Warum ETFs so effizient sind


ETFs sind zum Standardwerkzeug für langfristigen Vermögensaufbau geworden. Warum eigentlich? Die üblichen Antworten lauten «günstig» und «breit gestreut». Beides stimmt, greift aber zu kurz. Interessanter ist, welche dieser Eigenschaften im Alltag eines Sparplans tatsächlich den Unterschied machen.
Ein ETF, ausgeschrieben Exchange Traded Fund, ist ein an der Börse gehandelter Fonds. Er bildet einen Index nach, zum Beispiel einen breiten Weltaktienindex, indem er dessen Bestandteile in derselben Gewichtung hält. Steigt der Index um ein Prozent, steigt der ETF ungefähr ebenfalls um ein Prozent, abzüglich seiner Kosten.
Der entscheidende Unterschied zu einem klassisch aktiv verwalteten Fonds: Es gibt niemanden, der auswählt. Kein Analystenteam, das Unternehmen bewertet, keine Managemententscheidung, ob eine Aktie über- oder untergewichtet wird. Der ETF folgt einer Regel. Diese Regelgebundenheit ist der Grund für fast alle seine Vorteile.
Weil kein Research bezahlt und kaum gehandelt werden muss, liegt die Gesamtkostenquote — die TER — bei breiten Index-ETFs im Bereich weniger Hundertstelprozente. Aktiv verwaltete Aktienfonds liegen typischerweise um ein Vielfaches darüber.
Was das über eine Anlegerkarriere ausmacht, zeigt eine Modellrechnung mit CHF 500 monatlich über 30 Jahre und einer Bruttorendite von 7%:
Rund CHF 97'000 Unterschied zwischen 0.45% und 1.45% — bei identischer Marktentwicklung und identischen Einzahlungen. Das ist keine bessere Anlageentscheidung, sondern schlicht eine andere Verrechnung derselben Rendite.
Warum das so schwer wiegt: Die Marktrendite kennst du im Voraus nicht. Die Kosten schon. Sie sind der einzige Bestandteil deines Ergebnisses, den du am Tag der Entscheidung mit Sicherheit festlegst — und sie wirken jedes einzelne Jahr, unabhängig davon, ob der Markt steigt oder fällt.
Die vollständige Aufschlüsselung aller Kostenarten — inklusive der Posten, die in keinem Factsheet stehen — steht in Die wahren Kosten des Investierens.
Mit einem einzigen breiten Welt-ETF besitzt du anteilig über 1'480 Unternehmen aus 23 Industrieländern, verteilt über sämtliche Branchen. Für dieselbe Streuung müsstest du sonst hunderte Einzelpositionen kaufen, überwachen und regelmässig anpassen.
Der Nutzen ist konkret: Geht ein einzelnes Unternehmen unter — was regelmässig vorkommt — verlierst du einen Bruchteil eines Prozents. Kein Unternehmen im Portfolio kann dein Ergebnis dominieren, weder positiv noch negativ. Das klingt langweilig und ist genau der Punkt.
Ein Einwand ist berechtigt: Ein nach Marktkapitalisierung gewichteter Weltindex ist heute stark von wenigen sehr grossen Unternehmen geprägt. Diversifikation nach Anzahl bedeutet nicht automatisch Diversifikation nach Risiko. Wer diesen Klumpen bewusst reduzieren möchte, findet die Möglichkeiten in Core-Satellite-Strategie erklärt.
Über lange Zeiträume stammt ein erheblicher Teil der Aktienrendite nicht aus steigenden Kursen, sondern aus wiederangelegten Dividenden. Daten von J.P. Morgan und FactSet zum MSCI World über den Zeitraum 1970 bis 2025 zeigen eine Lücke von rund 2.4% pro Jahr zwischen dem Index mit und ohne Dividendenreinvestition.
Bei CHF 500 monatlich über 30 Jahre heisst das: rund CHF 610'000 mit reinvestierten Dividenden gegenüber rund CHF 387'000 ohne. Über CHF 220'000 Unterschied — allein dafür, dass Ausschüttungen automatisch wieder angelegt werden, statt auf dem Konto liegen zu bleiben und irgendwann ausgegeben zu werden.
Praktische Konsequenz: Thesaurierende ETFs legen Erträge automatisch wieder an. Bei ausschüttenden Varianten musst du das selbst tun — und genau das passiert im Alltag oft nicht. Für den langfristigen Vermögensaufbau ist die thesaurierende Variante deshalb meist die pragmatischere Wahl. Steuerlich ändert sich in der Schweiz dadurch nichts: Erträge sind auch bei Thesaurierung steuerbar.
Eine unauffällige, aber praktisch wichtige Eigenschaft. Wenn dein Sparplan CHF 87.50 investieren soll, muss dieser Betrag vollständig anlegbar sein — auch wenn ein Anteil CHF 340 kostet. Fondsanteile lassen sich in Bruchteilen halten, weshalb kein Restbetrag unangelegt auf dem Konto liegen bleibt.
Bei Einzelaktien geht das nicht ohne Weiteres. Wer CHF 200 monatlich in fünf Aktien investieren will, kämpft mit Mindeststückelungen, Restbeträgen und Transaktionskosten, die bei kleinen Beträgen prozentual stark ins Gewicht fallen.
Wenn die TER bei breiten Indizes ohnehin nur wenige Hundertstelprozente beträgt, worin unterscheiden sich zwei Produkte auf denselben Index dann noch? An vier Punkten.
