Tesla vs. Alphabet: Wenn zwei sich um autonome Fahrzeuge streiten, freut sich der Dritte


"Ich habe gerade ein Waymo benutzt, weil ihr es mir empfohlen habt. Es war die bequemste Taxifahrt aller Zeiten, sanft, kein Robotergefühl, ruhig und entspannend"
– Tim, ein arvy-App-Nutzer seit dem ersten Tag, antwortet auf unser In-App-Update zum Robotaxi-Rennen
arvy's Teaser: Das Robotaxi-Rennen ist echt - Tesla und Alphabet liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Doch während sich die beiden Giganten um Hardware und Code streiten, freut sich der Dritte, Uber, im Stillen und baut die Plattform, die so oder so gewinnt.
AVs.
Oder ausgeschrieben: Autonomous Vehicles.
Was früher wie reine Science-Fiction klang, steht heute kurz vor dem Massenstart. Und wie so oft, spielt sich das Spektakel in den USA ab. In Städten wie San Francisco und Austin sind fahrerlose Fahrzeuge längst Realität. Sie rollen leise durch den Verkehr, holen Fahrgäste ab, liefern Pakete — als wäre es das Normalste der Welt. Was jahrelang belächelt wurde, ist plötzlich da.
Viele wollten mitmischen. Viele sind gescheitert. Einige hatten nie die nötige Technologie, andere sind an der Realität zerbrochen.
Aber jetzt ist etwas passiert. Wir sind auf der exponentiellen Kurve angekommen. Dort, wo Sci-Fi schneller Realität wird, als viele mitkommen. Ein Beispiel: Waymo, einer der Pioniere, fährt mittlerweile 250’000 Fahrten pro Woche — allein in den USA. Tesla hat am 22. Juni in Austin seinen Robotaxi-Ride-Hailing-Service offiziell gestartet. Und andere wie Volkswagen (mit dem ID. Buzz AD) oder Amazon (via Zoox) stehen bereit, um nachzuziehen. Was hier entsteht, ist mehr als nur Technologie. Es ist ein komplett neues Geschäftsmodell: Transportation-as-a-Service.
Also, schauen wir genauer hin. Für den Moment (Chart 1) gibt es drei ernstzunehmende Player: Waymo von Alphabet, Teslas Robotaxi und — man glaubt es kaum — Uber.
Letzteres könnte am Ende der stille Gewinner sein.
Doch eins nach dem anderen.
Chart 1: Alphabets $200K Waymo vs. Teslas $37K Robotaxi

Source: X
Robotaxis? Keine Zukunftsmusik mehr. Sie sind längst da — und Waymo, eine Tochter von Alphabet, fährt vorneweg.
Seit 2017 rollen Waymo-Fahrzeuge durch San Francisco, Phoenix, Los Angeles und Austin. Mittlerweile zählt man über 250’000 Fahrten pro Woche und insgesamt mehr als 10 Millionen bezahlte Rides (Chart 2).
Die Flotte?
Besteht aktuell aus rund 1’500 Jaguar I-Pace. Kein Massenausbau — die Fahrzeuge sind teuer. Aber der Fortschritt ist spürbar.
Wir alle haben die Waymo-Autos schon mal gesehen.
Leise, gleitend, ohne Fahrer. Kein Lenkrad, das sich durch Menschenhand dreht. Und doch funktioniert alles — ruhig, präzise, sicher. Unsere arvy-Community hat’s selbst erlebt (Shoutout an Tim 😉).
Doch wie genau funktioniert das eigentlich? Und warum kostet so ein Auto über 200’000 Dollar?
Zeit für einen Blick unter die Haube.
Waymo setzt auf einen hardware-intensiven Ansatz: 29 Kameras, 5 LiDAR-Sensoren (misst Entfernungen mit Laserlicht und erstellt somit dreidimensionale Karten und Modelle), 6 Radare, ultra-genaues GPS, vorab kartierte, 3D-gerenderte Routen.
Das Zusammenspiel dieser Komponenten ergibt etwas Besonderes. Ein Auto, das die Strasse nicht nur sieht — sondern versteht. Es fährt nicht einfach, es folgt einem digitalen Bauplan der Realität.
Das Ergebnis?
Sicherheit. Und zwar echte.
Waymos Performance in Austin ist beachtlich. Die Fahrzeuge sind produktiver als 99 % aller menschlichen Taxi-Fahrer. Und wenn es um Sicherheit geht, liefert Waymo erste harte Daten: 88 % weniger schwere Unfälle im Vergleich zu menschlichen Fahrern auf denselben Strecken.
Keine Müdigkeit, keine Ablenkung, keine Fehler aus Stress oder Eile. Nur Präzision.
Klingt nach Hype? Nein — es passiert bereits.
Trotzdem gibt es für Investoren einen Haken. Waymo ist kein eigenständiges AV-Investment, sondern nur eine kleine, verlustbringende Einheit innerhalb von Alphabet. Spannend, ja. Aber eben nur ein Baustein im Alphabet-Universum.
Fazit: Waymo ist aktuell der Goldstandard für Robotaxi-Sicherheit.
Das Setup ist aufwändig, teuer — aber es liefert.
Während andere (wie Tesla) auf kostengünstigere Systeme setzen, die ausschliesslich auf Bildverarbeitung basieren, baut Waymo seine eigene technologische Vorherrschaft auf. Und in einer Welt, in der Vertrauen das höchste Gut ist, gewinnt die Sicherheit.
Zumindest heute trägt Waymo noch die Krone.
Doch jetzt drehen wir das Blatt.
Leichter. Schlanker. Schneller.
Chart 2: Waymo zeigt keine Anzeichen einer Verlangsamung - auf dem Vormarsch in Kalifornien

