Investieren in der Schweiz: Der komplette Einsteiger-Guide (2026)


Alles was du wirklich wissen musst — geschrieben von drei CFA Charterholdern, die ihr eigenes Geld genauso anlegen.
Du hast CHF 10'000, CHF 50'000, oder vielleicht CHF 100 pro Monat übrig — und fragst dich: Soll ich investieren? Wie? Wo? In was?
Dieser Guide beantwortet jede Frage, die Einsteiger in der Schweiz wirklich haben. Kein Banker-Jargon. Kein «Jetzt kaufen!»-Druck. Nur der ehrliche, vollständige Leitfaden, aktualisiert für 2026 — mit der neuen 13. AHV-Rente, den aktuellen Steuergrenzen und den echten Zahlen, die du für deine Entscheidung brauchst.
Wenn du diesen Guide sorgfältig liest, weisst du mehr über das Investieren in der Schweiz als 95% der Schweizer Bevölkerung. Und du bist bereit, den ersten Schritt zu machen — den Schritt, der, wie du sehen wirst, am meisten zählt.
Die kurze Antwort: Weil dein Geld auf dem Sparkonto langsam stirbt.
In der Schweiz erhältst du aktuell 0.5–1% Zins auf Ersparnisse. Die Inflation liegt bei rund 1.5–2%. Das bedeutet: Dein Geld verliert jedes Jahr an Kaufkraft. CHF 100'000 auf einem Sparkonto sind real nach 20 Jahren nur noch CHF 67'000–74'000 wert — du kannst dir weniger dafür kaufen, auch wenn die Zahl gleich aussieht.
Der Aktienmarkt hingegen hat historisch 7–9% pro Jahr abgeworfen — über Jahrzehnte, durch Kriege, Pandemien und Finanzkrisen hindurch. CHF 100'000 zu 7% angelegt werden nach 20 Jahren zu rund CHF 387'000. Nach 30 Jahren: CHF 761'000. Das ist kein Traum — das ist Mathematik.
Und die Schweiz bietet einen Vorteil, den fast kein anderes Land hat: Kapitalgewinne sind steuerfrei. In Deutschland zahlst du 25% auf jeden Kapitalgewinn. In den USA bis zu 37%. In der Schweiz? CHF 0. Auf einen Gewinn von CHF 200'000 sind das CHF 50'000 Ersparnis gegenüber Deutschland, oder bis zu CHF 74'000 gegenüber den USA. Dieser eine Vorteil ist über ein Leben zehntausende Franken wert.
Die Frage ist also nicht «sollte ich investieren?» — sondern «kann ich es mir leisten, es nicht zu tun?»
Das echte Risiko für einen langfristigen Anleger ist nicht ein Crash. Es ist, nicht investiert zu sein — und die Inflation deinem Vermögen 30 Jahre lang still zuzusehen.
Weniger, als du denkst. Der häufigste Mythos: «Du brauchst mindestens CHF 50'000, um zu investieren.» Das mag 1995 gestimmt haben. Heute nicht mehr.
Bei arvy startest du einen Sparplan ab CHF 1. Andere Plattformen bieten ähnliche Minimums. Der entscheidende Faktor ist nicht der Betrag — es ist die Regelmässigkeit.
| Pro Monat | Eingezahlt (30J) | Endwert (30J) | Gratis durch Zinseszins |
|---|---|---|---|
| CHF 100 | CHF 36'000 | CHF 122'000 | CHF 86'000 |
| CHF 300 | CHF 108'000 | CHF 366'000 | CHF 258'000 |
| CHF 500 | CHF 180'000 | CHF 610'000 | CHF 430'000 |
| CHF 1'000 | CHF 360'000 | CHF 1'220'000 | CHF 860'000 |
Annahme: 7% durchschnittliche jährliche Rendite (historischer Durchschnitt globaler Aktien), monatliche Verzinsung. Keine Garantie auf zukünftige Ergebnisse.
