Die 7 häufigsten Sparplan-Fehler

September 4, 2026 5 Minuten Lesezeit
  • Die teuersten Fehler beim Sparplan sind Verhaltensfehler, keine Auswahlfehler. Pausieren im Crash kostet mehr als jede Gebührendifferenz.
  • Zu viele Bausteine sind kein Mehr an Diversifikation, sondern meistens nur mehr Überschneidung bei höheren Kosten.
  • Der häufigste Fehler von allen ist das Warten auf den richtigen Zeitpunkt. Er kostet Jahre, nicht Prozente.
Ein Sparplan ist so einfach gebaut, dass fast alles, was schiefgehen kann, ausserhalb des Produkts passiert.

Wer regelmässig investiert, hat den schwierigsten Teil bereits erledigt. Trotzdem gibt es eine überschaubare Zahl von Mustern, die immer wieder auftreten und über Jahrzehnte erhebliche Beträge kosten. Hier sind sie, geordnet nach Schadenspotenzial.

01Pausieren, wenn die Kurse fallen

Das ist mit Abstand der teuerste Fehler. Er dreht das Prinzip um: Du hörst genau dann auf zu kaufen, wenn derselbe Betrag am meisten Anteile bringt.

Was das kostet, lässt sich beziffern. Wer bei CHF 500 monatlich über 30 Jahre eine Pause von 24 Monaten einlegt und den Betrag nie nachholt, verzichtet auf rund CHF 43'000 — bei ausgefallenen Einzahlungen von CHF 12'000. Der Rest ist entgangene Verzinsung über die Restlaufzeit.

Wichtig ist die Unterscheidung: Pausieren, weil das Budget es verlangt, ist eine legitime Entscheidung. Pausieren aus Angst ist die Umkehrung des Mechanismus. Wer reduzieren muss, senkt besser den Betrag, statt ganz auszusetzen.

02Auf den richtigen Einstiegszeitpunkt warten

Der Fehler, der am schwersten zu bemerken ist, weil er nach Vorsicht aussieht. Wer mit dem Start wartet, bis die Kurse günstiger sind, wartet in der Regel Jahre — und startet dann zu höheren Kursen als jenen, die ihm ursprünglich zu teuer waren.

Der Preis ist nicht in Prozent messbar, sondern in Zeit. Und Zeit ist beim Zinseszins die stärkste Variable: CHF 200 monatlich ab dreissig ergeben mehr als CHF 500 monatlich ab fünfundvierzig — bei tieferer Gesamteinzahlung.

03Zu viele Bausteine

Sieben ETFs sind nicht diversifizierter als einer, wenn sie sich überschneiden. Ein Welt-ETF, ein Europa-ETF, ein Technologie-ETF und ein Nachhaltigkeits-ETF enthalten in weiten Teilen dieselben Unternehmen — nur mit vier Positionen, vier Kostenquoten und deutlich mehr Aufwand.

Zusätzliche Bausteine sind sinnvoll, wenn sie eine bewusste Entscheidung abbilden: ein dosierter Schweiz-Anteil, weil man einen Teil des Vermögens in der eigenen Währung halten will, oder eine Schwellenländerquote, weil ein Industrieländerindex diese Märkte nicht abbildet. Nicht sinnvoll ist Ergänzen, um die Anzahl zu erhöhen.

04Der Performance hinterherlaufen

Der ETF mit der besten Dreijahresrendite ist selten der mit der besten der nächsten drei Jahre. Wer regelmässig umschichtet, kauft systematisch nach starken Phasen und verkauft nach schwachen — die zuverlässigste Methode, unter der Marktrendite zu landen.

Genau diese Lücke messen Vanguard, Morningstar und Dalbar: rund 1% bis 1.5% pro Jahr zwischen dem, was Fonds liefern, und dem, was Anleger davon behalten.

05Nur auf die Verwaltungsgebühr schauen

Eine tiefe Verwaltungsgebühr mit teuren Produkten darunter ist kein günstiges Angebot. Vergleichbar ist nur die Summe aus Verwaltung und Produktkosten.

Dazu kommen die Posten, die selten in Tabellen stehen: Fremdwährungsaufschläge bei jedem Kauf, fixe Ausführungsgebühren, die kleine Sparraten prozentual stark belasten, und die Quellensteuer im Fonds, die vom Fondsdomizil abhängt. Der Vergleich mit allen Positionen steht in ETF Sparplan Vergleich Schweiz.

