Unauffällige Dauerläufer: 6 Aktien für die Kaufliste

Mai 20, 2025 11 Minuten Lesezeit
Unauffällige Dauerläufer — sechs Aktien für die Kaufliste | arvy für The Market NZZ

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Unauffällige Dauerläufer — sechs Aktien für die Kaufliste

Vergiss «Moonshots» und vermeintliche Value-Schnäppchen — echter Vermögensaufbau geschieht im Stillen, zwischen Value Trap und Growth Trap. Sechs kaum beachtete Dauerläufer sind alles andere als spektakulär — aber unaufhaltsam. Unsere Original-Analyse für The Market by NZZ — plus die ausführliche Investoren-Sicht für arvy-Leser.

Von Thierry Borgeat · Mit Patrick Rissi, CFA und Florian Jauch, CFA · Erschienen in The Market by NZZ, Mai 2025 · 9 Minuten Lesezeit

Ursprünglich erschienen in
The Market by NZZ — Mai 2025
Lies die kompakte Original-Analyse mit den sechs konkreten Aktien-Picks direkt bei NZZ. Hier auf arvy.ch findest du die ausführliche Investoren-Sicht zur Steady-Compounder-Logik dahinter.
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Die These im Video — 1 Minute

In 30 Sekunden — die Kernthese
  • Anleger sind besessen von zwei Extremen: dem nächsten grossen Wurf (Moonshots, Disruptoren) und scheinbaren Schnäppchen (Deep Value). Beide bergen versteckte Fallen.
  • Value Traps und Growth Traps sind die zwei Risiko-Klassen, die Anleger systematisch unterschätzen. Wenn Value enttäuscht, sind Märkte sauer. Wenn Growth enttäuscht, sind sie gnadenlos.
  • Der "stille Mittelweg" ist der Steady Compounder — Geschäfte mit moderatem Wachstum, vernünftiger Bewertung, robusten Burggräben. Kaum beachtet, weil unspektakulär. Genau deshalb mathematisch und psychologisch der überlegene Pfad.

Die Original-Analyse — der Anriss

Das nächste grosse Ding: Investoren sind besessen davon.

Ob es nun das viel beachtete Tech-Unicorn, der neueste Disruptor oder ein potenzieller «Game changer» ist — überall wird nach dem nächsten grossen Wurf gesucht. Auf der anderen Seite des Anlagespektrums stehen die sogenannten «Deep Value Plays»: Unternehmen, deren Bewertungen so niedrig erscheinen, dass man sie kaum ignorieren kann.

Beide Extreme bergen Risiken. Und mit Risiko kommen zwei bekannte Begriffe ins Spiel: «Value Traps» und «Growth Traps».

Zeit, genauer hinzusehen.

Value Traps sind ein bekanntes Terrain für Value-Investoren: Eine Aktie steht unter Druck. Die Bewertung wirkt verlockend — fast zu gut, um wahr zu sein. Ein paar dunkle Wolken am Horizont? Die werden schon vorüberziehen. Oder doch nicht? Falsch gedacht. Die fundamentalen Kennzahlen enttäuschen erneut. Die Probleme sind nicht vorübergehend — sie sind struktureller Natur. Der Kurs fällt weiter, und das mit gutem Grund. Warnende Beispiele für Value Traps füllen Lehrbücher und Hörsäle von Finanzhochschulen weltweit.

Doch es gibt noch einen anderen, weniger bekannten — und womöglich gefährlicheren — Verwandten: die Growth Trap, die Wachstumsfalle. Hier liegt die Verlockung in der Geschichte. Disruption. Der «Total Addressable Market» ist riesig. Technologische Durchbrüche. Hyperwachstum. Moonshots. Und Anleger verlieben sich in diese Geschichten.

Doch Wachstumswerte sind keineswegs immun gegen Enttäuschungen — im Gegenteil: Sie sind besonders anfällig, vor allem dann, wenn der Marktzyklus sich gegen sie wendet. Und wenn es soweit ist? Dann zögert der Markt nicht. Die Abstrafung ist brutal.