Lies die letzte Spalte nochmal: Bei CHF 500 im Monat schenkt dir der Zinseszins CHF 430'000 gratis — mehr, als du jemals selbst eingezahlt hast. Bei CHF 1'000 im Monat sind es CHF 860'000 geschenkt, während du CHF 360'000 eingezahlt hast. Albert Einstein soll den Zinseszins das achte Weltwunder genannt haben. Er hatte recht.
Wenn du eine Nestlé-Aktie kaufst, besitzt du ein winziges Stück von Nestlé. Wächst Nestlé, wächst dein Geld. Fällt Nestlé, fällt dein Geld. Einzelaktien geben dir volle Kontrolle, aber auch hohes Konzentrationsrisiko — ein schlechter Quartalsbericht kann 30% deines Investments über Nacht auslöschen.
Ein Fondsmanager entscheidet, welche Aktien gekauft werden. Dein Geld wird mit dem von tausenden anderen Anlegern gepoolt. Vorteil: Diversifikation und professionelles Management. Nachteil: Gebühren von 1–2% pro Jahr (der TER, Total Expense Ratio). Und über 90% aller aktiven Fonds schlagen den Markt langfristig nicht.
Ein ETF bildet automatisch einen Index ab (zum Beispiel den MSCI World mit rund 1'400 Aktien aus 23 Industrieländern). Kein Manager entscheidet — entsprechend niedrig sind die Kosten: 0.1–0.3% pro Jahr. ETFs sind der beliebteste Einstieg für neue Anleger weltweit. Der Trade-off: Du bekommst den Durchschnitt. Die grossartigen Unternehmen UND die mittelmässigen, in einem Paket.
arvy's Ansatz: Aktives Management konzentriert auf rund 30 handverlesene Qualitätsunternehmen. Unternehmen mit Margen über 20%, wachsenden Gewinnen, starken Wettbewerbsbarrieren und bewiesenem Management. Keine mittelmässigen Firmen — nur die besten. Und die Gründer investieren ihr eigenes Geld in denselben Fonds. Das nennt sich Skin in the Game, und ist seltener, als du denkst.
Einzelaktie
1 Unternehmen
TER: 0%
Risiko: Hoch
Für Erfahrene
Passiver ETF
500–3'000 Firmen
TER: 0.1–0.3%
Risiko: Mittel
Der Durchschnitt von allem
Bankfonds
30–100 Firmen
TER: 1–2%
Risiko: Mittel
Hohe Gebühren, selten besser
arvy Quality Fund
~30 selektiert
TER: ab 0.69%
Skin in Game: Ja
Das Beste, nicht der Durchschnitt
Bevor du frei investierst, musst du das Schweizer Vorsorgesystem verstehen. Es baut auf drei Säulen auf — jede mit eigenen Regeln, Vorteilen und Fallstricken. Wer neu in der Schweiz ist, muss das lesen. Wer seit Jahren hier lebt, aber noch nie seinen Pensionskassenausweis angeschaut hat, auch.
Obligatorische Beiträge für alle, die in der Schweiz arbeiten. Umlageverfahren: Die heutigen Arbeitnehmer finanzieren die heutigen Rentner. Die maximale AHV-Rente beträgt 2026 CHF 2'520 pro Monat für Einzelpersonen und CHF 3'780 pro Monat für Ehepaare (plafoniert auf 150% der Einzelmaximalrente).
Neu ab 2026: Die 13. AHV-Rente wird erstmals im Dezember 2026 ausgezahlt — ein Plus von 8.31% auf Jahresbasis. Ein Maximalrentner erhält nun bis zu CHF 32'760 pro Jahr statt CHF 30'240. Gute Nachricht, aber sie ändert nichts am Kern: Die AHV ist ein Fundament, kein Lebensstandard. Von CHF 2'520 pro Monat lebt niemand komfortabel in der Schweiz.
Obligatorisch für Angestellte mit einem Jahreslohn über CHF 22'680. Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen gemeinsam ein. Das Geld wird von deiner Pensionskasse verwaltet und ist bis zur Pensionierung gesperrt. Wichtig: Dein Pensionskassenguthaben ist oft dein grösstes einzelnes Vermögen — grösser als dein Sparkonto, manchmal grösser als deine Wohnung.
