Die 3. Säule des Schweizer Sozialsystems: Die Unterschiede zwischen Säule 3a und 3b verstehen

Juni 30, 2023 4 Minuten Lesezeit

 

arvy's Teaser: Die AHV kannst du nicht beeinflussen. Bei der PK hast du ein paar Hebel. Aber die dritte Säule? Die gehört dir. Vollständig. Wie viel du einzahlst, wo du es anlegst, wie du es beziehst – alles deine Entscheidung. Und genau deshalb ist die 3. Säule der grösste finanzielle Hebel, den du als Schweizerin oder Schweizer hast. Hier ist alles, was du wissen musst.


Warum die 3. Säule existiert: Die Vorsorgelücke

AHV und Pensionskasse sollen zusammen rund 60% deines letzten Einkommens abdecken. Die meisten Menschen brauchen aber 80–90%, um ihren Lebensstandard zu halten. Diese Lücke – 20–30% deines Einkommens – ist die Vorsorgelücke. Und die schliesst nur die 3. Säule.

Bei einem letzten Einkommen von CHF 120'000 sind das CHF 24'000–36'000 pro Jahr, die fehlen. Über 20 Jahre Rente: CHF 480'000–720'000. Das ist kein Kleingeld.


Säule 3a vs. 3b: Der Unterschied auf einen Blick

  Säule 3a (gebunden) Säule 3b (frei)
Steuervorteil Einzahlung Ja – voll absetzbar Nein
Maximalbetrag 2026 CHF 7'258 (mit PK) Unbegrenzt
Bezug Frühestens 5 J. vor Rente* Jederzeit
Besteuerung bei Bezug Kapitalauszahlungssteuer (reduziert) Steuerfrei (bei Kapitalversich.)
Vermögenssteuer Befreit Normal besteuert
Ertragssteuer Befreit Normal besteuert
*Ausnahmen: Hauskauf (WEF), Auswanderung, Selbständigkeit, Invalidität

Die Kurzversion: Die 3a hat den Steuervorteil, die 3b hat die Flexibilität. Für die meisten Menschen gilt: Zuerst die 3a ausschöpfen, dann freies Investieren (das ist im Grunde die moderne 3b).


Säule 3a im Detail: Der Star des Systems

Die Steuerersparnis – dein sofortiger Gewinn

Jeder Franken, den du in die 3a einzahlst, senkt dein steuerbares Einkommen. Der Effekt ist sofort, jedes Jahr, und je nach Kanton und Einkommen beträchtlich:

Steuerersparnis nach Kanton (CHF 7'258 Einzahlung, Grenzsteuersatz ~30–40%)

Zürich: ~CHF 2'200/Jahr
Bern: ~CHF 2'500/Jahr
Genf: ~CHF 2'800/Jahr
Zug: ~CHF 1'500/Jahr

Über 35 Jahre (Zürich): ~CHF 77'000 Steuerersparnis – allein durch Einzahlen. Dazu kommt die Rendite auf das investierte Kapital.

Neu ab 2026: Nachträgliche Einkäufe

Eine der wichtigsten Neuerungen: Ab 2026 kannst du für verpasste Jahre ab 2025 nachträglich in die Säule 3a einzahlen – bis 10 Jahre rückwirkend. Hattest du 2025 kein Einkommen oder hast den Maximalbetrag nicht ausgeschöpft? Ab 2026 kannst du die Lücke füllen. Das ist ein Gamechanger für alle, die Lücken durch Studium, Auslandaufenthalt oder Teilzeit haben.

Sparkonto vs. investierte 3a – der CHF 200'000-Unterschied

Hier passiert der teuerste Fehler der Schweiz. Über 60% der 3a-Gelder liegen auf einem Sparkonto mit 0.5–1.5% Zins. Investiert wären es 4–6% Rendite. Über 35 Jahre:

Variante Endvermögen nach 35 Jahren
3a-Sparkonto (1% Zins) ~CHF 300'000
3a investiert (5% Rendite) ~CHF 510'000
Unterschied ~CHF 210'000
CHF 7'258/Jahr, 35 Jahre. Illustration, keine Garantie.

CHF 210'000 Unterschied. Gleiche Einzahlung. Gleiche Zeit. Der einzige Unterschied: investiert statt auf dem Konto geparkt. (→ 3a-Vergleich: Bank, Versicherung oder App?)

Mehrere 3a-Konten: Die Staffelungsstrategie

Beim Bezug der 3a wird eine einmalige Kapitalauszahlungssteuer fällig. Diese Steuer ist progressiv – je mehr du im selben Jahr beziehst, desto höher der Steuersatz. Die Lösung: 3–5 separate 3a-Konten, die du gestaffelt über mehrere Jahre beziehst. Steuerersparnis: CHF 10'000–25'000. (→ Steueroptimierung Schweiz)


Säule 3b: Die flexible Ergänzung

Die 3b ist im Grunde «alles andere» – jede Form des privaten Sparens und Investierens ohne die steuerliche Privilegierung der 3a. Dazu gehören: Bankkonten, Wertschriftenportfolios, Kapitallebensversicherungen, Immobilien als Anlage.

Für die meisten modernen Anleger ist die 3b weniger relevant als «freies Investieren» – also Geld, das du über die 3a hinaus in ein Wertschriftenportfolio investierst. Kein Maximalbetrag, keine Sperrfrist, volle Flexibilität. (→ Die Macht des Sparplans)


Die optimale Strategie: 3a + freies Investieren

Der Schweizer Vermögensaufbau-Plan

Schritt 1: 3a maximieren (CHF 7'258/Jahr = CHF 605/Monat) – investiert, nicht Sparkonto
Schritt 2: PK-Einkäufe prüfen (wenn steuerlich sinnvoll)
Schritt 3: Alles darüber: freies Investieren per Sparplan
Schritt 4: Steuerersparnis aus 3a → direkt ins freie Investieren

Beispiel (CHF 100'000 Einkommen): CHF 605/Mt. in 3a + CHF 600/Mt. freies Investieren = CHF 1'205/Mt.
Nach 30 Jahren (~6% Rendite): ~CHF 1'220'000
Davon eingezahlt: CHF 434'000. Zinseszins: CHF 786'000.

«Die 3a ist der einzige Ort, wo du Rendite bekommst UND vom Staat belohnt wirst. Nutze ihn zuerst. Dann investiere alles darüber.»


Die häufigsten Fehler bei der 3. Säule

❌ 3a auf dem Sparkonto lassen – Kostet dich CHF 200'000+ über ein Leben

❌ 3a-Versicherungspolice abschliessen – Hohe versteckte Kosten, mangelnde Flexibilität, schwer kündbar. Trenne Sparen und Versichern. (→ 3a-Vergleich)

❌ Nur ein 3a-Konto haben – Ohne Staffelung zahlst du bei Bezug CHF 10'000–25'000 zu viel Steuern

❌ Nicht den Maximalbetrag einzahlen – Jedes verpasste Jahr = verpasste Steuerersparnis + verpasster Zinseszins

❌ Zu spät anfangen – 10 Jahre später starten kostet dich CHF 150'000–300'000 (→ Die wahren Kosten des Wartens)


Deine 3. Säule in die Hand nehmen.

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Disclaimer: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar. Zahlen basieren auf den gesetzlichen Grundlagen 2026 und können sich ändern. Steuerersparnisse variieren nach Kanton. arvy ist ein von der FINMA beaufsichtigter Vermögensverwalter.