Vorsorgelücke berechnen: Was kosten Teilzeit und Karrierepause wirklich?


Der Schweizer Gender Pension Gap liegt bei 37% — Frauen erhalten im Schnitt CHF 20'000 weniger Rente pro Jahr. Berechne deine persönliche Lücke und sieh den konkreten Aufholplan mit 3 Hebeln.
Die Vorsorgelücke (Pension Gap) ist die Differenz zwischen der Rente, die du bei einer durchgehenden Vollzeit-Karriere bekommen würdest — und dem, was du tatsächlich erhältst. In der Schweiz erhalten Frauen 37% weniger Rente als Männer. Dieser Rechner zeigt deine persönliche Lücke und einen konkreten Aufholplan — verifiziert mit BVG-2026-Werten.
Der Rechner vergleicht zwei Welten: dein Vermögen bei durchgehender 100%-Karriere vs. dein Vermögen mit einer Karrierepause und nachfolgender Teilzeitarbeit. Die Differenz ist deine Vorsorgelücke. Berechnet werden drei Komponenten: PK-Lücke (entgangene Pensionskassenbeiträge plus Zinseszins), verpasste 3a (Einzahlungen während der Pause plus entgangener Zinseszins), und verpasste Steuerersparnis (3a-Abzug × dein Grenzsteuersatz).
PK-Beitragssatz vereinfacht 15% flat: real ist er altersabhängig (7% mit 25-34, 10% mit 35-44, 15% mit 45-54, 18% mit 55-65). Für Personen unter 45 wird die Lücke leicht überschätzt, für 55+ leicht unterschätzt. Koordinationsabzug fix CHF 26'460 (BVG-Eckwert 2026, BSV). PK-Verzinsung 2% p.a. (über BVG-Mindestzinssatz 1.25%, unter typischen PK-Renditen). 3a-Verzinsung 6% p.a. (investierte 3a, Aktien-orientiert). 3a Maximum CHF 7'258/Jahr 2026. Aufholplan max. 20 Jahre (ab heutigem Alter bis Pension 65, gedeckelt).
Der Koordinationsabzug (2026: CHF 26'460) wird vom Bruttolohn abgezogen, bevor die Pensionskasse den versicherten Lohn berechnet. Sein Zweck: Doppelversicherung mit der AHV vermeiden. Das Problem: der Abzug ist fix — unabhängig vom Pensum. Wer 50% arbeitet, hat denselben Abzug wie jemand mit 100%.
| Pensum | Bruttolohn | Versicherter Lohn (PK) | Versichert in % |
|---|---|---|---|
| 100% | CHF 90'000 | CHF 63'540 | 70.6% |
| 80% | CHF 72'000 | CHF 45'540 | 63.3% |
| 60% | CHF 54'000 | CHF 27'540 | 51.0% |
| 50% | CHF 45'000 | CHF 18'540 | 41.2% |
| 40% | CHF 36'000 | CHF 9'540 | 26.5% |
| 30% | CHF 27'000 | CHF 540 | 2.0% |
| 25% oder weniger | CHF 22'500 | CHF 0 (unter Eintrittsschwelle) | 0% |
Quelle: BVG-Eckwerte 2026 (BSV). Koordinationsabzug fix CHF 26'460, Eintrittsschwelle CHF 22'680. Berechnung für CHF 90'000 Vollzeit-Bruttolohn. Wer ≤25% arbeitet, fällt unter die BVG-Eintrittsschwelle — keine obligatorische PK mehr.
Laut PwC-Studie wenden nur 12% der Schweizer Pensionskassen den fixen gesetzlichen Koordinationsabzug an — 88% reduzieren ihn proportional zum Pensum oder verzichten ganz. Prüfe dein PK-Reglement: wenn dein Arbeitgeber eine progressive PK hat, fällt deine Lücke deutlich kleiner aus als dieser Rechner zeigt. → Vollständige BVG-Reform 2026 erklärt
In der Schweiz bekommen Frauen im Durchschnitt 37% weniger Rente als Männer. Aufgeschlüsselt nach Säule:
| Säule | Gender Pension Gap | Warum |
|---|---|---|
| AHV (1. Säule) | ~0% | Solidaritätsmechanismus und Erziehungsgutschriften gleichen Erwerbsunterbrüche aus |
| BV (2. Säule, PK) | 67% | Erwerbsbezogen, Teilzeit-Falle, fester Koordinationsabzug |
| Säule 3a | ~32% | Frauen zahlen weniger oder gar nicht ein (Erwerbspause, tieferes Einkommen) |
| Total alle 3 Säulen | 37% | CHF 35'840 vs. CHF 54'764 — Differenz CHF 18'924/Jahr (BFS 2020) |
Quelle: BFS Faktenblatt zum Postulatsbericht Marti 19.4132 (2022), Daten 2020. Bei verwitweten BV-Bezügerinnen sogar 47.4%, bei geschiedenen 37.0%. Neuere Daten (Swiss Life, 2024): ~32.8% — minimaler Rückgang.