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Chart 1: Wenn Value enttäuscht, sind die Märkte sauer. Wenn Growth enttäuscht, sind sie gnadenlos.

Value Trap vs Growth Trap Marktreaktion Vergleich

Quelle: NZZ The Market


01Die unbequeme Frage: warum jagen so viele Anleger den Extremen nach?

Die Logik, dass der "stille Mittelweg" — Steady Compounders mit moderatem Wachstum, vernünftigen Bewertungen, robusten Burggräben — der mathematisch überlegene Pfad ist, ist intellektuell leicht zu akzeptieren. Die unbequeme Frage, die in einer NZZ-Kolumne keinen Platz für Tiefe findet, ist eine andere: warum tun dann so wenige Anleger genau das? Warum dominieren stattdessen Value-Jagd und Growth-Jagd in den meisten Privatportfolios — selbst bei Anlegern, die intellektuell wissen, dass Steady Compounders überlegen sind?

Die Antwort ist psychologisch, nicht intellektuell. Drei Mechanismen ziehen Anleger systematisch in die Extreme:

  1. Geschichten-Hunger. Steady Compounders haben keine spannende Geschichte. "Mein Geschäft wächst seit 20 Jahren mit 9–13%" ist kein Mittagstisch-Highlight. "Ich habe das nächste Tesla gefunden" oder "diese Bank ist 30% unterbewertet" sind erzählbare Geschichten. Anleger jagen erzählbaren Geschichten nach, weil das emotionale Bedürfnis nach Bedeutung mit Investing verschmilzt.
  2. Zeitpräferenz. Der Wert eines Steady Compounders entfaltet sich über 15–25 Jahre. Der "Gewinn" einer Moonshot-Wette zeigt sich (oder eben nicht) in 12–24 Monaten. Auch wenn die langfristige Mathematik klar zugunsten der Steady Compounders spricht, präferieren die meisten Menschen das schnellere Feedback — selbst wenn die erwartete Rendite niedriger ist.
  3. Survivorship Bias. Die Erfolgsstories der Moonshot-Investoren werden gefeiert (Cathie Wood 2020, Tesla-Frühinvestoren). Die zehnfach häufigeren Verluste werden vergessen. Diese asymmetrische Berichterstattung verzerrt die wahrgenommene Erfolgswahrscheinlichkeit dramatisch zugunsten der Extreme.
Der "boring is good"-Vorteil

Genau weil der Mittelweg unspektakulär ist und psychisch unattraktiv, hat er strukturelle Bewertungsvorteile. Weniger Anleger drängen in diese Aktien, also handeln sie zu vernünftigeren Multiplikatoren. Weniger Modeerscheinungen, also weniger drastische Drawdowns. Weniger Volatilität, also bessere Halteperioden. Über 20 Jahre kompoundiert dieser Vorteil dramatisch — nicht weil die zugrundeliegenden Geschäfte besser sind als bei Hyperwachstum, sondern weil die Bewertungs- und Halteperiods-Realität für Anleger günstiger ist. Der "boring is good"-Effekt ist nicht Magie. Er ist Anti-Selektion.


02Value Trap, Growth Trap, Steady Compounder — die drei archetypen

Um den "stillen Mittelweg" zu identifizieren, brauchen Anleger ein klares mentales Bild aller drei Archetypen — was sie unterscheidet, woran man sie erkennt, und warum jeweils unterschiedliche Risiko-Mechaniken greifen:

Falle 1

Value Trap

"Billig sieht günstig aus" — aber die strukturellen Probleme sind real und werden tiefer. Bewertungs-Schnäppchen, das mit Recht günstig ist. Klassisch in strukturell verlierenden Sektoren.

