The Nvidia Way


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arvy's Teaser: 1993 trafen sich drei Ingenieure in einem Denny's-Restaurant in San Jose. 30 Jahre später war das Unternehmen, das sie gründeten, $3 Billionen wert — mehr als das gesamte BIP Frankreichs. Nvidias Geschichte handelt nicht nur von GPUs oder KI. Es geht um einen Leader, der sein Unternehmen absichtlich «30 Tage vor dem Untergang» hielt, der gescheiterte Produkte in Treibstoff verwandelte und auf Märkte wettete, die noch nicht existierten. Tae Kims Buch ist eine Blaupause dafür, wie Quality Investing von innen aussieht.
The Nvidia Way (2024) von Tae Kim verfolgt Nvidia von der Gründung durch Jensen Huang, Curtis Priem und Chris Malachowsky über katastrophale frühe Fehlschläge (NV1, NV2), Gaming-Dominanz (GeForce), die CUDA-Revolution, die GPUs in Allzweck-Superrechner verwandelte, bis zur KI-Explosion, die Nvidia zum wertvollsten Unternehmen der Erde machte. Im Kern ist das Buch eine Studie über Jensen Huangs Führungsstil — intensiv, transparent, Ingenieur-first und obsessiv anti-komplacent.
Tae Kim · 2024 · Tech, Führung & KI
Jensen Huang führt Nvidia, als stünde das Unternehmen immer kurz vor dem Tod. Das ist keine Metapher — es ist eine bewusste kulturelle Strategie. Selbst als Nvidia Gaming-GPUs dominierte, selbst als Datacenter-Umsätze sich jährlich verdoppelten, bestand Huang darauf: «Wir sind 30 Tage davon entfernt, pleite zu gehen.»
Die Wirkung: Niemand bei Nvidia ruht sich aus. Ingenieure liefern schneller. Entscheidungen fallen in Tagen, nicht Quartalen. Produktmisserfolge werden sofort analysiert. Das Unternehmen verhält sich wie ein Startup — selbst bei $3 Billionen Marktkapitalisierung.
Unternehmen, die sich wohlfühlen, werden langsamer. Sie fügen Management-Ebenen hinzu. Sie optimieren für Konsens statt Geschwindigkeit. Nvidias permanente Paranoia verhindert das alles.
Sei vorsichtig bei Unternehmen, die sich sicher fühlen. Die besten Compounder bewahren Dringlichkeit in jeder Wachstumsphase. Wenn du CEO-Briefe und Earnings Calls liest, höre auf Dringlichkeit — nicht auf Feierlichkeiten. Unternehmen, die zu viel feiern, werden bereits langsamer.
Nvidias wichtigste strategische Entscheidung fiel 2006, als fast niemand es bemerkte. Huang investierte massiv in CUDA — eine Programmierplattform, die GPUs für allgemeine Berechnungen nutzbar machte, nicht nur für Grafik. Den Markt dafür gab es nicht. Wissenschaftler fragten nicht danach. Wall-Street-Analysten stellten die Ausgaben in Frage.
Aber Huang sah, was andere übersahen: GPUs waren im Grunde massiv parallele Prozessoren. Wenn man sie für allgemeine Aufgaben programmierbar machen konnte, konnten sie wissenschaftliches Rechnen, Datenverarbeitung und — irgendwann — künstliche Intelligenz beschleunigen. CUDA schuf das Ökosystem. Als Deep Learning in den 2010ern explodierte, war Nvidia das einzige Unternehmen mit der Hardware und dem Software-Stack. Der KI-Boom wählte nicht Nvidia. Nvidia hatte 15 Jahre lang das Fundament gebaut.
Die besten Compounder reagieren nicht nur auf Nachfrage — sie erschaffen sie. Apple erschuf die Smartphone-Nachfrage. Amazon erschuf die Cloud-Computing-Nachfrage. Nvidia erschuf die GPU-beschleunigte KI-Nachfrage. Frage bei Unternehmen: Baut dieses Unternehmen die Infrastruktur für das nächste Jahrzehnt, oder optimiert es für das aktuelle? (→ Engines That Move Markets)
Nvidias Wettbewerbsvorteil sind nicht nur die Chips. Es ist die Kultur. Huang führt das Unternehmen mit einer berühmt flachen Struktur — keine Middle-Management-Ebenen, direkte Feedback-Schleifen, Ingenieure berichten direkt an die Führung. Er liest persönlich «Top-5»-E-Mails von Mitarbeitenden aus dem ganzen Unternehmen und umgeht jede Bürokratie-Ebene.