Zwei Dinge solltest du sofort tun. Erstens: Lies deinen Pensionskassenausweis — er zeigt dein Guthaben, die erwartete Rente und dein freiwilliges Einkauf-Potenzial. Zweitens: Prüfe, ob sich ein freiwilliger Einkauf lohnt. Jeder Franken ist voll steuerlich absetzbar, und die Rendite auf einen Einkauf kann im ersten Jahr allein durch die Steuerersparnis über 40% betragen.
Maximum 2026: CHF 7'258 pro Jahr für Angestellte mit Pensionskasse. Der volle Betrag ist vom Einkommen abziehbar. Bei einem Grenzsteuersatz von 35% spart dir das bis zu CHF 2'540 Steuern — jedes Jahr. Dazu ist das Guthaben von der Vermögenssteuer befreit und Renditen innerhalb der 3a sind steuerfrei. Erst bei der Auszahlung fällt eine reduzierte Kapitalauszahlungssteuer an (typischerweise 5–10% in den meisten Kantonen). Das Geld ist bis 5 Jahre vor der Pensionierung gesperrt, aber du kannst es in Aktien investieren.
Profi-Tipp: Eröffne mehrere 3a-Konten (bis zu fünf, je nach Anbieter) und staffle die Auszahlung in verschiedene Steuerjahre. Bei einem Gesamtguthaben von CHF 200'000 kann die gestaffelte Auszahlung CHF 5'000–15'000 an Kapitalauszahlungssteuer sparen.
Alles jenseits der 3a. Sparpläne, ETF-Käufe, Aktienfonds. Kein Steuerabzug auf Einzahlungen, aber voll liquide und flexibel — du hast jederzeit Zugriff auf dein Geld, für jeden Zweck. Hier wird der grösste Teil des langfristigen Vermögens tatsächlich aufgebaut.
1. Notgroschen (3–6 Monatsausgaben) → 2. Säule 3a maximal ausschöpfen → 3. Prüfen, ob ein Pensionskasseneinkauf sinnvoll ist → 4. Freies Investieren mit einem Sparplan starten
In der Finanzwelt bedeutet Risiko Volatilität — Schwankung. Der Aktienmarkt kann in einem Jahr 30% fallen und im nächsten 40% steigen. Das ist normal. Das ist der Preis, den du für höhere Rendite zahlst.
Das echte Risiko für langfristige Anleger ist nicht ein Crash. Es ist, nicht investiert zu sein und die Inflation 20–30 Jahre lang am Vermögen nagen zu lassen. CHF 100'000 auf einem Sparkonto verlieren bei 2% Inflation über 30 Jahre rund 45% ihrer Kaufkraft. Kein Crash der Geschichte war für diversifizierte Anleger, die durchhielten, je so schlimm.
| Zeithorizont | Empfehlung | Warum |
|---|---|---|
| Unter 2 Jahre | Sparen / Festgeld | Zu kurz für Marktschwankungen |
| 2–5 Jahre | Konservativ (Obligationen, Misch) | Etwas Risiko ist tragbar |
| 5–10 Jahre | Aktienfonds / ETFs | Schwankungen gleichen sich aus |
| Mehr als 10 Jahre | 100% Aktien / Quality | Maximale Rendite, Zeit heilt alles |
Historisch gesehen gab es keinen einzigen 20-Jahres-Zeitraum, in dem global diversifizierte Aktien Geld verloren haben. Nicht durch zwei Weltkriege. Nicht durch den Dotcom-Crash. Nicht durch die Finanzkrise 2008. Wer lang genug investiert blieb, wurde belohnt.
Diversifikation bedeutet, dein Geld über Unternehmen, Branchen, Länder und Währungen zu streuen. Fällt ein Unternehmen, fangen die anderen den Verlust ab. Ein MSCI World ETF diversifiziert automatisch über rund 1'400 Unternehmen in 23 Industrieländern.
