Ein Weltaktienportfolio: warum zwei Bausteine besser sind als sieben

September 13, 2026 4 Minuten Lesezeit
arvy's Teaser: Vier bis sieben Bausteine wirken durchdacht: Nordamerika, Europa, Schwellenländer, vielleicht Small Caps, vielleicht ein Schweizer Anteil. Tatsächlich enthalten sie weitgehend dieselben Unternehmen wie eine einzige breite Weltanlage — nur verteilt auf mehr Zeilen, die jedes Jahr nachjustiert werden müssen. Und jedes Nachjustieren kostet Geld, das in keiner Gebührentabelle steht.

Ein Weltaktienportfolio: warum zwei Bausteine besser sind als sieben

Was Nachjustieren wirklich kostet — und warum mehr Positionen nicht mehr Streuung bedeuten.

Von Thierry Borgeat · Geprüft von Patrick Rissi, CFA und Florian Jauch, CFA · 7 Minuten Lesezeit

Die Kurzfassung
  • Mehr Positionen bedeuten nicht mehr Streuung. Die Einzelteile enthalten grösstenteils dieselben Unternehmen, nur anders verpackt.
  • Mehrere Positionen müssen nachjustiert werden. Dabei fallen Stempelabgabe, Handelsspanne und Währungswechsel an — bei jedem Kauf und jedem Verkauf.
  • Die Grössenordnung liegt bei 0.03% bis 0.05% pro Jahr. Über zehn Jahre gut hundert Franken für eine Tätigkeit, die keinen zusätzlichen Ertrag bringt.
  • Bei einer einzigen weltweit gestreuten Anlage entfällt dieser Block vollständig. Das Gleichgewicht entsteht innerhalb der Anlage, wo weder Schweizer Stempelabgabe noch Retail-Handelsspannen greifen.

01Warum sieben Positionen nicht besser sind als eine

Viele Angebote setzen ein Weltportfolio aus vier bis sieben Bausteinen zusammen. Das wirkt sorgfältig — mehr Positionen, mehr Durchdachtheit. Tatsächlich passiert zweierlei.

Erstens: Die Einzelteile enthalten weitgehend dieselben Unternehmen wie eine breite Weltanlage, nur in anderer Verpackung. Aus mehr Positionen wird dadurch nicht automatisch mehr Streuung — dieselbe Streuung wird lediglich auf mehr Zeilen verteilt.

Zweitens, und das ist der teure Teil: Sobald mehrere Positionen nebeneinander liegen, verschieben sich ihre Gewichte. Läuft Nordamerika gut und Europa schlecht, stimmt die Aufteilung nach einem Jahr nicht mehr. Also wird nachjustiert — verkaufen, kaufen, ausgleichen.

02Was Nachjustieren kostet — die Rechnung

Die Grössenordnung lässt sich herleiten. Angenommen, ein Portfolio aus mehreren Positionen schichtet jährlich rund 5% seines Volumens um, um die Zielgewichtung wiederherzustellen. Dabei wird verkauft und gekauft, alles fällt also doppelt an.

KostenartRechnungWirkung pro Jahr
Stempelabgabe2 × 5% × 0.15%0.015%
Handelsspanne2 × 5% × 0.05%0.005%
Währungswechsel2 × 5% × 0.10%0.01%
Summerund 0.03%

Bei einem höheren Umschichtungsvolumen von 8% steigt der Wert auf knapp 0.05%. Modellrechnung auf den genannten Annahmen; die tatsächlichen Kosten hängen von Anbieter, Anlagebetrag und Anlageverhalten ab.

Über zehn Jahre summiert sich das bei einem typischen Sparplan auf gut hundert Franken. Kein dramatischer Betrag — aber Geld, das ausschliesslich dafür aufgewendet wird, einen Zustand wiederherzustellen, der vorher schon bestand. Es entsteht kein zusätzlicher Ertrag, keine bessere Streuung, kein Vorteil. Es ist reine Reibung.

Der entscheidende Unterschied

Entscheidend ist nicht die Anzahl der Positionen, sondern ob zum Ausgleich verkauft werden muss. Wer wenige, breite Bausteine hält und sie über die laufenden Einzahlungen ausgleicht, zahlt diesen Block gar nicht: kein Verkauf, keine Stempelabgabe, keine Handelsspanne. Genau so machen wir es — mit zwei Bausteinen, ausgeglichen über die Einzahlungen. Innerhalb jedes Bausteins entsteht das Gleichgewicht zwischen Regionen und Branchen ohnehin im Fonds, auf einer Ebene, auf der weder die Schweizer Stempelabgabe noch Retail-Handelsspannen greifen.