Die Lücke ist nicht primär ein Lohngleichheitsproblem (Gender Pay Gap ist 16%, Gender Pension Gap ist 37%). Sie entsteht durch Erwerbsbiografien: 60% der Schweizer Mütter mit Kindern unter 15 arbeiten Teilzeit. Männer in derselben Lebensphase: 18%. Das System bestraft jede Teilzeit-Phase doppelt — über den fixen Koordinationsabzug UND über entgangene Beitragsjahre.
Konkrete Kosten verschiedener Szenarien (CHF 90'000 Vollzeit-Lohn, aktuell 33 Jahre alt, 32 Jahre bis Pension, Zürich):
| Szenario | PK-Lücke | 3a-Lücke | Gesamtlücke |
|---|---|---|---|
| Keine Pause, immer 100% | CHF 0 | CHF 0 | CHF 0 |
| Keine Pause, 80% | CHF 96'000 | CHF 0 | CHF 96'000 |
| Keine Pause, 60% | CHF 195'000 | CHF 0 | CHF 195'000 |
| 3 Jahre Pause, dann 100% | CHF 54'000 | CHF 136'000 | CHF 190'000 |
| 3 Jahre Pause, dann 60% ★ Default | CHF 267'000 | CHF 136'000 | CHF 403'000 |
| 5 Jahre Pause, dann 60% | CHF 282'000 | CHF 217'000 | CHF 499'000 |
| 5 Jahre Pause, dann 50% | CHF 363'000 | CHF 217'000 | CHF 580'000 |
Berechnung mit BVG 2026 (Koordinationsabzug CHF 26'460), PK-Verzinsung 2%, 3a-Rendite 6%, Steuerersparnis bei 33% Grenzsteuersatz (Zürich). Lücken sind kumulativ bis Alter 65. Reale Werte hängen vom PK-Reglement ab.
Die gute Nachricht: 80-100% der Lücke lässt sich aktiv schliessen — mit drei Hebeln, die in dieser Reihenfolge optimal funktionieren:
| Hebel | Wert | Steuerersparnis (Zürich 33%) | Über 20 Jahre @ 6% |
|---|---|---|---|
| 1. Säule 3a maximieren | CHF 7'258/Jahr | ~CHF 2'400/Jahr | CHF 279'500 |
| 2. PK-Einkauf (gestaffelt) | z.B. CHF 10'000/Jahr × 10J | ~CHF 3'300/Jahr | CHF 100'000 + Steuern CHF 33'000 |
| 3. Freier Sparplan | CHF 300-1'000/Mt. | Kapitalgewinne steuerfrei | CHF 139'000 (300) bis CHF 462'000 (1'000) |
| Total bei moderater Strategie | — | ~CHF 5'700/Jahr | CHF 500'000+ |
Reihenfolge wichtig: 3a hat die höchste sofortige Rendite (Steuerabzug ~33% = 33% Rendite im Jahr 1, bevor Markt). PK-Einkauf erst danach, vor allem in den letzten 10 Jahren vor Pension (höchster Grenzsteuersatz). Sparplan ergänzt für Flexibilität.
Wer PK-Einkäufe tätigt und das Kapital innerhalb von 3 Jahren bezieht, verliert den Steuerabzug rückwirkend. Plane PK-Einkäufe daher spätestens 3 Jahre vor geplanter Pension abgeschlossen — sonst Steuernachzahlung. Bei Wunsch nach Kapitalbezug: tendenziell früher staffeln.
Seit dem 1. Januar 2026 erlaubt das revidierte Vorsorgegesetz rückwirkende 3a-Einzahlungen für verpasste Beitragsjahre — bis zu 10 Jahre zurück. Wichtige Einschränkungen:
Für Wiedereinsteigerinnen nach Karrierepause ist das ein bedeutender neuer Hebel — vorausgesetzt, sie warten nicht zu lange. Mehr Details: Säule 3a Vergleich 2026.