Source: Visual Capitalist
Jetzt betritt Tesla die Bühne.
Und zwar mit einem komplett anderen Ansatz. Während Waymo seine Fahrzeuge mit Sensoren überlädt, setzt Tesla auf radikale Simplizität: 9 Kameras, kein LiDAR, kein Radar, dafür eine Menge AI.
Elons Vision?
“Vision-only autonomy” — also ein autonomes System, das die Welt rein über Kameras erfasst und versteht.
Wie funktioniert das?
Stell dir einen Menschen hinterm Steuer vor: Augen (Kameras) + Gehirn (AI). Genau so denkt Tesla.
Das Fahrzeug sieht in Echtzeit, analysiert und reagiert — ganz ohne vorab kartierte Routen oder High-Definition-Maps. Das Ziel ist ein einziges Modell, das überall fahren kann. Ohne Einschränkungen. Ohne lokale Anpassung.
Und jetzt kommt der Gamechanger.
Der Preis.
Ein Tesla Robotaxi? $37’490.
Das sind über 80 % günstiger als Waymos $200’000. Und es ist nicht nur für Tesla selbst gedacht.
Elons Idee?
Du kaufst das Auto. Fährst morgens zur Arbeit. Parkst es. Und während du im Büro sitzt, sammelt dein Tesla Passagiere auf — verdient Geld, ganz automatisch. Um 18 Uhr? Steht es wieder vor der Tür, bereit zur Heimfahrt.
Dein Auto als Side Hustle.
Kein Kostenfaktor mehr – sondern eine Geldmaschine auf vier Rädern. Klingt futuristisch? Das Pilotprogramm läuft bereits.
Doch es gibt einen Haken.
Teslas System ist noch in der Lernphase. Es ist schnell, flexibel, skalierbar — aber nicht fehlerfrei. Baustellen, Nebel, grelles Licht? Edge Cases, mit denen sich das System noch schwertut. Ohne LiDAR oder präzises Mapping muss alles durch AI gelöst werden. Und das ist nicht ganz auf Waymo-Niveau, wenn es um Sicherheit geht.
Kritiker sehen Tesla daher noch hinter den konservativeren Systemen wie Waymo — vor allem in Sachen Robustheit und Unfallschutz.
Und für Anleger?
Volatilität pur.
Aktuell ein KGV von 160 (Chart 3). Ein Unternehmen im Dauerfeuer zwischen Fanboys, Shortsellern und Elons Tweet-Launen.
Aber wenn Tesla es schafft?
Dann verändert es nicht nur das Spiel — es schreibt die Regeln neu. Günstig. Massentauglich. Menschlich. Nicht nur ein Upgrade – sondern eine Revolution.
Doch was, wenn der wahre Gewinner nicht der Autobauer ist…
… sondern der, der die Fahrten vermittelt?
Chart 3: Teslas Bewertung (KGV)

Source: Koyfin
Während sich Waymo und Tesla um die Krone der Robotaxi-Welt duellieren, könnte der wahre Gewinner längst feststehen: Uber.
Warum?
Weil Uber keine Autos bauen muss – es baut nur das Netzwerk.
Ein cleveres Spiel: Asset-Light, Plattform-First – und mit einer Nettogewinnmarge von satten 27 % (!). Uber agiert in einem Ride-Hailing-Markt, der aktuell $58 Milliarden gross ist – und bis 2030 auf $330 Milliarden anwachsen soll.
Und Uber hat sich längst strategisch positioniert. Kooperation mit Waymo? Läuft. Nutzer in Austin und Phoenix können bereits direkt über die Uber-App autonom fahren lassen. Uber verdient dabei bis zu 30 % pro Fahrt – ganz ohne eigenes Fahrzeug.
Erst diese Woche kündigte Uber eine mehrjährige Partnerschaft mit dem chinesischen Unternehmen Baidu an.
Volkswagen steht als nächster Partner bereit.
Tesla? Nicht ausgeschlossen.
Und dann kommt Ubers echter Joker. 171 Millionen Nutzer. 1,2 Milliarden App-Downloads. Zum Vergleich hat Waymo nur 2 Millionen Downloads. Und die Tesla-App? 21 Millionen.
Denn so genial die Technologie auch sein mag – ohne Passagiere sind Robotaxis nichts weiter als teure Parkplätze auf Rädern.
In der neuen Mobilitätswelt gilt: Netzwerk schlägt Hardware.
Natürlich gibt es Risiken. Teslas potenzielle $1.10 pro Meile könnten langfristig Uber’s $2 Durchschnittspreis unterbieten.
Aber bei arvy denken wir anders. Mehr Robotaxis = mehr Angebot = günstigere Fahrten = mehr Nachfrage. Ein wachsender Markt, in dem alle profitieren können. Der Schwungrad-Effekt lässt grüssen.
So sitzt Uber elegant in der mittleren Spur – während Tesla und Waymo sich um die Überholspur streiten. Es kassiert die Mautgebühren, nicht die Unfallrisiken.
Oder wie das Sprichwort sagt: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.
Und im Robotaxi-Goldrausch? Da ist Uber vielleicht nicht der Goldsucher…
…sondern der, der die Schaufeln verkauft.
Chart 4: Tesla, Alphabet und Uber über die letzten fünf Jahre

Source: TradingView