Aber Diversifikation hat Grenzen. Wer 3'000 Aktien besitzt, besitzt auch hunderte mittelmässige Unternehmen. Legendärer Investor Peter Lynch nannte das «Diworsification». arvy's Ansatz: Sich auf die besten 30 Unternehmen konzentrieren, statt dünn über alles zu streuen.
Dein grösster Feind sind nicht Crashs — es sind Gebühren. Der Unterschied zwischen 0.3% und 1.5% TER klingt klein. Über 30 Jahre kostet er dich ein Vermögen.
| 0.3% TER (günstiger ETF) | 1.5% TER (typischer Bankfonds) | |
|---|---|---|
| Startbetrag | CHF 100'000 | CHF 100'000 |
| Rendite (7% brutto) | 6.7% netto | 5.5% netto |
| Nach 10 Jahren | CHF 191'000 | CHF 171'000 |
| Nach 20 Jahren | CHF 366'000 | CHF 292'000 |
| Nach 30 Jahren | CHF 700'000 | CHF 498'000 |
| Durch Gebühren verloren | — | –CHF 201'000 |
Einmalanlage, 7% Bruttorendite, jährliche Verzinsung. Gebühren verzinsen sich auch — zu deinem Nachteil.
CHF 201'000 Differenz — allein durch Gebühren. Das ist in einigen Kantonen ein Haus. In anderen ein verlorener Ruhestand. Frage immer nach dem TER. Rechne immer durch, was 1% mehr pro Jahr über 30 Jahre bedeutet.
Stempelsteuer: 0.075% auf Schweizer Wertpapiere, 0.15% auf ausländische — einmalig bei jedem Kauf und Verkauf. Depotgebühren: Einige Banken verrechnen zusätzlich 0.1–0.3% pro Jahr. Viele digitale Plattformen: CHF 0. Transaktionskosten: CHF 5–50 pro Trade bei klassischen Banken. In Sparplänen meist inkludiert. Ausgabeaufschlag: Einige Bankfonds verlangen 1–5% beim Einstieg. ETFs und arvy: CHF 0.
Ein Sparplan (Dollar Cost Averaging / DCA) bedeutet, jeden Monat einen fixen Betrag zu investieren — automatisch, unabhängig davon, ob die Märkte hoch oder tief stehen. Klingt einfach. Ist revolutionär.
Du kaufst automatisch zu besseren Preisen. Wenn die Kurse fallen, kaufen deine CHF 500 mehr Anteile. Wenn sie steigen, weniger. Über Zeit ergibt das einen tieferen durchschnittlichen Einkaufspreis. Du profitierst tatsächlich von Crashs — weil du mehr Anteile kaufst, wenn es günstig ist.
Du eliminierst Emotionen. Kein «sollte ich jetzt kaufen?», kein «ist der Markt zu hoch?», kein «was, wenn er morgen crasht?». Der Sparplan läuft am 1. jeden Monats, egal was passiert. Das ist nicht nur praktisch — das ist dein grösster Vorteil. Die meisten Anleger verlieren Geld durch emotionale Entscheidungen, nicht durch den Markt selbst.
Du baust eine Gewohnheit auf. Investieren wird wie Zähneputzen — automatisch, ohne Nachdenken. Und das ist das Geheimnis des langfristigen Vermögensaufbaus: Nicht Genie, nicht Timing, sondern Disziplin auf Autopilot.
Du startest sofort. Kein «ich spare erst CHF 50'000 und investiere dann». Du startest mit dem, was du hast. CHF 100 ist genug. Jeder Monat zählt.
Studien von Vanguard zeigen: In rund zwei Dritteln der Fälle schlägt die Einmalanlage den Sparplan — aber nur, wenn du den Mut hast, alles auf einmal zu investieren, und die Nerven, einen unmittelbaren Crash durchzustehen. Die meisten haben beides nicht. Der Sparplan ist der realistische Weg für echte Menschen.
Die Schweiz hat eines der anlegerfreundlichsten Steuersysteme der Welt. Verstehe es und nutze es.
