Der MSCI World: was wirklich drin ist


23 Industrieländer, ein hoher US-Anteil und drei Kritikpunkte, die man kennen sollte — aus Schweizer Sicht.
Der Index umfasst grosse und mittelgrosse börsenkotierte Unternehmen aus 23 Industrieländern. Gewichtet wird nach Marktkapitalisierung im Streubesitz: Je grösser ein Unternehmen und je mehr seiner Aktien frei handelbar sind, desto höher sein Gewicht.
Die Länderliste umfasst Nordamerika, Westeuropa inklusive der Schweiz, Japan, Australien und einige kleinere Märkte. Was fehlt, sind sämtliche Schwellenländer — und die kleinen Unternehmen, die in der Variante mit Small Caps enthalten wären.
Der Name beschreibt die Industrieländer, nicht den Globus. Gemessen an der Bevölkerung bildet der Index einen kleinen Teil der Welt ab, gemessen an der börsenkotierten Marktkapitalisierung einen sehr grossen. Beides stimmt — nur führt der erste Eindruck in die Irre.
Alle folgenden Angaben stammen aus dem Basisinformationsblatt und dem Prospekt des Fonds, nicht aus Sekundärquellen: Der Fonds bildet den MSCI World Index in der Netto-Variante ab, also nach Abzug von Quellensteuern auf Dividenden. Er hält die Titel physisch und strebt an, alle Indexwerte in denselben Anteilen zu halten. Die Erträge werden nicht ausbezahlt, sondern wiederangelegt. Die laufenden Kosten betragen 0.06% pro Jahr. Die Depotbank ist eine irische Gesellschaft. Das regulatorische Risikomass liegt bei 4 von 7.
Damit du sie hier liest und nicht anderswo.
Der US-Anteil. Er liegt bei rund siebzig Prozent. Das ist kein Konstruktionsfehler, sondern das Ergebnis der Gewichtung nach Marktkapitalisierung: US-Unternehmen sind an der Börse am meisten wert. Es bedeutet aber, dass die Entwicklung des Index eng an einem einzigen Land hängt.
Die Konzentration an der Spitze. Die zehn grössten Positionen machen zusammen etwa ein Viertel des Index aus. Über tausend Unternehmen im Korb klingen nach maximaler Streuung; tatsächlich entscheidet eine Handvoll Namen einen erheblichen Teil des Ergebnisses. Diversifikation nach Anzahl ist nicht dasselbe wie Diversifikation nach Risiko.
Die fehlenden Schwellenländer. Ein erheblicher Teil der Weltwirtschaft ist nicht abgebildet. Relativierend gilt: Viele der enthaltenen Konzerne erzielen ihre Umsätze ohnehin global. Wer Schwellenländer trotzdem will, nimmt einen breiteren Index oder einen separaten Baustein — die Abwägung steht in MSCI World, FTSE All-World oder ACWI.
Deutsche Ratgeber beantworten die MSCI-World-Frage anders, als sie für dich beantwortet werden muss. Drei Punkte, die dort fehlen.
Das Fondsdomizil wirkt hier besonders stark. Weil rund siebzig Prozent des Index US-Aktien sind, entscheidet die US-Quellensteuer auf Dividenden spürbar mit. Ein in Irland domizilierter Fonds zahlt darauf 15% statt 30%. Der Effekt liegt in der Grössenordnung von 0.15% bis 0.19% pro Jahr — mehr, als viele Anleger überhaupt an Gebühren vergleichen.
Kapitalgewinne sind steuerfrei. Der Wertzuwachs eines MSCI-World-Fonds wird bei dir nicht als Einkommen besteuert. Steuerbar sind der Depotwert und die Erträge — auch bei thesaurierenden Fonds. Details in ETF Sparplan Steuern Schweiz.
Der Franken ist deine Referenzwährung. Der Index notiert überwiegend in Fremdwährung. Über lange Zeiträume hat sich eine Absicherung für Schweizer Aktienanleger nicht ausgezahlt, weil die Kosten den Nutzen aufzehren.
Der Index ist derselbe, die Umsetzung nicht. Vier Merkmale entscheiden.
Der arvy ETF Sparplan bildet den Weltaktienmarkt mit zwei Bausteinen ab: rund 88% Industrieländer und rund 12% Schwellenländer, beide physisch replizierend und thesaurierend, zusammen 0.06% Produktkosten. Dazu kommt die Verwaltungsgebühr von 0.39% — zusammen 0.45% all-in im Profil Wachstum. Welche Fonds das konkret sind, steht auf Die Bausteine.
Ein Aktienindex, der grosse und mittelgrosse Unternehmen aus 23 Industrieländern abbildet, gewichtet nach Marktkapitalisierung im Streubesitz. Schwellenländer und kleine Unternehmen sind nicht enthalten.
Über tausend, wobei sich die genaue Zahl laufend ändert, weil Unternehmen aufgenommen und entfernt werden. Massgebend ist immer das Factsheet des konkreten Fonds mit Stichtag, nicht eine Zahl aus einem Artikel.
Weil der Index nach Marktkapitalisierung gewichtet und US-Unternehmen an der Börse am meisten wert sind. Das ist kein Fehler in der Konstruktion, sondern ihre Konsequenz. Wer das Klumpenrisiko reduzieren will, muss bewusst davon abweichen.
Ja, die Schweiz gehört zu den 23 Industrieländern. Ihr Gewicht entspricht dem Anteil der Schweizer Unternehmen an der Marktkapitalisierung der Industrieländer und ist entsprechend klein.
Ja, und aus zwei Gründen sogar besonders: Kapitalgewinne sind für Privatanleger steuerfrei, und bei irischem Fondsdomizil halbiert sich die US-Quellensteuer auf Dividenden. Beides sind Schweizer Besonderheiten, die deutsche Ratgeber nicht abdecken.
Für viele Anlegerinnen und Anleger ja, sofern der Anlagehorizont lang genug ist und ein Notgroschen daneben besteht. Wer Schwellenländer, kleine Unternehmen oder eine tiefere US-Quote will, ergänzt bewusst — muss dann aber regelmässig nachjustieren.
0.39% Verwaltung plus 0.06% Produktkosten, wöchentlich investiert, irisches Fondsdomizil.
Dieser Beitrag wurde von Thierry Borgeat, Mitgründer von arvy, verfasst und von Patrick Rissi, CFA, und Florian Jauch, CFA, geprüft.
Disclaimer: arvy AG ist ein von der FINMA bewilligter Verwalter von Kollektivvermögen nach Art. 24 KAG. Dieser Beitrag dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Steuer- oder Rechtsberatung dar. Alle Beträge sind Richtwerte und hängen von Kanton, Gemeinde und persönlicher Situation ab. Die historische Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.