Über 90% der aktiven Fonds schlagen ihren Index nicht


arvy's Teaser: «Über 90% der aktiven Fonds schlagen ihren Index nicht.» Diese Zahl beendet in der Schweiz jede Anlagediskussion, bevor sie beginnt. Im Mai 2026 haben drei Finanzprofessoren den Report nachgerechnet, aus dem sie stammt — und drei Rechenregeln gefunden, die das Bild systematisch verzerren. Korrigiert man sie, sind es 55%. Aber die eigentliche Erkenntnis ist eine andere, und sie trifft Schweizer Anleger härter als alle anderen.
Sprich in der Schweiz über Anlegen, und du hörst sie innerhalb von zwei Minuten. In jedem YouTube-Video, in jedem Reddit-Thread, auf jeder Finfluencer-Folie:
«Über 90% der aktiven Fonds schlagen ihren Index nicht.»
Die Quelle ist fast immer SPIVA — «S&P Indices Versus Active», seit 2002 halbjährlich veröffentlicht von S&P Dow Jones Indices. Der Report ist sauber gemacht und über Jahrzehnte konsistent. Er hat eine Debatte entschieden, die vorher offen war, und er hat der Branche eine Menge Demut beigebracht, die sie dringend nötig hatte.
Nur: Wie die Zahl zustande kommt, hat sich fast niemand angeschaut. Bis jetzt.
Im Mai 2026 haben Martijn Cremers (University of Notre Dame), Jon Fulkerson (Dayton) und Timothy Riley (Arkansas) den SPIVA-Report für 2024 nachgerechnet. Cremers ist dabei keine Randfigur — er hat die Kennzahl «Active Share» entwickelt, mit der die Branche überhaupt erst misst, wie aktiv ein Fonds ist.
Sie fanden drei Entscheidungen, die das Ergebnis systematisch in eine Richtung ziehen.
Fonds werden geschlossen oder fusioniert — ständig. SPIVA behandelt jeden Fonds, der aus der Stichprobe fällt, als Underperformer. Egal, wie er bis dahin gelaufen ist. Über 20 Jahre verschwindet ein grosser Teil aller Fonds. Die 90-Prozent-Quote ist damit zu einem erheblichen Teil eine Aussage über Fondsschliessungen, nicht über Anlageergebnisse.
SPIVA zählt Fonds, nicht Franken. Real steckt die Mehrheit des Geldes in einer kleinen Zahl grosser Fonds. Ein Nischenprodukt und ein Flaggschiff bewegen die Statistik identisch — obwohl im zweiten Fall tausendmal mehr Anlegergeld betroffen ist. Was dich interessiert, ist nicht, wie viele Fonds verlieren, sondern wie viel Geld verliert.
Ein Index kostet null. Keine Gebühr, keine Transaktionskosten, kein Tracking Error, keine Steuern. Kaufen kannst du ihn nicht — kaufen kannst du einen ETF, und der kostet Geld. SPIVA misst also gegen eine Fiktion, nicht gegen deine echte Alternative.
Quelle: Cremers, Fulkerson, Riley (SSRN, Mai 2026), eigene Darstellung.
Aus «praktisch keiner schafft es» wird «etwa jeder zweite Franken schafft es nicht». Das ist eine andere Aussage. Nicht das Gegenteil — aber eine andere.
Anleihenindizes gewichten nach ausstehender Schuld. Wer am meisten Schulden hat, bekommt das grösste Gewicht im Index. Denk kurz darüber nach: Bei Aktien gewichtest du nach Marktwert — also nach dem, was der Markt für wertvoll hält. Bei Anleihen gewichtest du nach dem, was jemand am meisten geliehen hat. Das ist eine Konstruktionsschwäche, die ein denkender Manager ausnutzen kann. Ein Index kann es nicht — er muss den grössten Schuldner am stärksten kaufen. Deshalb dreht das Vorzeichen bei Anleihen von 71% Underperformance auf 37%.
Bevor jetzt jemand die Champagnerflasche für aktives Management öffnet: Auch nach der Korrektur verliert bei US-Aktien die Mehrheit des Anlegergeldes. 55% sind weniger als 92% — aber 55% sind über der Hälfte. Wer aus dieser Studie «aktiv gewinnt» macht, hat sie nicht gelesen.
Die interessantere Frage ist eine andere: Wen misst SPIVA da eigentlich?
Antwort: alles, was sich «aktiv» nennt. Und genau da liegt das Problem.
Cremers hat das in einer internationalen Studie über 30 Länder untersucht. Das Mass ist der Active Share.
