Was passiert, wenn du die 10 besten Börsentage verpasst

Oktober 13, 2025 6 Minuten Lesezeit
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Was passiert, wenn du die 10 besten Börsentage verpasst?

20 Jahre Börse. Rund 5'000 Handelstage. Du verpasst 10 davon — die besten. Ergebnis: Dein Vermögen halbiert sich. Diese Statistik ist das stärkste Argument gegen Market Timing — und für eine Struktur, die dich investiert hält, wenn die Angst am grössten ist.

Von Thierry Borgeat · Überprüft von Patrick Rissi, CFA und Florian Jauch, CFA · Zuletzt aktualisiert April 2026 · 10 Minuten Lesezeit

10
Tage von 5'000 — und sie entscheiden über die Hälfte deiner Rendite
CHF 170'000
Verlust durch Verpassen der 10 besten Tage (auf CHF 100'000 über 20 Jahre)
7 von 10
Der besten Börsentage fielen in die 2 Wochen nach den schlimmsten Tagen

01Die Statistik, die alles verändert

Hier sind die Zahlen von J.P. Morgan Asset Management, basierend auf dem S&P 500 über 20 Jahre (2004–2023). Du investierst CHF 100'000 am Anfang und bleibst investiert:

SzenarioEndvermögenRendite p.a.
Alle Tage investiertCHF 320'000~6.0%
10 beste Tage verpasstCHF 150'000~2.1%
20 beste Tage verpasstCHF 90'000−0.5%
30 beste Tage verpasstCHF 57'000−2.8%

Quelle: J.P. Morgan Asset Management, Guide to the Markets, S&P 500, 2004–2023.

10 Tage. Von rund 5'000. Das sind 0.2% aller Handelstage. Sie machen den Unterschied zwischen CHF 320'000 und CHF 150'000 — mehr als die Hälfte deiner gesamten Rendite kommt von 10 Tagen.

Wer 30 Tage verpasst — 0.6% aller Tage — hat am Ende weniger als am Anfang. 20 Jahre investiert, Risiko getragen, Schwankungen ausgehalten — und trotzdem Geld verloren. Nur weil du an 30 von 5'000 Tagen nicht investiert warst.


02Die besten Tage kommen, wenn du sie am wenigsten erwartest

Die unbequeme Wahrheit

7 der 10 besten Börsentage der letzten 20 Jahre fanden innerhalb von 2 Wochen nach den schlimmsten Tagen statt. Die grössten Kurssprünge passieren mitten in der Panik — genau dann, wenn alle verkaufen.

Wer in der Krise verkauft, um "Verluste zu begrenzen", verpasst mit hoher Wahrscheinlichkeit genau die Tage, die sein Vermögen retten. Du verkaufst am Tiefpunkt und verpasst die Erholung. Das ist der teuerste Fehler im Investieren.

Drei konkrete Beispiele

24. März 2020: S&P 500 steigt an einem Tag um +9.4%. Zwei Wochen vorher waren die schlimmsten Crash-Tage seit 2008. Wer in Panik verkauft hatte, hat diesen Tag verpasst.

13. Oktober 2008: +11.6% an einem Tag. Mitten in der grössten Finanzkrise unserer Generation. Die Schlagzeilen: "Das Finanzsystem kollabiert." Und trotzdem: +11.6%.

13. November 2008: Nochmal +6.9%. Einen Monat nach dem schlimmsten Crash. Wer investiert geblieben war, hatte beide Tage mitgenommen.

«Du kannst die besten Tage nicht planen. Aber du kannst dabei sein — indem du einfach investiert bleibst.»

03Was das für Market Timing bedeutet — der mathematische Beweis

Um erfolgreich zu timen, musst du zweimal richtig liegen: beim Ausstieg und beim Wiedereinstieg. Beim Ausstieg vielleicht — manche ahnen, dass es brenzlig wird. Aber der Wiedereinstieg? Fast niemand steigt am Tiefpunkt wieder ein. Denn am Tiefpunkt ist die Angst am grössten.

