Markt fällt 20%: was jetzt zu tun ist


Wenn der Markt zwanzig Prozent verliert, ist das Problem selten das Portfolio. Das Problem ist, dass jetzt eine Entscheidung ansteht — und dass die naheliegendste die schlechteste ist. Dieser Artikel ist das Playbook für genau diesen Moment.
Rückgänge gehören zur Funktionsweise von Aktienmärkten. Sie sind der Preis, den du für die langfristig höhere Rendite bezahlst — und zwar unregelmässig, aber verlässlich wiederkehrend.
Historisch erlebt ein breiter Aktienmarkt im Schnitt etwa einmal pro Jahr einen zwischenzeitlichen Rückgang von rund zehn Prozent. Rückgänge von zwanzig Prozent oder mehr treten seltener auf, aber jede Anlegerin und jeder Anleger mit einem langen Horizont wird mehrere davon erleben. Wer dreissig Jahre investiert, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit mindestens vier oder fünf solcher Phasen durchlaufen.
Der wichtigste Satz in diesem Artikel: Ein Rückgang von 20% ist kein Signal, dass etwas schiefgelaufen ist. Er ist das Ereignis, für das die höhere erwartete Rendite von Aktien überhaupt existiert. Ohne dieses Risiko gäbe es die Prämie nicht.
Solange du hältst, ist dein Verlust ein Buchwert. Erst der Verkauf macht ihn endgültig. Und danach folgt das schwierigere Problem: der Wiedereinstieg.
Die stärksten Erholungstage folgen historisch fast immer unmittelbar auf die schwersten Verlusttage. Sie treten auf, während die Nachrichtenlage noch schlecht ist und nichts sich sicher anfühlt. Genau dann kauft praktisch niemand, der gerade aus Angst verkauft hat. Deshalb endet Markttiming in der Praxis selten als Rundreise, sondern als Einbahnstrasse.
Der messbare Preis: Vanguard, Morningstar und Dalbar beziffern die Lücke zwischen Fondsrendite und tatsächlicher Anlegerrendite auf rund 1% bis 1.5% pro Jahr. Bei CHF 500 monatlich über 30 Jahre entspricht schon der untere Wert über CHF 150'000. Mehr dazu in Time in the Market schlägt Market Timing.
Er kauft weiter — und er kauft mehr. Weil der Betrag konstant bleibt und der Kurs gefallen ist, erhältst du für dasselbe Geld mehr Anteile. Die Käufe, die du in der Krise tätigst, sind über den gesamten Anlagezeitraum betrachtet meist die wertvollsten.
Das ist der Grund, warum das Pausieren eines Sparplans im Crash die Mechanik an genau der Stelle aushebelt, an der sie am meisten leistet. Wer 24 Monate aussetzt und den Betrag danach nicht nachholt, verzichtet bei CHF 500 monatlich über 30 Jahre auf rund CHF 43'000 — nicht wegen der ausgefallenen Einzahlungen von CHF 12'000, sondern wegen ihrer Verzinsung über die Restlaufzeit.
Der Unterschied, auf den es ankommt: Pausieren, weil das Budget es verlangt, ist eine legitime Entscheidung. Pausieren, weil die Kurse gefallen sind, ist die Umkehrung des Prinzips — du hörst genau dann auf zu kaufen, wenn es günstig ist.
Der entscheidende Punkt: Diese Regeln müssen vorher feststehen. Wer erst im Einbruch überlegt, ob er aufstocken soll, entscheidet unter dem Einfluss genau der Emotionen, gegen die die Regel schützen sollte. Schreib dir deine Schwellen auf, solange die Märkte ruhig sind.
Weniger nachschauen. Die Wahrscheinlichkeit, ein Aktienportfolio an einem beliebigen Tag im Minus zu sehen, liegt nahe bei der Hälfte. Über zehn Jahre ist sie historisch sehr klein. Deine Beobachtungsfrequenz bestimmt, welche Realität du erlebst.
Den Horizont prüfen, nicht die Kurse. Die relevante Frage lautet nicht «wie tief geht es noch», sondern «wann brauche ich dieses Geld». Ändert sich die zweite Antwort nicht, ändert sich auch die Strategie nicht.
Verstehen, was gefallen ist. Ein Rückgang, dessen Ursache man kennt, ist erheblich leichter auszuhalten als eine rote Zahl ohne Kontext. Wie Portfolios frühere Krisen durchlaufen haben, steht in Investieren in turbulenten Zeiten.
Aus Anlagesicht ist das der ungünstigste Moment, weil derselbe Betrag jetzt am meisten Anteile kauft. Wer aus Budgetgründen reduzieren muss, sollte den Betrag lieber senken als ganz aussetzen — so bleibt der Rhythmus erhalten.
Deutlich seltener als Rückgänge von 10%, aber regelmässig genug, dass jede Anlegerin und jeder Anleger mit langem Horizont mehrere solcher Phasen erlebt. Sie sind Bestandteil des Marktes, nicht eine Ausnahme davon.
Der Tiefpunkt ist erst im Rückblick erkennbar. Wer auf ihn wartet, kauft in der Regel gar nicht. Gestaffelte Zukäufe über einige Wochen sind die praktikable Lösung, weil sie keine Punktprognose verlangen.
Wenn sich dein Ziel, dein Horizont oder deine Lebenssituation ändert — etwa weil das Geld früher gebraucht wird als geplant. Kursbewegungen und Schlagzeilen sind dagegen keine tragfähige Verkaufsbegründung.
Üblicherweise spricht man ab einem Rückgang von 20% vom Höchststand von einem Bärenmarkt. Die Definition ist eine Konvention, keine Prognose — sie sagt nichts darüber, wie tief oder wie lange es weitergeht.
Eine Umschichtung nach einem Einbruch realisiert den Verlust auf der Aktienseite und kauft die defensive Position zu einem Zeitpunkt, an dem sie bereits gut gelaufen ist. Die Aktienquote gehört vor der Krise festgelegt, nicht während.
Sehr unterschiedlich — von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren. Gemeinsam ist den grossen Rückgängen der Vergangenheit, dass breite Aktienmärkte bisher jedes Mal neue Höchststände erreicht haben. Eine Garantie dafür gibt es nicht.
Eine Korrektur bezeichnet üblicherweise einen Rückgang um rund 10%, ein Bärenmarkt oder Crash 20% und mehr. Für dein Verhalten ist die Unterscheidung weniger relevant als die Frage, wann du das Geld brauchst.
Warum Aussteigen und Wiedereinsteigen zwei Entscheidungen sind.
Einordnung bei Rückgängen statt einer Push-Nachricht mit einer roten Zahl.
0.39% Verwaltung plus 0.06% TER im Weltaktienportfolio, wöchentlich investiert — auch im Einbruch.
Zum ETF Sparplan →Dieser Beitrag wurde von Thierry Borgeat, Mitgründer von arvy, verfasst und von Patrick Rissi, CFA, und Florian Jauch, CFA, geprüft.
Disclaimer: arvy AG ist ein von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA bewilligter Verwalter von Kollektivvermögen nach Art. 24 des Kollektivanlagengesetzes (KAG). Dieser Beitrag dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Steuer- oder Rechtsberatung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Die dargestellten Berechnungen sind Modellrechnungen auf Basis der genannten Annahmen und keine Prognose; sie unterstellen eine konstante Rendite und eine monatliche Verzinsung zum nominellen Jahreszins. Die historische Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Anlagen in Aktien unterliegen Kursschwankungen; Verluste bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals sind möglich. Steuerliche Auswirkungen sind kantonal und individuell unterschiedlich — kläre deine Situation mit einer Fachperson ab.