Active Share misst, wie stark ein Portfolio vom Index abweicht — Position für Position. 100% heisst: keine einzige Überlappung mit dem Index. 0% heisst: exakt der Index. Unter 60% gilt ein Fonds als Closet Indexer — ein verkappter Indexfonds, der aktive Gebühren verlangt und passive Ergebnisse liefert.
Das Resultat für die Schweiz ist unbequem:
Closet Indexing im Ländervergleich
Über 50% der Vermögen in Schweizer Aktienfonds stecken in Closet Indexern.
USA: 13% · International: 38% · Schweiz: über 50%
Anteil der Vermögen in Aktienfonds mit Active Share unter 60%. Quelle: Cremers, Ferreira, Matos, Starks (JFE), eigene Darstellung.
Was das bedeutet: Ein grosser Teil dessen, was SPIVA als «aktives Management» misst, ist ein Index mit Aufschlag. Diese Produkte müssen verlieren. Sie halten praktisch den Index und ziehen 1 bis 1.5% Gebühren ab. Das ist keine gescheiterte Anlagestrategie — das ist Arithmetik.
Und es ist genau das Produkt, das dir am Bankschalter am wahrscheinlichsten verkauft wird.
Trennt man beide Gruppen, wird das Bild deutlich:
Hoher Active Share allein reicht nicht. Cremers' Arbeit zu «Patient Capital» zeigt: Wer viel handelt, verliert — auch mit hohem Active Share. Ein Manager, der 60 überzeugte Positionen hält und sie alle vier Monate austauscht, verbrennt seinen eigenen Vorteil in Transaktionskosten und Timing-Fehlern.
Erst die Kombination trägt: hohe Abweichung vom Index plus Haltedauern über zwei Jahre. Diese Gruppe schlug ihre Benchmark um über 2% pro Jahr.
Die Trennlinie verläuft nicht zwischen aktiv und passiv. Sie verläuft zwischen überzeugt und beliebig.
Das ist die eigentliche Erkenntnis der ganzen Debatte — und sie ist unbequem für beide Lager. Für die Fondsbranche, weil die Mehrheit ihrer Produkte auf der falschen Seite der Linie steht. Für das Index-Lager, weil «aktiv verliert» als pauschale Aussage schlicht nicht mehr trägt, sobald man die verkappten Indexfonds heraustrennt.
Jetzt kommt die Zahl, über die kaum jemand spricht — und sie ist für deine Rendite wichtiger als die gesamte SPIVA-Diskussion.
Dalbar misst seit Jahrzehnten, was Anleger tatsächlich verdienen — nicht was der Markt liefert. J.P. Morgan wertet diese Daten regelmässig aus. Über die 20 Jahre von 2003 bis 2022:
J.P. Morgan / Dalbar QAIB, 20 Jahre 2003–2022
Der S&P 500 machte ~10% pro Jahr.
Der durchschnittliche Anleger machte ~3.6%.
6.4 Prozentpunkte pro Jahr — fast zwei Drittel der Marktrendite.
Lies das nochmal. Nicht 6.4% weniger — 6.4 Prozentpunkte, jedes Jahr, über zwanzig Jahre. Verloren, ohne dass ein einziger Fondsmanager einen Fehler gemacht hätte. Die Lücke entsteht durch Kaufen und Verkaufen zum falschen Zeitpunkt. Nach dem Anstieg rein, nach dem Einbruch raus. Und durch Geld, das nach einem Crash jahrelang auf dem Konto liegen bleibt, während die Erholung ohne dich stattfindet.
Zum Vergleich: Die gesamte SPIVA-Debatte dreht sich um Renditeunterschiede von ein bis zwei Prozentpunkten. Die Behaviour Gap ist um ein Vielfaches grösser als alles, worüber aktiv-vs-passiv je gestritten hat.
Weil zwei unterschiedlich strenge Massstäbe existieren — und du beide kennen solltest.
Dalbar (6.4 Prozentpunkte) vergleicht die tatsächliche Rendite des Durchschnittsanlegers mit dem Index. Darin steckt alles: falsches Timing, Gebühren, Cash-Bestände, Anleihen im Portfolio, verpasste Erholungen. Es ist die Lücke, die der Anleger real im Depot spürt.
Morningstar (1.2 Prozentpunkte) vergleicht die Anlegerrendite mit der Rendite derselben Fonds — und isoliert damit ausschliesslich das Timing. Über zehn Jahre bis Ende 2024, über 25'000 Fonds: Fonds 8.2%, Anleger 7.0%.
