Investieren trotz Crash-Angst: Der Sparplan

August 2, 2024 5 Minuten Lesezeit

arvy's Teaser: Du willst investieren. Aber eine Stimme in deinem Kopf sagt: «Was, wenn morgen alles crasht?» Diese Angst ist normal. Aber sie kostet dich ein Vermögen. Denn die Daten zeigen etwas Erstaunliches: Selbst wer jedes Jahr am absolut schlechtesten Tag investiert hat — worst timing aller Zeiten — hat trotzdem eine hervorragende Rendite erzielt. Hier ist die Rechnung. Und hier ist der Plan, der dich gegen Crash-Angst immun macht.


Die Angst: Warum wir nicht anfangen

Sei ehrlich: Du hast mindestens einmal einen dieser Sätze gesagt oder gedacht:

«Der Markt ist gerade auf einem Allzeithoch — ich warte auf einen Rücksetzer.»
«Was, wenn ein Crash kommt und ich alles verliere?»
«Ich investiere, sobald sich die Lage beruhigt.»
«Gerade ist ein schlechter Zeitpunkt.»

Das Problem: Jeder Zeitpunkt fühlt sich wie ein schlechter Zeitpunkt an. Bei einem Allzeithoch denkst du: zu teuer. Bei einem Rückgang: zu riskant. Bei Unsicherheit: zu gefährlich. Bei Ruhe: bestimmt kommt bald ein Crash. Es gibt immer einen Grund zu warten — und genau deshalb ist Warten die teuerste Entscheidung, die du treffen kannst.


Die Daten: Was wirklich passiert, wenn du zum «falschen» Zeitpunkt investierst

Das JP Morgan Experiment: Worst Timing vs. Kein Timing

JP Morgan hat berechnet, was mit CHF 10'000 passiert wäre, die ab 2003 jedes Jahr investiert wurden — unter drei verschiedenen Szenarien:

Strategie Rendite p.a. Endwert nach 20 Jahren
Perfektes Timing (bester Tag jedes Jahr) 10.6% CHF 151'000
Sofort investiert (1. Januar, jedes Jahr) 9.4% CHF 135'000
Dollar-Cost-Averaging (monatlich) 8.9% CHF 127'000
Worst Timing (schlechtester Tag jedes Jahr) 9.1% CHF 130'000
In Cash geblieben 2.3% CHF 44'000
Basierend auf JP Morgan Asset Management, S&P 500, 2003–2022. Illustration.

Lies die letzte Zeile nochmal. Wer aus Angst in Cash geblieben ist, hat CHF 86'000 weniger als jemand, der jedes Jahr am schlechtesten Tag investiert hat. Worst Timing schlägt kein Timing. Immer.

Was das bedeutet

Die Differenz zwischen perfektem Timing und dem schlechtesten Timing aller Zeiten: 1.5% pro Jahr. Die Differenz zwischen schlechtem Timing und gar nicht investieren: 6.8% pro Jahr.

Das Timing-Problem ist ein Luxusproblem. Das echte Problem ist: Gar nicht anfangen.


Jeder Crash hat sich erholt. Jeder einzelne.

Die grösste Angst: «Was, wenn der Markt fällt und nie wieder zurückkommt?» Die historische Antwort: Das ist noch nie passiert.

Crash Verlust Erholung bis neues ATH Wer am Tiefpunkt gekauft hätte
Black Monday 1987 –22% (1 Tag) 2 Jahre +57% in 2 Jahren
Dotcom 2000–02 –49% 7 Jahre +101% in 5 Jahren
Finanzkrise 2008/09 –57% 5.5 Jahre +181% in 5 Jahren
COVID 2020 –34% 5 Monate +70% in 12 Monaten
2022 (Inflation/Zinsanstieg) –25% 2 Jahre +46% in 2 Jahren
S&P 500, Trough-to-Recovery. Die «Wer am Tiefpunkt gekauft hätte»-Spalte zeigt die Return ab dem Tiefststand.

Jeder Crash fühlt sich an wie das Ende der Welt. Keiner war es. Und wer mit einem Sparplan durch den Crash investiert hat, hat in der Erholungsphase günstiger eingekauft — und schneller profitiert.


Warum ein Sparplan der beste Crash-Schutz ist

Ein Sparplan (Dollar-Cost-Averaging) bedeutet: Du investierst jeden Monat den gleichen Betrag, egal was der Markt macht. CHF 500 am 1. Januar, CHF 500 am 1. Februar, CHF 500 am 1. März — automatisch, ohne nachzudenken.

Warum das genial ist:

1. Du kaufst automatisch günstig ein, wenn der Markt fällt

Wenn der Markt um 30% fällt, kaufst du mit deinen CHF 500 mehr Anteile als im Vormonat. Du bekommst einen «Rabatt». Und wenn der Markt sich erholt, steigen alle diese günstig gekauften Anteile überproportional.

Ein konkretes Beispiel

Monat 1: Kurs CHF 100 → CHF 500 kauft 5 Anteile
Monat 2: Crash, Kurs CHF 70 → CHF 500 kauft 7.14 Anteile
Monat 3: Erholung, Kurs CHF 85 → CHF 500 kauft 5.88 Anteile
Monat 4: Weiter hoch, Kurs CHF 100 → CHF 500 kauft 5 Anteile

Total investiert: CHF 2'000 → 23.02 Anteile → Wert: CHF 2'302
Wer im Monat 1 einmalig CHF 2'000 investiert hätte: Wert CHF 2'000. Gleicher Endkurs, aber +15% weniger.

2. Du eliminierst das Timing-Problem

Du musst nie entscheiden, ob jetzt ein guter oder schlechter Zeitpunkt ist. Der Sparplan entscheidet für dich: Immer. Am 1. des Monats. Fertig. Keine Nachrichten checken, keine Angst, kein Zögern.