Der stille Mittelweg

Steady Compounder

Vernünftige Bewertung, moderates organisches Wachstum (typisch 7–15%), robuster Burggraben, stabile Margen. Unspektakulär und kaum beachtet. Die wahre Reichtumsbildungs-Maschine.

Falle 2

Growth Trap

"Spannende Story rechtfertigt jeden Preis" — aber wenn Wachstum enttäuscht, sind Drawdowns brutal. Multiplikator-Reset von 80× auf 25× ist eine Halbierung — ohne dass das Geschäft je gefallen ist.

Wie man Value Traps erkennt

Drei Fragen, die fast jede Value Trap entlarven: (1) Sind die strukturellen Trends in der Branche dem Geschäft gegenüber freundlich oder feindlich? Eine Bank in einem Negativzinsumfeld, ein Energieversorger im Energiewende-Land, ein Auto-Zulieferer in der EV-Transition haben strukturellen Gegenwind, der nicht "weggehen" wird. (2) Hat das Management in den letzten 5 Jahren den Cashflow strategisch reinvestiert oder einfach nur Dividenden ausgeschüttet und Aktien zurückgekauft? Reine Kapital-Ausschüttung in strukturell schrumpfenden Geschäften ist liquidation in Slow Motion. (3) Sind die Margen in den letzten 5 Jahren stabil, leicht steigend, oder schleichend sinkend? Schleichende Margen-Erosion ist das eindeutigste Frühsignal einer strukturellen Schwäche.

Wie man Growth Traps erkennt

Drei Fragen, die fast jede Growth Trap entlarven: (1) Wie hoch sind die Bewertungs-Multiplikatoren absolut und im historischen Vergleich? Wenn ein Geschäft zu 50× Gewinn handelt, weil das Wachstum 35% beträgt, und das historische Premium-Niveau bei 30× lag, ist die Multiplikator-Reset-Wahrscheinlichkeit hoch. (2) Wie stark hängt der Investment-Case von Wachstum-über-Erwartungen ab? Geschäfte, die "nur" die Erwartungen treffen müssen, sind robust. Geschäfte, die sie übertreffen müssen, sind fragil. (3) Wieviel von der Bewertung kommt aus realen Cashflows der nächsten 3 Jahre, und wieviel aus erwarteten Cashflows in 5–10 Jahren? Je weiter in die Zukunft die Cashflow-Erwartung verschoben ist, desto fragiler die Bewertung.

Wie man Steady Compounders erkennt

Vier Kriterien zusammen: organisches Wachstum 7–15% (vgl. Bäume wachsen nicht in den Himmel), stabile oder steigende operative Margen über mindestens 5 Jahre, robuster Burggraben (idealerweise mehrfach validiert), Bewertung unter dem 5-Jahres-Premium-Niveau des eigenen Geschäfts. Solche Geschäfte gibt es in jedem Sektor — sie sind aber selten in den medialen Top-Topics. Die Suche dauert Wochen, lohnt sich aber für jeden langfristigen Anleger.

Die brutale Asymmetrie

Thierrys Chart aus der NZZ zeigt es klar: wenn Value enttäuscht (z.B. Earnings Miss), reagiert der Markt mit moderaten Drawdowns von 10-20%. Wenn Growth enttäuscht, reagiert er mit brutalen Drawdowns von 30-60%. Das ist die mathematische Konsequenz von Multiplikator-Sensitivität: ein Multiplikator-Reset von 60× auf 30× halbiert den Aktienkurs auch bei stabilen Gewinnen. Bei einem Multiplikator von 12× ist der Spielraum nach unten viel kleiner. Diese Asymmetrie ist nicht "psychologische Marktreaktion" — sie ist mathematisches Resultat der Bewertungsstruktur.


