The Simple Path to Wealth

April 25, 2026 6 Minuten Lesezeit
The Simple Path to Wealth von JL Collins — Was Schweizer Anleger daraus lernen (und wo arvy weitergeht) | arvy Book Club

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arvy's Teaser: JL Collins schrieb dieses Buch als Briefe an seine Teenager-Tochter. Er wollte ihr beibringen, was die Schule nie lehrt: wie Geld funktioniert. Die Briefe wurden ein Blog. Der Blog wurde die Bibel der FIRE-Bewegung. Und das Buch — «The Simple Path to Wealth» — wurde zum meistempfohlenen Finanzbuch der Financial-Independence-Community weltweit. Die These: Gib weniger aus als du verdienst, investiere den Rest in einen einzigen Indexfonds, verkaufe nie im Crash. Das war's. Aber ist diese radikale Einfachheit auch für Schweizer Anleger richtig — und wo geht arvy einen Schritt weiter?


Das Buch auf 60 Sekunden

The Simple Path to Wealth (2016) von JL Collins destilliert Jahrzehnte Börsenerfahrung in eine aggressiv einfache Formel: Gib weniger aus als du verdienst. Vermeide Schulden. Investiere den Überschuss in einen breit gestreuten, kostengünstigen Indexfonds. Halte ihn für immer. Collins empfiehlt konkret den Vanguard Total Stock Market Index Fund (VTSAX) — einen Fonds, der in rund 4'000 US-Unternehmen investiert. Sein Argument: 82% der aktiv gemanagten Fonds underperformen diesen Index. Warum also versuchen, den Markt zu schlagen? Das Buch ist kein technischer Anlageratgeber. Es ist ein philosophisches Manifest für Einfachheit, Geduld und die Freiheit, die entsteht, wenn Geld aufhört, ein Problem zu sein.

JL Collins · 2016 · Die Bibel der FIRE-Bewegung
Kein deutscher Titel — das Buch ist auf Englisch erschienen


Idee 1: F-You Money — warum finanzielle Unabhängigkeit das eigentliche Ziel ist

Collins eröffnet mit seinem mächtigsten Konzept: «F-You Money» — genug Vermögen, damit Arbeit optional wird. Nicht Luxus. Nicht Ferraris. Sondern Freiheit. Die Freiheit, einen schlechten Job zu verlassen. Die Freiheit, Nein zu sagen. Die Freiheit, Entscheidungen aus Überzeugung statt aus Notwendigkeit zu treffen.

Die Rechnung: Deine jährlichen Ausgaben × 25 = dein «F-You»-Ziel. Bei CHF 60'000 Jahresausgaben brauchst du CHF 1.5 Millionen. Klingt viel — ist aber mit einem konsequenten Sparplan und dem Zinseszins über 20–30 Jahre erreichbar.

«Der Aktienmarkt ist das mächtigste Werkzeug zur Vermögensbildung, das je erfunden wurde. Aber nur für diejenigen, die die Nerven haben, es zu nutzen — und nie im Crash zu verkaufen.»
Die Investoren-Lektion

Collins' «F-You Money»-Konzept ist die beste Motivation zum Investieren, die wir kennen. Nicht «du solltest sparen» — sondern «du solltest frei sein.» Das Ziel ist nicht ein Kontostand. Das Ziel ist ein Leben, in dem du nicht mehr von einem Gehalt abhängig bist. Für Schweizer Anleger ist das besonders realistisch: steuerfreie Kapitalgewinne, hohe Gehälter, tiefe Inflation. Die Schweiz ist das Land, in dem «F-You Money» am schnellsten erreichbar ist. (→ Investitionsrechner)


Idee 2: Ein Fonds. Für immer. — Die radikale Einfachheit des Indexinvestierens

Collins' Kernempfehlung: Investiere 100% deines Vermögens in der Aufbauphase in einen einzigen Indexfonds — den Vanguard Total Stock Market Index Fund (VTSAX). Kein Stockpicking. Kein Market Timing. Keine Sektorwetten. Keine alternativen Anlagen. Ein Fonds. Fertig.