06Ohne Notgroschen investieren

Ein Sparplan ohne Liquiditätspuffer ist ein Sparplan mit eingebauter Sollbruchstelle. Kommt eine unerwartete Ausgabe, muss verkauft werden — und unerwartete Ausgaben häufen sich erfahrungsgemäss in denselben Phasen, in denen auch die Märkte schwach sind.

Drei bis sechs Monatsausgaben auf einem jederzeit verfügbaren Konto sind kein verschenktes Kapital. Sie sind die Bedingung dafür, dass der Rest langfristig investiert bleiben kann.

07Zu oft ins Depot schauen

Die Wahrscheinlichkeit, ein Aktienportfolio an einem beliebigen Tag im Minus zu sehen, liegt nahe bei der Hälfte. Über zehn Jahre ist sie historisch sehr klein. Wer täglich nachschaut, erlebt vor allem Schwankung; wer quartalsweise nachschaut, erlebt vor allem Entwicklung.

Das ist kein Aufruf zur Nachlässigkeit. Eine jährliche Überprüfung von Sparrate, Zielen und Aufteilung ist sinnvoll. Was nichts bringt, ist die tägliche Kursbeobachtung — sie erzeugt Handlungsdruck ohne Informationsgewinn.

08Häufige Fragen

Was ist der teuerste Fehler beim ETF-Sparplan?

Das Pausieren oder Auflösen während eines Markteinbruchs. Es verhindert die günstigsten Käufe und verwandelt Buchverluste in permanente. Über Jahrzehnte kostet dieses Muster mehr als jede Gebührendifferenz.

Wie viele ETFs sollte ein Sparplan enthalten?

Meist genügt ein breiter Weltindex. Zusätzliche Bausteine sind sinnvoll, wenn sie eine bewusste Entscheidung abbilden — etwa ein dosierter Heimatanteil oder Schwellenländer. Mehr Positionen bedeuten nicht automatisch mehr Diversifikation.

Soll ich meinen Sparplan regelmässig umschichten?

Nein. Umschichten nach Performance führt systematisch dazu, teuer zu kaufen und günstig zu verkaufen. Eine jährliche Überprüfung von Sparrate und Aufteilung genügt.

Wie oft sollte ich mein Depot kontrollieren?

Für die meisten reicht eine jährliche Überprüfung. Häufigeres Nachschauen erhöht vor allem die wahrgenommene Schwankung und damit den Druck, etwas zu unternehmen.

Ist es ein Fehler, nur einen einzigen ETF zu halten?

Nein, sofern es ein breiter Weltindex ist. Ein einzelnes Instrument mit über tausend Unternehmen ist stärker diversifiziert als vier sich überschneidende Themenprodukte. Mehr Positionen sind nicht automatisch mehr Streuung.

Soll ich pausieren, wenn der Markt auf Allzeithoch steht?

Nein. Steigende Märkte produzieren laufend neue Höchststände; ein Allzeithoch ist historisch kein schlechter Einstiegszeitpunkt. Wer auf einen Rückgang wartet, wartet im Durchschnitt zu lange und kauft später teurer.

Wie oft sollte ich rebalancieren?

Bei einem einzelnen Weltindex gar nicht — er gewichtet sich selbst. Erst bei mehreren Bausteinen wird Rebalancing zum Thema, und dann genügt einmal jährlich oder bei grösseren Abweichungen von der Zielquote.

Ist es ein Fehler, den Sparplan zu erhöhen statt einmalig zu investieren?

Nein, beides ist sinnvoll. Ausserordentliche Zuflüsse sollten allerdings sofort investiert werden und nicht über eine erhöhte Monatsrate langsam einfliessen — das verlängert nur die Zeit, in der das Geld unangelegt bleibt.

09Weiterlesen

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Wie regelmässiges Investieren richtig aufgesetzt wird.

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Aufbau

Wie zusätzliche Bausteine sinnvoll gewichtet werden.

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Dieser Beitrag wurde von Thierry Borgeat, Mitgründer von arvy, verfasst und von Patrick Rissi, CFA, und Florian Jauch, CFA, geprüft.

Disclaimer: arvy AG ist ein von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA bewilligter Verwalter von Kollektivvermögen nach Art. 24 des Kollektivanlagengesetzes (KAG). Dieser Beitrag dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Steuer- oder Rechtsberatung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Die dargestellten Berechnungen sind Modellrechnungen auf Basis der genannten Annahmen und keine Prognose; sie unterstellen eine konstante Rendite und eine monatliche Verzinsung zum nominellen Jahreszins. Die historische Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Anlagen in Aktien unterliegen Kursschwankungen; Verluste bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals sind möglich. Steuerliche Auswirkungen sind kantonal und individuell unterschiedlich — kläre deine Situation mit einer Fachperson ab.

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