Nintendo: KI ersetzt keine ikonischen Welten


"Nintendos Mission ist es, Menschen glücklich zu machen, Menschen zum Lächeln zu bringen."
– Satoru Iwata, ehemaliger Präsident von Nintendo
Genie 3.
Der nächste grosse Sprung in der KI?
Genie 3 ist DeepMinds neues World Model (DeepMind gehört zu Alphabet, also Google). Ein KI-System, das aus einfachen Texteingaben vollständig interaktive, physikalisch konsistente Welten erschafft — in Echtzeit.
Auf gut Deutsch: Du beschreibst eine Welt. Die KI baut ein spielbares Universum.
Das reiht sich ein in eine Serie jüngster KI-Schockmomente:
Das Schlachtfeld ist immer dasselbe: Was ist echte Disruption — und was ist nur rhetorische Übertreibung?
Mit Genie 3 traf diese Frage sofort die Gaming-Industrie. Aktien wie Take-Two, CD-Projekt, Ubisoft, Unity und Roblox wurden kräftig abverkauft (Chart 1).
Die Logik dahinter ist simpel: Wenn KI die Kosten und die Komplexität der Spieleentwicklung drastisch senkt, fallen die Eintrittsbarrieren. Und es gibt kaum etwas Gefährlicheres für ein Geschäftsmodell als den Verlust seines ökonomischen Burggrabens.
Aber eine Firma wurde dabei aus unserer Sicht zu Unrecht abgestraft. Denn bei ihr wird KI den Burggraben nicht schwächen — sondern verstärken. Warum? Weil es eine Sache gibt, die KI nicht erschaffen oder ersetzen kann.
Generationen emotionaler Bindung. Geliebte Charaktere. Ikonische Welten.
Und welche Firma besitzt all das?
Nintendo.
Chart 1: Gaming-Aktien unter Druck nach der Veröffentlichung von Project Genie

Kaum ein Sektor ist so fruchtbar für das nächste grosse Ding wie Technologie. Hier entstehen Innovation, Wachstum und neue Geschichten.
Doch genau darin liegt auch die grösste Schwäche. Technologie ist der Sektor, der am anfälligsten für Disruption ist. Alle haben Zugang zu denselben Tools. Alle bewegen sich schnell. Alle innovieren permanent.
Das zwingt jedes etablierte Unternehmen in einen Day-1-Modus. Denn etwas Besseres könnte jederzeit um die Ecke kommen.
Genau hier werden ökonomische Burggräben (Moats) entscheidend.
Die Klassiker kennt jeder:
Doch ein Burggraben wird oft unterschätzt — und ist vielleicht der mächtigste von allen:
immaterielle Vermögenswerte.
Dazu zählen geistiges Eigentum, regulatorische Lizenzen, Patente und Marken. Assets, die sich nicht kopieren lassen — selbst nicht mit unbegrenztem Kapital.
Und genau hier betritt Nintendo die Bühne.
Während viele Gaming-Unternehmen einzelne Titel entwickeln, besitzt Nintendo einige der wertvollsten Medien-Franchises der Welt (Chart 2). Und diese reichen weit über Videospiele hinaus — in Filme, Merchandise und sogar Freizeitparks (Super Nintendo World & PokéPark Kanto der gerade am 5. Februar 2026 eröffnet wurde, OMG, "I'm not crying, you're crying"…).
Ein gutes Ego-Shooter oder ein Open-World-Game kann kopiert, verbessert oder ersetzt werden. Spieler kommen wegen Gameplay und Story.
Aber Pokémon bleibt Pokémon. Es wird nie eine zweite Version des „Pocket Monsters“-Moments geben. Super Mario — Power Stars sammeln, Prinzessin Peach vor Bowser retten — ist in die Kindheit ganzer Generationen eingebrannt. Zelda hat mit seinen Welten, Quests und Geschichten eine globale, generationsübergreifende Community geschaffen.
Diese Art von emotionaler Bindung lässt sich nicht klonen. Und KI wird diesen Burggraben nicht angreifen. Sie wird ihn nicht aushöhlen. Sie wird den Wert von Nintendos Welten nicht schmälern.
Im Gegenteil.
In einer Zeit beschleunigten technologischen Wandels werden Burggräben wichtiger, nicht unwichtiger. Und Nintendo zeigt leise, aber bestimmt seine Stärke.
Für sie bedeutet KI niedrigere Produktionskosten, kürzere Entwicklungszyklen und mehr Releases.
Und es gibt weitere Hinweise darauf, wie tief dieser Burggraben wirklich ist…
Chart 2: Nintendo besitzt einige der wertvollsten Medien-Franchises der Welt
(Super Mario, Pokémon, Zelda & Co.)