Wenn dein Portfolio von CHF 100'000 auf CHF 300'000 wächst, zahlst du auf den CHF 200'000 Gewinn exakt CHF 0 Steuern. In Deutschland wären das über CHF 50'000 Abgeltungssteuer. In den USA bis zu CHF 74'000. Dieser eine Vorteil ist über ein Leben zehntausende Franken wert — und der Grund, warum ein Schweizer Anleger keine steuerlich privilegierten Konten wie ein ISA oder 401(k) braucht, um Vermögen aufzubauen.
Dividenden: Steuerpflichtig. Dividenden werden als Einkommen besteuert. Zusätzlich wird die Schweizer Verrechnungssteuer von 35% an der Quelle abgezogen — du kannst sie aber voll in der Steuererklärung zurückfordern, sofern du deine Wertschriften korrekt deklarierst.
Vermögenssteuer: Dein Gesamtvermögen (inklusive Wertschriften) wird jährlich besteuert, rund 0.1–0.5% je nach Kanton und Vermögenshöhe. Klingt nervig, aber verglichen mit steuerfreien Kapitalgewinnen ist es ein kleiner Preis. Auf CHF 500'000 Vermögen in Zürich erwarte CHF 1'500–2'500 pro Jahr.
Säule 3a: Dreifacher Steuervorteil. Einzahlungen sind abziehbar. Das Guthaben ist von der Vermögenssteuer befreit. Renditen innerhalb der 3a sind steuerfrei. Erst bei der Auszahlung fällt eine reduzierte Kapitalauszahlungssteuer an. Es gibt keine steuerlich effizientere Hülle für Schweizer Anleger.
Wer als gewerbsmässiger Wertschriftenhändler qualifiziert wird, muss Kapitalgewinne versteuern. Die Kriterien umfassen sehr kurze Haltedauern, ausgiebigen Einsatz von Leverage und dass ein wesentlicher Teil des Einkommens aus Trading stammt. Für normale langfristige Anleger trifft das praktisch nie zu — aber es ist gut zu wissen, dass die Grenze existiert.
Die Renditen des Aktienmarkts gehören nur denen, die investiert bleiben. Klingt einfach. Ist es nicht. Denn dein Gehirn arbeitet aktiv gegen dich.
Verlustaversion. Ein Verlust von CHF 10'000 fühlt sich psychologisch doppelt so schmerzhaft an wie ein Gewinn von CHF 10'000 sich gut anfühlt. Resultat: Anleger verkaufen panisch im Crash — und realisieren genau die Verluste, die sie vermeiden wollten.
Herdentrieb. Wenn alle verkaufen, wollen wir auch verkaufen. Wenn alle Bitcoin kaufen, wollen wir auch rein. Die Masse liegt an Wendepunkten fast immer falsch — weil die Masse von Emotionen getrieben wird, nicht von Logik.
Recency Bias. Was letzte Woche passiert ist, fühlt sich wichtiger an als die letzten 30 Jahre. Nach einem Crash glaubt jeder, es sei das Ende des Kapitalismus. Nach einer Rally glaubt jeder, es gehe ewig so weiter. Beides ist falsch.
Action Bias. «Ich muss etwas TUN!» — Nein. Beim Investieren ist Nichtstun fast immer die richtige Entscheidung. Die profitabelsten Portfolios sind die vergessenen.
Eine oft zitierte Analyse von JP Morgan zeigt: Anleger, die über einen 20-Jahres-Zeitraum nur die 10 besten Handelstage verpassten, verloren rund die Hälfte ihrer Gesamtrendite. Und diese Tage kommen fast immer direkt nach dem schlimmsten Crash. Wer im Crash verkauft, verpasst die Erholung — und zahlt für diesen Fehler das nächste Jahrzehnt.
Wie du dich schützt: Sparplan einrichten. Nicht täglich reinschauen. In der Krise lies diesen Satz langsam: «Jeder Crash hat sich wie das Ende der Welt angefühlt. Keiner war es.»