Tracking Difference. Sie misst, wie weit die tatsächliche Fondsrendite von der Indexrendite abweicht — und ist damit aussagekräftiger als die TER. In ihr stecken die Kostenquote, aber auch Handelskosten, Quellensteuern und Erträge aus Wertpapierleihe. Zwei ETFs mit identischer TER können sich hier spürbar unterscheiden.
Replikationsmethode. Physisch bedeutet, der Fonds kauft die Indexbestandteile tatsächlich. Synthetisch bedeutet, er bildet den Index über ein Tauschgeschäft mit einer Gegenpartei ab. Für breite, liquide Indizes ist die vollständige physische Replikation die transparenteste Variante.
Fondsvolumen. Sehr kleine Fonds werden häufiger geschlossen oder fusioniert. Das ist kein Verlustrisiko, aber es erzwingt eine Umschichtung zu einem Zeitpunkt, den du nicht gewählt hast.
Fondsdomizil. Der Posten mit dem grössten unsichtbaren Effekt bei US-lastigen Indizes. Warum, steht in Irische ETF: 15% statt 30% Quellensteuer.
Damit das Bild vollständig bleibt, drei ehrliche Einschränkungen.
Ein ETF schützt nicht vor Verlusten. Fällt der Markt um 40%, fällt der ETF um rund 40%. Diversifikation reduziert unternehmensspezifisches Risiko, nicht Marktrisiko.
Du bekommst per Definition nur die Marktrendite. Abzüglich Kosten liegst du immer leicht darunter. Wer mehr will, muss Konzentration und damit zusätzliches Risiko akzeptieren.
Nicht jeder ETF ist breit. Neben Weltindizes existieren Branchen-, Themen- und Hebelprodukte, die mit dem ursprünglichen Gedanken wenig zu tun haben. «ETF» beschreibt die Verpackung, nicht den Inhalt.
Total Expense Ratio, die jährliche Gesamtkostenquote eines Fonds. Sie wird laufend dem Fondsvermögen entnommen, erscheint also nie als separate Belastung. Nicht enthalten sind Handelskosten, Fremdwährungsaufschläge und Steuern.
Beide bilden einen Index ab. Ein ETF wird laufend an der Börse gehandelt, ein klassischer Indexfonds einmal täglich zum Nettoinventarwert. Für langfristige Sparpläne ist der Unterschied gering.
Für den Vermögensaufbau meist thesaurierend, weil Erträge automatisch wieder angelegt werden und nichts auf dem Konto liegen bleibt. Wer laufende Auszahlungen möchte, wählt ausschüttend. In der Schweiz sind die Erträge in beiden Fällen steuerbar.
Meistens genügt einer. Ein breiter Weltindex deckt tausende Unternehmen ab. Zusätzliche Bausteine wie eine Schweiz- oder Schwellenländerquote sind sinnvoll, wenn man sie bewusst gewichtet — nicht, um die Anzahl zu erhöhen.
Das Fondsvermögen ist Sondervermögen und bei einer Insolvenz der Fondsgesellschaft geschützt. Das Marktrisiko bleibt aber vollständig bestehen: Kursverluste bis hin zu erheblichen Einbrüchen sind normaler Bestandteil des Aktienmarkts.
Die Tracking Difference misst, wie weit die tatsächliche Fondsrendite von der Indexrendite abweicht. Sie enthält die TER, aber auch Handelskosten, Quellensteuern und Erträge aus Wertpapierleihe. Zwei ETFs mit identischer TER können deshalb unterschiedlich abschneiden.
Der MSCI World deckt Industrieländer ab. Der MSCI ACWI und der FTSE All-World nehmen zusätzlich Schwellenländer auf, der FTSE All-World hat zudem eine breitere Titelabdeckung. Die Renditeunterschiede waren historisch kleiner, als die Namensdebatte vermuten lässt.
Physisch heisst, der Fonds kauft die Indexbestandteile tatsächlich. Synthetisch heisst, er bildet den Index über ein Tauschgeschäft mit einer Gegenpartei ab. Physisch, vollständig repliziert ist die transparenteste Variante und bei breiten Indizes der Normalfall.
Von der Mechanik bis zur Steuererklärung: alles zum regelmässigen Investieren.
Warum das Fondsdomizil über einen Teil deiner Rendite entscheidet.
Der arvy ETF Sparplan investiert wöchentlich in einen breiten Weltindex — 0.39% Verwaltung plus 0.06% TER, zusammen 0.45% all-in.
Dieser Beitrag wurde von Thierry Borgeat, Mitgründer von arvy, verfasst und von Patrick Rissi, CFA, und Florian Jauch, CFA, geprüft.
Disclaimer: arvy AG ist ein von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA bewilligter Verwalter von Kollektivvermögen nach Art. 24 des Kollektivanlagengesetzes (KAG). Dieser Beitrag dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Steuer- oder Rechtsberatung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Die dargestellten Berechnungen sind Modellrechnungen auf Basis der genannten Annahmen und keine Prognose; sie unterstellen eine konstante Rendite und eine monatliche Verzinsung zum nominellen Jahreszins. Die historische Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Anlagen in Aktien unterliegen Kursschwankungen; Verluste bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals sind möglich. Steuerliche Auswirkungen sind kantonal und individuell unterschiedlich — kläre deine Situation mit einer Fachperson ab.