03Was das für ein Quality-Portfolio bedeutet

Die Steady-Compounder-Logik ist eine der pragmatischsten Anwendungs-Linsen im Quality Investing. Sie hilft beim wichtigsten Selektions-Schritt: welche Geschäfte sind echte Compounder, welche nur scheinbar? Drei strukturelle Fragen, die jeder Anleger beim Aufbau eines Steady-Compounder-Portfolios beantworten muss:

Erste Frage — Sektor-Diversifikation richtig denken. Steady Compounders gibt es in fast jedem Sektor, aber die Häufung ist ungleich verteilt. Konsumgüter, Industrie-Mittelstand, regulierte Versorger, Spezialchemie, Healthcare-Subsektoren produzieren typisch viele Steady Compounders. Halbleiter-Hyperwachstums-Subsektoren, Biotech-Frühphasen, Plattform-Tech wenige. Wer sein Steady-Compounder-Portfolio aus drei Sektoren aufbaut, hat strukturell zu wenig Diversifikation.

Zweite Frage — Geographie matter. Steady Compounders sind global verteilt, aber unterschiedlich bepreist. Schweizer und europäische Steady Compounders handeln oft zu 15–25% Discount gegenüber US-Pendants — nicht weil sie schlechter sind, sondern weil US-Anleger Heimat-Premium zahlen. Wer "Steady Compounder kaufen" sagt, sollte aktiv prüfen, ob er nicht 70-80% in einer Geographie hat.

Dritte Frage — Position-Sizing. Steady Compounders verlieren ihre Wirkung, wenn sie als 0.5%-Positionen gehalten werden. Sie brauchen 3-8% Position-Size, damit das Compounding über 15-20 Jahre signifikant zur Portfolio-Performance beiträgt. Das bedeutet: ein konzentriertes Steady-Compounder-Portfolio hat 12-20 Positionen, nicht 50. Wer 50 Positionen hat, betreibt Index-Investing mit hohen Kosten — nicht Steady-Compounder-Investing.

Anleger-ProfilTypische Steady-Compounder-AllokationWas zu prüfen wäre
"Ich folge dem MSCI World"Niedrig — viele Steady Compounders sind nicht in den Top-50-Index-PositionenSelektive Beimischung als bewusster Quality-Tilt
"Ich konzentriere auf Hyperwachstum"Sehr niedrigStrukturelle Lücke in der Compounding-Zone — bewusste Aufstockung erwägen
"Ich kaufe Schweizer Standards"Hoch (Nestlé, Roche etc. sind klassische Steady Compounders)Diversifikation über Sektoren und Geographien — nicht nur 3-5 Schweizer Mega-Caps
"Ich bin in Quality-Compoundern engagiert"Mehrheit des PortfoliosDisziplin halten, regelmässige Bewertungs-Reviews, Position-Sizing prüfen

04Drei Szenarien für Steady Compounders

Steady Compounders zeigen ihre Stärken über lange Zeiträume — die nächsten 18 Monate sind weniger entscheidend als die nächsten 10 Jahre. Aber für die Frage von Einstieg, Aufbau, oder Halten helfen die plausiblen Pfade:

Bull Case

Re-Discovery der Steady Compounders nach KI-Hype-Konsolidierung

Eine Konsolidierung der KI-Hype-Welle führt zu Multiplikator-Resets bei Hyperwachstum, gleichzeitig zu Re-Allokation in Quality. Steady Compounders, die heute zu vernünftigen Bewertungen handeln, profitieren überdurchschnittlich — sowohl durch operative Compounding als auch durch leichte Multiplikator-Expansion. Disziplinierte Anleger, die heute schrittweise aufgebaut haben, ernten überdurchschnittliche Renditen über 24–36 Monate.

Base Case

Stetige operative Compounding-Renditen, gelegentliche Multiplikator-Schwankungen

Die Mehrheit der Steady Compounders liefert ihre typischen Renditen — operatives Wachstum 9–13% plus Dividende, gelegentlich Multiplikator-Schwankungen je nach Marktstimmung. Über 20 Jahre kompoundieren diese Geschäfte zu 12–18% jährlich, mit deutlich kleineren Drawdowns als breite Indizes. Unser Basisszenario.