Housels Kernthese passt direkt zur Vorsorgelücke: nicht IQ macht Investoren reich, sondern Zeit. Wer mit 33 anfängt, monatlich CHF 605 in eine investierte 3a einzuzahlen, hat mit 65 etwa CHF 280'000 — fast vollständig finanziert vom Zinseszins, nicht vom eingezahlten Kapital. Die Lücke ist nicht durch heroische Sparquoten zu schliessen, sondern durch frühen Start und Konsistenz. Das gilt besonders nach einer Karrierepause: jedes verlorene Jahr kostet exponentiell mehr.
Sie hängt vom Pensum, Lohn und der Dauer ab. Eine typische 3-jährige Karrierepause mit anschliessendem 60%-Pensum bei CHF 90'000 Vollzeitlohn kostet rund CHF 400'000 Gesamtlücke (PK + 3a) bis zur Pension. Der Koordinationsabzug von CHF 26'460 (2026) wird nicht ans Pensum angepasst, was Teilzeitarbeitende strukturell benachteiligt.
Der BVG-Koordinationsabzug 2026 beträgt CHF 26'460 (7/8 der maximalen AHV-Rente). Dieser Wert ist gegenüber 2025 unverändert. Daneben wichtig: BVG-Eintrittsschwelle CHF 22'680, maximal versicherter Jahreslohn CHF 90'720, Mindestumwandlungssatz 6.8%, Mindestzinssatz 1.25%. Quelle: Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV).
Frauen erhalten in der Schweiz 37% weniger Rente als Männer (alle 3 Säulen, BFS 2020). In Franken: CHF 35'840 vs. CHF 54'764 — Differenz CHF 18'924/Jahr. In der 2. Säule allein beträgt der Gap sogar 67%. AHV ist praktisch gleich (~0% Gap) dank Solidaritätsmechanismus und Erziehungsgutschriften.
Drei Hebel in dieser Reihenfolge: (1) 3a maximieren (CHF 7'258/Jahr investiert = ~CHF 280'000 in 20 Jahren), (2) PK-Einkauf gestaffelt (voll steuerabzugsfähig, idealerweise 50+), (3) eigener Sparplan (steuerfreie Kapitalgewinne). Total bei moderater Strategie: CHF 500'000+ Aufholpotenzial in 20 Jahren.
Seit 1. Januar 2026 kannst du rückwirkend 3a-Einzahlungen für bis zu 10 verpasste Beitragsjahre nachholen — aber nur für Lücken ab 2025. Voraussetzung: AHV-pflichtiges Einkommen im Nachzahlungsjahr. Maximal jeweils der reguläre Jahresbeitrag. Voll steuerabzugsfähig im aktuellen Jahr.
Zuerst 3a maximieren (immer), dann PK-Einkauf prüfen. Begründung: 3a ist flexibler (mehrere Konten möglich, früher beziehbar bei Wegzug oder Eigentumserwerb), PK-Einkauf bindet das Geld bis Pension. Ausnahme: kurz vor der Pension (50+) mit hohem Grenzsteuersatz und sicherer Anstellung → PK-Einkauf priorisiert.
Die direkten verpassten Beiträge: ~CHF 55'000 (3 × Vollzeit-Beitrag, mit Zinseszins bis 65). Plus verpasste 3a: ~CHF 130'000 (3 × CHF 7'258 investiert bis Pension). Plus verpasste Steuerersparnis: ~CHF 7'000. Total: ~CHF 190'000-200'000 bei 3 Jahren Pause, danach Vollzeit-Wiedereinstieg.
Teilzeit verstärkt die Lücke massiv, weil der Koordinationsabzug fix bleibt. Beispiel: 3 Jahre Pause + danach 60% bei CHF 90'000 = CHF 400'000 Lücke. 3 Jahre Pause + danach 100% = nur CHF 190'000. Differenz: CHF 210'000 — alleine durch das tiefere Pensum nach der Pause.
Bei einem Lohn unter CHF 22'680/Jahr (2026) entfällt die obligatorische BVG-Versicherung — du sparst kein Pensionskassenguthaben mehr an. Lösungen: (a) mehrere kleine Pensen über die Stiftung Auffangeinrichtung BVG freiwillig zusammenfassen, (b) 3a maximieren als Ersatz, (c) über Selbständigkeit eine freiwillige BVG-Lösung wählen.
Bei Scheidung wird das während der Ehe angesparte PK-Guthaben grundsätzlich hälftig geteilt (Vorsorgeausgleich, Art. 122 ZGB). Das gleicht typischerweise die Vorsorgelücke des teilzeitarbeitenden Partners (meist die Frau) teilweise aus. Aber: ungleiche Pensen während der Ehe bedeuten, dass auch nach Teilung eine Lücke bleibt — die nur durch eigene Vorsorge geschlossen werden kann.