03Die Kosten, die auf Einzahlungen wirken

Ein Punkt, der in Gebührenvergleichen fast immer untergeht: Manche Kosten wirken auf das Vermögen, andere auf jede einzelne Einzahlung. Dieser Unterschied entscheidet, wie stark ein Posten über die Jahre wirkt.

Auf das Vermögen wirken Verwaltungsgebühr und Produktkosten. Sie wachsen mit dem Portfolio mit und sind bei einem langlaufenden Sparplan der grösste Block.

Auf jede Einzahlung wirken Fremdwährungsaufschlag und Stempelabgabe. Bei einem Aufschlag von 0.50% und monatlich CHF 200 sind das rund CHF 12 pro Jahr — jedes Jahr erneut, unabhängig davon, wie gross das Portfolio schon ist. Für jemanden, der monatlich spart, ist das eine dauerhafte Belastung und kein einmaliger Posten.

Die vollständige Aufschlüsselung aller Kostenarten samt Anbietervergleich steht in ETF Sparplan Vergleich Schweiz.

04Wann mehrere Positionen trotzdem sinnvoll sind

Damit das Bild vollständig bleibt: Es gibt Gründe, bewusst mehrere Bausteine zu halten.

Wer den Schwellenländeranteil selbst steuern will, statt ihn der Indexgewichtung zu überlassen. Wer einen dosierten Schweiz-Anteil will, weil er seine Rechnungen in Franken bezahlt. Wer aus steuerlichen oder persönlichen Gründen eine bestimmte Region ausschliessen muss.

In all diesen Fällen ist die Aufteilung eine bewusste Entscheidung — und die Umschichtungskosten sind der Preis dafür. Nicht sinnvoll ist die Aufteilung, wenn sie nur entsteht, weil mehr Positionen nach mehr Sorgfalt aussehen.

05Häufige Fragen

Ist ein ETF genug für ein Weltportfolio?

Für die meisten ja. Ein breiter Weltindex enthält über tausend Unternehmen aus mehr als zwanzig Ländern. Zusätzliche Bausteine bringen nur dann mehr, wenn sie eine bewusste Abweichung abbilden — nicht wenn sie dieselben Unternehmen anders verpacken.

Was kostet Rebalancing wirklich?

Bei rund 5% jährlichem Umschichtungsvolumen etwa 0.03% pro Jahr, zusammengesetzt aus Stempelabgabe, Handelsspanne und Währungswechsel. Bei 8% Umschichtung knapp 0.05%. Über zehn Jahre sind das bei einem typischen Sparplan gut hundert Franken.

Wie hoch ist die Stempelabgabe?

Die eidgenössische Umsatzabgabe beträgt 0.15% auf ausländische und 0.075% auf Schweizer Titel. Sie fällt bei Kauf und Verkauf an und ist eine Steuer, keine Gebühr — vermeiden lässt sie sich nicht, reduzieren nur über weniger Transaktionen.

Warum ist der Währungsaufschlag bei Sparplänen besonders unangenehm?

Weil er auf jede Einzahlung wirkt und nicht auf das Vermögen. Er fällt damit jedes Jahr in voller Höhe an, unabhängig von der Portfoliogrösse. Die Spanne im Markt reicht von vollständig im Preis enthalten bis zu einem halben Prozent je Transaktion.

Ist der Anbieter mit der tiefsten Verwaltungsgebühr der günstigste?

Nicht zwingend. Wer wenig Verwaltung, aber teure Produkte einsetzt, landet am Ende höher. Verwaltungsgebühr und Produktkosten gehören immer zusammen betrachtet — einzeln sagt keine der beiden Zahlen etwas aus.

Wenige Bausteine. Nichts zu verkaufen.

Der arvy ETF Sparplan bildet den Weltaktienmarkt mit zwei Bausteinen ab und gleicht sie über die Einzahlungen aus — 0.39% Verwaltung plus 0.06% Produktkosten.

Dieser Beitrag wurde von Thierry Borgeat, Mitgründer von arvy, verfasst und von Patrick Rissi, CFA, und Florian Jauch, CFA, geprüft.

Disclaimer: arvy AG ist ein von der FINMA bewilligter Verwalter von Kollektivvermögen nach Art. 24 KAG. Dieser Beitrag dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Steuer- oder Rechtsberatung dar. Alle Beträge sind Richtwerte und hängen von Kanton, Gemeinde und persönlicher Situation ab. Die historische Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

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