Die ehrliche Spanne liegt also zwischen 1.2 und über 6 Prozentpunkten, je nachdem, wie viel man dem Anleger zurechnet. Selbst am unteren Ende ist es die grösste einzelne Kostenposition im Portfolio der meisten Menschen.
Prozentpunkte in einer Tabelle wirken harmlos. Compounding ist da anderer Meinung. CHF 100'000, 20 Jahre, illustrativ gerechnet:
Und diese CHF 470'000 hat niemand «verloren». Sie sind schlicht nie entstanden — weil im März verkauft und im September zurückgekauft wurde, weil nach dem Crash zwei Jahre Cash auf dem Konto lag, weil der Einstieg auf «den richtigen Moment» wartete. Keine Gebühr der Welt kostet dich so viel wie dein eigenes Verhalten. Selbst mit dem konservativen Morningstar-Massstab (1.2 Prozentpunkte) bleiben rund CHF 97'000 Differenz — auch das ist fast das gesamte Startkapital nochmals.
Illustrative Rechnung auf Basis der Renditen von J.P. Morgan / Dalbar QAIB (2003–2022), fortgeschrieben über 20 Jahre. Keine Prognose. Mit dem konservativeren Morningstar-Massstab (8.2% vs 7.0%) beträgt die Lücke rund CHF 97'000.
Zwei Details aus der Morningstar-Auswertung sind entscheidend, weil sie zeigen, wo die Lücke entsteht. Sie war am grössten bei Fonds mit hohem Tracking Error und volatilen Mittelflüssen — also dort, wo Anleger dem Produkt hinterherlaufen. Und am kleinsten bei Mischfonds, wo Anleger fast 97% der Fondsrendite abholten. Nicht weil Mischfonds besser sind, sondern weil sie langweiliger sind. Man vergisst sie.
Übersetzt heisst das: Nicht das Produkt entscheidet über deine Rendite. Dein Verhalten mit dem Produkt entscheidet.
Ein ETF ist billig. Aber ein ETF hat noch nie jemanden davon abgehalten, im März zu verkaufen. Er erklärt dir nicht, warum er 30% gefallen ist. Er hat kein Gesicht, keine Begründung, keine Geschichte. Er ist ein Korb mit 1'500 anonymen Positionen — und genau deshalb ist er in einer Krise so leicht loszulassen.
Ehrlichkeitshalber: Die exakte Grösse dieser Lücke ist in der Forschung umstritten — dieselben Autoren, die SPIVA kritisieren, halten die 15% für zu hoch gegriffen. Dass die Lücke existiert, ist unbestritten.
Du hältst nicht durch, weil dir jemand «bleib investiert» sagt.
Du hältst durch, weil du weisst, was du besitzt.
Wer nachvollziehen kann, warum eine bestimmte Firma im Portfolio liegt — welchen Burggraben sie hat, warum die Kunden nicht wechseln, wie sie die letzten drei Rezessionen überstanden hat —, verkauft sie nicht wegen einer roten Woche. Wer 1'500 Namen besitzt, die er nie gesehen hat, verkauft den ganzen Korb.
Verständnis ist die günstigste Form von Risikomanagement, die es gibt. Es ist dieselbe Logik, die wir im Schildkröten-Problem beschrieben haben — und derselbe Grund, warum wir über das Meistern der eigenen Emotionen mehr schreiben als über Renditeprognosen.
Und dann ist da noch die Frage, die vor jeder Renditediskussion kommt: Wem gehört das Risiko?
Ein Fondsmanager, der dein Geld verwaltet und sein eigenes woanders hat, hat eine asymmetrische Position. Er verdient an der Gebühr. Verlieren tust du.
Die Forschung zur Frage, ob Manager mit eigenem Geld besser abschneiden, ist gemischt — es gibt Studien in beide Richtungen. Wir behaupten deshalb nicht, dass Skin in the Game Rendite garantiert.
Was es garantiert, ist etwas anderes: Es ändert, was mit dir gemacht werden kann. Wer sein eigenes Vermögen im selben Portfolio hat, wird kein Closet Indexing betreiben. Wird nicht Risiko eingehen, das er selber nicht tragen will. Wird eine Position nicht halten, weil das Verkaufen unangenehm zu erklären wäre.
Es ist kein Renditeversprechen. Es ist ein Interessenversprechen. Und das ist in dieser Branche seltener.
Genug Theorie. Was heisst das für dein Portfolio? Hier ist unser Framework — und es ist ausdrücklich kein «aktiv immer».