So läuft Market Timing typischerweise ab

Woche 1: Markt fällt 5%. Du beobachtest nervös.
Woche 2: Markt fällt weitere 10%. Du verkaufst. «Gerade noch rechtzeitig.»
Woche 3: Markt fällt nochmal 5%. Du fühlst dich bestätigt.
Woche 4: Markt steigt plötzlich 8% an einem Tag. Du bist nicht investiert.
Monat 3: Markt ist fast zurück auf dem Niveau, an dem du verkauft hast.
Monat 6: Markt steht höher als vor dem Crash. Du steigst "entnervt" wieder ein — zum höheren Preis als dem, zu dem du verkauft hast.

Ergebnis: Du hast teuer verkauft und noch teurer zurückgekauft. Die schlimmste aller Kombinationen.

Dalbar (QAIB) dokumentiert dieses Verhalten seit über 30 Jahren: Der durchschnittliche Anleger erzielt 1.5 Prozentpunkte weniger Rendite pro Jahr als der Fonds, in dem er investiert ist — die Behavior Gap. Market Timing ist der grösste Einzeltreiber dieser Lücke.


04Die Psychologie dahinter: Warum wir trotzdem verkaufen

Wenn die Daten so klar sind — warum verkaufen Anleger trotzdem in Panik? Weil das Gehirn nicht für Finanzmärkte gemacht ist.

Verlustaversion: Kahneman und Tversky haben gezeigt, dass ein Verlust von CHF 1'000 emotional doppelt so stark wiegt wie ein Gewinn von CHF 1'000. In einem Crash fühlt sich ein 20%-Verlust nicht wie "temporärer Rückgang" an — er fühlt sich wie existenzielle Bedrohung an.

Recency Bias: Unser Gehirn gewichtet die letzten Wochen überproportional. Nach drei Wochen fallender Kurse "fühlt" es sich an, als würde der Markt nie wieder steigen. Die 100 Jahre Daten, die das Gegenteil zeigen, sind abstrakt. Die rote Zahl in der App ist konkret.

Handlungsdrang: In einer Krise will das Gehirn "etwas tun". Nichts tun fühlt sich passiv, hilflos, fahrlässig an. Verkaufen fühlt sich aktiv, entschlossen, verantwortungsvoll an. Aber bei Investments ist "nichts tun" fast immer die bessere Entscheidung.


05Die Lösung: Investiert bleiben + Sparplan + Automation

Die Lösung für Market Timing ist nicht "mehr Disziplin". Disziplin ist endlich — jeder hat einen Punkt, an dem die Angst gewinnt. Die Lösung ist Struktur: ein System, das dich investiert hält, ohne dass du aktiv entscheiden musst.

1. Investiert bleiben. Nicht weil es sich gut anfühlt. Sondern weil die Daten zeigen, dass die 10 besten Tage mitten in der Krise kommen — und du sie nur mitnimmst, wenn du investiert bist.

2. Automatischer Sparplan. Jeden Monat derselbe Betrag, per Dauerauftrag. Keine Entscheidung, keine Schlagzeilen-Abhängigkeit. Der Sparplan kauft automatisch günstiger nach, wenn der Markt gefallen ist — genau dann, wenn du manuell am wenigsten kaufen würdest.

3. Verstehen, was du besitzt. Wer 1'500 anonyme Unternehmen in einem ETF hält, verkauft leichter in Panik als jemand, der weiss: "Ich besitze Nestlé, Visa, LVMH — die verdienen auch in einer Krise Geld." Qualitäts-Überzeugung ist der beste Schutz gegen Panik-Verkäufe.


06Wie arvy das strukturell umsetzt

Bei arvy ist jeder dieser drei Punkte in die Produktstruktur eingebaut — nicht als Feature, sondern als Philosophie.

