damit tun soll.
Setzt euch einmal im Monat hin — mit einem Kaffee, nicht mit einem Taschenrechner. Geht diese drei Fragen durch:
Es geht nicht darum, wer mehr verdient oder wer mehr ausgibt. Es geht darum, als Team ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Paare die regelmässig über Geld sprechen, haben statistisch mehr Vermögen — und weniger Streit über Geld.
Alles geht auf ein gemeinsames Konto. Maximale Transparenz, wenig Autonomie. Funktioniert gut bei ähnlichen Ausgabegewohnheiten und vollem Vertrauen.
Jeder hat ein persönliches Konto + ein gemeinsames Konto für Fixkosten und Sparen. Beide zahlen proportional zum Einkommen ein (z.B. jeder 70% des Lohns auf das Gemeinschaftskonto). Vorteil: Fairness + Autonomie. Für die meisten Paare die beste Balance.
Jeder verwaltet sein Geld selbst, fixe Kosten werden aufgeteilt. Funktioniert bei Konkubinatspaaren — birgt aber das Risiko, dass ein Partner deutlich mehr spart als der andere.
Für welches Modell auch immer: Beide Partner sollten aktiven Zugang zu allen Konten und Depots haben. Nicht «könnte im Notfall drauf zugreifen», sondern regelmässigen Zugang. Beide sollten die App der Bank haben. Beide sollten die Zugangsdaten kennen.
Hier wird es für viele Paare konkret schwierig. Ein Partner interessiert sich für Aktien, der andere nicht. Ein Partner hat Risikobereitschaft, der andere Angst.
Nicht jeder Partner muss ein Börsenexperte werden. Das Ziel ist:
Was der weniger erfahrene Partner nicht wissen muss: Kurs-Gewinn-Verhältnisse, Chartanalyse, Optionsstrategien, Sektorrotation. Die beste Investmentstrategie ist eine, die beide verstehen und die auf Autopilot läuft.
Ein automatischer Sparplan per Dauerauftrag eliminiert die grössten Fehlerquellen: Kein Diskutieren über Timing, kein «sollen wir jetzt kaufen oder warten», kein Stress. Jeden Monat fliesst Geld in ein Portfolio, das für euch beide arbeitet.
Für grössere Beträge (z.B. eine Erbschaft oder einen Bonus) gibt es den arvy Aktienfonds — direkt kaufbar über Swissquote, UBS, ZKB oder jedes andere Schweizer Depot. Valor 130614478. Kein neues Konto nötig. → Aktienfonds im Detail
Budget als Paar berechnen? Der arvy Budget-Rechner hat einen Partner-Modus: Beide Einkommen, separate Kirchensteuern, Verheiratetentarif, Vermögenssteuer.
Bei zwei hohen Einkommen kann die gemeinsame Besteuerung dazu führen, dass ein Ehepaar mehr Steuern zahlt als zwei Unverheiratete. Die Abschaffung wurde 2024 vom Schweizer Volk angenommen — tritt gemäss aktuellen Schätzungen aber erst ca. 2032 in Kraft. Bis dahin gilt der Verheiratetentarif.
Beide Partner sollten die Säule 3a voll ausschöpfen. Bei einem Grenzsteuersatz von 35% spart ihr zusammen rund CHF 5'080 Steuern pro Jahr. Ab 2026 können verpasste Einzahlungen sogar bis zu 10 Jahre rückwirkend nachgeholt werden. Das ist geschenktes Geld — und der mächtigste legale Steuerhebel in der Schweiz.
Du bist 50, 55 oder 60 und denkst, es sei zu spät? Die Lebenserwartung in der Schweiz liegt bei über 83 Jahren. Mit 55 hast du noch fast 30 Jahre vor dir. Selbst wenn du mit 65 pensioniert wirst und 85 wirst, hat dein Portfolio noch 20 Jahre Anlagehorizont — länger als die meisten Hypotheken.
Die Frage ist nicht «bin ich zu alt?» — sondern «kann ich es mir leisten, nicht zu investieren?» Wer CHF 500'000 auf dem Sparkonto liegen lässt, verliert bei 2% Inflation CHF 10'000 Kaufkraft pro Jahr.
CHF 300'000 investiert mit 55, bei 6% Rendite:
Alter 65: CHF 537'000 · Alter 75: CHF 962'000 · Alter 85: CHF 1'723'000
Selbst mit konservativer Entnahme von CHF 2'000/Monat ab 65 wächst das Portfolio weiter. → Zinseszinsrechner
Der psychologische Vorteil: Wenn die Börse einbricht, weisst du, dass du 2–3 Jahre aus Eimer 1 leben kannst, ohne deine Aktien anfassen zu müssen. → Investieren in turbulenten Zeiten
Auch in der glücklichsten Beziehung braucht ihr drei Dokumente:
Beide Partner sollten eine Vollmacht für alle Konten und Depots des anderen haben. Prüft, ob sie über den Tod hinaus gilt.
Bestimmt, wer eure Angelegenheiten regelt bei Urteilsunfähigkeit. Ohne: KESB entscheidet — Monate, tausende Franken.
In der Schweiz erbt der Ehepartner nicht automatisch alles. Ohne Testament: nur die Hälfte. Mit Testament: maximale Begünstigung. Seit 2023 ist die freie Quote deutlich grösser.
Kosten: ein paar Stunden Zeit + optional CHF 500–1'500 beim Notar. Das kann Monate an Bürokratie und zehntausende Franken an unnötigen Kosten verhindern.
Die beste Investmentstrategie nützt nichts, wenn dein Partner nach deinem Tod nicht weiss, wo das Geld ist — oder was er damit tun soll.
Dieser Artikel wurde von Team arvy verfasst. Zuletzt aktualisiert März 2026.
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