Sein Argument in drei Schritten: Erstens, 82% der aktiv gemanagten Fonds underperformen den Index. Zweitens, die Gebühren aktiver Fonds fressen über Jahrzehnte einen Drittel des Vermögens. Drittens, der Index ist «selbstreinigend» — schwache Unternehmen fallen raus, starke steigen auf. Du musst nie entscheiden, wann du kaufst oder verkaufst.

Collins' Ansatz arvy's Ansatz
100% in einen US-Indexfonds (VTSAX)Core-Satellite: passiver Core (iShares IWQU) + aktiver Satellite (arvy Quality Fund)
Nur US-Markt, keine internationale DiversifikationGlobal diversifiziert — 25–35 Qualitätsunternehmen weltweit
Keine Selektion — der gesamte Markt, inklusive schwacher UnternehmenQualitätsselektion — nur Unternehmen mit hoher Kapitalrendite, stabilen Cashflows, breiten Wettbewerbsvorteilen
Tiefste Kosten als oberstes KriteriumFaire Kosten + bessere risikoadjustierte Rendite als oberstes Kriterium
Die Investoren-Lektion

Collins hat recht, dass Einfachheit mächtig ist und dass die meisten aktiven Fonds ihren Index nicht schlagen. Aber sein US-Fokus ist ein Klumpenrisiko — die «Magnificent 7» machen heute ~30% des S&P 500 aus. Und sein «kaufe alles»-Ansatz bedeutet, dass du auch die schwächsten Unternehmen im Index besitzt. arvy's Core-Satellite-Ansatz kombiniert Collins' Einfachheit (passiver Core) mit gezielter Qualitätsselektion (aktiver Satellite). Das Beste beider Welten: breite Diversifikation + Fokus auf die besten Unternehmen. (→ Quality Investing verstehen)


Idee 3: Verkaufe nie im Crash — die Psychologie des Durchhaltens

Collins' emotionalste und wichtigste Lektion: Der Aktienmarkt wird abstürzen. Mehrmals in deinem Leben. Und jedes Mal wird es sich anfühlen wie das Ende der Welt. Verkaufe trotzdem nie.

Er durchlebt die Geschichte: Der Nasdaq verlor 78% nach dem Dotcom-Crash. Der S&P 500 fiel 57% in der Finanzkrise. Jedes Mal erholte sich der Markt — und erreichte neue Höchststände. Wer durchgehalten hat, wurde belohnt. Wer verkauft hat, hat den Verlust zementiert.

Collins' Argument: Crashes sind keine Ausnahmen. Sie sind der Preis, den du für langfristige Renditen zahlst. Wer diesen Preis nicht zahlen will, bekommt die Rendite nicht. So einfach ist das.

Die Investoren-Lektion

Das ist die Lektion, die Morgan Housel in Psychology of Money vertieft und die James Clear in Atomic Habits systematisiert: Durchhalten ist wichtiger als Optimieren. Ein automatisierter Sparplan hilft, weil er die Entscheidung entfernt. Du investierst jeden Monat — im Boom und im Crash. Kein Timing, kein Bauchgefühl, kein Panikverkauf. Nur der Zinseszins, der leise arbeitet.