Vielleicht erinnerst du dich: Wir nennen Nintendo oft Walt Disney 2.0. Und ja, das ist ein Kompliment. Nintendo kopiert hemmungslos, was in Disneys erfolgreichster Ära funktioniert hat, besonders ab 2011.
Disney hatte das perfekte Flywheel.
Filme erzeugten Interesse an Freizeitparks. Freizeitparks trieben Merchandise an. Merchandise stärkte die Filme. Sprich: Alles verstärkte sich gegenseitig.
Nintendo baut gerade denselben Motor.
Mit seinem allerersten Film, The Super Mario Bros. Movie, landete Nintendo einen Blockbuster, der weit über Gaming hinausging. Weltweit spielte er 1,4 Milliarden Dollar ein und übertraf Franchises wie Harry Potter oder Herr der Ringe auf Titelsebene. Aktuell liegt er auf Rang 17 aller Zeiten auf Box Office Mojos Lifetime-Gewinnliste. Und das war erst der Anfang.
Im April 2026 kommt der zweite Film: The Super Mario Galaxy Movie. Ja, mit Yoshi (siehe Cover).
Der Trailer geht schon jetzt viral.
Die Erwartungen?
Extrem hoch.
Erfolg schafft Selbstvertrauen. Und für das erste Mal seit Jahren scheint Nintendos Management bereit, Risiko bewusst einzugehen.
Genau der Move, den wir lieben. Aber es hört nicht bei Filmen auf.
Pokémon wird ab dem 27. Februar 2026 offiziell als LEGO-Franchise erscheinen (Chart 3). Klar, eine Reminiszenz an Disneys LEGO-Erfolge mit Star Wars und Marvel.
Und der von Pokémon unterstützte Burggraben bringt noch etwas viel Mächtigeres mit sich: Sammlerstatus.
Beispiel?
Das Pokémon-Sammelkartenspiel-Ökosystem. Es ist eine Liga für sich.
Unsere Freunde bei Splint Invest – keine Werbung, nur Fans, die die Community supporten 😊 – zeigen regelmässig, dass Pokémon-Sammelkarten Wachstumsraten von über 20 % pro Jahr erzielen. Für alle, die neugierig sind: Das aktuelle Angebot an Fossil 1st Edition Booster Boxes ist einen Blick wert (wie schon kurz am Anfang erwähnt).
Alles zusammen unterstreicht einen zentralen Punkt: Nintendos Burggraben basiert auf immateriellen Vermögenswerten — ikonische Franchises, emotionale Bindung, kulturelle Relevanz.
KI kann die Entwicklung beschleunigen. KI kann die Produktion optimieren. KI kann Kosten senken. Aber KI kann nicht Mario replizieren. KI kann Pokémon nicht erfinden. Und sie kann Jahrzehnte voller Nostalgie nicht herstellen.
Das ist die „Good Story“.
Aber, wie immer, Mr. Market hat seine eigene Meinung.
Also… schauen wir uns den „Good Chart“ an.
Chart 3: Bisaflor, Glurak und Turtok als Pokémon-LEGO Set (6 838 Teile)

Du erinnerst dich an die drei mächtigsten Chartmuster in der technischen Analyse:
Wir begannen, uns in Nintendo zu positionieren, nachdem der Ausbruch über die jahrzehntelange Widerstandszone 2025 gelungen war.
Was darauf folgte, sehen wir nach grossen Breakouts immer wieder.
Ein gesunder Retest.
Die ehemalige Resistance — die bisherigen Allzeithochs von 2007/08 und 2021/22 — wird nun als Unterstützung getestet.
Das ist ein Kernprinzip der Marktstruktur: Solange der Kurs unter der Resistance bleibt, wirkt sie wie eine Decke. Sobald dieser Widerstand durchbrochen wird, wechselt er oft die Rolle und wird zur Unterstützung.
Die „Good Story“ ist bereits vorhanden — ikonische Franchises, starke IP und ein Geschäft, das weiterhin Gesichter über Generationen hinweg zum Lächeln bringt.
Jetzt wird vom „Good Chart“ verlangt, diese Story zu bestätigen.
Hält diese Unterstützung, wird Überzeugung belohnt.
Chart 4: Nintendo ADR (NTDOY) über die letzten zwei Jahrzehnte, Cup-with-Handle