→ Du willst maximale Breite zu minimalen Kosten und akzeptierst die Marktrendite als Ziel
→ Du hast keine Meinung zu einzelnen Unternehmen — und willst auch keine haben
→ Du bist diszipliniert genug, einen 30%-Drawdown auszusitzen, ohne die Story dahinter zu brauchen
→ Deine Alternative wäre ein Closet Indexer — dann ist der ETF eindeutig besser
→ Effizienteste Märkte (breite US-Large-Caps), wo aktive Aufschläge am schwersten zu verdienen sind
→ Der Fonds hat Active Share über 80–90% — nachweisbar, nicht behauptet
→ Die Haltedauer liegt über zwei Jahren (tiefer Turnover, keine Hyperaktivität)
→ Jede Position hat eine Begründung, die du verstehst — das ist dein Halte-Anker im Crash
→ Die Manager haben eigenes Geld im selben Portfolio
→ Bei Anleihen: fast immer, weil die Index-Konstruktion nach Schuldenhöhe gewichtet
→ Du gehörst zu den Anlegern, die ohne Verständnis verkaufen würden — dann kaufst du dir mit Transparenz Durchhaltevermögen
Beachte den vorletzten Punkt. Der theoretisch optimale Anleger ist 100% passiv, hält ewig, wird nie nervös. Der reale Anleger verkauft im Tief — und genau da liegen die 6.4 Prozentpunkte pro Jahr. Ein Portfolio, das du verstehst, reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass du es im schlechtesten Moment loslässt.
Wir sind drei CFA Charterholders. Wir haben bei Pictet und in der UBS Investment Bank gearbeitet und dort gesehen, wie das Geschäft von innen funktioniert: Produkte, die verkauft und nicht erklärt werden. Portfolios, die niemand begründen kann. Gebühren für Arbeit, die eine Maschine besser macht.
Gleichzeitig haben wir bei Freunden das Gegenteil gesehen — Leute mit gutem Einkommen, die gar nicht anlegen. Nicht aus Faulheit. Sondern weil ihnen niemand erklärt hat, was sie da eigentlich kaufen würden.
Also haben wir gebaut, was wir selber wollten:
30 Unternehmen. Handverlesen. Jede Position mit einer Begründung, die du in drei Sätzen verstehst.
Alle zwei Wochen rebalancieren wir und schreiben öffentlich auf, was wir geändert haben und warum. Wenn wir falsch lagen, steht das auch da.
Und: Wir investieren unser eigenes Geld in dieselben 30 Unternehmen. Nicht symbolisch. Substanziell.
Das ist kein Robo-Advisor. Das ist kein Index mit Aufschlag. Es ist näher an einem privaten Investment Club — nur reguliert, transparent, und ab einem Franken zugänglich.
Der Grund, warum das funktioniert, hat weniger mit Anlagetechnik zu tun, als man denkt.
Über die Hälfte unserer Kunden kommt über Freunde und Familie. Nicht über Werbung. Weil jemand am Küchentisch erzählt hat, was er besitzt — und warum. Genau das kann man mit einem ETF nicht tun.
Vermögensaufbau dauert zwanzig Jahre. Zwanzig Jahre allein durchzuhalten, ist schwer. Zwanzig Jahre durchzuhalten, wenn du weisst, was du besitzt, wenn die Leute, die es ausgewählt haben, dasselbe Risiko tragen, und wenn du alle zwei Wochen hörst, was passiert ist — das ist eine andere Aufgabe.
Wir können falsch liegen. Wir lagen schon falsch, und wir haben es aufgeschrieben. Was wir versprechen, ist nicht, dass wir jedes Jahr gewinnen. Es ist, dass du jederzeit weisst, was du besitzt und warum — und dass wir dasselbe Risiko tragen wie du.
Diese Zahl stammt aus dem SPIVA-Report von S&P Dow Jones Indices. Eine Studie von Cremers, Fulkerson und Riley (Mai 2026) zeigt drei Rechenregeln, die das Ergebnis verzerren: verschwundene Fonds zählen automatisch als Verlierer, jeder Fonds zählt gleich viel unabhängig von seiner Grösse, und der Vergleichsindex ist kostenlos und damit nicht kaufbar. Korrigiert man das, fällt die 20-Jahres-Quote auf 55% des Anlegervermögens. Immer noch mehr als die Hälfte — aber deutlich weniger als 90%.
