MasterCard, Visa & American Express: Gleich, gleich — aber anders


"Volatilität ist der Eintrittspreis. Der lohnende Preis dafür sind erstklassige langfristige Renditen"
– Morgan Housel, Autor von “The Art of Spending Money”
Mid-Terms.
Mit dem Start ins Jahr 2026 befinden wir uns nun mitten im US-Mid-Term-Zyklus — historisch betrachtet die volatilste Phase eines vierjährigen Präsidentschaftszyklus (Chart 1).
Warum?
Der Haupttreiber ist politischer Lärm. Wenn Politiker um Stimmen kämpfen, steigt die Unsicherheit — und wie wir wissen, ist Unsicherheit das Kryptonit der Aktienmärkte. Märkte hassen Unsicherheit.
Das Drehbuch ist meist dasselbe: Branchen geraten ins Visier, die politisch sensibel sind oder direkt die Schmerzpunkte der Wähler berühren — etwa Versicherungen, Gesundheitswesen oder Konsumfinanzierung.
Ein solches Reizthema?
Explodierende Kreditkarten-Zinsen.
Erst am vergangenen Wochenende forderte Präsident Trump eine einjährige Deckelung der Kreditkarten-Zinsen auf 10 % (derzeit gibt es keine Obergrenze, üblich sind oft 20–30 %), um „den Konsumenten zu schützen“.
Unweigerlich rückt damit alles rund um Kreditkarten ins Rampenlicht.
Welche Unternehmen kommen einem dabei sofort in den Sinn?
American Express (AmEx).
Mastercard.
Visa.
Chart 1: S&P 500 Average Performance Mid-Term Years vs All Years (1946 – 2021)

Fangen wir mit einem Kracher an. Und einer kurzen Erinnerung.
Entgegen der landläufigen Meinung geben Visa und Mastercard keine Kreditkarten aus. Sie stellen das Zahlungsabwicklungssystem bereit. Mit anderen Worten: Sie verarbeiten die Transaktionen, die du tätigst — nicht mehr, nicht weniger.
Das bedeutet, sie haben sehr wenig Risiko, dass Karteninhaber ihre Rechnungen nicht zahlen. Gleichzeitig profitieren sie massiv, wenn die Konsumenten mehr ausgeben. Dieses Modell nennt man „Open Loop“ (Chart 2).
Begrenztes Risiko. Signifikantes Upside-Potenzial.
American Express hingegen gibt Kreditkarten aus — genau wie Banken wie JPMorgan, Bank of America oder in der Schweiz UBS und ZKB. Das bedeutet: AmEx trägt das Risiko, dass Karteninhaber ihre Rechnungen nicht bezahlen.
Im Gegenzug verdient AmEx Zinsen auf verspätete Zahlungen — manchmal bis zu 29,99 %. Das nennt man das „Closed Loop“-Modell (ebenfalls Chart 2).
AmEx verdient nicht nur an Transaktionsgebühren im Netzwerk. Es generiert auch Einnahmen aus Zinsen, Jahresgebühren, Fremdwährungsgebühren und wertsteigernden Dienstleistungen wie Betrugsprävention und Datenanalysen.
Mehr Risiko — aber noch mehr Upside.
Trotzdem ist der primäre Umsatztreiber für alle drei Unternehmen derselbe. Die Zahlungen, die du mit deiner Karte tätigst.
Wie funktioniert das?
Für jede Transaktion verdienen sie etwa 0,15 % bis 0,30 % des Kaufbetrags (AmEx verlangt mehr). Bei einem Kauf von 100 $ sammeln sie also zwischen 0,15 $ und 0,30 $ — egal ob online oder im Laden.
Jetzt fragst du dich vielleicht, warum nicht alle AmEx akzeptieren? Oder warum versuchen Händler oft, dich auf eine andere Karte zu lenken, besonders in der Schweiz?
Ganz einfach.
AmEx erhebt die höchsten Gebühren. Und bei hunderten oder tausenden Transaktionen gilt: ein gesparter Rappen ist ein verdienter Rappen.
Also ja — die Zahlungsnetzwerke sind gleich (MasterCard), gleich (Visa), aber anders (American Express).
Nun, mit Präsident Trump, der versucht, Zinssätze zu deckeln, stellt sich die Frage: Welches Problem will er lösen — und was könnte als Nächstes passieren?
Es berührt einen Kernpfeiler dessen, was viele den American Dream nennen.
Tauchen wir ein.
Chart 2: Geschäftsmodell und Unterschiede von MasterCard, Visa und American Express