Wenn du international investierst (und das solltest du), investierst du automatisch in Fremdwährungen. Ein MSCI World ETF ist zu rund 70% in USD, 6% in EUR, 6% in JPY, der Rest verteilt sich auf kleinere Märkte.
Das Risiko: Der Schweizer Franken ist seit Jahrzehnten im Steigen. Im Jahr 2000 kostete ein Euro CHF 1.56. Heute rund CHF 0.92. Wer in diesem Zeitraum reines EUR-Cash hielt, hat über 40% allein durch Währung verloren.
Aber hier die Nuance: Über einen 10+-Jahres-Zeitraum dominieren Aktienrenditen die Währungsschwankungen. Eine 7%-Rendite in USD wird nach Währungsdrag in CHF zu vielleicht 5–6% — immer noch massiv besser als 1% auf einem Schweizer Sparkonto. Die gängige Regel unter Schweizer Beratern: Obligationen hedgen, Aktien nicht hedgen. Obligationenrenditen sind zu klein, um Währungsverluste zu überleben; Aktienrenditen absorbieren sie.
Als Schweizer Anleger startest du aus einer der stärksten Positionen der Welt: Eine stabile Währung, niedrige Inflation, eine konservative Zentralbank. Das ist ein struktureller Vorteil, den Anleger in der Türkei, Argentinien oder selbst der Eurozone schlicht nicht haben.
Jedes Jahr Warten kostet Zinseszins. Mit 25 zu starten ist rund 10× wertvoller, als mit 35 zu starten. Der beste Zeitpunkt ist immer: jetzt.
Es gibt ihn nicht. Der Markt steht häufiger auf Allzeithoch als auf jedem anderen Niveau — und das ist normal. Allzeithochs signalisieren Stärke, keine Übertreibung.
Wer im März 2020 (Covid) verkauft hat, verpasste die schnellste Erholung der Geschichte — rund +70% in den nächsten 12 Monaten. Wer 2008 nach Lehman verkaufte, brauchte Jahre, um emotional zurückzukommen — obwohl sich der Markt vollständig erholte.
Dein Bankberater empfiehlt Produkte mit 1.5% TER — nicht, weil sie besser sind, sondern weil die Bank daran verdient. Frage immer: «Was kostet mich das pro Jahr? Investieren Sie selbst Ihr eigenes Geld in dieses Produkt?»
Kein Einzelaktien-Zocken. Kein All-in-Krypto. Keine heissen Tipps aus der Beiz. Diversifikation ist dein Schild gegen das Falsch-Liegen.
Wenn du von einer Aktie in den News hörst, bist du wahrscheinlich zu spät. Meme-Aktien, NFTs, SPAC-Wahn, thematische ETFs auf dem Peak — alles Renditekiller für Nachzügler.
Investieren ohne Strategie ist Glücksspiel. Definiere: Wie viel pro Monat? Wie lange? In was? Und halte dich dann daran — besonders, wenn es schwer wird.
Ob Säule 3a, Freizügigkeit oder freies Investieren — der Schweizer Markt bietet im Wesentlichen drei Ansätze. Jeder hat eine andere Philosophie, andere Stärken und andere Schwächen.
Traditionelle Banken verkaufen eigene aktive Hausfonds, typischerweise mit All-in-Gebühren von 1.0–1.8%. Du bekommst eine Filiale, einen menschlichen Berater und die Fondsauswahl der Bank. Der Nachteil: Hohe Gebühren, intransparente Produkte und Berater, die für die Verkaufsziele der Bank arbeiten, nicht für deine. Für die meisten Anleger sind Banken mit grossem Abstand die teuerste Option.
Plattformen wie True Wealth, Selma und VIAC bieten günstige Index-basierte Portfolios, typischerweise 0.40–1.20% all-in. Sie bauen diversifizierte Portfolios automatisch. Du besitzt über ETFs 1'000+ Unternehmen. Der Nachteil: Keine Anlagephilosophie, minimale Bildung, keine Person, mit der du in der Krise reden kannst. Du besitzt alles — die Guten und die Mittelmässigen.