Das Ergebnis: Nvidia trifft Entscheidungen schneller als Unternehmen, die ein Zehntel so gross sind. Engineering-Talent bleibt, weil es Ownership und direkten Impact hat. Und die Kultur verstärkt sich selbst — die besten Ingenieure wollen mit anderen grossartigen Ingenieuren arbeiten, was ein Talent-Schwungrad erzeugt, das Wettbewerber nicht einfach replizieren können.
Man kann ein Produkt kopieren. Man kann keine Kultur kopieren, deren Aufbau 30 Jahre gedauert hat.
Kultur ist der dauerhafteste Wettbewerbsburggraben. Patente laufen aus. Produkte werden kopiert. Aber eine Kultur der Dringlichkeit, des Ownerships und der Engineering-Exzellenz braucht Jahrzehnte zum Aufbau und kann nicht akquiriert werden. Bei der Suche nach Qualitäts-Compoundern: Schau über das Produkt hinaus — schau auf die Organisation. (→ Quality Investing)
| Nvidia-Lektion | Schweizer Anleger-Anwendung |
|---|---|
| Paranoia > Komplacenz | Qualitätsunternehmen bleiben hungrig. Lies CEO-Briefe auf Dringlichkeit und Ehrlichkeit, nicht nur Optimismus. Die besten Leader sprechen über Bedrohungen, nicht nur Chancen. |
| Märkte erschaffen, nicht folgen | Die grössten Renditen kommen von Unternehmen, die die Infrastruktur für das nächste Jahrzehnt bauen. In den 2020ern-2030ern: KI, Halbleiter, Energiewende. arvys Qualitätsportfolio zielt genau auf diese langfristigen Compounder. |
| Kultur als Burggraben | Schweizer Unternehmen wie Nestlé, Roche und ABB haben Kulturen, die seit über einem Jahrhundert compoundern. Kultur ist der Burggraben, der nicht abgeschrieben wird. |
Was überzeugt: Kim fängt ein, was Nvidia aussergewöhnlich macht — nicht die Chips, sondern das Betriebssystem des Unternehmens selbst. Die Huang-Charakterstudie ist fesselnd: ein CEO, der Engineering-Tiefe mit visionärer Strategie und kompromissloser Umsetzung verbindet. Wer verstehen will, wie ein Qualitätsunternehmen von innen aussieht, findet es hier.
Was fehlt: Das Buch bewundert bis zum Exzess — es gibt fast keine kritische Auseinandersetzung mit Nvidias Schwächen, regulatorischen Risiken, Kundenkonzentration oder der Möglichkeit, dass der KI-Investitionszyklus abkühlen könnte. Auch die Konkurrenz durch AMD und Custom-KI-Chips von Google, Amazon und Microsoft wird weitgehend ignoriert.
Was wir ergänzen würden: Nvidia ist eine Quality-Investing-Fallstudie: breiter Burggraben (CUDA-Ökosystem-Lock-in), Preissetzungsmacht, R&D-Führerschaft und eine Kultur, die compoundert. Aber selbst Nvidia ist nicht immun gegen Zyklen. Die Lektion: Investiere in Qualität, aber diversifiziere immer über 25-30 Unternehmen. Keine einzelne Aktie — egal wie aussergewöhnlich — sollte dein ganzes Portfolio sein.
1. Permanente Paranoia ist ein Wettbewerbsvorteil. Unternehmen, die sich sicher fühlen, werden bereits langsamer.
2. Die grössten Renditen kommen von Unternehmen, die Märkte erschaffen — nicht von Unternehmen, die ihnen hinterherrennen.
3. Kultur ist der Burggraben, der nicht kopiert werden kann. Engineering-Exzellenz, Geschwindigkeit und Ownership verzinsen sich wie Kapital.
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Breite Burggraben. Engineering-Kultur. Langfristige Vision. 30 Qualitätsunternehmen, die die Zukunft erschaffen statt ihr hinterherzulaufen. Ab CHF 1/Monat.
Dieser Artikel wurde von Florian Jauch, CFA, Co-Founder von arvy, verfasst und von Thierry Borgeat und Patrick Rissi, CFA, geprüft.
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