Investiert bleiben: Kein "Verkaufen"-Button im Vordergrund. Keine täglichen Push-Notifications mit Kursveränderungen, die emotionale Reaktionen triggern. Stattdessen: Quartalsberichte, Weekly-Newsletter, substanzielle Updates.

Automatischer Sparplan: Ab CHF 1/Monat, per Dauerauftrag. Das Geld fliesst, wird investiert, das Portfolio bleibt in Balance. Kein manueller Trade, kein Timing-Moment, keine Entscheidung.

Qualität verstehen: Der arvy Equity Fund hält rund 30 weltweite Qualitätsunternehmen mit starken Bilanzen. Jedes Quartal erklären wir, warum wir halten, was wir halten. Wer versteht, was er besitzt, verkauft nicht in Panik.


07Häufig gestellte Fragen

Was passiert, wenn ich die 10 besten Börsentage verpasse?

Dein Endvermögen halbiert sich. Aus CHF 320'000 (alle Tage investiert, S&P 500, 20 Jahre) werden CHF 150'000. 10 Tage von 5'000 machen den Unterschied — mehr als die Hälfte der gesamten Rendite.

Wann finden die besten Börsentage statt?

Fast immer mitten in einer Krise. 7 der 10 besten Tage der letzten 20 Jahre lagen innerhalb von 2 Wochen nach den schlimmsten Tagen. Die grössten Kurssprünge passieren, wenn die Angst am grössten ist.

Kann ich die besten Tage vorhersagen?

Nein. Kein Modell, kein Algorithmus, kein Profi kann zuverlässig vorhersagen, welche Tage die besten sein werden. Deshalb ist die einzige Strategie, die funktioniert: investiert bleiben.

Was ist die Behavior Gap?

Die Differenz zwischen der Rendite eines Fonds und der Rendite, die der durchschnittliche Anleger erzielt — verursacht durch emotionale Fehler wie Panikverkäufe. Morningstar misst sie auf ~1.5% pro Jahr.

Ist ein Sparplan besser als eine Einmaleinlage?

Statistisch gewinnt die Einmaleinlage in 2/3 der Fälle. Psychologisch ist der Sparplan für die meisten besser — er eliminiert das Timing-Problem und sorgt dafür, dass du investiert bleibst.

Wie schützt arvy mich vor Panikverkäufen?

Durch Struktur: automatischer Sparplan (kein manueller Trade nötig), keine täglichen Kurs-Notifications, substanzielle Updates statt Panik-Trigger, und ein Portfolio aus Qualitätsunternehmen, die du verstehst und an die du glaubst.

Was soll ich tun, wenn der Markt crasht?

Nichts. Ernsthaft. Die Daten zeigen, dass "nichts tun" die statistisch beste Entscheidung ist. Dein Sparplan kauft automatisch günstiger nach. Die Erholung kommt — und sie kommt schnell. Wer 2020 investiert geblieben ist, hatte nach 5 Monaten alles zurück.



10 Tage. 0.2% aller Handelstage. Und sie machen den Unterschied.

Market Timing scheitert nicht an mangelnder Intelligenz. Es scheitert daran, dass die besten Tage mitten in der schlimmsten Angst kommen — genau dann, wenn du am wenigsten investieren willst. Die Lösung ist nicht, mutiger zu werden. Die Lösung ist, eine Struktur zu haben, die Mut überflüssig macht.

Dabei sein, wenn es zählt.

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Geschrieben von Thierry Borgeat und überprüft von Patrick Rissi, CFA und Florian Jauch, CFA. Die "10 Best Days"-Statistik basiert auf J.P. Morgan Asset Management, Guide to the Markets, S&P 500, 2004–2023. Die Behavior Gap von 1.5% stammt aus Morningstar "Mind the Gap" (seit 2014). Zuletzt aktualisiert April 2026.

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