Bear Case

Multi-Sektor-Korrektur — auch Steady Compounders fallen, aber moderater

Eine breite Marktkorrektur — getriggert durch Rezession, geopolitischen Schock, Liquiditätskrise — trifft alle Bewertungen. Hyperwachstum verliert 40–60%, breite Indizes 25–35%, Steady Compounders 15–25%. Aber die operativen Geschäfte funktionieren weiter, die Dividenden fliessen, die Burggräben halten. In der Erholungsphase führen Steady Compounders typisch zuerst zurück. Wer in der Korrektur strategisch nachgekauft hat, hat einen langfristigen Vorsprung.


05Was du jetzt prüfen solltest

Eine ehrliche Steady-Compounder-Analyse deines Portfolios ist eine der wertvollsten 30 Minuten, die du dir nehmen kannst. Vier konkrete Prüfungen:

1. Archetyp-Inventur deiner Top-10-Positionen. Geh durch deine grössten Positionen und ordne jede einer der drei Kategorien zu — Value Trap, Steady Compounder, Growth Trap. Bei den meisten Anlegern offenbart diese Übung: 60–80% sind in einer der beiden Fallen, 20–40% sind echte Steady Compounders. Ist das die Allokation, die du bewusst gewählt hast?

2. Stille-Mittelweg-Lücke. Wieviele echte Steady Compounders (alle vier Kriterien aus Sektion 02 erfüllt) sind in deinem Portfolio? Wenn die Antwort "weniger als 5" lautet, ist die Reichtumsbildungs-Maschine deines Portfolios schwach. Schrittweise Aufstockung wäre sinnvoll.

3. Geographie- und Sektor-Verteilung. Sind deine Steady Compounders über mindestens 4-5 Sektoren und 2-3 Geographien verteilt? Oder konzentriert in 2-3 Sektoren? Echte Diversifikation in Steady Compounders ist wichtiger als bei Hyperwachstum, weil die Drawdowns kleiner aber persistenter sein können.

4. Position-Sizing-Realität. Sind deine Steady Compounders mit ausreichenden Position-Sizes vertreten (3-8% pro Position), damit ihr Compounding wirklich zur Portfolio-Performance beiträgt? Oder sind sie 0.5-1.5%-Mini-Positionen, die im Portfolio-Kontext irrelevant sind?

Was disziplinierte Anleger jetzt tun

Sie verkaufen nicht panisch ihre Hyperwachstums- oder Value-Positionen, um in Steady Compounders umzuschichten — das wäre Strategie-Hopping. Sie schauen sich ihre Allokation ehrlich an, identifizieren echte Steady Compounders auf einer Watchlist, und bauen schrittweise aufgrund neuer Investitionen oder Sparplan-Beträge ihre Steady-Compounder-Position aus. Über 18-24 Monate verschiebt sich die Allokation graduell. Das ist langweilig, weniger spannend zu erzählen, und mathematisch genau das, was funktioniert. Die Geschichte belohnt nicht den, der am dramatischsten umschichtet — sondern den, der die unauffälligen Compounder geduldig hält.


06Häufig gestellte Fragen

Welche sechs Steady Compounders meint die NZZ-Analyse konkret?

Die sechs konkreten Picks und die Begründungen findest du im NZZ-Originalartikel — wir verlinken bewusst dorthin, weil das vertraglich der Place ist, an dem diese Empfehlungen erscheinen. Was wir hier auf arvy.ch leisten ist die Steady-Compounder-Mechanik dahinter — die Kriterien, nach denen wir solche Geschäfte bewerten. Wer die Picks lesen will, findet sie im NZZ-Original.

Investiert arvy in genau diese sechs Steady Compounders?