Quality Investing: Konzentrierter Besitz von 25–35 handverlesenen Unternehmen, nicht 1'400. All-in-Gebühren ab 0.69%. Die Gründer investieren ihr eigenes Geld ins gleiche Portfolio (Skin in the Game). Wöchentliche Bildung: Eine Unternehmensanalyse pro Freitag. Echte Menschen beantworten echte Fragen. Angeboten für Säule 3a, Freizügigkeit und freies Investieren.
| Banken | Robo-Advisors | arvy | |
|---|---|---|---|
| Strategie | Aktiv (Hausfonds) | Passiv (ETFs) | Quality (Einzeltitel) |
| Was du besitzt | Bankfonds | 1'000+ Firmen | 25–35 Qualitätsfirmen |
| All-in Gebühren | 1.0–1.8% | 0.40–1.20% | 0.69–0.89% |
| Skin in the Game | Nein | N/A | Ja, gleiches Portfolio |
| Finanzbildung | Minimal | Blog, FAQ | Kernfokus |
| In der Krise | Berater schichtet um | Nichts (fällt mit Markt) | Du verstehst, bleibst drin |
Die Wahl des Anbieters ist weniger wichtig als die Entscheidung, überhaupt anzufangen. Alle hier genannten Anbieter sind seriös und FINMA-reguliert. Der Anleger, der heute mit einem «suboptimalen» Anbieter startet, schlägt den Anleger, der drei Jahre auf den «perfekten» wartet — mit grossem Abstand.
3–6 Monatsausgaben auf einem Sparkonto. Single mit festem Job? 3 Monate. Familie oder variables Einkommen? 6 Monate. Selbständig? 9 Monate. Dieses Geld ist nicht zum Investieren. Es ist für den Moment, in dem das Leben bricht.
Leasing, Kreditkarten, Privatkredite — die Zinsen (8–15%) übersteigen jede Anlagerendite. Erst Schulden, dann investieren. Hypothekenschulden sind eine andere Kategorie und können parallel zum Investieren laufen.
Eröffne ein 3a-Konto bei einem Anbieter, der investiert statt nur zu sparen. Die Steuerersparnis allein beträgt CHF 1'500–2'540 pro Jahr, je nach Einkommen. Über 30 Jahre sind das CHF 45'000–76'000, die du dem Staat nicht zahlst — bevor überhaupt die Rendite ins Spiel kommt.
CHF 100 ist genug. CHF 500 ist besser. CHF 1'000 ist ideal. Der Schlüssel: Starten und laufen lassen. Dauerauftrag 1–2 Tage nach Gehaltseingang automatisieren.
Höchstens einmal im Quartal reinschauen. Lies das arvy Weekly. Nutze die Rechner. Je mehr du verstehst, desto ruhiger bleibst du in der Krise — und Krisen sind, wo echte Renditen gemacht (oder verloren) werden.
Bei arvy kannst du ab CHF 1 starten. Andere Plattformen haben ähnliche Minimums. Der entscheidende Faktor ist Regelmässigkeit, nicht der Betrag. CHF 100 pro Monat werden über 30 Jahre bei 7% Rendite zu rund CHF 122'000.
Ein monatlicher Sparplan in ein diversifiziertes Aktienportfolio (ETF oder Quality Fund). Starte zuerst mit der Säule 3a — die Steuerersparnis allein macht sie zur renditestärksten Anlage überhaupt — und ergänze dann mit einem freien Sparplan. Vermeide Einzelaktien, aktive Bankfonds mit 1.5%+ Gebühren und alles, was du nicht verstehst.
Über 10+ Jahre haben global diversifizierte Aktien in keinem rollierenden Zeitraum Geld verloren. Das echte Risiko ist, nicht zu investieren: CHF 100'000 auf einem Sparkonto verlieren bei 2% Inflation über 30 Jahre rund 45% ihrer Kaufkraft. Im «sicheren» Cash zu bleiben ist der teuerste Fehler, den die meisten Schweizer machen.
