MSCI World, FTSE All-World oder ACWI?


Was die drei unterscheidet, was sie gemeinsam haben und worauf es aus Schweizer Sicht wirklich ankommt.
Alle drei bilden den globalen Aktienmarkt ab, nur mit unterschiedlicher Reichweite.
| MSCI World | MSCI ACWI | FTSE All-World | |
|---|---|---|---|
| Industrieländer | ja, 23 | ja, 23 | ja |
| Schwellenländer | nein | ja | ja |
| Small Caps | nein | nein | nein |
| Anzahl Titel | am wenigsten | mittel | am meisten |
| US-Anteil | am höchsten | etwas tiefer | etwas tiefer |
Titelzahlen und Ländergewichte ändern sich laufend mit den Marktkapitalisierungen. Die jeweils aktuellen Werte stehen im Factsheet des konkreten Fonds, nicht in einem Artikel.
Der MSCI World ist der engste der drei: Industrieländer, grosse und mittlere Unternehmen. Kein China, kein Indien, kein Brasilien.
Der MSCI ACWI nimmt dieselben Industrieländer und ergänzt sie um Schwellenländer. Er ist damit der MSCI World plus Emerging Markets in einer Anlage.
Der FTSE All-World deckt ebenfalls beides ab, definiert die Grenze zwischen mittleren und kleinen Unternehmen aber etwas anders und enthält deshalb mehr Einzeltitel. Zusätzlich stuft FTSE einzelne Länder anders ein als MSCI — Südkorea ist das bekannteste Beispiel.
Alle drei Indizes gewichten nach Marktkapitalisierung. Das bedeutet: Die grössten Unternehmen der Welt dominieren jeden von ihnen — und es sind in allen dreien dieselben.
Der Schwellenländeranteil in ACWI und All-World liegt im tiefen zweistelligen Prozentbereich. Selbst wenn diese Märkte ein Jahr lang deutlich anders laufen als die Industrieländer, verschiebt das die Gesamtrendite nur um wenige Zehntelprozente. Die zusätzlichen Titel im FTSE All-World sind noch kleiner gewichtet und fallen praktisch nicht ins Gewicht.
Über lange Zeiträume lagen die drei Indizes nahe beieinander. Mal lag der eine vorn, mal der andere — abhängig davon, ob Schwellenländer gerade besser oder schlechter liefen als Industrieländer. Wer eine dieser drei Anlagen dreissig Jahre hält, wird das Ergebnis nicht an der Indexwahl festmachen können.
Wenn die Indexwahl wenig ausmacht, was macht dann viel aus? Vier Dinge, alle davon unabhängig von der Frage World gegen ACWI gegen All-World.
Das Fondsdomizil. Ein in Irland domizilierter Fonds zahlt auf US-Dividenden 15% statt 30% Quellensteuer. Weil US-Aktien in allen drei Indizes den grössten Block ausmachen, wirkt das in der Grössenordnung von 0.15% bis 0.19% pro Jahr — deutlich mehr als der typische Renditeunterschied zwischen den Indizes. Details in Irische ETF: 15% statt 30%.
Die Tracking Difference. Sie misst, wie weit die tatsächliche Fondsrendite von der Indexrendite abweicht, und enthält mehr als die TER. Zwei Fonds auf denselben Index können sich hier spürbar unterscheiden.
Die Kosten rund um den Kauf. Fremdwährungsaufschlag und Stempelabgabe fallen bei jeder Einzahlung an. Bei einem Sparplan belasten sie das Ergebnis dauerhaft — unabhängig davon, welchen Index du gewählt hast.
Ob du dabeibleibst. Der grösste Hebel überhaupt, und der einzige, den keine Indexdiskussion adressiert.
Die letzte Variante ist die aufwendigste, weil sie Nachjustieren erfordert — und Nachjustieren kostet Stempelabgabe, Handelsspanne und Währungswechsel. Warum eine Position oft günstiger ist als mehrere, steht in Ein Weltaktienportfolio.
Der arvy ETF Sparplan bildet die gesamte Welt ab, aber nicht über einen einzigen Fonds: rund 88% Industrieländer und rund 12% Schwellenländer, entsprechend der Gewichtung im ACWI. Der Grund ist der Preis — zwei Bausteine kosten zusammen 0.06% statt 0.12% bis 0.20% für eine Einzellösung. Die Einzelheiten stehen auf Die Bausteine.
Der ACWI enthält zusätzlich Schwellenländer, der MSCI World nur Industrieländer. Ansonsten sind die Methodik und die grössten Positionen weitgehend identisch. Der Schwellenländeranteil im ACWI liegt im tiefen zweistelligen Prozentbereich.
Beide decken Industrie- und Schwellenländer ab. Der FTSE All-World enthält mehr Einzeltitel, weil FTSE die Grenze zu den kleinen Unternehmen anders zieht, und stuft einzelne Länder anders ein als MSCI. Die Renditeunterschiede waren historisch gering.
Notwendig ist es nicht, sinnvoll kann es sein. Ein Industrieländerindex bildet einen erheblichen Teil der Weltwirtschaft nicht ab. Umgekehrt sind viele Umsätze der grossen Indexunternehmen ohnehin global. Wer Schwellenländer will, bekommt sie am einfachsten über ACWI oder All-World in einer Anlage.
Das erlaubt eine eigene Gewichtung, verlangt aber regelmässiges Nachjustieren. Jede Umschichtung kostet Stempelabgabe, Handelsspanne und gegebenenfalls Währungswechsel. Wer die Gewichtung nicht bewusst steuern will, fährt mit einer Anlage einfacher und günstiger.
Das hängt vollständig vom Zeitraum ab. Mal lagen Industrieländer vorn, mal Schwellenländer. Weil alle drei von denselben grossen Unternehmen dominiert werden, waren die Unterschiede über lange Zeiträume gering. Eine Prognose lässt sich daraus nicht ableiten.
Weniger als die meisten annehmen. Fondsdomizil, Tracking Difference, Fremdwährungsaufschläge und vor allem das eigene Durchhaltevermögen wirken stärker auf das Endergebnis als die Entscheidung zwischen diesen drei Indizes.
Der arvy ETF Sparplan bildet Industrie- und Schwellenländer ab — 0.39% Verwaltung plus 0.06% Produktkosten.
Dieser Beitrag wurde von Thierry Borgeat, Mitgründer von arvy, verfasst und von Patrick Rissi, CFA, und Florian Jauch, CFA, geprüft.
Disclaimer: arvy AG ist ein von der FINMA bewilligter Verwalter von Kollektivvermögen nach Art. 24 KAG. Dieser Beitrag dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Steuer- oder Rechtsberatung dar. Alle Beträge sind Richtwerte und hängen von Kanton, Gemeinde und persönlicher Situation ab. Die historische Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.