Was das für Schweizer Anleger bedeutet

Collins' Prinzip Schweizer Anwendung
«F-You Money» = 25× JahresausgabenBei CHF 60'000 Jahresausgaben: CHF 1.5 Mio. Ziel. CHF 1'500/Monat über 30 Jahre bei 7% = CHF 1.83 Mio. In der Schweiz realistischer als fast überall sonst — dank steuerfreier Kapitalgewinne und hoher Sparfähigkeit.
VTSAX — ein US-IndexfondsVTSAX ist für Schweizer Anleger nicht ideal (Währungsrisiko USD/CHF, US-Quellensteuer, kein Schweizer Domizil). arvys Alternative: ein global diversifizierter Qualitätsansatz in CHF — mit Schweizer Domizil und FINMA-Aufsicht.
Tiefste Kosten über allesCollins hat recht: Gebühren fressen Rendite. Aber die billigste Option ist nicht immer die beste. Ein Qualitätsfonds, der in Crashs weniger verliert und über den Zyklus besser performed, ist die Gebühr wert — wenn die Netto-Rendite stimmt. (→ arvy Gebühren)
Verkaufe nie im CrashDie beste Art, nie im Crash zu verkaufen: automatisiere die Entscheidung. Ein Sparplan investiert am 1. des Monats — egal ob der Markt steigt oder fällt. Das ist Collins' Philosophie, umgesetzt in ein System. (→ Sparplan starten)

arvy's Take

Was hält: Collins' Buch ist die beste Einführung in passives Investieren, die existiert. Seine Kernbotschaften — gib weniger aus als du verdienst, vermeide Schulden, investiere den Rest, halte durch — sind zeitlos. Das «F-You Money»-Konzept allein ist die Lektüre wert. Und seine Fähigkeit, komplexe Themen in Briefe an seine Tochter zu destillieren, macht das Buch zugänglich wie kein zweites.

Was fehlt: Der US-Fokus ist Collins' grösste Schwäche. VTSAX investiert ausschliesslich in US-Aktien. Für einen Schweizer Anleger mit CHF-Einkommen, CHF-Ausgaben und CHF-Hypothek ist ein rein US-Dollar-Portfolio ein unnötiges Währungsrisiko. Ausserdem ignoriert Collins die Konzentration im US-Markt: Die «Magnificent 7» dominieren den Index mit Bewertungen, die historisch regelmässig schlecht endeten (→ Engines That Move Markets). Und die 4%-Entnahmeregel basiert auf US-Daten — sie ist für Schweizer Verhältnisse (andere Inflation, andere Steuern, andere Lebenshaltungskosten) nicht eins zu eins übertragbar.

Was wir ergänzen: Collins sagt: kaufe den ganzen Markt. arvy sagt: kaufe die besten Teile des Marktes. Nicht alles im Index verdient dein Geld. Qualitätsunternehmen mit hoher Kapitalrendite, stabilen Cashflows und breiten Wettbewerbsvorteilen haben historisch den breiten Markt geschlagen — mit weniger Risiko. arvys Core-Satellite-Ansatz kombiniert Collins' Einfachheit mit Qualitätsselektion: der passive Core liefert die breite Marktrendite, der aktive Satellite die Überrendite. Einfach genug, um durchzuhalten. Intelligent genug, um besser abzuschneiden.


3 Sätze zum Merken

1. «F-You Money» ist nicht Luxus — es ist Freiheit. 25× deine Jahresausgaben, investiert in Qualitätsunternehmen, bedeutet: Arbeit wird optional. In der Schweiz ist dieses Ziel realistischer als fast überall sonst.

2. 82% der aktiv gemanagten Fonds underperformen den Index. Aber das heisst nicht, dass 100% Indexinvestieren die beste Lösung ist — Qualitätsselektion kann den Index schlagen, mit weniger Risiko.

3. Der Aktienmarkt wird abstürzen. Mehrmals in deinem Leben. Die richtige Antwort ist immer dieselbe: nicht verkaufen. Ein automatisierter Sparplan macht diese Antwort zum System.


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Auch im Book Club: Psychology of Money → · Engines That Move Markets → · Rich Dad Poor Dad → · Atomic Habits →


Einfach genug, um durchzuhalten. Intelligent genug, um besser abzuschneiden.

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Dieser Artikel wurde geschrieben von Thierry Borgeat, Co-Founder von arvy, und geprüft von Patrick Rissi, CFA, und Florian Jauch, CFA.

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