3. Du baust Gewohnheiten statt Emotionen

Die grössten Fehler beim Investieren sind emotional: Kaufen wenn alle euphorisch sind, verkaufen wenn alle panisch sind. Ein Sparplan umgeht beides. Er verwandelt Investieren von einer emotionalen Entscheidung in eine automatische Gewohnheit.


Die echte Rechnung: Sparplan durch einen Crash vs. Warten

Nehmen wir zwei Anleger. Beide haben CHF 10'000 Startkapital und legen CHF 500/Monat an. Beide erleben einen 30% Crash im ersten Jahr.

Anleger Verhalten im Crash Endwert nach 30 Jahren
Anna: Sparplan durchgehalten Weitergezahlt, nicht verkauft CHF 665'000
Ben: In Panik verkauft, 2 Jahre gewartet Verkauft bei –30%, 2 Jahre Cash, dann neu gestartet CHF 478'000
Annahme: 7% Rendite p.a. nach Erholung. Ben verliert 2 Jahre Zinseszins + verkauft am Tiefpunkt. Differenz: CHF 187'000.

CHF 187'000 Unterschied. Beide investieren den gleichen Betrag. Beide erleben den gleichen Crash. Der einzige Unterschied: Anna hat den Sparplan weiterlaufen lassen. Ben hat verkauft und gewartet.

Die unsichtbaren Kosten der Angst

Die besten Börsentage kommen fast immer direkt nach den schlimmsten. Wer die 10 besten Tage zwischen 2003 und 2023 verpasste, verlor die Hälfte seiner Gesamtrendite. 6 dieser 10 besten Tage fielen in die 2 Wochen nach den grössten Einbrüchen.

Wer in Panik verkauft, verpasst die Erholung. Und die Erholung ist, wo das Geld gemacht wird.


Die Psychologie: Warum sich Crash-Angst real anfühlt — aber irrt

Crash-Angst ist kein Zeichen von Dummheit. Sie ist ein Produkt der Evolution. Unser Gehirn ist darauf programmiert, Verluste stärker zu gewichten als Gewinne — ein Überlebensmechanismus aus der Steinzeit. Psychologen nennen das Verlustaversion: Ein Verlust von CHF 1'000 fühlt sich etwa 2.5× so schmerzhaft an wie ein Gewinn von CHF 1'000 sich gut anfühlt.

Das Ergebnis: Du erinnerst dich an den COVID-Crash, aber vergisst die 400% Anstieg danach. Du liest die Schlagzeile «Börse stürzt ab», aber nicht die Meldung «Börse erreicht neues Allzeithoch» drei Monate später. Dein Gehirn ist ein Angst-Spezialist, kein Rendite-Spezialist.

Dagegen hilft nur eines: Automatisierung. Ein Sparplan nimmt die Entscheidung aus deinem Kopf und legt sie in ein System. Du musst nicht mutig sein. Du musst nicht rational sein. Du musst nur einmal einrichten — und dann nichts tun.


Was wenn ich gerade eine grosse Summe investieren will?

Die häufigste Frage: «Ich habe CHF 50'000 gespart. Soll ich alles auf einmal investieren oder aufteilen?»

Statistisch gesehen schlägt eine Einmalanlage den Sparplan in ~67% der Fälle, weil der Markt langfristig steigt und du von jedem zusätzlichen Tag im Markt profitierst. Aber: Die restlichen 33% — wenn du direkt vor einem Crash investierst — fühlen sich verheerend an.

Unsere Empfehlung für die meisten Menschen:

Die Hybrid-Strategie

50% sofort investieren. Damit bist du im Markt und profitierst, falls er steigt.

50% über 6–12 Monate verteilen. Monatlich investieren. Falls der Markt fällt, kaufst du günstiger nach.

Und dann: Sparplan einrichten — für alles, was du ab jetzt monatlich sparen kannst.

Das ist mathematisch nicht optimal (Einmalanlage wäre besser). Aber es ist psychologisch optimal — weil du es durchhältst. Und durchhalten schlägt optimieren. Immer.


Dein Crash-Angst-Survival-Kit

1. Sparplan einrichten. Am 1. des Monats. Automatisch. Nie darüber nachdenken.
2. Zeithorizont verinnerlichen. Über 20 Jahre hat der Markt nie Geld verloren. Nie.
3. Portfolio-Apps vom Homescreen nehmen. Weniger schauen = weniger Panik.
4. Notgroschen halten. 3–6 Monate Ausgaben auf dem Sparkonto. Dann musst du im Crash nicht verkaufen.
5. Diesen Satz an den Kühlschrank hängen: «Jeder Crash fühlt sich an wie das Ende der Welt. Keiner war es.»
6. In Crashs mehr investieren, nicht weniger. Wenn du CHF 500/Monat sparst und der Markt 30% fällt: Erhöhe auf CHF 750. Du kaufst im Ausverkauf.

«Die beste Zeit zu investieren war vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist heute.»

Du brauchst keinen Mut, keine Kristallkugel und kein perfektes Timing. Du brauchst einen Sparplan, einen langen Atem und die Erkenntnis, dass die grösste Gefahr nicht der nächste Crash ist — sondern die Angst, die dich davon abhält, überhaupt anzufangen.


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Dieser Artikel wurde geschrieben von Thierry Borgeat, Co-Founder von arvy, und geprüft von Patrick Rissi, CFA, und Florian Jauch, CFA.

Disclaimer: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine persönliche Anlageberatung dar. Historische Renditen sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. arvy ist ein von der FINMA beaufsichtigter Vermögensverwalter.