Ein Fonds, der sich als aktiv verkauft, aber praktisch den Index hält. Gemessen wird das mit dem Active Share: unter 60% Abweichung vom Index gilt ein Fonds als Closet Indexer. Diese Produkte verlangen aktive Gebühren von 1 bis 1.5% für passive Portfolios — sie müssen mathematisch verlieren. In der Schweiz stecken über 50% der Vermögen in Schweizer Aktienfonds in Closet Indexern, gegenüber 13% in den USA.
Active Share misst, wie stark ein Portfolio positionsweise vom Index abweicht. 100% heisst keine Überlappung, 0% heisst exakt der Index. Fonds mit Active Share über 90% erzielten in 60.2% der Jahre eine positive Benchmark-Rendite (Durchschnitt +3.64%), Closet Indexer nur in 23.5% (Durchschnitt −0.13%). Active Share allein reicht aber nicht — erst in Kombination mit Haltedauern über zwei Jahren schlug diese Gruppe ihre Benchmark um über 2% pro Jahr.
Weil Anleihenindizes nach ausstehender Schuld gewichten: Wer am meisten Schulden hat, bekommt das grösste Indexgewicht. Das ist eine Konstruktionsschwäche, die ein aktiver Manager ausnutzen kann, ein Index aber nicht. Nach Korrektur der SPIVA-Methodik fällt die Underperformance-Quote bei Anleihenfonds über 10 Jahre von 71% auf 37% — bei High-Yield-Anleihen outperformen sogar 86% des Anlegervermögens.
Die Behaviour Gap ist die Differenz zwischen der Rendite, die verfügbar war, und der Rendite, die Anleger tatsächlich erzielen. Es gibt zwei Massstäbe: J.P. Morgan / Dalbar vergleicht den Durchschnittsanleger mit dem Index und findet über 2003–2022 ~10% gegenüber ~3.6% pro Jahr — 6.4 Prozentpunkte. Morningstar vergleicht Anleger mit denselben Fonds, isoliert damit nur das Timing und findet über zehn Jahre bis Ende 2024 8.2% gegenüber 7.0% — 1.2 Prozentpunkte. Die ehrliche Spanne liegt also zwischen 1.2 und über 6 Prozentpunkten. Die exakte Grösse ist umstritten, die Existenz der Lücke nicht.
Nein. Ein ETF ist günstig, aber er hält niemanden vom Verkaufen ab. Im Gegenteil: Die Lücke war laut Morningstar am grössten bei Produkten mit hohem Tracking Error und volatilen Mittelflüssen, und am kleinsten bei langweiligen Mischfonds (dort holten Anleger fast 97% der Fondsrendite ab). Ein Korb mit 1'500 anonymen Positionen liefert dir in einer Krise keinen einzigen Grund zum Halten.
Die Frage ist falsch gestellt. Die relevante Trennlinie verläuft nicht zwischen aktiv und passiv, sondern zwischen überzeugt und beliebig. Ein breiter, günstiger ETF ist einem Closet Indexer eindeutig überlegen. Ein echt aktives Portfolio mit hohem Active Share, langer Haltedauer und nachvollziehbaren Begründungen ist eine legitime Alternative — vor allem, wenn dir das Verständnis hilft, im Crash nicht zu verkaufen. Was in keinem Fall Sinn macht: aktive Gebühren für ein passives Portfolio.
Dass die Verantwortlichen ihr eigenes Vermögen im selben Portfolio halten. Ob das die Rendite verbessert, ist in der Forschung umstritten. Was es verändert, ist die Interessenlage: Wer selbst investiert ist, betreibt kein Closet Indexing, geht kein Risiko ein, das er selber nicht tragen will, und hält keine Position, nur weil ein Verkauf unangenehm zu erklären wäre. Es ist kein Renditeversprechen, sondern ein Interessenversprechen.
Wenn wir alles zusammenfassen:
«Die berühmteste Zahl gegen aktives Anlegen ist zu hoch gerechnet. Aber auch korrigiert verliert die Mehrheit des Geldes. Der Grund dafür ist nicht, dass Denken nicht funktioniert — sondern dass die Mehrheit der 'aktiven' Fonds gar nicht denkt.»
Unsere Einordnung — vereinfacht:
Und ein letzter Gedanke: Das ist nicht der Artikel, in dem wir dir sagen, dass aktives Management gewinnt. Es gewinnt im Durchschnitt nicht. Was die Daten zeigen, ist etwas Nützlicheres — nämlich wo die Trennlinie wirklich verläuft, und dass die grösste Renditelücke gar nicht im Produkt entsteht.
Die Frage war nie «aktiv oder passiv». Die Frage ist: Weisst du, was du besitzt — und hältst du es durch?
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