Die Wachstumsstory dieser drei Unternehmen ruht auf zwei Säulen.
Erstens: Sie profitieren vom kraftvollen und irreversiblen Trend zu bargeldlosem Bezahlen, der in den kommenden Jahren voraussichtlich um rund 20 % pro Jahr wachsen wird.
Ein interessantes Detail?
Mastercard wird oft zu einem leicht höheren Bewertungsaufschlag gehandelt als Visa, da Mastercard stärker in schnell wachsenden Schwellenländern engagiert ist.
Zweitens: Wachstum hängt vom Konsumenten ab — und davon, wie viel er im Alltag ausgibt.
Die erste Säule ist strukturell. Eines Tages wird physisches Bargeld wahrscheinlich vollständig verschwinden.
Die zweite Säule ist zyklisch — volatiler und ein direkter Spiegel von Konsumvertrauen und Verhalten.
Während der Trend zum bargeldlosen Bezahlen stabil und unvermeidlich ist, steht der Konsum ständig unter Beobachtung — von Ökonomen, Unternehmen, Märkten und natürlich Politikern.
Hier kommt der American Way ins Spiel.
Eine Person kann drei Dinge ausgeben: ihr Gehalt, ihre Ersparnisse und ihr zukünftiges Einkommen.
Der letzte Faktor ist Kredit — das Lebenselixier der US-Wirtschaft. Die Mentalität ist hier grundlegend anders als in der Schweiz. Amerikaner neigen dazu, zu konsumieren, nicht zu sparen.
In der Schweiz erinnern sich Freunde gegenseitig daran, vor Jahresende in die Säule 3a einzuzahlen, um Steuern zu sparen (bei arvy verfügbar neben dem regulären Investieren — und geplant: das Kinderkonto) — und fühlen sich schuldig, wenn sie ein Jahr auslassen.
Doch in den USA? Viele leben von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck.
Wie das Sprichwort sagt: Andere Länder, andere Sitten.
Ein grosser Teil der wirtschaftlichen Aktivität hängt demnach von Schulden ab — Studienkredite, Autokredite und vor allem Kreditkarten (Chart 3) – das ist der American Way.
Rund 46 % der Karteninhaber tragen monatlich Salden mit sich, was erklärt, warum Ausfallraten — und die vorgeschlagene Zinsobergrenze von 10 % — zu politischen Streitpunkten geworden sind.
Das Problem?
Wenn Kreditkartenanbieter gezwungen werden, die Zinsen auf 10 % zu begrenzen, werden sie schnell das Risiko reduzieren und Millionen vom traditionellen Kredit ausschliessen.
Aber hier ist der entscheidende Punkt: Konsumenten werden nicht aufhören zu konsumieren. Sie passen sich an.
Dieser Konsum verschwindet nicht — er wandert. Das naheliegendste Ziel?
Buy Now, Pay Later (BNPL).
Politischer Druck auf Kreditkarten wird zu einem strukturellen Rückenwind für die BNPL-Adoption. Wir haben bereits Rekordwerte bei BNPL während der Feiertage gesehen. Die Nachfrage ist da.
Risikobereitschaft und Leverage sind tief im American Way & Dream verwurzelt.
Beispiel?
Die Gründer von Airbnb hielten das Unternehmen bekanntlich am Leben, indem sie 36 Kreditkarten jonglierten. Heute ist daraus ein 80-Milliarden-Dollar-Unternehmen geworden.
Die Infrastruktur ändert sich. Das Verhalten nicht.
Also, was sagt Mr. Market zum neuesten Lärm?
Spoiler: Uns ist das egal.
Chart 3: Die Ausfallraten bei Verbraucherkrediten sind gestiegen

Vergessen wir nie: Langfristig folgen Aktienpreise den Fundamentaldaten.
Tatsächlich lag die Korrelation zwischen dem S&P 500 und seinem Gewinnwachstum in den letzten drei Jahrzehnten bei 0,98 — fast perfekt.
Kurzfristig dominieren jedoch Lärm und Ablenkung. Dazu gehört auch der politische Lärm rund um die Midterm-Wahlen 2026.
Wir stimmen dem Sprichwort zu: Politische Aktienmärkte haben kurze Beine.
Langfristig geht es jedoch um Profite und Fundamentaldaten.
Genau deshalb halten wir bei arvy an unserer „Good Story & Good Chart“-Investmentphilosophie fest — Unternehmen zu besitzen, die sowohl fundamental als auch technisch über die Zeit stetig, sichtbar und so vorhersehbar wie möglich liefern.
In unserer Sicht ist Qualität die einzige echte Absicherung gegen Unsicherheit.
Ein entscheidender Bestandteil dieses Ansatzes ist Geduld.
Und zu wissen, welche Unternehmen wir besitzen — und warum wir sie besitzen — macht es deutlich einfacher, emotionale Fallstricke, Clickbait-Überschriften und schlechte Nachrichten zu navigieren.
Mastercard und Visa — beide seit sieben Jahren in unserem Portfolio — bestehen diesen Test.
Spekulanten jagen dem Lärm nach. Investoren folgen den Fundamentaldaten.
Merke dir das für das gesamte Jahr 2026.
Chart 4: MasterCard, Visa und American Express in den letzten zehn Jahren
