Wie viel monatlich investieren? Szenarien


Die Frage «wie viel soll ich monatlich investieren» wird meistens mit einer Faustregel beantwortet: zehn Prozent des Einkommens, oder was am Monatsende übrig bleibt. Beides ist wenig hilfreich. Nützlicher ist, die Grössenordnungen zu kennen — und zu verstehen, welche Stellschraube wirklich zählt.
Alle Zahlen gerechnet mit 7% jährlicher Rendite, was ungefähr der langfristigen Erwartung breiter Aktienmärkte entspricht. Es handelt sich um Modellrechnungen, nicht um Prognosen — reale Verläufe sind unregelmässig.
| Monatlich | Nach 10 Jahren | Nach 20 Jahren | Nach 30 Jahren | Eingezahlt (30 J.) |
|---|---|---|---|---|
| CHF 100 | 17'308 | 52'093 | 121'997 | 36'000 |
| CHF 200 | 34'617 | 104'185 | 243'994 | 72'000 |
| CHF 300 | 51'925 | 156'278 | 365'991 | 108'000 |
| CHF 500 | 86'542 | 260'463 | 609'985 | 180'000 |
| CHF 1'000 | 173'085 | 520'927 | 1'219'971 | 360'000 |
Die interessante Spalte ist die letzte. Bei CHF 500 monatlich zahlst du über dreissig Jahre CHF 180'000 ein und endest bei rund CHF 610'000. Über CHF 430'000 — mehr als zwei Drittel des Ergebnisses — hast du nicht gespart, sondern ausgesessen.
Zwei Personen, dieselbe Rendite, unterschiedlicher Start.
Die zweite Person zahlt CHF 18'000 mehr ein und endet mit rund CHF 85'000 weniger. Der Unterschied sind fünfzehn Jahre, in denen im ersten Fall Erträge auf Erträge gearbeitet haben.
Die praktische Konsequenz: Wenn du zwischen «später mit mehr anfangen» und «jetzt mit wenig anfangen» schwankst, ist die Antwort fast immer: jetzt mit wenig. Den Betrag kannst du jederzeit erhöhen. Die verlorenen Jahre bekommst du nicht zurück.
Statt einer Prozentregel hilft eine Reihenfolge. Sie beantwortet nicht nur die Höhe, sondern auch, was vorher kommt.
Erstens: Notgroschen. Drei bis sechs Monatsausgaben auf einem jederzeit verfügbaren Konto. Ohne diesen Puffer wird der Sparplan zur Notreserve — und muss im ungünstigsten Moment aufgelöst werden.
Zweitens: teure Schulden. Ein Konsumkredit zu 6% zu tilgen ist eine garantierte Rendite von 6%. Kein Aktienmarkt bietet Garantien.
Drittens: Säule 3a. Der Steuerabzug wirkt wie eine sofortige Zusatzrendite im Jahr der Einzahlung. Wie sich das im Verhältnis zum freien Sparen verhält, steht in Sparplan oder Säule 3a.
Viertens: der Sparplan für alles, was danach noch übrig ist. Wie viel das ist, findest du am schnellsten über deine Sparquote heraus — der Sparquoten-Rechner zeigt dir den realistischen Spielraum.
Der wirksamste Hebel ist nicht die Anfangsrate, sondern ihre Entwicklung. Wer bei jeder Lohnerhöhung die Hälfte davon in den Sparplan gibt, hebt seine Sparquote über die Jahre deutlich an, ohne den Lebensstandard je zu senken.
Was das ausmacht: Bei CHF 6'000 Nettoeinkommen und 25 Jahren Laufzeit ergeben 10% Sparquote (CHF 600 monatlich) rund CHF 486'000. Bei 15% (CHF 900 monatlich) sind es rund CHF 729'000. Eine Sparquote von 15% statt 10% entspricht hier fast einer Viertelmillion.
Wenn Zeit die stärkste Variable ist, dann ist ein Depot für ein Neugeborenes der Extremfall. CHF 50 monatlich ab Geburt ergeben bei 7% bis zum 18. Geburtstag rund CHF 21'536 — bei einer Einzahlung von CHF 10'800.
Bleibt dasselbe Depot unangetastet bis zum vierzigsten Lebensjahr, wächst daraus ein Vielfaches, ohne dass ein weiterer Franken einbezahlt wird. Wie das in der Schweiz praktisch aufgesetzt wird — Depot auf wessen Namen, steuerliche Zurechnung, Übergabe bei Volljährigkeit — steht im Kinderkonto-Guide.
Als grobe Orientierung gelten 10 bis 20% des Nettoeinkommens, sobald Notgroschen und teure Schulden erledigt sind. Entscheidender als die Prozentzahl ist, dass der Betrag über Jahre durchhaltbar bleibt.
Ja, besonders wenn der Horizont lang ist. CHF 100 monatlich über 30 Jahre ergeben bei 7% rund CHF 122'000 bei Einzahlungen von CHF 36'000. Wichtig ist nur, dass keine fixen Gebühren pro Ausführung den kleinen Betrag auffressen.
Das ist einer der wirksamsten Hebel überhaupt. Wer einen Teil jeder Lohnerhöhung automatisch in den Sparplan lenkt, steigert die Sparquote spürbar, ohne den gewohnten Lebensstandard zu verändern.
Sparpläne lassen sich in der Regel jederzeit senken oder pausieren. Aus Anlagesicht ist ein reduzierter Betrag fast immer besser als eine vollständige Pause, weil der Rhythmus erhalten bleibt.
Setze den Sparplan auf den Betrag, den du auch im schwächsten Monat tragen kannst, und ergänze ihn in guten Monaten durch Einmalanlagen. Ein tiefer, stabiler Betrag plus gelegentliche Zuschüsse ist robuster als eine hohe Rate, die regelmässig ausgesetzt wird.
Das hängt vom Hypothekarzins, deinem Grenzsteuersatz und der indirekten Amortisation über die Säule 3a ab. Bei tiefen Hypothekarzinsen spricht viel für Investieren, weil Schuldzinsen abzugsfähig sind. Die Rechnung lohnt sich im Einzelfall mit einer Fachperson.
Als grobe Orientierung dient das 25-Fache der jährlichen Ausgaben, abgeleitet aus einer Entnahmequote von rund vier Prozent. In der Schweiz kommen AHV und Pensionskasse hinzu, was den benötigten Betrag verändert.
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Zum ETF Sparplan →Dieser Beitrag wurde von Thierry Borgeat, Mitgründer von arvy, verfasst und von Patrick Rissi, CFA, und Florian Jauch, CFA, geprüft.
Disclaimer: arvy AG ist ein von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA bewilligter Verwalter von Kollektivvermögen nach Art. 24 des Kollektivanlagengesetzes (KAG). Dieser Beitrag dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Steuer- oder Rechtsberatung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Die dargestellten Berechnungen sind Modellrechnungen auf Basis der genannten Annahmen und keine Prognose; sie unterstellen eine konstante Rendite und eine monatliche Verzinsung zum nominellen Jahreszins. Die historische Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Anlagen in Aktien unterliegen Kursschwankungen; Verluste bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals sind möglich. Steuerliche Auswirkungen sind kantonal und individuell unterschiedlich — kläre deine Situation mit einer Fachperson ab.