Säule 3a zuerst — immer. Der Steuerabzug allein ist eine sofortige Rendite von 20–40% je nach Einkommensklasse. Nichts anderes im Investieren liefert dir garantiert 20–40% im ersten Jahr. Erst wenn die 3a maximal ausgeschöpft ist, macht freies Investieren obendrauf Sinn.
Für die meisten Einsteiger schlägt ein günstiger ETF einen typischen Bankfonds mit 1.5% Gebühren. Über 30 Jahre fressen Gebühren allein CHF 200'000+ an Rendite. Die Ausnahme ist konzentriertes, qualitätsorientiertes aktives Management mit tiefen Gebühren (unter 1% all-in) und Skin in the Game — genau diese Lücke füllt arvy.
Kapitalgewinne sind für private Anleger steuerfrei. Dividenden werden als Einkommen besteuert. Das Gesamtvermögen unterliegt der jährlichen Vermögenssteuer (0.1–0.5% je nach Kanton). Das ist eines der anlegerfreundlichsten Steuersysteme weltweit — zehntausende Franken besser als Deutschland oder die USA über ein Leben.
Ja. Crashs sind der Moment, in dem dein Sparplan am mächtigsten wird — du kaufst mehr Anteile für dasselbe Geld. Wer im März 2020 verkaufte, verpasste eine +70%-Erholung in den folgenden 12 Monaten. Die Regel ist einfach: Automatisiere deinen Plan, höre auf, die Kurse anzuschauen, und stoppe im Crash NIE deine Beiträge.
Nicht mit einem diversifizierten Portfolio. Ein ETF mit 1'400 Unternehmen in 23 Ländern kann nicht auf null gehen, es sei denn, der Kapitalismus selbst endet. Was du verlieren kannst, ist kurzfristiger Wert (Papierverluste) — der sich immer erholt, wenn du investiert bleibst. Der einzige Weg, langfristig wirklich Geld zu verlieren, ist am Tiefpunkt zu verkaufen. Und ein Sparplan nimmt dir diese Entscheidung ab.
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Investieren ist kein geheimes Wissen. Kein Casino. Und kein Privileg der Reichen.
Es ist eine Gewohnheit. Eine Entscheidung. Und in der Schweiz einer der grössten finanziellen Vorteile, den du hast.
Steuerfreie Kapitalgewinne. Eine starke Währung. Ein stabiles Vorsorgesystem. Zugang zu professionellen Anlagelösungen ab CHF 1 pro Monat. Das sind keine kleinen Vorteile — das sind die Gründe, warum die meisten Schweizer bei der Pensionierung wohlhabend sein könnten. Die meisten sind es nicht. Weil sie nie anfangen.
Du hast jetzt alles gelesen, was du brauchst. Du verstehst die Grundlagen, die Risiken, die Kosten, die Psychologie und das System. Du hast einen konkreten 5-Schritte-Plan.
Der beste Zeitpunkt, um zu investieren, war vor 20 Jahren. Der zweitbeste ist heute.
Dieser Artikel wurde geschrieben von Thierry Borgeat, Co-Founder von arvy, und überprüft von Patrick Rissi, CFA und Florian Jauch, CFA. Alle drei investieren ihr eigenes Geld in die arvy-Portfolios. Zuletzt aktualisiert April 2026.
Disclaimer: Dieser Artikel dient allgemeinen Informationszwecken und stellt keine persönliche Finanz-, Steuer- oder Vorsorgeberatung dar. Projizierte Renditen basieren auf historischen Durchschnitten (6–7% p.a. für globale Aktien) und sind nicht garantiert. Vergangene Performance ist kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Ergebnisse. Alle genannten Zahlen sind Näherungswerte und können je nach Kanton, Pensionskassenreglement und persönlichen Umständen variieren. Investitionen sind mit Risiken verbunden, inkl. dem Verlust des eingesetzten Kapitals. arvy ist ein FINMA-beaufsichtigter Vermögensverwalter. Rechtliche Hinweise & Disclaimer