Die genaue Sektor- und Einzeltitel-Allokation kommunizieren wir transparent in unseren vierteljährlichen Strategiebrieten. Was wir generisch sagen können: arvys Strategie ist seit jeher auf Quality-Compounder ausgerichtet — die vier Kriterien aus Sektion 02 sind unsere Standard-Linse für Aktienauswahl. Welche konkreten Positionen das aktuell ergibt, dokumentiert der arvy Quartalsbericht Q1 2026.

Wie unterscheide ich einen Steady Compounder von einer Value Trap mit Wachstum?

Die Schlüssel-Unterscheidung sind die strukturellen Trends. Ein Steady Compounder operiert in einem Markt mit langfristigem Rückenwind — Demografie, Konsumverhalten, regulatorische Stabilität, technologische Robustheit. Eine Value Trap mit Wachstum operiert in einem Markt mit strukturellem Gegenwind, der "noch nicht voll durchgeschlagen" hat. Die ersten Frühsignale: schleichende Margen-Erosion, schwindende Marktanteile in Subsegmenten, defensive Reaktionen des Managements (Cost-Cutting, Aktienrückkäufe statt Investitionen). Wenn diese Signale auftreten, ist der scheinbare Steady Compounder oft eine Value Trap im Frühstadium.

Sind klassische Schweizer Quality-Aktien wie Nestlé, Roche, Novartis Steady Compounders?

Wir geben keine pauschalen Einzeltitel-Empfehlungen. Aber generisch: viele klassische Schweizer Quality-Champions erfüllen historisch die Steady-Compounder-Kriterien (organisches Wachstum 7-15%, stabile Margen, robuste Burggräben, oft vernünftige Bewertungen). Das ist nicht per se ein Kauf-Signal — Bewertung und unternehmensspezifische Faktoren bleiben entscheidend. Aber strukturell sind sie die Vorlage für die Steady-Compounder-Klasse. Anwendung der vier Kriterien aus Sektion 02 individuell auf jede Position ist der disziplinierte Weg.



Echter Vermögensaufbau passiert im Stillen

Die Vorstellung, dass die nächste grosse Investmentidee — der Tenbagger, der Disruption-Champion, der Deep-Value-Schnäppchen — die Quelle ernsthafter Reichtumsbildung ist, dominiert die Investmentkultur. Sie ist falsch. Empirisch falsch und mathematisch falsch. Echter, nachhaltiger Vermögensaufbau kommt nicht aus den Extremen — er kommt aus dem geduldigen Halten unspektakulärer Steady Compounders über sehr lange Zeiträume.

Die sechs Aktien aus dem NZZ-Original sind keine "geheimen Tipps" — sie sind Beispiele einer Klasse von Geschäften, die strukturell die überlegene langfristige Anlage darstellen. Was den disziplinierten Anleger vom Geschichten-jagenden Privatanleger unterscheidet, ist nicht der Zugang zu besseren Picks. Es ist die Bereitschaft, die unspektakulären Picks zu halten, wenn alle anderen den nächsten Moonshot jagen. Das ist langweilig im täglichen Erleben und magisch im Rückblick auf zwei Dekaden. Genau deshalb funktioniert es. Und genau deshalb funktioniert es für so wenige.

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Original verfasst von Thierry Borgeat, Co-Founder von arvy, für The Market by NZZ. Die ausführliche arvy-Erweiterung wurde überprüft von Patrick Rissi, CFA und Florian Jauch, CFA. Datenquellen: NZZ The Market, eigene Analysen, akademische Literatur zu Quality-Faktor-Investing. Letztes Update: April 2026.

Disclaimer: Dieser Artikel dient allgemeinen Bildungszwecken und stellt keine persönliche Anlageberatung dar. Die genannten Wertpapier-Bezeichnungen sind illustrativ und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Vergangene Performance ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. Szenarien sind Einschätzungen, keine Prognosen. arvy ist ein von der FINMA beaufsichtigter Vermögensverwalter mit KAG-Lizenz (Art. 24). Impressum & Rechtliche Hinweise.